Da Cyber-Mobbing ein sehr umfangreiches Themengebiet mit vielen unterschiedlichen Aspekten ist (z. B. Cyber-Mobbing unter Erwachsenen, Cyber-Mobbing von Lehrern durch Schüler, sexuelle Belästigung im Internet etc.), ist es notwendig, das Thema näher einzugrenzen. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Cyber-Mobbing unter Kindern und Jugendlichen, weil angloamerikanische Untersuchungen und Studien sich überwiegend auf diese Zielgruppe beschränken.
Befasst man sich mit Cyber-Mobbing, liegt es nahe, zunächst dessen Grundlagen zu erläutern. Dies erfolgt zunächst mit einem Überblick über traditionelles Mobbing. Kapitel 3 zeigt den aktuellen Forschungsbestand über Cyber-Mobbing auf. Zunächst erfolgt eine Begriffsklärung. Anschließend wird ein Überblick über die identifizierten Merkmale gegeben, gefolgt von Angaben zur Häufigkeit des Phänomens. Nach einer Vorstellung der verschiedenen Formen und Methoden von Cyber-Mobbing, wird verdeutlicht wie und wo es stattfinden kann. Bevor auf Wahrnehmung, Reaktionen und Strategien der Opfer eingegangen wird, wird eine Charakteristik der Beteiligten vorgenommen. Das Kapitel schließt mit der Darstellung der Folgen für die Opfer.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Traditionelles Mobbing
2.1 Definitionen und Formen
2.2 Charakteristik der Beteiligten
2.3 Folgen für das Opfer
2.4 Zusammenfassung
3 Cyber-Mobbing
3.1 Definition
3.2 Merkmale
3.3 Häufigkeit
3.4 Formen und Methoden
3.5 Wie und wo findet Cyber-Mobbing statt?
3.6 Charakteristik der Beteiligten
3.7 Wahrnehmung, Reaktionen und Strategien der Opfer auf Cyber-Mobbing
3.8 Folgen
3.9 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Cyber-Mobbing im Vergleich zum traditionellen Mobbing, um ein besseres Verständnis für die Ausprägungen, Risikofaktoren und die psychischen Folgen für betroffene Kinder und Jugendliche zu schaffen. Dabei werden wissenschaftliche Studien analysiert, um Präventions- und Interventionsmöglichkeiten abzuleiten.
- Grundlagen des traditionellen Mobbings und dessen Akteure
- Definition und Merkmale des Cyber-Mobbings
- Methoden und Verbreitungswege digitaler Gewalt
- Charakteristik von Tätern, Opfern und Zuschauern im digitalen Raum
- Psychische und soziale Folgen sowie Bewältigungsstrategien der Betroffenen
Auszug aus dem Buch
Enthemmung
Es hat sich gezeigt, dass Personen wenn sie das Internet benutzen, eher dazu neigen Dinge zu erzählen, zu sagen oder zu tun, die sie im richtigen Leben nicht preisgeben, sagen oder tun würden. Man bezeichnet dieses Phänomen als Enthemmung, das sowohl positive als auch negative Aspekte mit sich bringt. Es scheint als erlaubten Informationstechnologien den Nutzern eher Rechtfertigungsstrategien für unverantwortliches Onlineverhalten zu finden. Die Enthemmung begründet sich allem Anschein nach in diesem Rechtfertigungsverhalten, mit denen Personen ihr Abweichen von sozialen Standards, gesellschaftlichen Normen und Gesetzen erklären, wie z.B. „Jeder macht so etwas“ oder „im Internet besteht Meinungsfreiheit, zu sagen was man will“. Darüber hinaus tragen die Empfindung von Unsichtbarkeit und Anonymität und das damit verbundene, vermeintliche Ausbleiben von Konsequenzen für die Onlinehandlungen ebenfalls zu Enthemmung bei.
