"Savannah Bay". Themen und Merkmale bei Marguerite Duras


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überblick und Inhalt

3. Durassche Themen
3.1 Liebe und Sehnsucht
3.2 Erinnerung
3.2.1 Erinnerung in Savannah Bay
3.2.2 Erinnerung bei Duras

4. Merkmale des durasschen Theaters

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Marguerite Duras ist neben Samuel Beckett und Alain Robbe-Grillet eine der bekanntesten französischen Schriftstellerinnen des Nouveau Roman. Duras Werke enthalten eine Vielzahl von Gestaltungselementen, die auf die Abwendung von literarischen Traditionen hinweisen, wie z.B. das in den Hintergrund treten der Figuren und Handlung und die damit einhergehende Fokussierung auf Inhalt und Form, sowie auf den Augenblick und die Worte im Theater.

Vor allem im Theaterstück und der Inszenierung von Savannah Bay von 1983 werden diese Merkmale des Nouveau Roman und somit auch die von Duras für den Leser und Zuschauer spürbar.

Die Frage, die sich hierbei stellt, ist die nach der Rolle des Lesers/Zuschauers. Fördert Duras’ Art zu schreiben und zu inszenieren einen mitdenkenden, eigenständigen Rezipienten oder steht er mit den wenigen Hinweisen über die Figuren und Handlung im Theaterstück Savannah Bay überfordert außen vor?

Aufgrund der inhaltlichen Komplexität und Verwirrung, die das Stück Savannah Bay mit sich bringt, werde ich in meiner schriftlichen Hausarbeit zuerst einmal zusätzliche Informationen über die Inszenierung geben. Zudem werde ich den groben Inhalt des Stücks kurz und präzise zusammenfassen. Um weiterhin die obige Fragestellung zu beantworten, gehe ich auf die drei durraschen Themen Liebe, Sehnsucht und Erinnerung in Savannah Bay ein, wobei ich des Weiteren den Erinnerungsprozess bei Duras erklären werde. Zum Schluss werde ich die wichtigsten Merkmale des durasschen Theaters herausarbeiten, die sich am Beispiel Savannah Bays aufzeigen lassen.

2. Überblick und Inhalt

Duras’ Theaterstück Savannah Bay hatte seine Erstaufführung am 27. September 1983 im Théâtre du Rond Point in Paris. Die Autorin schrieb dieses Stück auf Bitten der Schauspielerin Madeleine Renaud (83), zu der sie eine besondere Beziehung pflegte. Genauso wie Renaud, spielte auch bereits Bulle Ogier, die hier die Rolle der Jungen Frau übernimmt, in mehreren Stücken der Schriftstellerin mit. Savannah Bay wurde demnach für Madeleine Renaud geschrieben und ist eine Hommage an ihr Lebenswerk. Duras selbst schrieb im Vorwort des Theaterstücks, dass die Rolle der Madeleine [...] nur eine Schauspielerin spielen [darf d. Verf.], die in der Pracht ihres Alters steht. Das Stück >Savannah Bay< ist dieser Pracht wegen erfunden und geschrieben worden. Keine junge Schauspielerin kann die Rolle der Madeleine in >Savannah Bay< spielen (Duras, 1985, S. 9).

Des Weiteren, ist es „charakteristisch für Duras’ Theaterstücke, daß [sic] sie zumeist Bearbeitungen von schon existierenden Erzählungen oder Prosatexten sind“ (Kolesch & Lehnert, 1996, S. 159), was auch für das Stück Savannah Bay zutrifft. Es existieren zwei Versionen . Die erste Version von 1982, die nie im Theater gespielt wurde und die Erstaufführung von 1983, die Duras selbst inszenierte. Die zweite Version ist das Resultat der szenischen Arbeit der Schriftstellerin, an der sie noch während der offiziellen Proben des Stücks arbeitete.

Während der gesamten Aufführung sind nur zwei Personen auf der Bühne zu sehen. Zum einen Madeleine, eine ehemalige Schauspielerin, die ihr Gedächtnis verloren hat, und eine Junge Frau, von der sie jeden Tag besucht wird. Die Junge Frau möchte ihr dabei helfen, sich wieder an ihre Vergangenheit zu erinnern. Das Stück bezieht sich auf einen einzigen Besuch der Jungen Frau, und beginnt mit dem Lied „les mots d’amour“ von Edith Piaf. Wie jeden Tag, bittet sie Madeleine noch einmal die Geschichte ihrer Vergangenheit zu erzählen. Madeleine, die sich nur an Bruchstücke ihres Lebens erinnert, erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens in einem schwarzen Badeanzug auf einem weißen Felsen, von einem jungen Mann, der in dieses Mädchen verliebt war, von einem kleinen Kind, das aus ihrer Liebe geboren wurde. Eine Geschichte über den Selbstmord eines jungen Mädchens, über eine Schauspielerin, die jeden Abend auf der Bühne gestorben ist und von einer Schauspielerin, die einen Film in Savannah Bay drehte. Die Beziehung zwischen den Frauen wirkt familiär. Die Junge Frau, vermutlich die Enkelin Madeleines, sucht nach Antworten über die Vergangenheit Savannahs und deren Selbstmord. Madeleine schmerzt der Tod ihrer Tochter Savannah sehr, den sie nie überwunden hat. In dem Dialog zwischen den beiden Frauen verdichten sich die Anzeichen, dass Savannah die Mutter der Jungen Frau ist.

