Nach der Berichterstattung in den Medien kann der Eindruck entstehen, dass das Transatlantische Freihandelsabkommen, das seit Mitte 2013 unter dem Begriff TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) verhandelt wird, ausschließlich wirtschaftliche Interessen bedient und der Verbraucher eine Reihe negativer Konsequenzen zu befürchten hat. Sind tatsächlich ein Verlust staatlicher Souveränität und eine Überschwemmung der europäischen Märkte mit nicht gewünschten US-Produkten zu befürchten? Oder überwiegen doch die von den Befürwortern des Abkommens angeführten positiven Effekte? Diese Arbeit versucht eine Antwort auf diese beiden Fragen zu geben. Dabei werden aktuelle Studienergebnisse ebenso in die Untersuchung einbezogen wie Standpunkte verschiedener Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Anmerkung zur Komplexität von TTIP
1.2Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
2 Die Geschichte des Freihandels
2.1 Vom Merkantilismus zum GATT
2.2 Vom GATT zur WTO
2.3 Die WTO am Scheideweg
3 Theoretische Grundlagen zur Beurteilung von TTIP
3.1 Formen und Auswirkungen ökonomischer Integration
3.2 Partialanalyse
3.3 Allgemeine Gleichgewichtsmodelle
3.4 Das Gravitationsmodell
4 Das Transatlantische Freihandelsabkommen
4.1 Der transatlantische Markt
4.1.1 Bedeutung in der Weltwirtschaft
4.1.2 Europäisch amerikanische Wirtschaftsbeziehungen
4.2 Gegenstand der Verhandlungen
4.2.1 Zollsenkungen
4.2.2 NTB-Abbau
4.2.3 Investorenrechte
4.3 Erwartete gesamtwirtschaftliche Effekte
4.3.1 Methodik und Ergebnisse ausgewählter Studien
4.3.2 Kritik an den Einschätzungen
4.4 Standpunkte zu TTIP aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
4.4.1 Akteure der Zivilgesellschaft
4.4.2 Die Bundestagsparteien
4.4.3 Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften
5 Abwägung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterthesis untersucht die potenziellen ökonomischen Auswirkungen des transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP). Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die von Befürwortern angeführten positiven ökonomischen Effekte die seitens der Zivilgesellschaft befürchteten negativen Konsequenzen – wie den Verlust staatlicher Souveränität oder die Absenkung von Sozial- und Umweltstandards – überwiegen.
- Analyse der ökonomischen Integrationstheorie und der Geschichte des Freihandels.
- Untersuchung der Struktur des transatlantischen Marktes und der Verhandlungsgegenstände wie Zollsenkungen und NTBs.
- Kritische Würdigung aktueller CGE-Modelle und Gravitationsmodelle zur Prognose von Wohlfahrtseffekten.
- Darstellung der unterschiedlichen Positionen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4.2.2 NTB-Abbau
Neben den in Abschnitt 3.2 genannten Importquoten und Exportsubventionen gibt es ein weites Spektrum an NTBs. Dazu zählen preisbezogene Maßnahmen (z.B. Exportsubventionen oder Ausfuhrsteuern), mengenbezogene Maßnahmen (z.B. Import- und Exportkontingente, freiwillige Exportbeschränkungen) und Handelshemmnisse, die aufgrund administrativer Regelungen auftreten. Außerdem werden auch Folgen unvollkommenen Wettbewerbs (Internationale Kartelle) sowie spezielle Formen von Dumping zu den nicht-tarifären Handelshemmnissen gezählt (vgl. Blank et al. 1998: 7). In den meisten Fällen haben NTBs einen legitimierten Hintergrund, etwa um die Sicherheit von Konsumenten zu gewährleisten oder die Umweltbelastung gering zu halten. Andere NTBs wie Technische Normen oder gemeinsame Rechnungslegungsstandards sind dagegen weniger ideologisch aufgeladen und können im Prozess der ökonomischen Integration angeglichen, gegenseitig anerkannt oder ganz neu gestaltet werden (vgl. Fontagne et al. 2013, S. 2).
