Gefahren der Erdölförderung am Beispiel der Ölplattform "Deepwater Horizon"


Seminararbeit, 2014

16 Seiten, Note: 1,0

Simon Valentin (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Warum bauen wir Ölplattformen?

3. Die Katastrophe der Deepwater Horizon
3.1. Die Bohrinsel Deepwater Horizon
3.2. Verlauf der Katastrophe und vorgenommene Maßnahmen
3.3. Die Auswirkungen der Katastrophe

4. Lösungsansätze und Ausblick in die Zukunft

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Wenige Katastrophen beherrschten, mit Blick auf die letzten Jahrzehnte, so lange die Medien wie Ölkatastrophen und insbesondere auch die verheerenden Unglücke auf Bohrinseln. Das Öl ist zu einer Art Synonym und Sinnbild für menschengemachte Umweltverschmutzung geworden, weil es, im Gegensatz zu anderen Umweltgefahren, sichtbarer ist, wobei die langfristigen Folgen auch hier nie absehbar sind.

Über Wochen sieht man dann zuerst die Bilder der verwüsteten Unglücksstelle und dann die ölverpesteten Gewässer und Uferlinien, die verklebten und verendenden Tiere wie Wasservögel oder an der Oberfläche treibende Fische und schließlich die zum Großteil freiwilligen Helfer, die verzweifelt versuchen zu retten was noch irgendwie zu retten ist und oftmals von Hand die Küsten vom Öl befreien.

Jedes Mal stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum passiert derart Schreckliches immer und immer wieder. Eine lange Liste lässt sich anlegen über die Ölunfälle und Ölkatastrophen und man würde feststellen, dass ihre Zahl in den letzten Jahren nicht ab-, sondern zugenommen hat.1 Warum beherrscht der Mensch nach so vielen Jahren und höchstem technologischen Entwicklungsstand die Förder- und Transporttechniken immer noch nicht und, wenn dem so ist, warum nutzt er sie trotzdem? Wie können wir die Probleme bewältigen? Und was gibt es für Lösungswege, um in Zukunft nicht mehr diesen Schreckensszenarien ausgesetzt zu sein?

Diesen Fragen zu Ölkatastrophen, den wohl zu den schlimmsten zählenden Umweltkatastrophen unserer Zeit, exemplarisch am Beispiel der 2010 explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nachzugehen und eine Betrachtung der Risiken nicht nur aus technologischer sondern auch aus ethischer Perspektive zu wagen ist Ziel dieser Seminararbeit.

2. Warum bauen wir Ölplattformen

Wir leben heute im Jahre 2014 in einer Welt, in der die Menschheit vom Erdöl ähnlich abhängig ist wie von Wasser. Der gesamte Wohlstand der westlichen Welt, aber auch der entstehende in vielen sogenannten Schwellenländern, wie China oder Brasilien, basiert auf dem Öl.

Nicht nur ist das Erdöl Grundlage naherzu aller Kunststoffe, nein, unser weltweites Transportsystem basiert fast vollständig auf der Verbrennung von Öl, beziehungsweise raffinerierten Ölprodukten. Damit ist alles was wir konsumieren, auch unser Essen, abhängig vom Öl und Felix Olschewski bringt es polarisierend auf den Punkt in einem Artikel mit dem Titel „Wir essen Erdöl.“ 2 Unseren gigantischer Energiehunger stillen wir hauptsächlich mit dem Schwarzen Gold. Das Erdöl hat einen Anteil von ca. 40% am weltweiten Primärenergieverbrauch und ist damit größter Energielieferant. Wir alle brauchen es, und „beim Autofahren und Heizen denkt niemand an verölte Vögel und Strände.“ 3

In Folge des Wachstums und der Bevölkerungszunahme ist es klar, dass der Energieverbrauch und damit die Entwicklung der Nachfrage nach Öl nur eine Richtung kennt, nach oben, wie man anhand der Grafik aus Abbildung 1 auch deutlich erkennen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die globale Ölnachfrage

Auch wenn man eventuell schon einen leichten Abwärtstrend in der Ölnachfrage, nicht nur kurzfristig während der Weltwirtschaftskrise ab 2007, sondern auch längerfristig in der EU, Japan und auch den USA erkennen kann, so wird dieser vermutlich überkompensiert durch die dynamische Entwicklung in anderen Ländern wie Brasilien, Indien und allen voran China.

Leider ist Öl aber eine endliche Ressource. Und egal wie man darüber streitet wie lange es noch reichen wird und ob wir den sogenannten Peak Oil Punkt, also den Moment an dem die Gesamtfördermenge ihr Maximum erreicht hat, schon überschritten haben, irgendwann werden wir ihn überschreiten und irgendwann sind alle Ölvorräte verbraucht.

Dieser Weg wird damit einhergehen, dass es zwar immer noch irgendwo etwas Öl gibt, die Möglichkeit es zu erreichen, zu fördern und verwendbar zu machen werden aber immer aufwändiger.

