Wie sollte die Crowd gesteuert werden? Geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen für Crowdsourcing


Masterarbeit, 2015

83 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungslücke und Zielsetzung
1.2 Methodischer Aufbau

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Crowdsourcing Ausprägungsformen
2.3 Crowdsourcing Prozess
2.4 Kategorisierung Crowdsourcing Plattformen

3 Steuerungs- und Kontrollmechanismen
3.1 Begriffsdefinition Governance
3.2 Die Rolle der Motivation bei Crowdsourcing Initiativen
3.3 Übersicht identifizierter Governance Mechanismen
3.4 Gestaltung der Aufgaben - auf Basis des Job Characteristic Model
3.5 Optimale Hierarchiestruktur
3.6 Governance Mechanismen
3.6.1 Governance Mechanismen zur Akquisition und Selektion
3.6.2 Governance Mechanismen zur Steuerung- und Kontrolle
3.6.3 Governance Mechanismen zur kooperativen Zusammenarbeit

4 Identifizierung eingesetzter Steuerungs- und Kontrollmechanismen – Methodik der qualitativen Analyse
4.1 Idee und Fragestellung
4.3 Die Erhebungsmethode – Das Experteninterview
4.4 Die Auswertungsmethode – Grounded Theory

5 Ergebnisse und Interpretation der Experteninterviews
5.1 Ergebnisse und Interpretation für Crowdwork-Plattformen
5.2 Ergebnisse und Interpretation für Freelancer-Plattformen
5.3 Ergebnisse und Interpretation für Innovationsplattformen
5.4 Ergebnisse und Interpretation für Designplattformen

6 Handlungsempfehlung für Crowdsourcing Intermediäre
6.1 Handlungsempfehlungen für alle Plattformkategorien
6.2 Handlungsempfehlungen für Microtaskplattformen
6.3 Handlungsempfehlungen für Freelancer-Plattformen
6.4 Handlungsempfehlungen für Designplattformen
6.5 Handlungsempfehlungen für Innovationsplattformen
6.6 Handlungsempfehlungen für Test- Marketing und Programmierplattformen

7 Fazit

7.1 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhänge

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen und Maßnahmen im Crowdsourcing Prozess

Abbildung 2: Aufbau des Job Characteristics Model

Abbildung 3: Meritokratie-Modell der Apache-Community

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Identifizierte Governance-Mechanismen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„ (…) the world is becoming too fast, too complex and too networked for any company to have all the answers inside.”

– Yochai Benkler, Professor an der Harvard Law School und Autor von The Wealth of Networks

Das Internet und insbesondere die Einführung, die mit dem Web 2.0 verbundenen Techniken, sind der wichtigste Wegbereiter für das Phänomen Crowdsourcing. Informationen lassen sich leicht verarbeiten und eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Interaktion wird ermöglicht. Crowdsourcing bezeichnet nicht nur lediglich ein innovatives Konzept zur Verteilung und Durchführung von Unternehmensaufgaben. Es steht für eine gänzlich neue Art der Arbeitsform. Diese neue Arbeitsform entwickelt sich mehr und mehr zu einer ernstzunehmenden Alternative zur Aufgabenbearbeitung in klassischen Wertschöpfungsketten. Hammon und Hippner (2012) sehen in Crowdsourcing die Erreichung einer neuen Evolutionsstufe hinsichtlich der unternehmerischen Wertschöpfung. Tim Ringo, IBM-Personalchef äußerte in einem Gespräch mit der Fachzeitschrift Personnel Today den Gedanken, einer Reduzierung der fest angestellten Stammbelegschaft von 399.000 auf weltweit nur noch 100.000 Mitarbeiter bis zum Jahr 2017 (PersonnelToday). Zahlreiche Unternehmen wie IBM, BMW, McDonald´s und Tchibo wandten bereits Crowdsourcing an. An diesen kurzen Ausführungen ist bereits zu erahnen, welchen hohen Stellenwert entlang der Wertschöpfungsketten von Unternehmen und Institutionen Crowdsourcing zukünftig einnehmen wird. Durch die mit Crowdsourcing einhergehenden niedrigen Transaktionskosten, unter anderem bedingt durch den Einsatz von neuesten Informations- und Kommunikationstechnologien, erfreut sich Crowdsourcing stetig wachsender Beliebtheit. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn den Unternehmen steht mit Crowdsourcing eine große Anzahl an kostengünstigen, flexiblen und zu jeder Zeit abrufbaren externen Arbeitskräften zur Verfügung. Die Crowd wird in der Praxis zur Durchführung der unterschiedlichsten Aufgaben entlang der Wertschöpfungskette herangezogen. Diese Aufgaben beginnen mit einfachen Unterstützungstätigkeiten, gehen von kreativen und innovativen Aufgabenstellungen, bis hin zu komplexen Aufgaben wie der Programmierung und das Testen von Software weiter. Zur Durchführung von Crowdsourcing Initiativen kann der Auftraggeber eigene Crowdsourcing Plattformen einsetzten oder auf externe Plattformen zurückgreifen. Diese externen Plattformen, im Nachfolgenden auch als Crowdsourcing Intermediäre bezeichnet, werden von unterschiedlichen Dienstleistern betrieben. Diese Plattformen sind zuständig für die ordnungsgemäße Durchführung der Initiativen. Die von den Crowdsourcees eingereichten Beiträge und Lösungen müssen den Anforderungen der Auftraggeber genügen. Hier setzt die vorliegende Arbeit an, indem geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen für Crowdsourcing Intermediäre identifiziert werden. Diese sollen dazu beitragen, dass Crowdsourcing Initiativen erfolgreich durchgeführt werden können.