Aus diesen NTBs und anderen Faktoren wie etwa Transportkosten oder Zölle, erwachsen Unternehmen, die am internationalen Handel beteiligt sind, sogenannte Handelskosten, die nach Anderson und van Wincoop folgendermaßen definiert sind:
“Trade costs, broadly defined, include all costs incurred in getting a good to a final user other than the marginal cost of producing the good itself: transportation costs (both freight costs and time costs), policy barriers (tariffs and nontariff barriers), information costs, contract enforcement costs, costs associated with the use of different currencies, legal and regulatory costs, and local distribution costs (wholesale and retail)” (Anderson und van Wincoop 2004: 691).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität von TTIP ein, skizziert die methodischen Herausforderungen bei der ökonomischen Bewertung und beschreibt den Aufbau der Arbeit.
2 Die Geschichte des Freihandels: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Welthandelssystems vom Merkantilismus über das GATT bis zur Gründung der WTO.
3 Theoretische Grundlagen zur Beurteilung von TTIP: Hier werden die Formen ökonomischer Integration sowie die theoretischen Modelle (Partialanalyse, CGE-Modelle, Gravitationsmodell) zur Messung von Handelseffekten dargelegt.
4 Das Transatlantische Freihandelsabkommen: Dieses Hauptkapitel analysiert den transatlantischen Markt, die Verhandlungsgegenstände, die Ergebnisse verschiedener Studien zu den wirtschaftlichen Effekten sowie die kontroversen Standpunkte relevanter gesellschaftlicher Akteure.
5 Abwägung und Ausblick: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf den Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichen Wachstumsimpulsen und öffentlichen politischen Zielen sowie die Bedeutung von Standardangleichungen.
Schlüsselwörter
TTIP, Freihandelsabkommen, Welthandel, Ökonomische Integration, CGE-Modell, Gravitationsmodell, NTB-Abbau, Handelskosten, Investorenrechte, ISDS, Außenhandelspolitik, Zollsenkungen, WTO, Wohlfahrtseffekte, Wirtschaftsverbände.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht die potenziellen ökonomischen Auswirkungen, die ein Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA auf die beteiligten Volkswirtschaften haben könnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der ökonomischen Integration, der Analyse von Handelskosten durch nicht-tarifäre Handelsbarrieren (NTBs), der Bewertung ökonomischer Simulationsstudien sowie der gesellschaftspolitischen Debatte um Standards und Investorenschutz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein umfassendes Bild über die Inhalte und Standpunkte zu TTIP zu vermitteln und die methodische Bestimmung ökonomischer Effekte kritisch zu hinterfragen, anstatt das Abkommen einseitig wirtschaftsethisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse und kritische Auseinandersetzung mit existierenden ökonomischen Modellen, insbesondere Computable General Equilibrium (CGE) Modellen und Gravitationsmodellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Bedeutung des transatlantischen Marktes, den Verhandlungsgegenständen (Zölle, NTBs, Investorenrechte), der kritischen Diskussion aktueller Prognosestudien sowie den Positionen von Politik, Zivilgesellschaft und Verbänden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie TTIP, ökonomische Integration, CGE-Modelle, Handelskosten, NTB-Abbau und Investorenschutz definieren.
Warum sind die Investorenrechte (ISDS) so umstritten?
Investorenrechte (ISDS) werden kritisiert, da sie Unternehmen ermöglichen könnten, Staaten außerhalb nationaler Rechtswege auf Entschädigungen zu verklagen, was als Gefahr für die staatliche Souveränität und regulatorische Freiheit wahrgenommen wird.
Wie bewertet der Autor die Genauigkeit der vorliegenden Prognosestudien?
Der Autor äußert Skepsis gegenüber den Studien, da diese oft auf stark abstrahierenden Annahmen (z.B. Vollbeschäftigung) basieren und die makroökonomischen Anpassungskosten bei einer Marktöffnung tendenziell vernachlässigen.
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- Lars Brümmer (Author), 2014, Potentielle ökonomische Effekte eines transatlantischen Freihandelsabkommens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298939