Dazu ist eine Unterscheidung zwischen Reserven, den momentan wirtschaftlich abbaubaren Vorräten und den Ressourcen, den theoretisch vorhandenen Vorkommen, sinnvoll. Mit steigendem Rohstoffpreis wird der Anteil der Reserven am Gesamtvorkommen immer größer. Das beste Beispiel dazu ist das Fracking, eine Methode bei der unter großem Aufwand durch Einpressen von Wasser und Chemikalien, Risse im Gestein erzeugt werden und so Erdgas, aber auch Erdöl gefördert werden kann. Noch vor einigen Jahren war diese Art der Förderung so gut wie überall auf der Welt unwirtschaftlich, also schlicht zu aufwändig, ganz abgesehen von den Umweltbelastungen. Erst durch die Verknappung der herkömmlichen Reserven werden zunehmend nichtkonventionelle Fördermethoden angewandt.

Eine erste Entwicklung in diese Richtung geschah 1948, als in der damaligen Sowjetunion im Kaspischen Meer die erste Offshorebohrinsel mit dem Namen Neft Daşlari errichtet wurde.4

Viele Öl- und Gaslagerstätten befinden sich, wie man in Abbildung 2 sehen kann, unter Gewässern. Zur Förderung dieser Vorräte benötigt man auf dem Gewässergrund stehende oder darüber schwimmende Bohrplattformen, von denen aus gebohrt und später gefördert werden kann. Nur so konnte die Ölnachfrage der letzten Jahrzehnte bedient werden und mittlerweile gibt es weltweit etwa 3000 Bohrinseln und allein in der Nordsee etwa 500.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Öl- und Gaslagerstätten auf der Erde

3. Die Katastrophe der Deepwater Horizon

3.1 Die Bohrinsel Deepwater Horizon

Die Deepwater Horizon war eine zwischen 1998 und 2001 für 350 Millionen Dollar Baukosten errichtete Exploration-Ölbohrplattform im Golf von Mexiko, 84 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana.6 Dort wurden vom schweizer Unternehmen Transocean im Auftrag des britischen Öl- und Energiekonzerns BP Probebohrungen 1500 Meter unter dem Meeresspiegel durchgeführt, um neue Ölvorkommen zu erkunden. Die Plattform war eine Halbtaucherkonstruktion, das heißt, sie ruhte auf eingetauchten Säulen, die unter Wasser von Auftriebskörpern getragen wurden. Im September 2009 wurde im dortigen Tiber-Ölfeld die „bisher weltweit tiefste Bohrung ihrer Art bis in 10.685 Meter getrieben.“ 7 Der Grund für diese aufwändigen und risikoreichen Bohrungen lag in der bereits beschriebenen Notwendigkeit, immer abgelegenere Ölvorkommen zu erreichen. „Die größeren technischen Schwierigkeiten führten, zusammen mit hohen Kosten für Sicherheitsmaßnahmen, auch zu wesentlich höheren Risiken.“ 8 Es war also durchaus bekannt, dass derartige Bohrungen mit Risiken verbunden sind.

3.2 Verlauf der Katastrophe und vorgenommene Maßnahmen

Am Abend des 20. April 2010 ereignete auf der Deepwater Horizon eine verheerende Explosion, der ein großflächiger Brand folgte. Zu der Zeit arbeiteten 126 hochqualifizierte Experten auf der Plattform. Alle eingesetzten Löschboote konnten die Bohrinsel nicht retten, sodass die Plattform zwei Tage später sank. 11 Arbeiter wurden durch die Explosion getötet, 115 konnten sich durch einen Sprung in Wasser retten.

[...]


1 O.V. (2010): Die schlimmsten Ölkatastrophen. http://www.spiegel.de/fotostrecke/chronik-die-schlimmsten- oelkatastrophen-fotostrecke-54401.html (25.06.2014).

2 OLSCHEWSKI, Felix (2012): Wir essen Erdöl. http://www.urgeschmack.de/wir-essen-erdoel (25.06.2014).

3 GRAHAM, B. u.a. (2011): Deep Water: The Gulf Oil Disaster and the Future of Offshore Drilling, Washington D.C., S. 1.

4 Vgl. FRANK, Arno (2012): Stalins Atlantis - Schwimmende Stadt Neft Dashlari. http://www.spiegel.de/einestages/neft-dashlari-oel-insel-in-aserbaidschan-a-947797.html (25.06.2014).

5 Vgl. TANDLER, Marcus: Bohrinseljobs. http://www.bohrinseljobs.net (25.06.2014).

6 Vgl. BUJA, Heinrich-Otto (2011): Bohrtechnik Handbuch - Flach-, Tief-, Geothermie- und Horizontalbohrverfahren, Wiesbaden, S. 281.

7 BUJA, Heinrich-Otto (2011): Bohrtechnik Handbuch - Flach-, Tief-, Geothermie- und Horizontalbohrverfahren, Wiesbaden, S. 281.

8 BUJA, Heinrich-Otto (2011): Bohrtechnik Handbuch - Flach-, Tief-, Geothermie- und Horizontalbohrverfahren, Wiesbaden, S. 287.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gefahren der Erdölförderung am Beispiel der Ölplattform "Deepwater Horizon"
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Technologische Risiken als ethisches Problem
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V299240
ISBN (eBook)
9783656955955
ISBN (Buch)
9783656955962
Dateigröße
3977 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ölförderung, Umweltkatastrophe, Ölpest, Umweltverschmutzung, Bohrinsel, Technikethik, Technikphilosophie
Arbeit zitieren
Simon Valentin (Autor), 2014, Gefahren der Erdölförderung am Beispiel der Ölplattform "Deepwater Horizon", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299240

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