Die Deutsche Bundesbank. Organisation, Aufgaben und Bedeutung


Seminararbeit, 2012

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Entstehung der Bundesbank
1.2 Organisation und Aufbau der Bundesbank

2. Aufgaben der deutschen Bundesbank
2.1 Historische Aufgaben der Bundesbank vor der Währungsunion
2.2 Aufgabenverschiebung nach der Währungsunion
2.3 Geld- und Währungspolitische Instrumente der Bundesbank

3. Wandel der deutschen Bundesbank im Zuge der Währungsunion und der Europäischen Zentralbank
3.1 Die Rolle der deutschen Bundesbank innerhalb der Europäischen Zentralbank
3.2 Nationale Bedeutung der deutschen Bundesbank
3.3 Euro dank der Bundesbank doch kein „Teuro“?

4. Schluss
4.1 Zusammenfassung und Einschätzung der deutschen Bundesbank
4.2. Zukunftsausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Entstehung der Bundesbank

„Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank“1

Als am 1. Januar 1876 die Reichsbank als erste deutsche Zentralnotenbank ihre Geschäfte aufgenommen hatte, glaubte wohl noch niemand daran, dass diese Gründung zu einer solch großen Erfolgsgeschichte werden würde.

Die Reichsbank machte sich daran, die 119 Sorten Gold-. Silber- und Scheidemünzen2 zu einem einheitlichen Geldwesen zu transformieren.

Die Reichsbank meisterte Ihre Aufgabe vorzüglich, denn bereits ab 1876 galt nun die eingeführte D-Mark im gesamten Kaiserreich.

Um das willkürliche Drucken von Geldnoten zu unterbinden, zumindest jedoch einzudämmen, wurde zum Schutz der neu aufstrebenden Währung am 14. März 1875 das Bankgesetz vom Reichstag verabschiedet.3

Dieses Gesetz machte es den verbleibenden 32 deutschen Privatnotenbanken nahezu unmöglich in ihrem bisherigen Kerngeschäftsfeld weiter zu bestehen, und so gaben beinahe alle ihr Notengeschäft auf, was die Reichsbank praktisch zur Zentralnotenbank machte.

Hier soll jedoch nicht weiter auf die Zeit vor 1945 eingegangen werden, daher soll noch angefügt werden, dass im Gegensatz zu heutigen Grundsätzen, die Reichsbank zu dieser Zeit keineswegs frei und unabhängig war, sondern im Gegenteil politisch abhängig und unterstand in ihren Weisungen direkt dem Reichskanzler. Somit führte das ihm untergeordnete Direktorium direkt die Geschäfte der Bank.4 Dies stellt einen extrem wichtigen Unterschied zu dem heutigen Verständnis der deutschen Bundesbank dar, auf welches dann in späteren Kapiteln noch näher eingegangen wird.

Die Reichsbank wurde 1945 nach Kriegsende faktisch aufgelöst, und man sah sich nun einem gigantischen Geldüberhang gegenübergestellt, welcher durch die Kriegsbedingte Geldbeschaffung Ausmaße annahm, die ohne drastische Veränderung bzw. Reformen, nicht mehr zu revidieren gewesen wäre.

Um dem Problem Herr zu werden, war früh klar, dass die bisherigen Reichsbankstrukturen abgelöst, und neue Institutionen geschaffen werden mussten. Am 1. März 1948 wurde in den Besatzungszonen der USA und Großbritanniens die Bank deutscher Länder gegründet (kurz BdL).5

Im Juni 1948 schloss sich auch die französische Besatzungszone der BdL an.