1.1 Forschungslücke und Zielsetzung

Bei Crowdsourcing handelt es sich um ein relativ neuartiges Konzept. Der gesamte Themenkomplex dieses neuartigen Konzepts bzw. Phänomens wurde in der Forschung bisher nur lückenhaft und nur in Teilaspekten untersucht (Leimeister, Zogaj 2013). Publizierte Forschungsarbeiten beziehen sich unter anderem auf eine einheitliche Begriffserklärung für Crowdsourcing (Brabham 2008a; Lopez et al. 2010; Estellès-Arolas, Gonzàles-Ladròn-de-Guevara 2012) oder einer Typisierung bestehender Crowdsourcing Plattformen (Rouse 2010; Geiger et al. 2012; Hammon, Hippner 2012). Forschungsarbeiten die sich explizit mit geeigneten Steuerungs- und Kontrollmechanismen befassen und damit auf die Governance von Crowdsourcing abzielen, sind in der Literatur nur vereinzelt anzutreffen. Doch sollte vor allem der Governance in Crowdsourcing Initiativen ein hoher Stellenwert beigemessen werden. Dies belegen eindrucksvoll fehlgeschlagene Initiativen, wie beispielsweise die Kampagne „Mein Stil – Mein Pril“ von Pril. Zur Verdeutlichung der Notwendigkeit geeigneter Steuerungs- und Kontrollmechanismen für Crowdsourcing Initiativen, kann auf die beiden Crowdsourcing Intermediäre CambrianHouse und CrowdSpirit hingewiesen werden. Obwohl beide Intermediäre mit einer großen Crowd aufwarten können, bleiben dementgegen viele Aufgaben von den Crowdsourcees unerledigt liegen (Simula 2013). In der von Leimeister und Zogaj (2013) veröffentlichten Literaturstudie konnten nur sieben Artikel identifiziert werden, die sich mit Steuerungs- und Kontrollmechanismen beschäftigten. Doch nur einer von diesen Artikeln bezog sich dabei explizit auf geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen für das Crowdsourcing.

Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen diese Forschungslücke, zu einem gewissen Teil zu schließen, indem für das Crowdsourcing geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen identifiziert werden. Um dieses Ziel zu erreichen und der Zielsetzung vollkommen gerecht zu werden, wurden die nachfolgenden drei Forschungsfragen abgeleitet.

Welche bestehenden Steuerungs- und Kontrollmechanismen aus anderen, dem Crowdsourcing nahestehenden Bereichen können identifiziert werden und welche von diesen Mechanismen sind ebenso für Crowdsourcing Plattformen geeignet?

Welche Art von Steuerungs- und Kontrollmechanismen setzten Crowdsourcing Intermediäre in Deutschland ein, wie sind diese realisiert und wie bewerten die Intermediäre diese?

Welche der identifizierten Steuerungs- und Kontrollmechanismen, aus den beiden ersten Forschungsfragen, sind für die verschiedenen Typen von Crowdsourcing Plattformen zu empfehlen?

Die Zielsetzung dieser Arbeit stellt die Beantwortung dieser drei Fragen dar. Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet hierbei die Identifizierung von Steuerungs- und Kontrollmechanismen aus anderen Bereichen, die der Arbeitsweise von Crowdsourcing her ähneln.

1.2 Methodischer Aufbau

Wie bereits erörtert, besteht das Ziel der Arbeit in der Identifizierung geeigneter Steuerungs- und Kontrollmechanismen für das Crowdsourcing. Hierauf aufbauend sollen für die einzelnen Plattformkategorien Empfehlungen ausgesprochen werden. Damit die vorliegende Forschungsarbeit diesen Zielen gerecht werden kann, setzt sich die Arbeit aus fünf Bestandteilen zusammen.

Einleitend wird auf alles Notwendige, dass für das Verständnis der weiteren Ausarbeitung erforderlich ist, eingegangen. Anschließend darauf widmet sich das nächste Kapitel der Beantwortung der ersten Forschungsfrage. Anhand der Literaturrecherche werden für das Crowdsourcing geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen identifiziert. Hierzu werden Mechanismen hauptsächlich aus dem Open Source-Bereich identifiziert.

Im nächsten Abschnitt werden mit Einsatz eines leitfadengestützten Experteninterviews weitere Steuerungs- und Kontrollmechanismen identifiziert. Hierzu werden Crowdsourcing Intermediäre hinsichtlich der eingesetzten Mechanismen und der getätigten Erfahrungen befragt. Dadurch, dass sich die einzelnen Crowdsourcing Initiativen in der Arbeitsweise unterscheiden, werden die befragten Intermediäre anhand eines bestehenden Kategorisierungsvorschlag untergliedert. Die leitfadengestützten Experteninterviews dienen der Beantwortung der zweiten Forschungsfrage.

Anhand der getätigten Erkenntnisse aus der Literaturrecherche und den leitfadengestützten Experteninterviews, können schlussendlich Handlungsempfehlungen für die einzelnen kategorisierten Crowdsourcing Plattformen abgeleitet werden. Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung und dem Fazit.

2 Theoretische Grundlagen

Zum Verständnis der weiteren Ausarbeitung, stellt das nun kommende Kapitel alles Wissenswerte zum Begriff, Prozess und der Kategorisierung von Crowdsourcing bereit. Die in der Literatur veröffentlichten Kategorisierungsvorschläge bilden hierbei den Schwerpunkt.

2.1 Begriffsdefinition

Bei dem Begriff Crowdsourcing handelt es sich um eine Wortneuschöpfung, die sich aus den beiden Begriffen Crowd und Outsourcing zusammensetzt. Jeff Howe führte im Jahr 2006 den Begriff in dem im Wired-Magazin erschienenen Artikel „The Rise of Crowdsourcing“ (2006) ein. Konkretisiert hat er diesen Neologismus in seinem im Jahr 2008 erschienenen Buch „Crowdsourcing – Why the Power oft the Crowd is Driving the Future of Business“. Der Begriff Crowd ist auf die Erkenntnis von Surowiecki (2004) in seinem erschienenen Buch „Wisdom of Crowd“ zurückzuführen. Die Crowd steht hierbei für eine undefinierte Masse von Personen. Surowiecki (2004) argumentiert in seinem Werk, dass unter gegebenen Rahmenbedingungen die aggregierten Informationen einer Gruppe von Individuen zu besseren Ergebnissen führen, als Lösungsansätze einzelner Individuen. Diese gemeinsam erarbeiteten Lösungen übersteigen sogar die Qualität, die des klügsten Individuums in der gesamten Gruppe.

