Das Deutsche Reich stürzte Europa und später die ganze Welt Mitte des 20. Jahrhunderts in eine tiefe Krise. Nach dem zweiten Weltkrieg entstand ein Zustand von Unsicherheit und Misstrauen.
Bei den zaghaften Versuchen in Deutschland zumindest ein gewisses Maß an Normalität herzustellen, kamen jedoch immer wieder Einsprüche und Blockaden durch die Siegermächte.
Allen voran Frankreich, das bedingt durch den gekränkten Stolz, sowie der Erbfeindschaft um jeden Preis eine Wiederbewaffnung bzw. sogar Souveränität einhergehend mit einer Partnerschaft auf Militärbasis verhindern wollten.
Umso erstaunlicher mutet es an, dass es bereits ca. 4 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs erst Stimmen gab, die sich für eine westdeutsche Wiederbewaffnung aussprachen. Dies sollte jedoch in einem engen Rahmen und unter Alliierter Kontrolle geschehen.
Um zu verstehen, wieso es zu solchen Überlegungen kam, muss man zunächst die Ausgangskonstellation, sowie einige schwerwiegende politische Veränderungen berücksichtigen, auf welche im nächsten Kapitel eingegangen werden soll, um eine Basis zu schaffen.
Es kann zweifelsohne festgehalten werden, dass zu diesem frühen Zeitpunkt europäischer Integration, und unter den Wirrungen des zweiten Weltkrieges, die Idee einer gesamteuropäischen Gemeinschaftsarmee befremdlich wirken kann, und sich die Umsetzung bereits in ihren Anfangszügen als sehr schwer herausstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorgeschichte der EVG
1.2 Bedeutende Abkommen und Ereignisse rund um die EVG
2. Prozess zur Bildung einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft
2.1 Bedeutung des Pleven-Plan
2.2. Deutschlands anstehende Wiederbewaffnung
3. Aufbau und Organisation der Verteidigungsgemeinschaft
3.1 Entscheidungsträger und Kompetenzen
3.2 Die EVG neben der NATO
4. Warum die EVG scheiterte bevor sie richtig begonnen hat
4.1 Politische Hintergründe
4.2 Die Angst Frankreichs vor einem wiederbewaffneten Deutschland
4.3 „Kuhhandel“ zwischen Frankreich und der Sowjetunion
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den historischen Prozess und das Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) im Kontext der frühen europäischen Integration und der beginnenden Systemkonfrontation des Kalten Krieges. Dabei wird untersucht, wie sicherheitspolitische Notwendigkeiten und nationale Interessen Frankreichs und Deutschlands aufeinanderprallten und letztlich zur Ablehnung des Projekts führten.
- Die sicherheitspolitische Ausgangslage und die Rolle der USA im Kontext des Koreakriegs
- Die Entwicklung des Pleven-Plans als Instrument französischer Interessen
- Die organisatorische Struktur und Gewaltenteilung der EVG
- Das Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und supranationaler Verteidigung
- Die geopolitische Verknüpfung der EVG-Ablehnung mit dem Konflikt in Indochina
Auszug aus dem Buch
4.3 „Kuhhandel“ zwischen Frankreich und der Sowjetunion
Frankreich versuchte direkt nach dem 2. Weltkrieg seine Kolonie Indochina ( welche sie 1941 an Japan kampflos verloren haben ) wiederzuerringen.
Dort haben sich in der Zwischenzeit jedoch Rebellenorganisationen unter dem kommunistischen Führer Ho chi mingh formiert, welche sich den Französischen Truppen entgegenstellte.
Die Franzosen haben aber die Kampfkraft der Viet Minh unterschätzt (die zwischenzeitlich mit enormen Lieferungen durch das kommunistische China unterstützt wurden) , so dass die französischen Truppen bis 1953 fast vollständig aus dem nördlichen Vietnam vertrieben wurden., und das obwohl die Franzosen seit 1950 mit beträchtlichen Mitteln durch die USA im Zuge der antikommunistischen Politik unterstützt wurden.
Am 26. April 1954 tagte die Indochina-Konferenz in Genf. An der Konferenz nahmen die beiden Kriegsparteien Frankreich und die Demokratische Republik Vietnam, sowie die USA, China, Großbritannien, die Sowjetunion, Vietnam, Laos und Kambodscha teil.