3. Durassche Themen

3.1 Liebe und Sehnsucht

Von den drei Frauen wird wie von einer Familie aus Großmutter, Tochter und Enkelin gesprochen. Ihre Beziehung bleibt sowohl auf Textniveau sowie auf emotionaler Ebene unbestimmt. Wahre Zuneigung oder Liebe füreinander wird in dem Stück nicht ausgedrückt. Madeleine behandelt und spricht die Junge Frau an, einerseits als ob sie ihre eigene Tochter wäre, andererseits als sei sie eine Unbekannte. Die Junge Frau verhält sich nach einem ähnlichen Muster. Sie behandelt die ältere Dame wie ein Kind, liebevoll und fürsorglich, jedoch andere Male auch grausam und mit Härte in ihren Worten. Diese Darstellung wird auch als das „in Duras’ Texten so irritierende Phänomen der Stellvertretung und Austauschbarkeit von Menschen“ (Kolesch et al., 1996, S. 154) beschrieben.

Um diese unbestimmte Situation noch zu verstärken, werden im Stück nur zwei Namen genannt: Madeleine und Savannah. Oftmals „haben die Figuren in Duras’ Texten so selten einen Charakter, eine erkennbare Persönlichkeitsstruktur“ (Kolesch et al., 1996, S.154), was es dem Zuschauer erschwert, sich mit den Figuren zu identifizieren. Zum einen ist da der Name Madeleine. Duras beschreibt sie im Vorwort als eine Frau, die „in der Pracht ihres Alters steht“ (Duras, 1985, S.9), aber über die man außer ihrer früheren Tätigkeit als Theaterschauspielerin und ihrem Gedächtnisverlust nichts Greifbares erfährt. Ihr Gegenüber auf der Bühne ist die Junge Frau, deren Identität gänzlich verborgen bleibt. Zum anderen taucht der Name Savannah nicht nur im Titel Savannah Bay, sondern auch wiederholte Male im Stück selbst auf. Er hat eine zentrale Bedeutung und erscheint immer in einem anderen Kontext. Zu Beginn des Stücks erfährt man, dass Savannah der Name der verstorbenen Tochter Madeleines ist. Die Junge Frau versucht ihre Vergangenheit wiederzufinden. Demnach bedient sie sich der Tatsachen, die sie über ihre Mutter in Erfahrungen bringen konnte. Denn „dem Kind, das geboren wurde, hat man keinen Namen gegeben [...]. Sie hat sich später selbst einen gegeben. Sie hat sich den Namen Savannah gegeben“ (Duras, 1985, S. 69f.). Des Weiteren ist Savannah eine Bucht, die bereits im Titel des Stücks Savannah Bay genannt wird. Madeleine lokalisiert sie in Siam. In Wirklichkeit aber, gibt es zwar Orte auf der Welt, die diesen Namen tragen, jedoch liegt keiner von ihnen in Siam. Der Name Savannah oder auch Savannah Bay steht in diesem Theaterstück als ein Synonym, das für die Liebe und die Sehnsucht nach einem verlorenen Menschen und einer vergessenen Vergangenheit steht. Savannah ist das Verbindungsstück beider Frauen auf der Bühne.

Sehnsucht und Liebe sind zwei immer wieder auftretende Merkmale der durasschen Welt. Die Junge Frau sehnt sich danach, endlich zu wissen, was in ihrer Vergangenheit passiert ist. Sie will den Grund erfahren, weshalb ihre Mutter sich das Leben nahm, und vermutet: „Vielleicht war das Kind, war es zuviel [sic] Glück auf einmal? Pause Vielleicht war das Kind der Mühe nicht wert. Pause Hätte nicht den Tod verhindern können“ (Duras, 1985, S. 57). Von Anfang bis zum Ende des Stücks dominiert die Junge Frau die Unterhaltung mit Madeleine. Sie zwingt sie dazu, sich zu erinnern, sich zu bemühen ihre verlorenen Erinnerungen wiederzufinden. Jedoch stellt sich die Frage, welche Wahrheit sie eigentlich sucht. Seit längerer Zeit kommt sie jeden Tag um Madeleine zu besuchen. Obwohl sie den gleichen Prozess mit ihr immer und immer wieder durchläuft, sind die Informationen, die sie erhält, nie die gleichen. Madeleine gibt zu, dass sie sich immer „ [...] in den Daten... den Leuten... den Orten...“ (Duras, 1985, S. 32) irrt. Aus diesem Grund beginnt die Junge Frau, sich ihre eigene Vergangenheit aus den Erinnerungen Madeleines zu erschaffen. Es war schließlich die Junge Frau selbst, die sich Savannah nannte (vgl. Duras, 1985, S. 70).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
"Savannah Bay". Themen und Merkmale bei Marguerite Duras
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Marguerite Duras
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V299095
ISBN (eBook)
9783656959441
ISBN (Buch)
9783656959458
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
savannah, themen, merkmale, marguerite, duras
Arbeit zitieren
Alexandra Baum (Autor:in), 2015, "Savannah Bay". Themen und Merkmale bei Marguerite Duras, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299095

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