“Crowdsourcing is the act of taking a job traditionally performed by a designated agent (usually an employee) and outsourcing it to an undefined, generally large group of people in the form of an open call.” (Howe, 2008)

Howe definiert Crowdsourcing als einen Akt, Unternehmensaufgaben welche in der Regel unternehmensintern von einem Angestellten ausgeführt werden, an eine große undefinierte Masse an Personen, in einem offenen Aufruf auszulagern. Bei dieser Begriffsdefinition wird ersichtlich, wie sich Crowdsourcing von Outsourcing differenziert. Beim Crowdsourcing wird die auszulagernde Aufgabe, im Gegensatz zum Outsourcing nicht an ein Drittunternehmen, sondern an eine undefinierte Masse, die Crowd, ausgelagert. Howe bezieht sich bei der Auslagerung von spezifischen Aktivitäten eindeutig an eine undefinierte Masse an Personen.

2.2 Crowdsourcing Ausprägungsformen

Crowdsourcing kommt in der Praxis, wie auch in der Literatur als Oberbegriff für unterschiedliche Ausprägungsformen zum Einsatz. Leimeister (2012) unterteilt Crowdsourcing in die drei Ausprägungsformen Crowdvoting, Crowdfunding und Crowdcreation.

Crowdvoting

Unter Crowdvoting werden all diejenigen Crowdsourcing Initiativen zusammengefasst, bei denen unter Einbeziehung einer großen Personenanzahl, Auswahl- und Entscheidungsprozesse durchgeführt werden. Die Crowd wird dazu aufgerufen, Abstimmungen, Bewertungen, Meinungen oder Empfehlungen zu äußern. Den Crowdsourcees werden hierfür verschiedene an der jeweiligen Initiative ausgerichtete erforderliche webbasierte Funktionalitäten bereitgestellt. Beispielhaft zu nennen wäre hier eine fünf-bis-zehn-stufige Skala oder binäre Skalen mit den Auswahlmöglichkeit „gut/ schlecht“ oder „gefällt mir/ gefällt mir nicht“ (Riedl et al. 2010). Zu diesen Funktionalitäten werden häufig zusätzlich Kommentarfunktionen implementiert. Mit Hilfe dieser Kommentarfunktionen soll die Aussagekraft weiter gesteigert werden. Amazon kann als Beispiel für ein erfolgreiches Crowdvoting genannt werden. Auf der Seite von Amazon können alle angemeldeten Nutzer mit Hilfe einer fünfstufigen Sternenskala und der dazugehörigen Kommentarfunktion ihre Meinung über ein Produkt kundtun (Leimeister 2012).

Crowdfunding

Die Fremdfinanzierung von Unternehmen oder Projekten durch die Crowd, wird als Crowdfunding bezeichnet. Hierbei lagern Unternehmen die Kapitalbeschaffung an die Crowd aus. Bei den, von den Crowdsourcees bereitgestellten Geldbeträgen, handelt es sich zumeist um geringe Summen. Die Crowdsourcees verfolgen beim Crowdfunding unterschiedliche Absichten. In einer aus dem Jahr 2013 stammenden Studie konnten die drei Absichten Hedonismus, Altruismus und Gewinnorientierung identifiziert werden (Blohm et al 2013). In der Praxis und Literatur lassen sich vier Arten von Crowdfunding unterscheiden. Die Unterscheidung erfolgt hauptsächlich anhand des Finanzierungsmodells und der von der Crowd zu erbringenden Gegenleistung (Leimeister 2012).

Beim Crowddonating sind die Crowdsourcees altruistisch eingestellt und spenden einen gewissen Betrag für einen guten Zweck. Die Crowdsourcees erwarten und erhalten auch keine Gegenleistung für ihre eingezahlten Geldbeträge.

Im Rahmen von Crowdsponsoring erhalten die Crowdsourcees zwar eine Gegenleistung, diese ist aber nicht monetärer Natur. Bei den zu erbringenden Gegenleistungen kann es sich z. B. um Produkte oder Reputationen, in Form von Namensnennungen, handeln. Die Art der Gegenleistung wird vorher mitgeteilt und ist in den meisten Fällen in Höhe des eingezahlten Geldbetrags gestaffelt.

Beim Crowdinvesting investieren Crowdsourcees direkt in das Unternehmen und erhalten als Gegenleistung Unternehmens- oder Gewinnbeteiligungen. Die Beteiligung der Crowdsourcees am Unternehmen erfolgt meist in Form eines patriarchischen Nachrangdarlehens

Crowdlending dient dem sozialen Zweck. Crowdsourcees verleihen für einen bestimmten Zeitraum zinsfrei Geld für karitative Zwecke.

Crowdcreation

Die in der Praxis am häufigsten anzutreffende Form von Crowdsourcing, stellt das Crowdcreation dar. Bei dieser Form werden die Crowdsourcees dazu aufgerufen, sich produktiv zu betätigen, indem sich diese Ideenwettbewerbe annehmen, Designs für verschiedene Zwecke anzufertigen oder Teile einer Software programmieren (Unterberg 2010). Diese von den Crowdsourcees erstellten Beiträge können als User Generated Content aufgefasst werden, da diese die drei wichtigsten Definitionsmerkmale von User Generated Content aufweisen. Bei User Generated Content handelt es sich um publizierte Inhalte, die außerhalb von professionellen Routinen, durch die selbstständige kreative Eigenleistung entstanden sind. Crowdcreation unterscheidet sich von Crowdvoting und Crowdfunding nicht nur in inhaltlicher Art, sondern fordert von den Crowdsourcees auch höhere Leistungserstellungskosten in Form von Zeit-, Kosten-, und Materialinvestitionen. Im Gegenzug hierzu, erhalten die Crowdsourcees für die geleistete Arbeit eine monetäre Vergütung (Leimeister, Zogaj 2013).

Der Ausprägungsform Crowdfunding wird im weiteren Verlauf der Arbeit keine Beachtung mehr gewidmet. Crowdfunding unterscheidet sich inhaltlicher Natur zu sehr von den beiden anderen Crowdsourcing Ausprägungen und wird deshalb für die nachfolgende Ausarbeitung außen vor gelassen.