Man geht davon aus das es Gespräche gab zwischen dem sowjetischen Außenminister Molotow, und dem französischen Mendes.
Zumindest geht man von gegenseitigen Perzeptionen aus, dass die Sowjets sich nur für einen Frieden in Indochina aussprechen, sollte im Gegenzug die EVG Ratifizierung geblockt werden.
Da Frankreich auch mit der Kriegsmüdigkeit zu kämpfen hatte, und auch die finanzielle Belastung ein absolutes Limit erreicht hat, und die europäische Situation durch die Entspannungspolitik sicherer war, erscheint es nur logisch die ungeliebte Kuh „EVG“ für einen Frieden im fernen Osten zu opfern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel erläutert die schwierige Ausgangslage der deutschen Wiederbewaffnung nach dem Zweiten Weltkrieg und das wachsende Bedürfnis nach europäischer Integration zur Sicherung des Friedens.
2. Prozess zur Bildung einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft: Hier wird der Einfluss des Koreakriegs auf die strategische Planung und die Entstehung des Pleven-Plans als Antwort auf die Forderung nach einer militärischen Rolle Deutschlands beleuchtet.
3. Aufbau und Organisation der Verteidigungsgemeinschaft: Dieses Kapitel detailliert die geplante Struktur der EVG mit ihren vier Organen Kommissariat, Minister-Rat, Versammlung und Gerichtshof sowie deren Verhältnis zur NATO.
4. Warum die EVG scheiterte bevor sie richtig begonnen hat: Es werden die politischen Widerstände, die französische Sorge vor einem erstarkenden Deutschland und der diplomatische Kuhhandel zur Beilegung des Indochina-Konflikts als Hauptgründe für das Scheitern angeführt.
5. Schluss: Das Kapitel fasst zusammen, dass die EVG zwar nie realisiert wurde, die diplomatischen Bemühungen jedoch für die europäische Einigung in der damaligen Zeit richtungsweisend waren.
Schlüsselwörter
Europäische Verteidigungsgemeinschaft, EVG, Pleven-Plan, Wiederbewaffnung, Kalter Krieg, Frankreich, Deutschland, NATO, Europäische Integration, Indochina-Konferenz, Souveränität, Montanunion, Verteidigungspolitik, Systemkonfrontation, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, dem geplanten Aufbau und dem letztendlichen Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in den frühen 1950er Jahren.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die sicherheitspolitischen Strategien nach dem Zweiten Weltkrieg, das deutsch-französische Verhältnis, die Rolle der USA als Schutzmacht und die Entwicklung supranationaler Strukturen im Verteidigungssektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die komplexen Ursachen für das Scheitern des EVG-Projekts aufzuzeigen, insbesondere die Spannung zwischen dem Wunsch nach Integration und den nationalen Vorbehalten Frankreichs.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Abkommen, Regierungserklärungen und den politischen Kontext der Epoche, um die diplomatischen Prozesse und Entscheidungsmuster dieser Zeit nachzuvollziehen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die Genese des Pleven-Plans, die organisatorische Struktur der EVG, ihr Verhältnis zur NATO sowie die spezifischen politischen Gründe, die zur Verweigerung der Ratifizierung in Frankreich führten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Wichtige Begriffe sind EVG, Wiederbewaffnung, Pleven-Plan, europäische Integration, Kalter Krieg, Indochina-Konferenz und deutsch-französische Erbfeindschaft.
Welche Rolle spielte der Koreakrieg für die Gründungsidee der EVG?
Der Koreakrieg agierte als Katalysator, da er die Verwundbarkeit Westeuropas verdeutlichte und den Druck der USA erhöhte, eine europäische Verteidigungsfähigkeit unter Einbeziehung deutscher Truppen zu schaffen.
Warum war der sogenannte „Kuhhandel“ entscheidend für das EVG-Aus?
Frankreich sah sich gezwungen, das für sie ungeliebte EVG-Projekt zugunsten einer Friedenslösung in ihrer Kolonie Indochina zu opfern, um das Ende der verlustreichen militärischen Anstrengungen dort zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Patrick Schmitt (Autor:in), 2012, Eine europäische Armee? Das Scheitern der EVG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298938