Der Kreuzberg und die Heilige Stiege


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998

19 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Analyse des Bauwerks
2. 1. Thema des Bauwerks
2. 2. Intentinen der Erbauer
2. 3. Präsentationsmethoden
2. 4. Rezeptionsmöglichkeiten
2. 5. Medien
2. 6. Anordnung der Elemente

3. Situation der Zielgruppe und des Referenten

4. Die Durchführung

5. Schlußwort

Anhang 1: Arbeitsblatt [nicht enthalten]

Anhang 2: Notizen zum Referat [nicht enthalten]

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit befaßt sich mit didaktischen Überlegungen zu einer Führung über den Kreuzberg in Bonn. Sie soll das von mir gehaltene Referat reflektieren. Dieses Referat vom 17. Juni 1998 beschränkte sich auf eine Einführung zur Heiligen Stiege und zum Heiligen Grab. Andere Aspekte, wie das Kirchengebäude und eine Einführung in die Geschichte der Wallfahrt, wurden von Mitreferentinnen bzw. -referenten übernommen.

Bei dem Gebäudekomplex auf dem Kreuzberg handelt es sich um eine Wallfahrtstätte zur Verehrung der Leiden Christi und der Schmerzen Mariens[1]. In diesem Zusammenhang fanden auch, besonders in Zeiten der Pest, Wallfahrten mit der Bitte um Heilung statt. Das Doppelkreuz auf der Dachlaterne der Heiligen Stiege, als Pest- bzw. Wetterkreuz, besonders in der Zeit der Gegenreformation, weist darauf hin[2]. Die ältesten Zeugnisse der Wallfahrt zum Kreuzberg sind aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts[3]. Die heutige Kirche auf dem Berg wurde vom Kölner Kurfürsten Ferdinant errichtet und 1628 geweiht. Der Komplex wurde seit 1637 von Mönchen des Servitenordens betreut. Diese verehrten besonders die Schmerzen Mariens. Die Heilige Stiege wurde 1746 vom Kölner Erzbischof Clemens August gestiftet. 1802 verließen die Serviten den Kreuzberg. Zwischen 1855 und 1872 war das Gelände vom Jesuitenorden gepachtet worden. In dieser Zeit entstanden auch die Kreuzwegstationen und die sogenannten sieben Fußfälle entlang der Wallfahrtswege, die zum Gipfel des Berges führten und sich am Fuß der Heiligen Stiege trafen. Franziskanern oblag die Pflege der Gebäude von 1889-1969. Seit 1970 schließlich ist das Kloster auf dem Kreuzberg eine internationale Begegnungsstätte. Die Erhaltung der Gebäude war im Laufe der wechselvollen Geschichte dieses Ortes nicht immer einfach. Vieles, wie z. B. die Geburtsgrotte im Heiligen Grab, ist verlorengegangen[4].

Die besondere Verehrung der Leiden Christi und besonders auch die Verehrung der Heiligen Stiege in Anlehnung an die Scala Sancta in Rom war im 17. und 18. Jahrhundet keine Besonderheit. Dies zeigt sich an ähnlichen Gebäudekomplexen dieser Zeit[5] Ebenso war die Errichtung sogenannter Heiliger Gräber, die der Verehrung der Eucharistie in der Karwoche dienten, in dieser Zeit üblich[6]. Viele Aspekte christlich-barocker Frömmigkeit lassen sich so an diesem Gebäudekomplex auf dem Kreuzberg deutlich machen. Das gleiche gilt für typische Aspekte barocker Kunst.