2.3 Crowdsourcing Prozess

Entscheidet sich ein Unternehmen Aufgaben oder ganze Wertschöpfungsaktivitäten an die Crowd auszulagern, steht das Unternehmen unweigerlich vor der Wahl, wie die Durchführung der Crowdsourcing Initiative zu erfolgen hat. Dem Unternehmen steht die Auswahl frei, eine eigene Crowdsourcing Plattform zu betreiben oder auf externe Plattformen, welche als Intermediäre eine Dienstleistung erbringen, zurückgreifen (Zhao, Zhu 2012). Größere Unternehmen wie Tchibo, McDonalds und SAP betreiben häufig eigene Plattformen zur Ideengenerierung und Erfassung von Meinungsäußerungen. Crowdsourcing Intermediäre fungieren dabei als Vermittler zwischen dem Crowdsourcer und den Crowdsourcees. Die Intermediäre bringen dem Crowdsourcer neben einer beachtlich großen Crowd, auch noch weitere Vorteile mit sich. Das Risiko einer Crowdsourcing Initiative mit den damit verbundenen Aufwands- und Gemeinkosten, wird an den Intermediär abgetragen. Auch tragen Intermediäre dazu bei, opportunistisches Verhalten seitens der Crowdsourcer zu vermeiden und bestehende Unsicherheiten innerhalb der Kommunikation zwischen Crowdsourcer und Crowdsourcees zu reduzieren. Desweiteren sind die meisten Intermediäre auf eine oder mehrere Aufgabenbereiche spezialisiert und können dementsprechend mit einer hoch spezialisierten Crowd zum jeweiligen Aufgabengebiet aufwarten. Weiterhin sind die Prozesse und Funktionalitäten des Intermediärs, auf Grund seines hohen Spezialisierungsgrads, effektiver. Dadurch kann unter Umständen die Produktion der Plattform erhöht werden (Schenk, Guittard 2009). Der Fokus der weiteren Ausarbeitung wurde bewusst nicht auf die unternehmenseigenen Plattformen, sondern auf die externen Plattformen gelegt.

Drei Akteure wirken gewöhnlich bei einer Crowdsourcing Initiative bei. Der Crowdsourcer, der die Tätigkeiten oder Wertschöpfungsaktivitäten an die Crowd auslagert. Die Crowdsourcees, die die Aufträge bearbeiten und die Crowdsourcing Plattform, die als Vermittler zwischen den beiden agiert.

Zur Identifikation geeigneter Steuerungs- und Kontrollmechanismen und der Ableitung von Handlungsempfehlungen ist das genaue Wissen über die Durchführung einer Crowdsourcing Initiative unumgänglich. Dabei sollte der definierte Prozess nicht nur den Verlauf einer Initiative beschreiben, sondern auch auf spezifische Aktivitäten und Interaktionen innerhalb einer Prozessphase eingehen. Leimeister und Zogaj (2013) konnten anhand ihrer Literaturstudie einen idealtypischen Crowdsourcing-Prozess definieren. Dieser Prozess ist in fünf Phasen unterteilt und nimmt eine allgemeingültige Sicht aller Akteure ein. Auf die in Abbildung 1 dargestellten fünf Phasen mit den dazugehörigen Aktivitäten wird im Folgenden näher eingegangen.

Abbildung 1: Phasen und Maßnahmen im Crowdsourcing Prozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Leimeister und Zogaj 2013

Konkretisierung der Aufgaben

Eine Crowdsourcing Initiative startet, indem der Crowdsourcer Aufgaben bestimmt, die an die Crowd auszulagern sind. Die auszulagernden Aufgaben können beispielsweise anhand strategischer Ziele oder auf Basis von Kosteneinsparungen bestimmt werden. Diese Aufgaben müssen ausreichend konkretisiert werden, damit die Crowdsourcess in der Lage sind, diese zu bearbeiten. Daneben spielt in der Aufgabenbearbeitung auch die Granularität und eine detaillierte Beschreibung eine entscheidende Rolle. Komplexe Aufgaben sollten in kleinere Aufgabenpakete unterteilt werden. Für die Aufgabenpakete ist in der Regel ein geringerer Wissensstand nötig, so dass die Aufgabe von einer größeren Anzahl an Crowdsourcees bearbeitet werden kann (Schenk, Guittard 2009; Malone et al. 2011). Der Crowdsourcer muss sich zu Beginn für eine Arbeitsform entscheiden. Hierbei hat dieser die Auswahl zu treffen, ob eine Aufgabe von einem Crowdsourcee alleine, oder gemeinsam mit anderen im Team bearbeitet werden soll.

Auswahl der Crowdsourcees

Howe sprach bei Crowdsourcing zwar von einem offenen Aufruf an die Crowd. Doch Whitla (2009) führte die Unterscheidung in einen komplett offenen und einen eingeschränkt offenen Aufruf ein. Im Gegensatz zu einem eingeschränkt offenen Aufruf, können bei einem komplett offenen Aufruf, alle Crowdsourcees eine Aufgabe bearbeiten bzw. an dieser mitwirken. Die Potenziale der Crowd im Zusammenhang mit der Weisheit der Massen kann hier in vollem Maße ausgeschöpft werden. Bei einem eingeschränkt offenen Aufruf können nicht alle Crowdsourcees, sondern nur ein vorselektierter Teil der Crowd die Aufgabe bearbeiten. Nach Geiger et al. (2011) kann die Selektion anhand qualifikationsbasierter, also nach den Fähig- und Fertigkeiten, und/ oder nach kontextspezifischen, gemeint sind demographische, soziographische oder geographische Faktoren, erfolgen.

Aufgabenentwicklung

In der dritten Phase des Prozesses bearbeiten die Crowdsourcees die von ihnen angenommenen Aufgaben. Je nach Aufgabe wird die Aufgabe entweder eigenständig oder gemeinsam mit anderen Crowdsourcees im Team bearbeitet. Nach Afuah und Tucci (2012) findet eine Unterscheidung zwischen der wettbewerbsbasierten und einer zusammenarbeitsbasierter Form statt. Bei der wettbewerbsbasierten Form konkurrieren die Crowdsourcees untereinander. Im Gegensatz hierzu, erarbeiten die Crowdsourcees bei der zusammenarbeitsbasierten Form gemeinsam eine Lösung. Den fertigen Beitrag erhält anschließend der Intermediär und nicht der Crowdsourcer direkt.

