Die Frauenbewegung um 1900 als Auslöser für gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland


Essay, 2003
7 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Die Frauenbewegung um 1900 als Auslöser für Veränderungen in Deutschland

Die erste deutsche Frauenbewegung begann mit der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“ im Jahre 1865. Doch erst seit 1894, das Gründungsjahr des „Bundes Deutscher Frauenvereine“ ist die Bewegung durch die Forderung des Stimmrechts für Frauen eine Politische geworden. Von diesem Zeitpunkt an strebten die Frauen neue sozialpolitische Ziele für die Gleichstellung der Frauen an. Diese neue politische Richtung der Frauen war der Auslöser für eine Reihe von Veränderungen innerhalb Deutschlands.

Vor allem die Radikalen, wie der Verein Frauenwohl geleitet von Minna Cauer, weiteten ihre Ziele zur Gleichstellung der Frau aus. So dass sie nicht nur für das Stimmrecht der Frauen kämpften, sondern ebenso die Sittlichkeitsfrage, die für gleiche Moral beider Geschlechter kämpft, aufgriffen. Wie versuchten die Frauen diese Veränderungen, in der Männerwelt in der sie lebten, in die Tat umzusetzen und für ihre Rechte auf Gleichstellung zu kämpfen?

Bis zur Gründung des „Bund Deutscher Frauenvereine“ kämpften die Frauen vor allem für verbesserte Bildungsmöglichkeiten und Erwerbsarbeit für Frauen. Außerdem forderten sie die Selbstständigkeit und das Selbstbestimmungsrecht im sozialen Leben und kämpften gegen ihre rechtliche Unmündigkeit. Allerdings machten sie schnell die bittere Erfahrung, dass sie weder Rechte noch eine Stimme in der politischen Welt hatten, so dass ihre Möglichkeiten, etwas zu erreichen, gering waren. Trotzdem erreichten sie 1893 die Gründung des ersten deutschen Mädchengymnasium in Karlsruhe. Die Grundlagen die der „Allgemeine Deutsche Frauenverein“ (kurz ADF) markiert hatte wurden in den nachfolgenden Jahren noch mehr gepresst und durch vermehrte Propagandaarbeit und den Zusammenschluss der Frauenvereine zum „Bund Deutscher Frauen“ (BDF) verstärkt.

Zu diesem Zeitpunkt ließen sich zwei Richtungen innerhalb der unabhängigen Frauenbewegung ausmachen. Einerseits die Gemäßigten und auf der anderen Seite der radikale Flügel, welcher durch hartnäckige Forderungen den politischen Aspekt der Frauenbewegung hervorrief. Sie kämpften nicht nur für das Stimmrecht der Frauen, welches sie als Voraussetzung für ihren Kampf um Gleichheit ebenso wie ein gegebenes Menschenrecht ansahen. So gründete der linke Flügel, bestehend unter anderem aus Anita Augspurg und Minna Cauer, 1902 den Stimmrechtsverein in Hamburg, da dort die Mitgliedschaft von Frauen in politischen Vereinen nicht verboten war. Dieser Verein forderte die politische Gleichberechtigung der Frau durch verbreitete Propagandaarbeit. Frauen wurden nicht nur durch Vorträge aufgeklärt, sondern ebenso durch Flugblätter und Zeitungsartikel angeworben. Obwohl dies noch nicht zum Erlangen des Wahlrechts führte, sorgten die Aktionen doch für Aufmerksamkeit und einem wachsendem Gefühl der Ungerechtigkeit unter Frauen, so dass sich mehr und mehr Frauen zusammenschlossen um weitere Ziele anzustreben. So stieg auch die Zahl der Vereine, die sich dem „Bund Deutscher Frauenvereine“ anschloss; wo es 1895 lediglich 65 Vereine waren, waren es bis zum Jahre 1901 schon 137 Vereine die zum BDF zählten.