Bei der Wallfahrtsstätte auf dem Kreuzberg handelt es sich aber nicht um ein Museum in dem Sinne, daß hier in einem Ausstellungsgebäude Kunstgegenstände aus der Vergangenheit zur Betrachtung ausgestellt werden[7], die nicht mehr im Gebrauch sind. Die Kreuzkirche, die Heilige Stiege bzw. der ganze Komplex wird noch heute für Wallfahrten benutzt, wenn auch vielleicht nicht mehr in demselben Ausmaß wie in der Vergangenheit. Trotzdem gibt es hier Kunstgegenstände, Figuren, Ornamente, die betrachtet werden können. Diese Elemente sind in bestimmten Zusammenhängen von den Erbauern zueinander angeordnet. In diesem Sinne kann man an dieser Kulturstätte wie in einem Museum nach Ordnungsprinzipien, Präsentationsmethoden usw. fragen. Eine Analyse des Gebäudekomplexes bzw. der Heiligen Stiege und des Heiligen Grabes soll so im Mittelpunkt des folgenden 2. Kapitels sein. Den Schwerpunkt des 3. Kapitels sollen Überlegungen zur Situation der Hörerinnen und Hörer sein. Im Mittelpunkt steht also die Zielgruppe, an welche sich eine Führung über den Kreuzberg richtet. Aber auch die Situation des Referenten ist in diesem Zusammenhang wichtig und soll angesprochen werden.. Kapitel 4 beinhaltet Gedanken über die Durchführung des Referates am und über den Kreuzberg. Im Kapitel 5 möchte ich zusammenfassend abschließen. Im Anhang befinden sich zum einen das Arbeitsblatt, das an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars ausgeteilt worden ist und zum anderen Notizen zum Referat über den Kreuzberg.

2. Analyse des Bauwerks

2. 1. Thema des Bauwerks

Das Hauptthema des gesamten Gebäudekomplexes ist die Verehrung der Leiden Christi[8]. Deutlich wird dies zum einen durch die herausgehobene Position der Heiligen Stiege, die ja des Leidensweges Jesu gedenkt, durch die Kreuzwegstationen am Kreuzberg, durch die sogenannten "Sieben Fußfälle"[9], durch die Fresken an den Decken und Wänden, die sich mit der Thematik des Leidens beschäftigen, durch die Ornamente an den Außenwänden der Gebäude[10] und durch die besondere Position der das Kreuz verehrenden Kaiserin Helena im Altarbereich der Kirche. Diesem Thema untergeordnet lassen sich weitere Themen erkennen, die mit dem Hauptthema zusammenhängen. Z. B. das Leiden der Menschen in dieser Zeit unter der Pest. Dieses Thema wird deutlich am Dachkreuz der Heiligen Stiege[11]. Weiterhin beschäftigen sich die Fußfälle mit dem Leiden der Mutter Jesu. Wichtig ist auch der Aspekt des geistlichen Theaters[12]. Die Kugellichter im Heiligen Grab, der Aufbau der Fassade der Heiligen Stiege sind Elemente die dem Theater entlehnt sind[13]. Auch das Thema der Konflikte zwischen Christen und Muslimen spiegelt sich in der Darstellung des Pilatus in türkischer Kleidung[14]. Die gemalten Scheinuhren, die sich an vielen Stellen der Gebäude zeigen und die bestimmte Stunden des Leidens Christi angeben, deuten auf das Stundengebet hin, das sich mit bestimmten Ereignissen aus dem Leben Jesu verband[15]. Sie weisen aber auch auf die sognannten "geistliche[n] Stundenrufe"[16] oder das "geistliche[...] Uhrwerk hin, Passionsgesänge aus der Zeit des Barock.

2. 2. Intentionen der Erbauer

Für die Intentionen der Erbauer ist das Motiv der "Himmelsleitern, Gnaden- und Heilstreppen, Jakobsleitern und Tugendleitern"[17] wichtig. Die Heilige Stiege verband sich mit solchen Vorstellungen. Auch der Kreuzweg wurde gleichermaßen als "Straße zum Himmel"[18] betrachtet. Von diesem Motiv her läßt sich der ganze Komplex auf dem Kreuzberg symbolisch als Weg zum Heil auffassen. Die einzelnen Stufen der dieser Leiter bzw. Abschnitte des Weges sind zum einen die Kreuzwegstationen, die einzelnen biblischen Szenen und zum anderen auch die Stufen den Heiligen Stiege. Die Absicht der Erbauer läßt sich so erschließen. Sie wollten den damaligen Menschen den Weg zum Heil bzw. auch den Weg eines tugendhaften Lebens. zeigen. Die ganze Umgebung des Kreuzbergs hängt mit der Thematik der Himmelsleiters und des Leidens zusammen. So ist es bestimmt auch kein Zufall, daß die Kirche auf einem Berg liegt und daß ein Friedhof sich in unmittelbarer Nähe der Wallfahrtsstätte befindet. Die Elemente des Theaters lassen die Vermittlungsabsicht ebenfalls erkennen. Die Figuren, Ornamente und Fresken sind sehr plastisch gestaltet. So scheint sich der Unterschied zwischen dem Bild und der Wirklichkeit zu verwischen. Die Verbindung zu aktuellen Themen der Zeit, wie z. B. die Pest oder die Konflikte mit dem Islam, können m. E. als Deutungshilfen für die Wirklichkeit der Menschen angesehen werden. So kann z. b. der Mensch sein eigenes Leiden mit dem Leiden Christi in Verbindung bringen.

