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Ferides Kampf - Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaftskritik in Resat Nuri Güntekins Roman "Calikusu"

Titre: Ferides Kampf - Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaftskritik in Resat Nuri Güntekins Roman "Calikusu"

Dossier / Travail de Séminaire , 2004 , 32 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Gesine Aufdermauer (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Sciences de l'Islam
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Résumé Extrait Résumé des informations

Iphigenie war die jüngste Tochter von Agamemnon und Klytaimnestras. Als seine Flotte auf
dem Weg nach Troja festsaß, wurde Agamemnon durch einen Wahrsager mitgeteilt, dass nur
die Opferung seiner schönsten Tochter zu Ehren der Göttin Artemis ihn retten könne.
Agamemnon ist dazu bereit, lockt seine Tochter unter dem Vorwand einer Heirat zu seiner
Frau. Doch Iphigenie wird, schon auf dem Opferaltar befindlich, von der Göttin Artemis
selbst gerettet, indem sie sie gegen ein Reh eintauscht. Iphigenie wird zur Priesterin von
Artemis, man sagt ihr Unsterblichkeit nach.
Yakup Kadri Karaosmanoglu sieht Feride der Figur der Iphigenie sehr nahe, „b eide
verkörpern Würde, Tugend, Moral und Charakter. (…) Beide sind in ihrer Makellosigkeit
Opfer blinden Aberglaubens, Unwissenheit und herzlosen Egoismus.“1
Durch diese Bewertung ermöglicht Karaosmanoglu einen Blick auf den Roman Çalikusu2, der
bisher von den Kritikern eher vernachlässigt wurde, denn „in der türkischen Literaturkritik
wurde dieser Roman gerne als dem leichten Genre zugehörig und als sentimental eingestuft.“3
Vornehmlich wurde die Geschichte als Liebesgeschichte, vielleicht als Abenteuerroman
aufgenommen, dessen bemerkenswertestes Merkmal darin besteht, eine Frau als Heldin zu
haben. Eine Kritik an der Frauenrolle wird ihm damit zugestanden, doch vielleicht das
wichtigste Thema des Roman wurde lange an den Rand gedrängt: Der Konflikt zwischen
Individuum und Gesellschaft, denn Feride steht „von Anfang bis Ende im Mittelpunkt der
Handlung und Çalikusu (ist) allein Ferides Roman“4
Überspitzt kann man sagen, dass es scheint, als wäre die Liebesgeschichte nur dekorative
Ausschmückung einer weit ausholenden Gesellschaftskritik. Iphigenie wird für die
Gesellschaft geopfert, Feride von ihr, Iphigenies Opferung bringt Errettung, Ferides
niemandem Nutzen. [...]
1 Beatrix Caner, Türkische Literatur: Klassiker der Moderne, Hildesheim 1998, S. 267
2 da mit dem türkischen Original gearbeitet wurde, wird sich auf das Buch immer mit diesem Titel, nicht mit der
Übersetzung als „Der Zaunkönig“ bezogen, d.h. Resat Nuri Güntekin, Çalikusu, Inkilâp Kitabevi Istanbul, 52.
Baski
3 Klassiker der Moderne, S. 263
4 Stephan Guth, Brückenschläge, Eine integrierte „turkoarabische“ Romangeschichte, Wiesbaden 2003, S. 52

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Feride- Iphigenie oder verschmähte Geliebte?

2. Zu Autor und Werk

2.1 Çalikusu

3. Zur Sprache und Zeit

4. Çalikusu - eine Gesellschaftskritik

4.1 Die starre Bürokratie

4.2 Ein Blick auf die Reichen

4.3 Aberglaube und Angst – Schulbildung auf dem Lande

4.4 Das große Herz Anatoliens: Armut und Romantisierung

5. Frauenleben und Geschlechtermoral

5.1 Eigene Weiblichkeitsvorstellungen

5.2 Rigide Sexualmoral

5.3 Vielehe und Gewalt: Frauenschicksale

5.3.1 Geduldete Schläge

5.3.2 Der Ausschluss aus der Gesellschaft

6. Iphigenie und Doktor Hayrullah

7. Feride, eine Neue Frau?

8. Versuch eines Fazits

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Çalikusu“ von Resat Nuri Güntekin unter dem Aspekt der darin enthaltenen Gesellschaftskritik. Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Autor durch die Lebensgeschichte der Protagonistin Feride systematisch gesellschaftliche Missstände, insbesondere die Rolle der Frau, bürokratische Unzulänglichkeiten und rückständige Bildungssysteme thematisiert und dabei das Spannungsfeld zwischen individuellem Freiheitsstreben und traditionellen Normen beleuchtet.

  • Die Darstellung und Analyse der gesellschaftlichen Stellung der Frau und der Geschlechtermoral.
  • Die Rolle der Bürokratie und das Bildungssystem im Anatolien der Entstehungszeit des Romans.
  • Der Konflikt zwischen dem Individuum Feride und den restriktiven Erwartungen von Familie und Gesellschaft.
  • Die Untersuchung der Ambivalenz zwischen dem modernen Anspruch der Protagonistin und ihrer letztendlichen Rückkehr in konventionelle Rollenmuster.

Auszug aus dem Buch

4.1 Die starre Bürokratie

Feride begegnet der Bürokratie das erste Mal, als sie sich beim Kultusministerium um eine Arbeit bemüht: „Ich hatte die Hoffnung, dass meine Arbeit schnell ein Ende finden würde. (…) In dem Moment wo er mein Diplom sieht, würde er sagen: „Herzlich willkommen, mein Mädchen, wir haben genau so jemanden wie dich gesucht.“ Schnell verliert sich Feride in den Gängen der Bürokratie und schon die Frage, ob sie denn keinen Bekannten hätte, der hier arbeitet, zeigt deutlich, wie die Bürokratie funktioniert: „Sie wird, wie üblich, von Pontius zu Pilatus geschickt, hier wird der Name notiert, dort muss sie unterschreiben, (…). Ein Kräftemessen mit gesellschaftlichen Instanzen, deren Sinn nicht einleuchtend ist, beginnt, und dieser lässt jetzt schon erahnen, dass sie diesen Kampf niemals wird gewinnen können!“

Beziehungen, nicht das Diplom oder andere Leistungen, sind ausschlaggebend für eine Stellung. So fertigt der zuständige Beamte Feride schnell ab, schenkt ihrem Wunsch noch nicht einmal Gehör und entlässt sie mit dem Hinweis darauf, sie könne im Notfall ihr Leben als Schneiderin machen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Feride- Iphigenie oder verschmähte Geliebte?: Dieses Kapitel führt die These ein, dass Feride als Opfer einer restriktiven Gesellschaft fungiert, ähnlich der mythologischen Figur der Iphigenie.

2. Zu Autor und Werk: Hier werden der Autor Resat Nuri Güntekin, seine Biographie und der Kontext der Entstehung seines berühmten Romans „Çalikusu“ beleuchtet.

2.1 Çalikusu: Dieser Abschnitt beschreibt den Inhalt und die Charakterisierung der Protagonistin Feride sowie die Struktur des Romans als Entwicklungsgeschichte.

3. Zur Sprache und Zeit: Der Fokus liegt auf der sprachlichen Gestaltung des Werkes, der Verwendung der Umgangssprache und dem historischen Hintergrund der Entstehungszeit.

4. Çalikusu - eine Gesellschaftskritik: Einleitendes Kapitel zur systematischen Analyse der im Roman enthaltenen Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen der Epoche.

4.1 Die starre Bürokratie: Analysiert wird die Kritik an der Ineffizienz, Korruption und der Abhängigkeit von persönlichen Beziehungen innerhalb der staatlichen Institutionen.

4.2 Ein Blick auf die Reichen: Dieses Kapitel zeigt Güntekins kritische Haltung gegenüber der moralisch verfallenen und ungebildeten Oberschicht.

4.3 Aberglaube und Angst – Schulbildung auf dem Lande: Beleuchtet werden die Mängel des Bildungssystems, geprägt von religiösem Dogmatismus und Angst, im Kontrast zu Ferides Ausbildung.

4.4 Das große Herz Anatoliens: Armut und Romantisierung: Dieses Kapitel untersucht, wie der Autor die soziale Realität der Armut in anatolischen Dörfern darstellt.

5. Frauenleben und Geschlechtermoral: Grundlegendes Kapitel zur Untersuchung der Emanzipation und der schwierigen Stellung der Frau im sozialen Gefüge.

5.1 Eigene Weiblichkeitsvorstellungen: Untersucht werden Ferides innere Konflikte zwischen ihrem Freiheitsdrang und den internalisierten gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau.

