Bildung und Beschäftigung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen von Bildung
2.1 Bildung bei Marx
2.2 Parsons Bild von Bildung
2.3 Der Zusammenhang von Bildung und Normen

3. Neuere Perspektiven im Bildungsbereich
3.1 PISA und Deutschland
3.2 Regierung und Bildung
3.3 Konsequenzen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Diskussion um den Bildungsbereich in unserer Gesellschaft, hat durch die im Jahr 2000 durchgeführte PISA-Studie, wieder an Aktualität gewonnen. Wesentlich an der PISA-Studie ist, dass sie auf Defizite im Bildungssektor aufmerksam gemacht und eine öffentliche Diskussion über notwendige Reformen in Deutschland anregt hat. Diese Form der Diskussion gab es in ähnlicher Weise schon Mitte der 1960er Jahre, als man vom Bildungsnotstand in Deutschland sprach und damit auf die schlechte Ausbildungssituation im Schulwesen und der Wirtschaft verwies. Verändert haben sich in diesem Zusammenhang sicherlich nicht nur die Rahmenbedingungen, sei es politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich. Des weiteren sieht man sich heutzutage weiteren Reformbewegungen und Notstandsäußerungen gegenüber, wobei ein gewisser Kontext zum Bildungssystem gegen ist. Dazu zählen die Bemühungen um Neuerungen und Verbesserungen für Mensch und Gesellschaft auf dem Gebiet der Beschäftigung bzw. Arbeitsmärkte, der Rentenfinanzierung und der Umstrukturierung der gesetzlichen Krankenkassensystem. Der Zusammenhang zwischen Bildung und Beschäftigung liegt dabei noch auf der Hand, Bildung als Zugangsvoraussetzung zu einen Ausbildungs- bzw. Studienplatz und am Ende zu einem Beschäftigungsverhältnis. Logischer Weise ergeben sich aber erst aus dieser Konsequenz die Finanzierung der Renten und die Inanspruchnahme einer Krankenkassen.

Ziel dieser Hausarbeit ist es nicht die Vernetzung dieser Themenbereiche nachzuweisen oder deren politischen Grundlagen zu erforschen. Ebenso werde ich in dieser Hausarbeit auch nicht eine Analyse des Beschäftigungssektors, Renten- oder Krankenkassensystems vornehmen.

Thema meiner Hausarbeit ist die Stellung und Bedeutung der Bildung für den Menschen und die Gesellschaft. Dabei geht es mir um mögliche theoretischen Annahmen die, wenn man so möchte, im Hintergrund als Basis der politischen Ausformulierung von Bildungspolitik stehen. Also nicht konkret um Bildungsprogramme oder Bildungsplanung. Bildung im weitesten Sinne sehe ich als Grundlage für alle weiteren Themenbereiche, die sich inhaltlich an das Bildungssystem anschließen lassen.

Zu Beginn meiner Hausarbeit werde kurz eine Einführung leisten, durch die klar werden soll in welchen Dimensionen ich Bildung einordne. Anschließend möchte ich die Bedeutung der Bildung bei Marx und Talcott Parsosn herausarbeiten und verdeutlichen. Die Herangehensweise an das Thema und die Betrachtung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist zwar bei den beiden Autoren unterschiedlich, gezeigt werden soll aber durch die inhaltliche Bearbeitung, wie sich ihr Verständnis von Bildung herleitet und die daraus resultierende Bedeutung für Mensch und Gesellschaft.

Zu Beginn des dritten Teils folgt eine kurz inhaltliche Bestimmung der neueren theoretischen Annahmen zum Bildungsbereich. Dies wird vergleichsweise kurz ausfallen, dient aber dazu mögliche Veränderungen bei den theoretischen Annahmen aufzuzeigen und als Basis für die darauf folgende Diskussion zu nutzen. Dadurch können sich unterschiedliche Schwerpunkte oder Veränderungen abzeichnen, die dann, unter Verweis auf die PISA-Studie, sich mit dem Problem der Reform des Bildungssystems in der Bundesrepublik auseinandersetzt. Dabei möchte ich einen Einblick in die aktuelle Diskussion und mögliche Schlußfolgerungen aufzeigen.