Aggregation und Auswahl der Lösungen

Nachdem die Lösungen von den Crowdsourcees eingereicht wurden, werden diese zusammengetragen. In Abhängigkeit der Beschaffenheit und Bearbeitung der Aufgabe, entsteht somit die endgültige Lösung. Handelte es sich bei den zu bearbeiteten Aufgaben um Teilaufgaben, werden die von den Crowdsourcees einzeln eingereichten Lösungen sinnvoll zu einer Gesamtlösung aggregiert. Hierbei spricht man von einem integrativen Vorgehen. Bei dem selektiven Vorgehen werden alle eingereichten Lösungen anhand verschiedener Kriterien selektiert. Der Crowdsourcer vergleicht die eingereichten Lösungen untereinander und wählt diejenige aus, die seinen Anforderungen am meisten entspricht (Schenk, Guittard 2009; Geiger et al. 2011).

Vergütung

In der letzten Phase erfolgt die Vergütung der Crowdsourcees. Bei der Vergütung kann es sich sowohl um einen monetären Betrag, als auch um eine Sachprämie handeln. In Abhängigkeit der Crowdsourcing Initiative wird entweder jede, den Anforderungen gerecht entsprechende Lösung, oder nur eine einzelne Siegerlösung prämiert. Bei dem integrativen Vorgehen erhalten alle Crowdsourcess, die zur Gesamtlösung etwas beigetragen haben, eine Entlohnung. Bei Crowdsourcing Initiativen mit wettbewerbsbasierten Charakter, also dem selektiven Vorgehen, wird nur eine einzelne, meist die beste Lösung vergütet. Alle anderen Crowdsourcees erhalten keine Vergütung. Der Intermediär kümmert sich um alle anfallenden Tätigkeiten bezüglich Vergütung und Auszahlung (Rouse 2010).

2.4 Kategorisierung Crowdsourcing Plattformen

Wie bereits zu Anfang der Arbeit kurz angeschnitten wurde, können zwei unterschiedliche Ausprägungen von Crowdsourcing Plattformen identifiziert werden. Plattformen die von Unternehmen selbst betrieben werden, sowie externe Plattformen, die als Intermediäre eine Dienstleistung erbringen. Crowdsourcing Plattformen dienen als Interaktionsmedium zwischen dem Crowdsourcer und den Crowdsourcees. Die Plattformen müssen an den Bedürfnissen und Motiven der Crowd und an den Anforderungen der Crowdsourcer ausgerichtet sein. Verschiedene Publikationen beschäftigen sich mit der Kategorisierung von Crowdsourcing Plattformen und führen unterschiedliche Kategorisierungsvorschläge auf. Die unterschiedlichen Typen von Crowdsourcing Plattformen erfordern jeweils auf die Bedürfnisse zugeschnittene Steuerungs- und Kontrollmechanismen. Deshalb sollen die in der Literatur auftauchenden unterschiedlichsten Kategorisierungsvorschläge im Folgenden aufgeführt werden. Einer dieser Kategorisierungsvorschläge soll anschließend ausgewählt werden, um auf dessen Grundlage für die unterschiedlichsten Plattformen geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen zu identifizieren. Die Kategorisierungsansätze werden auf Basis ihrer Komplexität aufsteigend vorgestellt. Abschließend wird die Kategorisierung vorgestellt, die für die weitere Arbeit von Bedeutung ist.

Hammon und Hippner (2012)

Hammon und Hippner (2012) nehmen von allen den in dieser Arbeit vorgestellten Kategorisierungsvorschlägen, die vereinfachteste Typologie vor. Nach ihrer Ansicht lassen sich alle Crowdsourcing Initiativen und damit auch die Plattformen in die beiden Kategorien, „mit“ und „ohne“ Innovationscharakter untergliedern. Bei Projekten mit Innovationscharakter handelt es sich um Crowdsourcing Initiativen bei denen die Crowdsourcees Ideen aller Art generieren und bewerten. Hierunter fallen beispielsweise alle Aufgaben im Kreativ- und Designbereich sowie die Erkennung von neuen Trends. Projekte ohne Innovationscharakter, beinhalten alle Crowdsourcing Initiativen, bei denen die Crowdsourcees eigenständig Inhalte erstellen, aber auch Microtasks und das Crowdfunding werden dieser Kategorie zugeordnet. Weiter führen die Autoren an, dass Crowdsourcing Initiativen mit Innovationscharakter weiter verbreitet sind, als die ohne Innovationscharakter. Deshalb weisen die Autoren den Initiativen ohne Innovationscharakter eine geringere Bedeutung zu.

Hoßfeld, Hirt und Tran (2012)

Hoßfeld, Hirt und Tran (2012) ordnen die bestehenden Crowdsourcing Plattformen den drei Kategorien: Routineaufgaben, komplexe Aufgaben und kreative Aufgaben zu. Routineaufgaben können ohne Vorwissen und mit geringem Aufwand zügig erledigt werden. Zu diesen Aufgaben zählen das Ansehen und/ oder Bewerten von Artikeln, Blogeinträgen und Videos, sowie das digitalisieren von Texten und das extrahieren von Daten aus Produkten. Komplexe Aufgaben beziehen die Crowdsourcees in die Leistungserstellung stärker mit ein, als die Routineaufgaben. Hierzu zählt das Verfassen von Foren-, Blogeinträgen und Artikeln. Aber auch die Teilnahme an Umfragen, das Testen von Softwareprodukten und Webanwendungen zählt zu den komplexen Aufgaben. Kreative Aufgaben sind, wie an dem Namen ersichtlich ist, Aufgaben in denen die Crowdsourcees kreativ arbeiten müssen. Hierzu zählt unter anderem, die Entwicklung von Software- und Webanwendungen und die Bearbeitung komplexer Problemstellungen.

