Literarisches Lernen in der sechsten Klasse. Didaktischer Kommentar zu einer Lerneinheit eines Deutschbuches


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,7

Lena Lindemann (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Typographischer Aufbau der Lerneinheit

3. Das Aufgabenset in Bezug auf das Kerncurriculum
3.1 Kompetenzbereiche
3.2 Anforderungsbereiche
3.3 Angestrebte Kompetenzen

4. Didaktische Betrachtung der Lerneinheit
4.1 Aufgabenformat und Grad der Offenheit
4.2 Analyse des Aufgabensets
4.3 Alternative Aufgaben

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturangaben

7. Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beinhaltet einen didaktischen Kommentar zu einer Lerneinheit aus dem „Deutschbuch“ Neue Grundausgabe Bd. 6 vom Cornelsen Verlag. Die behandelte Lerneinheit „Martin Luther: Rabe und Fuchs“ umfasst ein fünfteiliges Aufgabenset zu den inhaltlichen und interpretatorischen Zusammenhängen der lutherschen Fabel. Sie ist eingebettet in die siebte Unterrichtseinheit „Tiere wie Menschen - Fabeln verstehen und verändern“. Man findet die Lerneinheit unter dem Unterkapitel 7.1 „Fabeln aus alter und neuer Zeit - Lehrreiche Geschichten“ als zweite Lerneinheit auf S.107-108.

Das Seminar GRM-1.2 „Kurzprosa narratologisch und sprachlich untersuchen“, unter der Leitung von Prof. Dr. [[[[[[[[[, setzte seinen Fokus auf die Analyse der epischen Kurzformen als Gegenstand des Deutschunterrichts in Grundschule und Sekundarstufe I. Unter Berücksichtigung der curricularen Vorgaben bei der Behandlung dieser Texte wird erarbeitet, wie im Deutschunterricht eine Anbahnung von literarischem Lernen erfolgen kann.

Nach einer kurzen Skizze zum typographischen Aufbau wird das Aufgabenset mit Blick auf das niedersächsische Kerncurriculum für die sechste Klasse der Realschule im Fach Deutsch untersucht Anschließend erfolgt die didaktische Betrachtung der Lerneinheit. Ferner werden hier auch alternative Aufgaben dargeboten. Abschließend werden die gewonnen Erkenntnisse reflektiert.

2. Typographischer Aufbau der Lerneinheit

Die Lerneinheit erstreckt sich über die Seiten 107 und 108. Sie beginnt etwa in der Mitte (horizontal) auf Seite 107. Sie eröffnet mit den beiden Überschriften „Martin Luther“ und darunter, in fett gedruckt, „Rabe und Fuchs“. Danach folgt in Blocksatz der Text der Fabel. Text und Paratext sind in schwarz und in der gleichen Schriftgröße gedruckt. Rechts oben findet man eine Illustration von einem Raben und einem Fuchs in einer comicähnlichen Darstellung. Der Rabe steht im Vordergrund und ist relativ groß illustriert (schwarzer Oberkörper, schwarzer Kopf und ein großer, gelber Schnabel). Im Schnabel hält der Rabe ein sehr großes Stück Käse, welches fast die Hälfte der Illustration ausmacht. Im Hintergrund ist in grün das Blattwerk des Baumes angedeutet. Links unten ist ein kleiner Fuchs abgebildet. Es hat den Anschein, dass der Rabe hoch oben auf einem Baum sitzt und der Fuchs sich tief unten auf dem Boden befindet. Das Bild steht relativ im Vordergrund und könnte das Interesse der Schüler wecken. Auf das große und begehrte Käsestück wird man besonders aufmerksam gemacht und so zum Thema der Stunde hingeführt. Die Interpretation der Fabel wird durch die Illustration kaum gestützt. Reinhard Dithmar erklärt, Fabeln, die mehr Rede als Handlung haben, wie z.B. „Rabe und Fuchs“ bieten für die Illustration keine bestimmte entscheidende Situation. Sie sind daher für Illustrationen weniger gut geeignet als handlungsstarke Fabeln.1 Unterhalb des Fabeltextes sind in Kursivdruck die ersten vier Aufgaben aufgeführt. Auf Seite 108, links oben und auch kursiv gedruckt steht die fünfte Aufgabe. Darunter befinden sich als paratextuelles Element ein paar kurze Informationen zu Martin Luther. Rechts daneben sieht man eine Illustration Martin Luthers. Es handelt sich um die Abbildung eines Ölgemäldes in dunklen Tönen mit grünem Hintergrund. Der typographische Aufbau der Lerneinheit ist relativ übersichtlich strukturiert. Das Bild-Text-Verhältnis ist ausgeglichen.