In einem vierten Teil strebe ich ein allgemeines Fazit der gewonnen Eindrücke an.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz darauf hinweisen, dass es mir vornehmlich darum geht die Stellung und Bedeutung von Bildung bei unterschiedlichen Autoren nachzuweisen. Die Verwendung und inhaltliche Bedeutung des Bildungsbegriffs wechselt zwischen den Themen und wird auch, meiner Meinung nach, unterschiedlich gewichtet. Dies wird bei den einzelnen Abschnitten mit in die Betrachtung mit einfließen, eine Analyse des Bildungssektors steht aber nicht im Vordergrund. Eher eine zeitliche Betrachtung von Bildung und ihrer Einflüsse auf Mensch und Gesellschaft.

2. Formen von Bildung

Das Wort Bildung läßt sich für verschiedene Sachverhalte verwenden. Da gibt es z.B. die Allgemeinbildung, die Elementarbildung, die Schulbildung oder die Berufsbildung. Unter Berufsbildung versteht man als Oberbegriff, und ein Aspekt dieser Hausarbeit ist die Berufsbildung, die Organisation beruflicher Lernprozesse in den drei Bereichen:

1) vorberufliche Bildung (in den Sekundarstufen I und II),
2) berufliche Erstausbildung (nichtakademische Berufsausbildung im Sekundarbereich II und akademische Berufsbildung im Tertiärbereich) und
3) berufliche Weiterbildung (berufliche Erwachsenenbildung im Quartiärbereich).[1]

Die berufliche Organisation von Arbeit fand in Deutschland im Mittelalter statt. Dabei sind die Berufe weniger durch technische Sachzwänge als durch sozio-ökonomische und politische Konstruktionen entstanden. Mit diesem Prozeß wurde eine gesellschaftliche Differenzierung eingeleitet, die eng mit der mittelalterlichen Städtegründung und – entwicklung verbunden war. Städte waren insofern treibende Kräfte in dieser Konstellation, da sie aus den sich wandelnden und entwickelnden Bedürfnisse einer sich neu produzierenden Gesellschaft hervorgingen. Begünstigt wurde dies durch den sich entwickelnden Handel, die Ansiedlung von Märkten, einer entstehenden Infrastruktur und der Ansammlung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Die Entstehung von Berufsbildung bedeutet in diesem Kontext vor allem die Trennung von familiärer und beruflicher Sozialisation. Dies liegt in der organisatorischen Trennung von Haushalt und Betrieb begründet. Die ersten Ausbildungen erfolgten in Zünften und Gilden, die ebenso als Interessenverbände agierten.

Durch die Aufklärung entstanden neue Formen des Denkens, Wirtschaftens und Arbeitens. Dabei entwickelte sich eine neue qualitative Organisation der Berufsausbildung. Die Aneignung von Wissen wurde von nun ab vorrangig über schulisch organisierte Lernprozesse vermittelt. Durch die Einführung und Ausweitung der Schulpflicht, veränderte der Staat die tradierten Einstellungen und Verhaltensmuster. Dies wirkte sich vor allem auf die familiär und betrieblich strukturierten Entwicklungsprozesse der nachwachsenden Generationen aus. Die schulische Elementarbildung wurde der Berufsbildung vorgeordnet und veränderte dadurch die Lernvoraussetzungen und -bedürfnisse der Jugendlichen in der Berufsausbildung.[2] Am Ende dieser Phase waren schon neue Formen schulisch organisierter Lernprozesse konzipiert, erprobt und partiell realisiert, die zu den grundlegenden organisatorischen Strukturen der heutigen Berufsausbildung gehören.

Die Industrialisierung stellte zumindest was die nichtakademische Berufsausbildung anbelangt, durch ihre eigene Art der Gestaltung des Produktionsprozesses, die Berufsausbildung in Frage. Durch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit wurden neue industrietypische Qualifikationen erforderlich, auf die die traditionelle handwerkliche Berufsausbildung nur beschränkt vorbereitete. Im Zuge der Industrialisierung entwickelten sich daher neue Formen der Berufsausbildung die den Ansprüchen der industrietypischen Berufsausbildung entsprachen. In diesem Zusammenhang wird die Trennung von theoriegeleiteten, schulisch organisierten Lernen und praxisbezogenen Lernen außerhalb von Arbeitsplätzen in Lehrwerkstätten und Labors deutlich.

An dieser Stelle möchte ich meinen Ausführung beenden, da sich diese Stelle bestens eignet um zu Marx überzuleiten. Zu Beginn des dritten Teils werde ich noch einmal kurz auf die neueren Entwicklungen im Bildungsbereich eingehen.

2.1 Bildung bei Marx

Wenn man über Karl Marx schreibt, bedarf es zunächst einiger Erklärungen bezüglich seines Weltbildes und seines historischen Kontextes. Wichtig für die weiteren Ausführungen scheint mir anzumerken, dass Marx zur Zeit der sich entwickelnden Industrialisierung lebte und vor diesem Hintergrund auch sein Hauptwerk die „Kritik der politischen Ökonomie“ schrieb. Marx kritische Auseinadersetzung mit dem modernen Kapitalismus erklärt sich aus der Einsicht, dass der Wohlstand der Unternehmer letztlich nur durch die Verelendung der Arbeiterklasse zustande kommt. Unterlegt wird diese Aussage durch die Zusammenarbeit mit Friedrich Engels und dessen demoskopische Untersuchung der Arbeiterschicht in England. Marx Werk ist in diesem Sinne als sozialökonomische Kritik zu verstehen, die einerseits den modernen Kapitalismus analysiert und kritisiert und Wegbereiter sein soll für eine neue klassenlose Gesellschaft.

Die Geschichte der Menschheit wird vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner objektiven Umwelt begriffen, welche letztlich im modernen Kapitalismus sich in den vorhandenen Arbeitsverhältnissen widerspiegeln. In diesem Sinne ist Geschichte bei Marx eine Evolutionsgeschichte die das Verhältnis von Mensch und Arbeit beschreibt. Gekennzeichnet ist diese Entwicklung durch Revolutionen, die einen Höhepunkt an Konfliktpotential in einer Gesellschaft markieren, aus denen aber wiederum neue Gesellschaftsformen entstehen.

Antriebskräfte dieser Geschichte sind die Produktivkräfte, also die Arbeiter. Die Produktionsverhältnisse, Eigentumsverhältnisse, Organisationsformen der Wirtschaft oder der Stand der Entwicklung spiegeln die jeweils bestehenden sozialökonomischen Strukturen wieder. Aus der Beziehung und Auseinandersetzung zwischen Produktivkräften und sozialökonomischen Strukturen vollzieht sich der soziale Wandel, der von einer Entwicklungsstufe zur nächsten führt. Dies geschieht, wenn bestehende Strukturen und produktive Möglichkeiten auseinander treten und eine neue Sozialstruktur entsteht.[3] Marx historisch materialistische Geschichtsauffassung spiegelt diese Thematik wieder.

[...]


[1] vgl. Kell, 1995, S.369

[2] vgl. Kell, 1995, S.371

[3] vgl. Dahrendorf, 2000, S.58ff

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bildung und Beschäftigung
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Soziologie)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V29920
ISBN (eBook)
9783638313162
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beleuchtet zunächst die theoretischen Standpunkte von Karl Marx und Talcott Parsons über den Einfluss von Bildung auf die Entwicklung einer Gesellschaft. Im Anschluss wird die vor dem Hintergrund der PISA-Studie und möglichen Alternativen diskutiert.
Schlagworte
Bildung, Beschäftigung
Arbeit zitieren
Manuel Simon (Autor:in), 2003, Bildung und Beschäftigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29920

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