Schenk und Guittard (2009)

Die Kategorisierung von Schenk und Guittard (2009) erinnert stark an die von Hoßfeld (2012). Ebenso wie bei Hoßfeld (2012) werden die Crowdsourcing Plattformen in die drei Kategorien Routineaufgaben, komplexe Aufgaben und kreative Aufgaben unterteilt. Routineaufgaben gelten als günstig und lohnen sich finanziell für den Crowdsourcees erst ab einer großen Anzahl an zu bearbeiteten Aufgaben. Diese Aufgaben sind für den Crowdsourcer nicht wegen der Leistung eines einzelnen Crowdsourcees attraktiv, sondern wegen der großen Anzahl an Crowdsourcees in der Crowd, die zu sehr günstigen Konditionen Aufgaben verrichten. Die Aufgaben zeichnen sich dadurch aus, dass zur Aufgabenbearbeitung kein bestimmtes Vorwissen benötigt wird und der Einfluss eines einzelnen Crowdsourcees an der Gesamtaufgabe als gering einzustufen ist. Zu den komplexen Aufgaben zählen die Autoren, die Produktentwicklung, die Mitarbeit an innovativen Projekten und das Lösen von Problemen innerhalb verschiedener Bereiche auf. Die Bearbeitung dieser Aufgaben fällt komplexer aus, als die der Routineaufgaben. Deshalb werden von den Crowdsourcees gewisse Fähigkeiten und ein größerer Zeiteinsatz gefordert. Zu den kreativen Aufgaben zählen alle Aufgaben, die zur Erstellung eine kreative Ader erfordern, wie beispielsweise Designwettbewerbe.

Martin, Lessmann und Voß (2008)

Martin, Lessmann und Voß (2008) bedienen sich einer 4-Felder Matrix zur Kategorisierung der Crowdsourcing Plattformen. Die erste Dimension bezieht sich auf den Wissensstand der Crowdsourcees und unterteilt diese in die Kategorien „Amateure“ und „Spezialisten“. Bei den Amateuren handelt es sich um Crowdsourcees, die über kein spezielles Vorwissen und Kenntnisse verfügen. Die sog. Spezialisten verfügen über spezielles Wissen und Kenntnisse und sind somit für Aufgaben mit einem hohen Komplexitätsgrad geeignet. Der Innovationsgrad der Crowdsourcing Initiative spiegelt die zweite Dimension und teilt diese in „innovativ“ und „nicht-innovativ“ ein. Quadrant I steht für Plattformen, in denen sich die Aufgaben durch einen hohen innovativen Charakter auszeichnen. Zur Aufgabenbearbeitung werden hochqualifizierte Spezialisten herangezogen. Die zu bewältigende Aufgaben kommen aus dem Bereich der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Im Quadrant II werden die bereitgestellten Aufgaben ebenso von den sog. Spezialisten bearbeitet. Diese Aufgaben weisen aber keinen innovativen Charakter auf und können als Weiterentwicklung des Outsourcings angesehen werden. Hierzu zählt das finden von neuen Entwicklungen oder Trends. Quadrant III steht für Aufgaben, die nicht innovativ sind und von Amateuren erledigt werden können. Bei diesen Aufgaben handelt es sich um Microtasks und Aufgaben die zum kreativen Bereich zählen. Im Quadrant IV fallen alle Aufgaben hinein, die zwar einen innovativen Charakter aufweisen, aber von Amateuren bearbeitet werden. Dem vierten Quadranten konnten die Autoren leider keine geeignete Plattformen zuweisen.

Geiger et al. (2012)

Geiger et al. (2012) klassifizieren bestehende Crowdsourcing Plattformen in die vier Bereiche: Crowd rating, Crowd creation, Crowd processing und Crowd solving. Bei den vier Bereichen handelt es sich um eine 4-Felder Matrix mit zwei Dimensionen. Die erste Dimension unterscheidet, ob die Crowdsourcing Initiativen einen „homogenen“ oder „heterogenen“ Charakter aufweisen. Unter homogen wird verstanden, dass alle von den Crowdsourcees eingereichten Lösungen und Beiträge gleichwertig zu bewerten sind. Im Gegenzug hierzu sind die eingereichten Lösungen und Beiträge mit heterogenem Charakter individuell. Die zweite Dimension unterscheidet, ob die eingereichten Lösungen und Beiträge der Crowdsourcees emergent oder nicht-emergent zu nutzen sind. Stehen die eingereichten Lösungen und Beiträge miteinander in Beziehung, wird von emergent gesprochen. Hierbei werden alle eingereichten Lösungen zu einer Gesamtlösung aggregiert. Nicht-emergente Beiträge und Lösungen werden unabhängig voneinander betrachtet.

Bei Crowd processing sind die Lösungen der Crowdsourcees homogen, sowie nicht-emergent. Die eingereichten Beiträge und Lösungen sind alle qualitativ gleichwertig und sollten mit der vordefinierten Aufgabenstellung übereinstimmen. Bei diesen Crowdsourcing Initiativen wird in den meisten Fällen eine Aufgabe in möglichst viele Teilaufgaben herunter gebrochen. Hierdurch kann sichergestellt werden, dass die Aufgaben zügig von einer großen Masse an Crowdsourcees, meist ohne spezielle Kenntnisse, bearbeitet werden können. Die einzelnen Lösungen werden zu einer Gesamtlösung zusammengefügt. Microtasks zählen zu dieser Art von Aufgaben.

Crowd rating zeichnet sich durch seinen homogenen, sowie emergenten Charakter aus. Die Beiträge der Crowdsourcees ergeben sich beim Crowd rating durch Bewertungen und Abstimmungen. Einzelbewertungen kann keine hohe Aussagekraft beigemessen werden. Daher zählt hier der kollektive Nutzen aus der Gesamtheit aller eingereichten Bewertungen. Crowd rating wird vor allem bei Verkäufer- und Produktbewertungen eingesetzt.

Beiträge beim Crowd solving sind heterogen sowie nicht-emergent. Die Beiträge sollen hier im großen Maße sehr individuell und voneinander unabhängig ausfallen. Die zu Crowd solving zählenden Aufgabenstellungen zielen auf eine große, heterogene Crowd ab. Der Crowdsourcer erhält eine große Anzahl unterschiedlichster Lösungsansätze, die sich nicht ergänzen und von denen eine ausgewählt werden muss. Durch die große und heterogene Crowd, soll die Wahrscheinlichkeit gesteigert werden, unter allen Einreichungen wenigstens eine passende Lösung zu erhalten.