3. Das Aufgabenset in Bezug auf das Kerncurriculum

3.1 Kompetenzbereiche

Die im Rahmen schulischer Lehr- und Lernprozesse im Fach Deutsch der Realschule anzustrebenden Kompetenzen sind vom Niedersächsischen Kultusministerium seit 2006 in einem Kerncurriculum vorgegeben und näher beschrieben worden. Das Kerncurriculum gibt vier Kompetenzbereiche vor: „Sprechen und Zuhören“, „Schreiben“, „Lesen- mit Texten und Medien umgehen“ und „Sprache und Sprachge- brauch untersuchen“.2

Das Thema „Fabeln“ ist im Kerncurriculum dem Kompetenzbereich „Lesen - mit Texten und Medien umgehen“ zugeordnet. Die von mir behandelte Lerneinheit verlangt jedoch im Sinne eines integrativen Deutschunterrichts ein vielfältigeres Kompetenzspektrum und strebt auch Kompetenzen aus den übrigen drei Kompetenz- bereichen an.

Im Folgenden werden nun die Aufgaben in den vom Kultusministerium beschriebenen Anforderungsbereichen verortet. Im nächsten Schritt wird beschrieben, auf welchen Kompetenzbereich die Aufgaben verweisen.

3.2 Anforderungsbereiche

Der Kompetenzerwerb wird über den Einsatz von Aufgaben gesteuert. Dabei werden in allen vier Kompetenzbereichen Kompetenzen auf unterschiedlichen Anforderungs- ebenen angestrebt. Die drei Anforderungsbereiche 1. „Reproduzieren“, 2. „Zusam- menhänge herstellen“ und „3. Verallgemeinern und Reflektieren“ sind bei der Konstruktion von Aufgaben zu berücksichtigen, damit der Erwerb aller drei Kompetenzstufen sicher gestellt wird.3 Alle Anforderungsbereiche wurden in der Lerneinheit berücksichtigt. Bremerich-Vos und Granzer erklären, die Zuordnung zu den Anforderungsbereichen ist nicht immer eindeutig zu bestimmen. Komplexe Aufgaben fordern zumeist Operationen aus allen drei Anforderungsbereichen.4

Bei Aufgabe 1 geht es um das Zusammenfassen der Handlung der Fabel, mit dem Fokus auf das Handeln des Raben. Diese Aufgabe kann den Anforderungsbereichen 1 und 2 zuordnen Es ist keine bloße Reproduktionsaufgabe, da der Text komprimiert wiedergegeben werden muss, zudem müssen grundlegende Handlungszusammen- hänge dargestellt werden.

Aufgabe2, zumindest der Teil, bei dem es ums Begründen geht, fällt unter den dritten Anforderungsbereich. Hier muss der Gewinner der Fabel benannt werden, die Entscheidung muss aber begründet werden.

Aufgabe drei kann am ehesten dem zweiten und dem dritten Anforderungsbereich zugeordnet werden. Der Fuchs und der Rabe sollen zeichnerisch dargestellt werden. Dies entspricht in etwa dem zweiten Anforderungsbereich. Das Zuordnen von passenden Adjektiven könnte man als eine erste einfache Charakterisierung bzw. Bewertung. verstehen.

Die vierte Aufgabe entspricht dem „Verallgemeinern und Reflektieren“. Die Moral der Fabel soll hier beurteilt werden. Es wird also eine Stellungnahme verlangt. Aufgabe 5 könnte man dem zweiten und dem dritten Anforderungsbereich zugeordnet werden. Einer gestalterischen und szenischen Darstellung der Fabel geht immer auch eine Reflektion voraus.

3.3 Angestrebte Kompetenzen

In allen fünf Aufgaben wird der Kompetenzbereich „Lesen - mit Texten und Medien umgehen“ berücksichtigt. Die Educanten lernen in diesem Bereich mit Texten und Medien umzugehen und Strategien für das Verstehen von Texten zu entwickeln. Literarische Texte müssen verstanden und genutzt werden. Den Schülern werden altersangemessene Werke der deutschen Literatur, in diesem Fall die Fabel Luthers, offeriert. Anhand der genannten Fabel erarbeiten sich die Schüler fachliche Grundlagen der Texterschließung. Sie setzen sich mit einzelnen inhaltlichen Aussagen und Aussagezusammenhängen auseinander.5

Für Aufgabe 1 müssen nach dem Lesen des Textes alle relevanten Informationen erfasst und wiedergegeben werden, die die Figur des Raben betreffen. Die Kinder entnehmen so dem Text Informationen und erkennen wichtige Textpassagen. Die Schülerinnen und Schüler benötigen hier die Fähigkeit wesentliche Informationen eines überschaubaren Textes zusammenfassen.6