Durch die Einführung der D-Mark am 20. Juni 1948 wurde der riesige Geldüberhang zwar negiert, jedoch zu einem hohen Preis für die Bevölkerung. Durch das hohe Umtauschverhältnis von 100 Reichsmark zu 6,50 D-Mark verschwanden 93,5% des alten Reichsmarksvolumen und somit auch ein Großteil der Ersparnisse.6

Die Einführung der D-Mark als eine stabile Währung, war jedoch nicht nur mit großen Einbußen verbunden, sondern ermöglichte erstmals nach dem Krieg wieder die Einschätzbarkeit und Vorhersehbarkeit von Preisen. Die Einführung der D-Mark war wie eine Initialzündung für die hinkende deutsche (Konsum-) Wirtschaft, da nun die gehorteten Waren auf den Markt drangen, und bedingt durch den Nachholbedarf im Konsum, wenig gespart wurde. Der enorme Konsumgrad der Bevölkerung brachte den Firmen solch große Gewinne, welche sie wiederum in die Produktion investierten, um mit neuen Maschinen und Technologien relativ schnell an den Vorkriegsstand der Produktion herankamen.7

Man hatte nun also ein funktionierendes 2 stufiges Bankensystem, welches in Landeszentralbanken und Bank deutscher Länder gegliedert war. Die Aufgaben innerhalb dieses Systems waren klar verteilt.

Die Landeszentralbanken sollten als direkter Partner der Geschäftsbanken dienen und sollten auch in erster Linie „BANK“ sein. Die Bank deutscher Länder hingegen, nahm die Position des Banknotenmonopols ein, und fungierte als richtungsweisend für Geldpolitische Entscheidungen und den Grundkurs.

Um einer erneuten Überschuldung vorzubeugen, wurde das System der USA übernommen, dass unverzinsliche Mindestreserven gehalten werden mussten. So mussten die Geschäftsbanken bei den Landeszentralbanken, diese wiederum bei der BdL gewisse Mindestreserven deponieren, um so letztlich den Kreditvergabespielraum der Banken zu beeinflussen.8

Erste Anflüge von bedingungsloser Selbstständigkeit hatte die BdL im Jahr 1951 als die Besatzungsmächte den Besatzungsstatus gelockert haben.

Sobald ein Gesetz geschaffen wurde, welches die Zuständigkeit regelt, wollte der Alliiertenrat die Bankenkommission die Weisungsberechtigung hatte abschaffen.

Erst am 26.07.1957 kam es zum Gesetz über die deutsche Bundesbank, dies obwohl bereits 8 Jahre ein Regierungsauftrag vorlag mit Inkrafttreten des Grundgesetzes. Dieses sah nämlich eine Schaffung einer Währungs- und Notenbank als Bundesbank vor.

Es wurde hiermit eine unabhängige Organisation geschaffen, und wieder zentralisiert, da die Landeszentralbanken nunmehr nicht mehr eigenständige juristische Personen waren.

Die Führung der Bundesbank setzte sich aus den jeweiligen Landeszentralbankdirektorien zusammen.

1.2 Organisation und Aufbau der Bundesbank

Da sich die deutsche Bundesbank klassischerweise als unabhängige Institution ansah, die keinen politischen Weisungen untergeben war, musste eine entsprechend breite Entscheidungsbasis vorhanden sein.

Die deutsche Bundesbank verfügte über zwei Hauptorgane:

1. Das Direktorium ( bestehend aus dem Präsident der deutschen Bundesbank, dem Vizepräsident, und bis zu sechs weiteren Mitgliedern, die alle von der Bundesregierung vorgeschlagen und nach Anhörung durch den Zentralbankrat vom Bundespräsidenten ernannt wurden )9
2. Der Zentralbankrat, welcher sich aus allen Mitglieder des Direktoriums und den Präsidenten der einzelnen Landeszentralbanken zusammensetzt. Die Präsidenten der Landeszentralbanken wurden vom Bundesrat vorgeschlagen.10

An diesem Aufbau der zentralen Organe erkennt man sehr gut den föderativen Grundgedanken. Man hat ein oberstes Gremium geschaffen, welches durch demokratische Legitimierte Vertreter vorgeschlagen und benannt wird, hat aber außerdem die einzelnen Bezüge zu den Ländern durch den Einfluss des Bundesrates.

Diese Organisations- und Entscheidungsstruktur, stellte sich jedoch nach der Währungsunion und den Verträgen zur EZB als zu träge dar.

Deshalb wurde 2002 mit dem Siebenten Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank entschieden, dass es zukünftig nur noch einen Vorstand geben soll, also eine Entscheiderebene, um somit die Entscheidungsfähigkeit und auch die Entscheidungsschnelligkeit zu verbessern und dies den anderen europäischen Zentralbanken anzupassen.

Der neue Vorstand der Bundesbank soll sich damit aus einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten sowie vier weiteren Vorstandsmitgliedern zusammensetzen. 11

Um trotzdem weiterhin dem föderalen Gedanken treu zu bleiben wird der Präsident, der Vizepräsident sowie ein weiteres Mitglied auf Vorschlag der Bundesregierung ernannt, hingegen die anderen 3 Vorstandsmitglieder auf Vorschlag des Bundesrates (allerdings im Einvernehmen mit der Bundesregierung).

Dies erscheint jedoch auch nur auf den ersten Blick noch den föderalen Gedanken voll unterzubringen, da in der Tat die Handlungsfähigkeit der Länder stark abgenommen hat, da die Landeszentralbanken umtransformiert wurden zu „Hauptverwaltungen der Bundesbank“.12

Da die ehemaligen Landeszentralbanken somit keine eigenständigen Banken mehr sind, wurde auch das ‚Mitspracherecht’ gänzlich aufgehoben. Die Landeszentralbanken werden seither von einem Präsidenten geleitet, der jedoch dem Vorstand der Bundesbank direkt unterstellt ist. Somit ist der Flexibilität der Entscheidungen, der föderale Gedanke zum Opfer gefallen.

2. Aufgaben der deutschen Bundesbank

2.1 Historische Aufgaben der Bundesbank vor der Währungsunion

Da die Bundesbank keinen politischen Weisungen unterliegt, gab es seit jeher Spannung zwischen einzelnen Lobbys oder auch der Bundesregierung. Gerade was die Verschuldung des Staates für kurzfristige Ausgleichszahlungen anging, schob die Bundesbank desöfteren einen Riegel dazwischen.

Die Kernaufgaben der Bundesbank, nämlich die Sicherung der Währung wurden im §3 Des Bundesbankgesetzes festgeschrieben:

„Die deutsche Bundesbank regelt mit Hilfe der währungspolitischen Befugnisse, die ihr nach diesem Gesetz zustehen, den Geldumlauf und die Kreditversorgung der Wirtschaft mit dem Ziel, die Währung zu sichern, und sorgt für die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland.“13

[...]


1 EU-Ratspräsident Jaques Delors, 1992

2 vgl. Deutsche Bundesbank: Die deutsche Bundesbank. Aufgabenfelder, Rechtlicher Rahmen, Geschichte. Frankfurt 2006, Seite 14

3 vgl. ebd.

4 Vgl. ebd. Seite 15

5 vgl. ebd. Seite 24

6 vgl. ebd.

7 Vgl. O. Pfleiderer: Währungsreform in Westdeutschland (1948). In: Enzyklopisches Lexikon für das Geld-, Bank- und Börsenwesen, Bd2, Frankfurt am Main, 1957, S. 1645

8 vgl. vgl. Deutsche Bundesbank: Die deutsche Bundesbank. Aufgabenfelder, Rechtlicher Rahmen, Geschichte. Frankfurt 2006, Seite 25

9 vgl. Galahn 1996 Seite. 178f

10 vgl. Galahn 1996, Seite 179f

11 vgl. http://www.bundesbank.de/aufgaben/aufgaben_organisation.php

12 vgl. ebd.

13 Vgl. Deutsche Bundesbank: Die Geldpolitik der Bundesbank. Frankfurt 1995, Seite 23

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Deutsche Bundesbank. Organisation, Aufgaben und Bedeutung
Hochschule
Hochschule für Politik München
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V298936
ISBN (eBook)
9783656955498
ISBN (Buch)
9783656955504
Dateigröße
906 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bundesbank, Bundeszentralbank, EZB
Arbeit zitieren
Patrick Schmitt (Autor), 2012, Die Deutsche Bundesbank. Organisation, Aufgaben und Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298936

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