Beiträge die emergent sind und einen heterogenen Charakter aufweisen, gehören zu Crowd creation. Die eingereichten Beiträge stehen zueinander in Beziehung. Jeder Crowdsourcee leistet einen individuellen Teil zur Gesamtlösung der Aufgabenstellung bei. Diese eingereichten individuellen Teillösungen werden anschließend zu einer Gesamtlösung zusammengefügt.

Vukovic (2009)

Vukovic (2009) nimmt sich eine 2 x 4 Matrix zu Nutze, um die einzelnen Plattformen zu differenzieren. Bei den beiden Dimensionen handelt es sich um Funktion und Methode. Bei den Funktionen führt Vukovic die vier Ausprägungen Design und Innovation, Entwicklung und Tests, Marketing und Vertrieb, sowie Support an. Die Methode setzt sich aus zwei unterschiedlichen Arten zusammen. Bei der Methode „Marktplatz“ kann sich der Crowdsourcer aus den verschiedensten Beiträgen das passendste auswählen. Gegensätzlich hierzu tritt die Methode „Wettbewerb“ in Erscheinung.

Yuen et al. (2011)

Die Kategorisierung von Yuen et al. (2011) beschreibt nicht nur die Anwendungsgebiete von Plattformen, sondern auch weitere Aspekte. Hierzu gehören der Algorithmus, die Leistung und der Datenbestand. Hierauf wird im Weiteren nicht eingegangen, sondern auf Yuen et al. (2011) verwiesen. Bei den Anwendungsgebieten handelt es sich um die Bewertung, die Informationseinteilung, das Spiel und die Kreativität. Unter dem Bewertungssystem verstehen die Autoren das Crowdsourcees auf bestimmte Problemstellungen, die dazugehörigen Lösungsmöglichkeiten auswählen können. Der Lösungsvorschlag der am häufigsten gewählt wird, gilt als richtig. Bei der Informationsteilung erstellen die Crowdsourcees eigenständig Inhalte, die sie dann öffentlich teilen. In der Kategorie Spiel erfolgt die Lösungserarbeitung mit Hilfe eines Onlinespiels. Dieses Onlinespiel soll die Crowdsourcees dahingehend motivieren, um an einer Problemlösung mitzuarbeiten.

Rouse (2010)

Die Kategorisierung von Rouse (2010) erfolgt anhand eines Baumdiagramms in drei Schritten. Im ersten Schritt wird unterschieden, ob die Crowdsourcees individuell oder gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Bei der individuellen Bearbeitung arbeitet jeder Crowdsourcee für sich allein und nur eine einzelne eingereichte Lösung wird vergütet. Im Gegensatz hierzu arbeiten die Crowdsourcees bei der anderen Ausprägung, gemeinsam an einer Gesamtlösung. Im zweiten Schritt erfolgt die weitere Aufteilung anhand des Schwierigkeitsgrads der zu bearbeiteten Problemstellung. Hierbei erfolgt eine Unterteilung in einfach, moderat und komplex. Einfache Aufgaben können von Crowdsourcees ohne spezielles Wissen und Fähigkeiten erledigt werden. Bei moderat sind die Aufgaben weder komplex noch sehr leicht in der Bearbeitung. Komplexe Aufgaben können nur von Teilnehmern mit entsprechendem Wissen und den benötigten Erfahrungen bearbeitet werden. Nach der Arbeitsform und dem Schwierigkeitsgrad erfolgt in der dritten Stufe die Aufteilung mittels des Faktors Motivation. Unterschieden werden die sieben Motivationsfaktoren Selbstvermarktung, sozialer Status, Mitwirkung, Selbstlosigkeit, Entschädigung, Vergütung und persönliche Ziele.

Leoh Mehlau (2014)

Mehlau (2014) hat mit Hilfe einer statistischen Analyse, bestehende Crowdsourcing Plattformen in die fünf folgenden Kategorien unterteilt.

Crowdwork Plattformen

Die Aufgaben die zu den Crowdwork Plattformen zählen, zeichnen sich durch eine geringe Komplexität und eine hohe Granularität aus. Der Aufruf an die Crowd erfolgt offen und richtet sich an alle Crowdsourcees der jeweiligen Plattform. Die eingereichten Beiträge sind nicht für alle Crowdsourcees einsehbar und werden auch nicht zu einer Gesamtlösung aggregiert. Als Vergütung erhält der Crowdsourcee einen bereits zu Beginn festgelegten monetären Betrag. Die Aufgaben dieser Plattform sind vom Schwierigkeitsgrad als leicht einzustufen und können somit von weniger spezialisierten Crowdsourcees erledigt werden.

Freelancer Plattformen

Die Freelancer Plattformen beschreibt der Autor als ein Sammelsurium von einer Vielzahl unterschiedlichster Crowdwork- und Freelancer Aufgaben. Im Vergleich zu den Crowdwork Plattformen, weisen die Aufgaben eine deutlich höhere Komplexität und eine geringere Granularität auf. Der Aufruf an die Crowd kann bei diesen Aufgaben eingeschränkt auf Basis qualifikationsbasierter Kriterien erfolgen. Die Vergütung der Crowdsourcees erfolgt anhand eines vorher festgelegten monetären Betrages. Die eingereichten Lösungen werden bei Bedarf zu einer Gesamtlösung zusammengefügt. Die Aufgaben in dieser Kategorie sind sehr spezifisch und stammen aus den verschiedensten Bereichen. Bearbeitet werden die Aufgaben von spezialisierten Freelancern.

Design-Plattformen

Design Plattformen umfassen Crowdsourcing Initiativen, in denen kreative Tätigkeiten ausgeübt werden. Die Aufgaben gelten als komplex und können nur von spezialisierten Crowdsourcees bearbeitet werden. Deswegen erfolgt der Aufruf an die Crowd oftmals nicht komplett offen, sondern eingeschränkt. Die Lösungen werden in den meisten Fällen für sich alleine betrachtet und werden folglich nicht zu einer Gesamtlösung aggregiert. Infolgedessen erhält auch nur ein Crowdsourcee einen vorher festgelegten fixen monetären Betrag.