Auch die Tatsache, dass durch moderne Medien eine Distanz zwischen den Nutzern entsteht ist ein wichtiger Punkt. Täter erhalten keine greifbare Rückmeldung, wann das Opfer „genug hat“ und wann die „Schmerzgrenze“ überschritten ist. Sie haben die Auswirkungen ihres Handelns und die Folgen für das Opfer nicht vor Augen; die spürbare Gefahr einer handgreiflichen Auseinandersetzung oder anderer umgehender Konsequenzen, die im Face-to-Face Kontakt gegeben ist, bleibt aus. Ferner fehlen auch andere Anhaltspunkte wie z.B. die Körpersprache, die dem Täter klar machen, welchen emotionalen, psychischen oder physischen Schaden das Opfer genommen hat. Im direkten Kontakt bewirken sichtbare Reaktionen seitens des Opfers oftmals eine Zügelung im Verhalten des Täters. Diese Gesichtspunkte, die Willard mit dem Satz „I can’t see you - you can’t see me“ zusammenfasst, führen zu mangelndem Einfühlungsvermögen und dazu, dass die Attacken beim Cyber-Mobbing oft weiter gehen als bei traditionellem Mobbing. Zudem sind diese häufig besonders brutal und grausam.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Phänomen Cyber-Mobbing anhand konkreter Fallbeispiele und Darlegung der Relevanz des Themas sowie der inhaltlichen Eingrenzung.
2 Traditionelles Mobbing: Definition von Mobbing und dessen Abgrenzung zu anderen Verhaltensweisen sowie die Charakterisierung der beteiligten Akteure und deren Folgen.
3 Cyber-Mobbing: Umfassende Untersuchung des Forschungsstandes zum digitalen Mobbing, inklusive Definition, Methoden, Tätertypen, Opfererfahrungen und psychosozialer Auswirkungen.
Schlüsselwörter
Cyber-Mobbing, Cyberbullying, traditionelles Mobbing, Enthemmung, Anonymität, soziale Medien, Prävention, Intervention, Opfer, Täter, Suizidgefährdung, Online-Kommunikation, Gruppendynamik, Schikanierung, digitale Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen von Cyber-Mobbing und setzt diese in den Kontext des traditionellen Mobbings, um Besonderheiten und Risiken im Internetzeitalter zu identifizieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit analysiert Definitionen, Merkmale, Häufigkeiten, verschiedene Formen wie Flaming oder Denigration sowie die Rollen von Tätern, Opfern und Zuschauern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Phänomen Cyber-Mobbing durch den Vergleich mit herkömmlichem Mobbing zu durchdringen, um Erkenntnisse für Präventionsansätze bei Kindern und Jugendlichen zu gewinnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Studienanalyse, um den aktuellen Forschungsstand zusammenzuführen und aufbereitet darzustellen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden neben der Begriffsklärung vor allem die technischen und sozialen Rahmenbedingungen, die Rollenverteilung in Cyber-Mobbing-Prozessen sowie die psychischen Folgen für Opfer detailliert beschrieben.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Cyber-Mobbing, Enthemmung, digitale Gewalt, Täter-Opfer-Dynamik, Prävention und psychosoziale Belastung sind die zentralen Begriffe.
Wie unterscheidet sich Cyber-Mobbing vom traditionellen Mobbing bezüglich des "Machtungleichgewichts"?
Während im traditionellen Mobbing oft physische Stärke eine Rolle spielt, basiert die Macht im Cyber-Mobbing oft auf technischer Kompetenz, Anonymität und der permanenten Verfügbarkeit des Opfers.
Warum fällt es Opfern laut der Arbeit oft schwer, sich Erwachsenen anzuvertrauen?
Viele Jugendliche fürchten ein Verbot der Mediennutzung, die Schuldzuweisung seitens der Erwachsenen oder glauben, dass diese die Situation ohnehin nicht kompetent lösen können.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Kern (Autor:in), 2010, Cyber-Mobbing. Theoretische Grundlagen und Vergleich zum traditionellen Mobbing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299014