Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - General and Theoretical Directions

Wie gelangt Habermas von den Begriffen System und Lebenswelt zur Kolonialisierungsthese?

Title: Wie gelangt Habermas von den Begriffen System und Lebenswelt zur Kolonialisierungsthese?

Term Paper , 2012 , 21 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Anetta Woruschilina (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Wie kam es zu autoritären und faschistischen Regimen in vielen Teilen Europas nach der Weltwirtschaftskrise 1929, wo doch Marx prophezeite, dass sich die Proletarier nach einer weltweiten Krise des Kapitalismus erheben werden? Die Antwort auf diese Frage sollten die Vertreter der Kritischen Theorie liefern. Habermas der als wichtigster Vertreter der „jüngeren Generation“ der Kritischen Theorie gehandelt wird greift das zentrale Thema, die Verbindung von Theorie und Praxis auf, doch das Interessante und Neue an seinem gesellschaftskritischen Theoriegebilde ist, dass an die Stelle der Versöhnung zwischen dem menschlichen Denken und seiner Umwelt bei ihm die Verständigung und somit die Untersuchung der Sprache und Kommunikation zum zentralen Thema wird. „Da der Sprache selbst das Ziel der Verständigung innewohnt, sieht er die Maßstäbe der Vernunft im kommunikativen Handeln verankert“. Das Verhältnis von Theorie und Praxis möchte er nun in seiner gesellschaftskritischen “Theorie des kommunikativen Handelns“ klären, dabei knüpft er bewusst auch an Begriffe und Grundannahmen anderer Theoretiker wie Marx, Parsons, Weber, Durkheim und andere an, wobei er diese Theorien stets nach einem Beitrag zu seiner Theorie auswertet.. Ein weiteres Ziel ist die Verbindung von Handlungs- und Systemtheorie. Dies erreicht er auf Grund der Konzipierung der Gesellschaft als System und Lebenswelt, dabei wird die Lebenswelt zum vermittelnden Faktor zwischen Sprache und Gesellschaft.Im weiteren Verlauf seines Theoriekonzeptes gelangt Habermas zu der Schlussfolgerung, dass Verständigung in modernen Gesellschaften nicht immer reibungslos verlaufen kann und die Lebenswelt in ihrer Reproduktion erheblichen Störungen unterliegen kann. Die Frage mit der ich mich nun auseinander setze ist, wie Habermas von den Begriffskonstrukten System und Lebenswelt zur Kolonialisierungsthese gelangt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zweistufiges Modell der Gesellschaft: System und Lebenswelt

2.1 Konstruktion des Lebensweltbegriffes

2.2 Einführung der Systemkomponente

3 Entkopplung von System und Lebenswelt

3.1 Evolutionärer Entwicklungsprozess von Gesellschaften

4 Kolonialisierungsthese

5 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Konzept von Jürgen Habermas, insbesondere den Übergang von den Begriffen System und Lebenswelt zur Kolonialisierungsthese, um die Ursachen gesellschaftlicher Pathologien zu ergründen.

  • Das zweistufige Modell der Gesellschaft
  • Die Konstruktion und Bedeutung der Lebenswelt
  • Die Differenzierung von System und Lebenswelt
  • Der evolutionäre Entwicklungsprozess von Gesellschaften
  • Die Ursachen und Wirkungsweisen der Kolonialisierungsthese

Auszug aus dem Buch

2.1 Konstruktion des Lebensweltbegriffes

Um zu erklären woher die Wissens- und Deutungsreserven auf die die sozialen Akteure sich in kommunikativen Handlungssituationen beziehen stammen, benötigt Habermas einen komplementären Begriff zum kommunikativen Handeln. Dabei arbeitet er sich von dem phänomenologischen Lebensweltbegriff bei Schütz und Luckmann über einen kommunikationstheoretischen bei Mead, ergänzt durch Durkheims Begriff des Kollektivbewusstseins, zu einem Lebensweltgebilde das aus drei strukturellen Komponenten aufgebaut ist. Diese müssen um die Lebenswelt zu erhalten je eigene Reproduktionsprozesse leisten. Schütz und Luckmann arbeiten drei Charakteristika der Lebenswelt heraus die Habermas für sein Konzept übernimmt:

Die Lebenswelt ist dem erlebenden Subjekt selbstverständlich gegebener Hintergrund der nie bewusst ist und nur bedingt in den Problematisierungssog des kommunikativen Handelns hineingeraten kann. 2. Sie ist von Anfang an intersubjektiv; die Grundstruktur ihrer Wirklichkeit ist uns gemeinsam, d.h. alle teilen dieselbe Lebenswelt miteinander. Sie kann nicht fraglich oder komplett thematisiert werden, sondern höchstens zerfallen. 3. Die Lebenswelt bildet den Rahmen in der sich Situationshorizonte bewegen. Ihre Grenzen sind nicht überschreitbar und sie beinhaltet einen im Grunde unerschöpflichen Kontext (vgl. Habermas, Bd.2:198-202, Treibel:167, Stark, Lahusen:139-140). Sie ist eine Ansammlung von Ressourcen, die herangezogen werden um eine bereits bekannte Situationsdefinition anzuwenden oder eben eine neue auszuhandeln (vgl. Bd.2:202) und bildet somit eine Grundlage für das kommunikative Handeln und für die Verständigung zwischen den Handelnden. Wir können Sie uns „durch einen kulturell überlieferten und sprachlich organisierten Vorrat an Deutungsmustern repräsentiert denken“ (Bd.2:189). Wenn Handelnde nun eine gemeinsamen Situationsdefinition aushandeln um gemeinsame Handlungsziele zu erreichen, orientieren sie sich nicht nur an den Deutungsreserven der Lebenswelt, sondern auch an den situationelle Faktoren, wie Normen, Erlebnisse oder Empfindungen, welche ebenso Handlungsalternativen einschränken (vgl. Stark, Lahusen:142).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Entstehung autoritärer Regime in den Kontext der Kritischen Theorie und führt in Habermas' Zielsetzung ein, Theorie und Praxis durch das Modell von System und Lebenswelt zu verknüpfen.