5.2 Rigide Sexualmoral: Analysiert wird die Strenge der sozialen Kontrolle und die Trennung der Geschlechter im dörflichen Umfeld.

5.3 Vielehe und Gewalt: Frauenschicksale: Dieses Kapitel widmet sich den negativen Erfahrungen anderer Frauenfiguren, die als Kontrast und Beleg für die patriarchale Unterdrückung dienen.

5.3.1 Geduldete Schläge: Behandelt wird das Thema der häuslichen Gewalt und die Resignation der Frauen gegenüber ihrer Situation.

5.3.2 Der Ausschluss aus der Gesellschaft: Untersucht wird die soziale Exklusion als Konsequenz bei moralischen Fehltritten.

6. Iphigenie und Doktor Hayrullah: Dieses Kapitel betrachtet die Vater-Tochter-Beziehung zu Dr. Hayrullah als Gegenentwurf zur restriktiven Gesellschaft.

7. Feride, eine Neue Frau?: Kritische Reflexion darüber, ob Feride als Vorkämpferin für Frauenrechte gelten kann oder ob sie letztlich in traditionelle Muster zurückfällt.

8. Versuch eines Fazits: Zusammenfassende Bewertung der gesellschaftskritischen Aspekte des Romans und der Ambivalenz von Ferides Entwicklung.

Schlüsselwörter

Çalikusu, Resat Nuri Güntekin, türkische Literatur, Gesellschaftskritik, Frauenbild, Emanzipation, Bürokratie, Bildungssystem, Anatolien, Geschlechtermoral, patriarchale Strukturen, Identität, Individuum und Gesellschaft, Sozialkritik, literarische Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dem Roman „Çalikusu“ primär?

Der Roman handelt von der Lebensreise der jungen Feride, die aufgrund einer persönlichen Enttäuschung ihr behütetes Leben verlässt, um als Lehrerin in Anatolien zu arbeiten, wobei sie mit den Missständen einer starren Gesellschaft konfrontiert wird.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Kritik an der Bürokratie, das Bildungswesen, die Stellung der Frau, die restriktive Geschlechtermoral und den Konflikt zwischen dem Individuum und gesellschaftlichen Traditionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die zwischen den Zeilen geübte Gesellschaftskritik Güntekins aufzudecken und zu analysieren, inwiefern die Protagonistin Feride trotz ihrer Ambitionen an den sozialen Normen ihrer Zeit scheitert.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Romans „Çalikusu“ unter Einbeziehung des historischen Kontextes und fachwissenschaftlicher Literatur zur türkischen Gesellschaftsgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die bürokratischen Hürden, die Kritik an den reichen Schichten, die mangelhafte schulische Bildung, die restriktive Behandlung von Frauen und das Wirken von Dr. Hayrullah als positivem Gegenentwurf detailliert untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gesellschaftskritik, Frauenbild, patriarchale Strukturen, Emanzipation und das Spannungsfeld zwischen individuellem Freiheitstreben und gesellschaftlicher Anpassung.

Inwiefern beeinflusst Ferides Schönheit ihre Lebensgeschichte?

Der Autor verleiht Feride eine außergewöhnliche Schönheit, die sie jedoch häufig zum Ziel von Intrigen und Belästigungen macht, was ihre Unabhängigkeit als Frau zusätzlich erschwert.

Ist das Ende des Romans als Happy End zu werten?

Dies wird in der Arbeit kritisch hinterfragt. Zwar findet Feride in ihrer Beziehung zu Kâmran persönliches Glück, doch stellt dies auch eine Rückkehr in die traditionelle, konventionelle Rolle dar, was das Ende ambivalent erscheinen lässt.

Fin de l'extrait de 32 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Ferides Kampf - Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaftskritik in Resat Nuri Güntekins Roman "Calikusu"
Université
Free University of Berlin  (Institut für Turkologie)
Note
1,3
Auteur
Gesine Aufdermauer (Auteur)
Année de publication
2004
Pages
32
N° de catalogue
V29899
ISBN (ebook)
9783638312998
Langue
allemand
mots-clé
Ferides Kampf Eine Auseinandersetzung Gesellschaftskritik Resat Nuri Güntekins Roman Calikusu
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Gesine Aufdermauer (Auteur), 2004, Ferides Kampf - Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaftskritik in Resat Nuri Güntekins Roman "Calikusu", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29899
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Extrait de  32  pages
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