2. 3. Präsentationsmethoden

Zwei Prinzipien lassen sich erkennen, nach denen die Elemente auf dem Kreuzberg angeordnet sind: Chronologie und thematische Anordnung. Das bestimmende Prinzip ist die Chronologie. Darauf weisen zum einen die Scheinuhren hin, die sich an vielen Stellen finden[19], zum anderen sind die Szenen aus dem Leiden Christi chronologisch angeordnet. Dies entspricht dem Motiv des Heilsweges bzw. der Himmelsleiter. So gedachte man beispielsweise an jeder Stufe der Heiligen Stiege einer anderen Station aus dem Leiden Christi[20] bis man am Ende der Stiege das Auferstehungsfresko an der Decke des Fürstenoratoriums erblickte[21]. So verbindet sich hier der Inhalt des Dargestellten, nämlich der Geschichte vom Leiden Christi, mit dem chronologischen Ordnungsprinzip, indem einzelne Stationen der Geschichte nacheinander gezeigt werden. Das Thematische Prinzip läßt sich an einigen Fresken erkennen. So finden sich am Ende der Stiege an der Rückwand zwei Fresken, die den Neuen und den Alten Bund darstellen[22]. Diese Darstellungen kann sich unmöglich einem chronologischen Prinzip entsprechen. Sie können nur thematisch dem Aspekt des Leidens Christi zugeordnet sein. Auch die Darstellungen von Frieden und Gerechtigkeit über dem Eingangsportal der Heiligen Stiege[23] können nur thematisch verstanden werden. Sie sind zwar einer bestimmten Station, hier der Kreuzigung, zugeordnet, ergeben sich aber nicht unmittelbar aus der Leidensgeschichte. Die Funktion dieser Fresken kann also nur die Deutung bestimmter Aspekte sein. Im Falle der Darstellung des Alten und Neuen Bundes wird die Thematik des Bundes angesprochen.

[...]


[1] SCHULTEN, Walter 1986, S. 3.

[2] ders. , S. 9.

[3] ders. , S. 3.

[4] ders. , S. 16.

[5] ders. , S. 19.

[6] ders. , S. 16.

[7] DROSDOWSKI, Günther 1989, S. 475.

[8] SCHULTEN, Walter 1986, S. 3.

[9] ders. , S. 3.

[10] ders. , S. 6.

[11] ders. , S. 9.

[12] ders. , S. 17.

[13] ders. , S. 6.

[14] ders. , S. 6.

[15] SCHULTEN, Walter 1989, S. 9.

[16] ders. , S 9.

[17] ders. , S. 14.

[18] ders. , S. 18.

[19] ders. , S. 9.

[20] ders, S. 14.

[21] ders, S. 15.

[22] SCHULTEN, Walter 1986, S. 11.

[23] ders, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Kreuzberg und die Heilige Stiege
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Mussen in der schulischen und außerschulischen Didaktik
Autor
Jahr
1998
Seiten
19
Katalognummer
V2990
ISBN (eBook)
9783638117999
ISBN (Buch)
9783640167784
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Museumspädagogik, Didaktik, Methdik, Kunst, Theologie
Arbeit zitieren
M. A. Frank Sauer (Autor), 1998, Der Kreuzberg und die Heilige Stiege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2990

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