2 Zweistufiges Modell der Gesellschaft: System und Lebenswelt: Das Kapitel erläutert, wie Habermas durch die Kombination von Lebensweltbegriff und Systemkomponente die Verständigung als zentrales Element sozialer Ordnung begreift.

2.1 Konstruktion des Lebensweltbegriffes: Hier wird detailliert dargestellt, wie Habermas den Lebensweltbegriff durch phänomenologische und kommunikationstheoretische Ansätze in eine dreidimensionale Struktur aus Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit überführt.

2.2 Einführung der Systemkomponente: Dieses Kapitel thematisiert den materialistischen Zugang, der notwendig ist, um Störungen der symbolischen Reproduktion durch die Einführung von Systemen und Steuerungsmedien wie Geld und Macht zu erklären.

3 Entkopplung von System und Lebenswelt: Die Entkopplung wird als evolutionärer Differenzierungsvorgang beschrieben, bei dem sich Systeme aus der Lebenswelt ausgliedern, um die Handlungskoordinierung bei steigender Komplexität zu entlasten.

3.1 Evolutionärer Entwicklungsprozess von Gesellschaften: Dieses Kapitel analysiert vier Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung von egalitären Stammesgesellschaften bis zu ökonomisch konstituierten Klassengesellschaften und deren jeweilige Differenzierungsmechanismen.

4 Kolonialisierungsthese: Die Kolonialisierungsthese wird als kritische Analyse der Pathologien diskutiert, die entstehen, wenn ökonomische und administrative Rationalität in Bereiche eindringen, die eigentlich auf Verständigung angewiesen sind.

5 Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung von der Handlungs- zur Systemtheorie zusammen und reflektiert die bedrohlichen Aspekte der verselbstständigten Systeme sowie die Offenheit künftiger Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Habermas, Lebenswelt, System, Kommunikatives Handeln, Kolonialisierungsthese, Systemdifferenzierung, Steuerungsmedien, Symbolische Reproduktion, Materielle Reproduktion, Verdinglichung, Rationalisierung, Sozialintegration, Gesellschaftstheorie, Kritische Theorie, Moderne

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Habermas' Theoriekonzept, um nachzuvollziehen, wie er von der Unterscheidung zwischen System und Lebenswelt zur sogenannten Kolonialisierungsthese gelangt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Begriffe der Lebenswelt und des Systems, deren Entkopplung im Laufe der gesellschaftlichen Evolution sowie die daraus resultierenden Krisenerscheinungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Autorin untersucht konkret, wie Habermas die begrifflichen Konstrukte System und Lebenswelt nutzt, um eine theoretische Erklärung für die "Kolonialisierung der Lebenswelt" zu liefern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis soziologischer Fachliteratur, insbesondere unter Rückgriff auf Habermas' Werk "Theorie des kommunikativen Handelns".

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Konstruktion des Lebensweltbegriffs, die Einführung der Systemkomponente, den evolutionären Differenzierungsprozess und die abschließende Darstellung der Kolonialisierungsthese.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Habermas, Lebenswelt, System, Kolonialisierungsthese, Steuerungsmedien und kommunikatives Handeln.

Was versteht Habermas unter der "Lebenswelt"?

Die Lebenswelt fungiert als Hintergrund für kommunikative Handlungen und besteht aus den drei strukturellen Komponenten Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit.

Warum kommt es laut Habermas zur "Kolonialisierung"?

Kolonialisierung entsteht, wenn Systemmechanismen (Geld und Macht) in Lebensbereiche eindringen, die eigentlich auf sprachlicher Verständigung und sozialer Integration basieren, wodurch es zu Krisen kommt.

Welche Rolle spielt die Evolution in der Theorie?

Evolution wird als Differenzierungsprozess verstanden, durch den sich moderne Gesellschaften immer komplexer organisieren und Systeme von der Lebenswelt entkoppeln, um effizientere Koordination zu ermöglichen.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Habermas von der Webers?

Anders als Max Weber sieht Habermas die Rationalisierung nicht zwingend als rein negativen Prozess, sondern analysiert sie differenzierter als einen Prozess, der erst durch das Eindringen in lebensweltliche Bereiche pathologisch wird.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Wie gelangt Habermas von den Begriffen System und Lebenswelt zur Kolonialisierungsthese?
College
Technical University of Chemnitz  (Institut für Soziologie)
Course
Neuere Theorien
Grade
2,3
Author
Anetta Woruschilina (Author)
Publication Year
2012
Pages
21
Catalog Number
V298914
ISBN (eBook)
9783656953036
ISBN (Book)
9783656953043
Language
German
Tags
Habermas Kolonialisierung Lebenswelt System
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anetta Woruschilina (Author), 2012, Wie gelangt Habermas von den Begriffen System und Lebenswelt zur Kolonialisierungsthese?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298914
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint