Die Tübinger Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, durch die Erörterung der wissenschaftslogischen Grundlagen der Soziologie, die vorhandenen Differenzen in den Forschungseinrichtungen hervortreten zu lassen und damit für die Forschung fruchtbar zu machen. Die sich daraus entwickelnde Kontroverse, ging in die Geschichte als Positivismusstreit in der deutschen Soziologie bzw. als Methodenstreit ein. Thema der beiden Hauptreferenten war ”Die Logik der Sozialwissenschaften”. Als Hauptreferenten wurden zwei Personen ausgewählt, von denen man annehmen konnte, dass ihre Auffassung zu diesem Thema so entgegengesetzt ist, dass ihre Referate die gewünschte Kontroverse über die Thematik auch erfüllen würden. Man entschied sich einerseits für Karl R. Popper, Vertreter des Kritischen Rationalismus, und anderseits für Theodor W. Adorno, als Vertreter der Kritischen Theorie.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Positionen der beiden Hauptreferenten, Popper und Adorno, herauszuarbeiten und die Frage nach den moralischen und politischen Positionen der beiden Theorien zu klären. Zunächst werden die beiden Referenten kurz skizziert, um den Einstieg zu erleichtern. In einem zweiten Schritt werde die wesentlichen inhaltlichen Kern- und Kritikpunkte beider Referate vorgestellt und in einem weiterem Abschnitt miteinander verglichen. Ergänzt werden sollen die beiden Referate durch die, m.E. wichtige, unterschiedliche Auffassung von Geschichte. Zum Schluss dieser Hausarbeit wird die aufgestellte Frage nach der Fruchtbarkeit der Referate aufgenommen und ein mögliches Fazit formuliert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Popper`s biographische Skizze
Popper`s philosophischer Ansatz
Adorno`s biographische Skizze
Adorno`s philosophischer Ansatz
Popper`s Betrachtung von Geschichte
”Die Logik der Sozialwissenschaften”
”Zur Logik der Sozialwissenschaften”
Adorno`s Betrachtung von Geschichte
Dialektik der Aufklärung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den sogenannten Positivismusstreit in der deutschen Soziologie anhand der konträren Positionen von Karl R. Popper und Theodor W. Adorno. Ziel ist es, die wissenschaftslogischen Differenzen der beiden Theoretiker herauszuarbeiten, ihr jeweiliges Verständnis von Geschichte und Gesellschaft zu beleuchten und ihre moralisch-politischen Standpunkte kritisch zu bewerten.
- Wissenschaftstheoretische Differenzen zwischen Kritischem Rationalismus und Kritischer Theorie
- Methodologische Auseinandersetzung um Objektivität, Wertfreiheit und Erkenntnisgewinn
- Vergleich der Geschichtsauffassungen und des Fortschrittsbegriffs
- Analyse der Rolle von Vernunft und Herrschaft im Kontext der Dialektik der Aufklärung
- Reflexion über die soziale Verantwortung soziologischer Forschung
Auszug aus dem Buch
”Die Logik der Sozialwissenschaften”
Popper baut sein Referat auf den Gegensatz zwischen unserem Wissen und Nichtwissen auf und den sich daraus ergebenden Problemen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jedes Problem durch die Entdeckung eines inneren Widerspruches zwischen unserem vermeintlichen Wissen und den Tatsachen entsteht. Ebenso wichtig ist, dass jede Erkenntnistheorie die wichtige Aufgabe hat die Beziehung zwischen unserem Wissen und Nichtwissen aufzuklären. Die entstehenden Probleme sind in der Regel außerwissenschaftlicher Art, praktische Probleme, zu deren Bewältigung die gezielte Verwendung von theoretischen Vermutungen erforderlich wird.