Entwicklungs-, Test- & Marketing-Plattformen

Plattformen bei denen sich die Aufgaben aus Softwareentwicklungs-, Test- und Marketingaktivitäten zusammensetzten, werden zu dieser Kategorie zugeordnet. Die Aufgaben sind komplex und weisen eine geringe Granularität auf. Der Aufruf an die Crowd kann eingeschränkt, anhand kontextspezifischer Kriterien, wie demographische oder soziographische Faktoren erfolgen. Die Crowdsourcees bearbeiten die Aufgaben nicht öffentlich und die eingereichten Lösungen werden meist zu einer Gesamtlösung aggregiert. Die Höhe der genauen Vergütung wird den Crowdsourcees bereits vorher mitgeteilt.

Innovationsplattformen

Aufgaben die zur Kategorie Innovationsplattformen zählen, können sowohl eine geringe, wie auch eine hohe Komplexität aufweisen. Der Aufruf richtet sich an die gesamte Crowd und es besteht in der Regel keine Möglichkeit, Crowdsourcees über kontextspezifische Kriterien auszuschließen. Es findet oft eine zusammenarbeitsbasierte Form bei der Bearbeitung einer Aufgabe statt. Auch kommen Crowdvoting-Elemente zum Einsatz, wie z. B. Bewertung der eingereichten Lösungen. Die Vergütung kann optional mit Sachpreisen erfolgen.

Gegenüberstellung der vorgestellten Kategorisierungsansätze

Die Vorteile bei den Kategorisierungsvorschlägen von Hoßfeld et al. (2012), Hammon und Hippner (2012), sowie Schenk und Guittard (2009) liegen in der leichten Übersichtlichkeit und der generellen Einfachheit. Jedoch lassen diese Kategorisierungsvorschläge keine ausreichende Trennschärfe zu und sind damit nur bedingt geeignet. Die Kategorisierung von Martin, Lessmann und Voß (2008) lässt eine gute Trennschärfe und ausreichende Einfachheit erkennen. Unglücklicherweise fällt den Autoren kein Beispiel für den vierten Quadranten ein. Aus diesem Grund kann dem Kategorisierungsvorschlag von Martin, Lessmann und Voß (2008) eine entscheidende Schwachstelle nachgewiesen werden. Die Kategorisierung von Vukovic (2009) legt auf den ersten Blick eine sehr gute Trennschärfe vor. Dennoch existieren Plattformen die gleichzeitig die beiden Arbeitsformen Wettbewerb und Kooperation innehaben. Rouse (2010) Kategorisierungsvorschlag ist schlicht zu kompliziert, unübersichtlich und lässt keine wirkliche Trennschärfe erkennen. Das selbige gilt für die Kategorisierung nach Yuen, King und Leung (2011). Daher sind diese beiden Kategorisierungsvorschläge ebenfalls nicht geeignet. Geiger et al. (2012) beweist mit seinem Vorschlag eine präzise Trennschärfe, sowie sehr gute Übersichtlichkeit. Dasselbe gilt für die Ausarbeitung von Mehlau (2014). Diese weist durch die fünf anstatt vier Kategorien eine weitaus bessere Trennschärfe, unter Beibehaltung der Einfach- und Übersichtlichkeit auf. Deshalb sollen in der weiteren Arbeit geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen anhand der Kategorisierung von Mehlau (2014), den unterschiedlichen Crowdsourcing Plattformen zugeordnet werden.

3 Steuerungs- und Kontrollmechanismen

Ziel dieses Kapitels ist es, Steuerungs- und Kontrollmechanismen aus den Bereichen zu identifizieren, die von der Arbeitsweise und Zusammensetzung der Teilnehmer her, dem Crowdsourcing nahestehen. Um dieses Ziel zu erreichen wird sich einer umfangreichen Literaturrecherche bedient. Dazu werden Steuerungs- und Kontrollmechanismen generell aus dem Gebiet der virtuellen Communities und im speziellen aus dem Open Source-Bereich (OS-Bereich) ermittelt. Es wird sich bewusst für den OS-Bereich entschieden, da die hier eingesetzten Steuerungs- und Kontrollmechanismen auf sich freiwillig betätigenden Teilnehmer gerichtet sind. Diese erledigen die anfallenden Aufgaben dabei nicht nur auf Grund monetärer Anreize. Zwar fallen die Gründe, die die Teilnehmer zur Mitarbeit an OS-Projekten und Crowdsourcing Initiativen bewegen, unterschiedlich aus, z. B. erhalten die Teilnehmer im OS-Bereich für ihre geleistete Arbeit keine monetäre Vergütung und auch sind die Organisationsstrukturen nicht direkt vergleichbar, dennoch bestehen signifikante Gemeinsamkeiten zwischen dem OS-Bereich und Crowdsourcing. Gemeinsamkeiten liegen darin, dass die Gruppe der Teilnehmer sich aus einer heterogenen Anzahl von Individuen zusammensetzt. Die Individuen innerhalb einer Gruppe verfügen über bestimmtes Fachwissen und erledigen Aufgaben alleine oder gemeinsam über einen längeren Zeitraum innerhalb einer Community. Die Kommunikation und Aufgabenbearbeitung erfolgt mit Einsatz unterschiedlichster webbasierter Informations- und Kommunikationssysteme. Anhand dieser Gemeinsamkeiten zu Crowdsourcing, ist eine teilweise Übertragung der in virtueller Communities und Open Source-Projekten angewendeten Steuerungs- und Kontrollmechanismen für Crowdsourcing Plattformen möglich. Durch die freiwillige Mitarbeit an Crowdsourcing Initiativen, treten verhaltensorientierte Steuerungs- und Kontrollmechanismen anstelle von traditionellen Mechanismen in den Vordergrund, die auch als soziale Kontrolle bezeichnet werden können.

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Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Wie sollte die Crowd gesteuert werden? Geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen für Crowdsourcing
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
83
Katalognummer
V298942
ISBN (eBook)
9783656951957
ISBN (Buch)
9783656951964
Dateigröße
1305 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdsourcing, Governance, Steuerungs- und Kontrollmechanismen, Motivation Crowdworker
Arbeit zitieren
Konstantin Silka (Autor:in), 2015, Wie sollte die Crowd gesteuert werden? Geeignete Steuerungs- und Kontrollmechanismen für Crowdsourcing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298942

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