Für die zweite Aufgabe muss der Text auch verstanden worden sein. Sie müssen im Text Hinweise finden aus denen sich der Gewinner der Fabel ermitteln lässt. Die Kinder untersuchen so einfache literarische Texte und verständigen sich über Deutungen. Die Fähigkeit deutungsrelevante Textstellen zu erkennen ist hier gefragt. Zudem sollten die Kinder befähigt werden, Textverweise und -Kennzeichnungen (z.B. Unterstreichungen) vorzunehmen.7

Die dritte Aufgabe kann ebenfalls im Kompetenzbereich Lesen verortet werden. Um den Fabeltieren treffende Adjektive zuzuordnen, muss der Text mit Blick auf charakteristische Merkmale der Tiere gelesen werden. Dazu müssen wichtige Informationen zu den Fabeltieren ermittelt und genutzt werden, um so ansatzweise Verhaltensweisen, Handlungen und Motive in einfachen literarischen Texten verstehen zu lernen.8

In Aufgabe 4 muss die ermittelte Lehre des Textes in die eigene Lebenswirklichkeit übertragen werden. Hierfür müssen Handlungsmotive erkannt werden und eigene Erfahrungen dazu formuliert werden. Die Kinder verbinden Inhalte eines einfachen literarischen Textes mit eigenen Erfahrungen.9

Die Aufgabenstellungen lassen einen integrativen Deutschunterricht im Sinne des Kerncurriculums zu, denn auch der Kompetenzbereich „Sprechen und Zuhören“ wird mit den Aufgaben 1, 2, 4, und 5 abgedeckt.

Sofern man die gestellten Aufgaben im Klassengespräch erarbeiten möchte, müssen die Kinder dem Gespräch aufmerksam folgen, verstehend zuhören und sich sprachlich beteiligen. Die hier erwarteten Kompetenzen sind: zu, mit und vor anderen sprechen, verstehend zuhören und szenisch spielen und gestalten.

Beim miteinander Sprechen informieren sich die Lerner durch gezieltes Fragen und informieren andere über einfache Sachverhalte. Sie sollen grundlegende Gesprächsregeln (z.B. ausreden lassen, sich melden) beachten. Basale Regeln des höflichen Umgangs miteinander können eventuell ebenfalls gefestigt werden. Bei allen Aufgaben wird die Kompetenz erwartet, dass die Schülerinnen und Schüler mündliche Beiträge sachangemessen formuliert, gut artikuliert und zuhörerorientiert vortragen. Hierfür bedarf es der Fertigkeit, basale Merkmale und Wirkungsweisen des mündlichen Erzählens, Berichtens, Beschreibens und Argumentierens zu kennen und beim Sprechen zu berücksichtigen.10

Die Kompetenz, eigene Meinungen und Anliegen vorzutragen und ansatzweise unter Bezug auf eigene Erfahrungen zu begründen, wird mit Aufgabe 4 angebahnt. Die Kinder müssen befähigt werden, zu einem Thema in einer kurzen Stellungnahme die eigene Meinungen und Erfahrungen angemessen zu vertreten und gegenteilige Auffassungen wahrzunehmen. 11

Eine besondere Gewichtung erhält der Kompetenzbereich „Sprechen und Zuhören“ bei der Bearbeitung von Aufgabe 5. Hier sollen die Kinder „Rabe und Fuchs“

[...]


1 Vgl. Dithmar (1988), S. 203.

2 Vgl. www.nibis .de. S. 10.

3 Vgl.ebd., S.10

4 Vgl. Bremerich-Vos & Granzer (2009), S.8

5 Vgl. ebd.,. S. 28.

6 Vgl. ebd., S. 29.

7 Vgl. ebd., S. 31

8 Vgl. ebd., S. 31.

9 Vgl. ebd, S.30.

10 Vgl. ebd. S13.

11 Vgl.ebd., S. 12 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Literarisches Lernen in der sechsten Klasse. Didaktischer Kommentar zu einer Lerneinheit eines Deutschbuches
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Germanistik- und Sprachwissenschaften)
Veranstaltung
GRM-1.2 Sprach- und Literaturwissenschaft in Bezug zur Fachdidaktik Kurzprosa narratologisch und sprachlich untersuchen
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V299152
ISBN (eBook)
9783656956778
ISBN (Buch)
9783656956785
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literarisches, lernen, klasse, didaktischer, kommentar, lerneinheit, deutschbuches
Arbeit zitieren
Lena Lindemann (Autor), 2012, Literarisches Lernen in der sechsten Klasse. Didaktischer Kommentar zu einer Lerneinheit eines Deutschbuches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299152

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