In seiner Hauptthese formuliert Popper, wie er sich korrektes methodologisches Forschen vorstellt. Wir probieren Lösungsversuche für die Probleme von denen wir ausgehen und die durch die problemerzeugende Beobachtung aufgetreten sind aus. Dies geschieht in Form der kritischen Fortbildung der Methode des Versuchs und Irrtums. Alle Lösungsversuch müssen sich den Widerlegungsversuchen der Kritik stellen, denn die sogenannte Objektivität der Wissenschaft besteht nur in der Objektivität der kritischen Methode. Die Objektivität wird durch die Logik der Forschung erzielt, die jenen Kanon der Regeln enthält, durch deren Befolgung das Ziel der Wissenschaft erreicht werden kann. Poppers Methodologie liefert im eigentlichen Sinne keine konstruktive Vorgehensweise der Erzeugung wahrer Theoreme, sondern ein Prüfverfahren für vorgeschlagene Hypothesen, mithin nur ein Instrument der Kritik.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der Tübinger Arbeitstagung, des sogenannten Positivismusstreits, und Definition des Untersuchungsziels.
Popper`s biographische Skizze: Darstellung des Lebenswegs von Karl R. Popper und der Entstehung seiner wissenschaftstheoretischen Grundlagen.
Popper`s philosophischer Ansatz: Erläuterung des Kritischen Rationalismus in Anlehnung an Sokrates und Kant sowie der Fokus auf fehlbares Wissen.
Adorno`s biographische Skizze: Überblick über die Biografie Adornos, seine philosophische Prägung und seine Einbindung in das Institut für Sozialforschung.
Adorno`s philosophischer Ansatz: Einführung in die Kritische Theorie Adornos, insbesondere unter Verweis auf die Dialektik der Aufklärung.
Popper`s Betrachtung von Geschichte: Kritik am Historizismus und Ablehnung einer zwangsläufigen Entwicklungslogik der Gesellschaft.
”Die Logik der Sozialwissenschaften”: Analyse von Poppers methodischem Ansatz der Versuch-Irrtum-Methode und dem Ziel der Wahrheitssuche.
”Zur Logik der Sozialwissenschaften”: Darstellung von Adornos Entgegnung, die die gesellschaftliche Totalität und Widersprüchlichkeit betont.
Adorno`s Betrachtung von Geschichte: Kontrastierung der dialektischen Sichtweise Adornos gegenüber dem popperschen Ansatz.
Dialektik der Aufklärung: Kritische Analyse des Umschlagens von Rationalität in Herrschaft innerhalb der modernen Gesellschaft.
Fazit: Abschließende Bewertung der Fruchtbarkeit der Debatte und Plädoyer für ein gemeinsames Agieren der Soziologie.
Schlüsselwörter
Positivismusstreit, Kritischer Rationalismus, Kritische Theorie, Karl R. Popper, Theodor W. Adorno, Erkenntnistheorie, Wissenschaftslogik, Historizismus, Dialektik der Aufklärung, Soziologie, Objektivität, Wertfreiheit, Verdinglichung, Gesamtheit, Wahrheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Positivismusstreit in der deutschen Soziologie und die methodologischen Differenzen zwischen Karl R. Popper (Kritischer Rationalismus) und Theodor W. Adorno (Kritische Theorie).
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die wissenschaftstheoretischen Positionen beider Denker, ihr Verständnis von Geschichte, der Begriff der Objektivität sowie die Frage nach der gesellschaftlichen Rolle soziologischer Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Positionen der beiden Referenten Popper und Adorno zu explizieren und zu klären, welche moralischen und politischen Haltungen ihren jeweiligen Theorien zugrunde liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden methodischen Ansatz, indem sie zunächst die Denker einzeln skizziert und deren Referate anschließend kontrastierend gegenüberstellt und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Biografien, der philosophischen Ansätze, der Geschichtsbetrachtungen sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Argumentationen zum Positivismusstreit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Positivismusstreit, Kritischer Rationalismus, Kritische Theorie, Dialektik, Objektivität, Historizismus und gesellschaftliche Totalität.
Wie unterscheidet sich Poppers Verständnis von Problemen von dem Adornos?
Für Popper entstehen Probleme aus einem logischen Widerspruch zwischen Wissen und Tatsachen, während Adorno den Widerspruch als real und in der gesellschaftlichen Sache selbst begründet sieht.
Wie bewertet die Arbeit den Ausgang des historischen Positivismusstreits?
Die Arbeit bewertet die Referate als fruchtbare Einstiegspunkte für Diskussionen und kritisiert die damaligen Erwartungen als teilweise zu überzogen, da die Kontroverse durchaus zur Klärung der Positionen beitrug.
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- Manuel Simon (Author), 2002, Positivismusstreit in der deutschen Soziologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29919