Mit der Gründung des „Verbandes Fortschrittlicher Frauenvereine“, 1899 begann der linke Flügel erstmals auch Themen aufzugreifen die bis zu diesem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit tabuisiert wurden, indem sie die sexuelle Doppelmoral, sowie Ursachen der Prostitution anprangerten. Dies wurde nach dem gescheiterten Erlangen des Wahlrechts zur Schlüsselfrage des linken Flügels. Allerdings war die Gründung des „Verbandes Deutscher Frauenvereine“ auch der entgültige Bruch vom „Bund Deutscher Frauenvereine“, da der linke Flügel nicht die gleichen Ansichten, wie der eher konservative BDF vertrat.

Der BDF mit Hanna Bieber-Böhm im Vorstand, vertrat die Meinung, dass die Prostitution komplett abgeschafft werden müsse. Durch Zwangserziehung und Strafandrohungen, die sich sowohl an die Prostituierten, wie auch den beteiligten Männern richten sollten, wollten sie das wachsende Problem der Prostitution beseitigen. Hanna Bieber-Böhm setzte ihren Kampf fort, indem sie die Prostitution als Hauptgrund der steigenden Übertragung von Geschlechtskrankheiten verantwortlich machte. Sie rief die Frauen dazu auf, ihre Söhne über die „Pflicht der Keuschheit und die schädlichen Folgen der Unkeuschheit für die Gesundheit“[1] aufzuklären. Hanna Bieber-Böhm und ihre Mitstreiterinnen wollten durch die Abschaffung der Prostitution eine komplett monogame Gesellschaft erreichen. Dies konnten sie nur durch staatliche Unterstützung erreichen und forderten so Strafverfolgungen und Zwangserziehung. Mit einer Petitionen und einer Reihe von Forderungen, wie beispielsweise der Abschaffung unsittlicher Bücher, Bilder etc., wandten sie sich an den Reichstag. Der Staat setzte diese Forderungen allerdings nicht um, und Prostitution wurde weiterhin geduldet. Es fanden lediglich Gesundheitskontrollen der Prostituierten und Bestrafung bei Zuwiderhandeln statt.

Der Radikale Flügel stemmte sich gegen die Forderungen Hanna Bieber-Böhms, da sie gegen die Bestrafun,g allerdings ebenso für die Abschaffung der Prostitution waren. Diese Ansicht verstärkte sich, nachdem die Polizei erweiterte Möglichkeiten erhalten sollte die Prostituierten zu kontrollieren.[2] Sie befürchteten dadurch, dass eine noch stärkere Geringschätzung der Frauen eintreten würde. Als das von nun an auch die „sittsame“ Frau einen polizeilichen Übergriff befürchten müsse. Vor allem Lida Gustava Heymann verurteilte die neue Machtposition der Polizei, da dies „eine brutale Vergewaltigung der Freiheits- und Menschenrechte der Prostituierten“[3] und Frauen im Allgemeinen bedeutete. Lida Gustava Heymann leistete große Öffentlichkeitsarbeit, beginnend mit der Gründung des Zweigvereins der „Internationalen Abolitionistischen Föderation“. Dieser setzte sich vor allem gegen die Bestrafung der Prostituierten, gegen die Reglementierung der Prostitution und gegen die doppelte Sexualmoral des Mannes ein. So hielten sie beispielsweise in ihrer Satzung vom 18.Januar 1899, folgende Erkenntnis fest:

[...]


[1] Bieber-Böhm, H., „Die Sittlichkeitsfrage eine Gesundheitsfrage“ 1896

[2] Diese Einigung wurde verabschiedet nachdem ein Zuhälterpärchen einen Nachtwächter ermordet hatten.

[3] Schmackpfeffer, Petra 1989

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Frauenbewegung um 1900 als Auslöser für gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
7
Katalognummer
V299191
ISBN (eBook)
9783656956440
ISBN (Buch)
9783656956457
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbewegung, Soziologie, Geschichte, Deutschland, 1900, Gleichstellung, Frauenvereine
Arbeit zitieren
Anja Benthin (Autor), 2003, Die Frauenbewegung um 1900 als Auslöser für gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299191

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