„Nur noch einen Kuss, Mama!“. Die Herausforderungen des Eingewöhnungsprozesses im Elementarbereich


Facharbeit (Schule), 2013

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bindung
2.1 Definition von Bindung
2.2 Bindungsentwicklung
2.3 Bindungstheorie
2.4 Bindungstypen

3 Eingewöhnung im Elementarbereich
3.1 Eingewöhnung als Bildungsauftrag
3.2 Bedingungen
3.2.1 Rahmenbedingungen
3.2.2 Zusammenarbeit mit den Eltern
3.2.3 Auseinandersetzung im Team, mit der Leitung und dem Träger
3.2.4 Selbstreflexion und Reflexion
3.3 Organisatorische Vorschläge zur Umsetzung

4 Eingewöhnung
4.1 Stellenwert der Eingewöhnung im Elementarbereich
4.2 Eingewöhnungsmodelle
4.2.1 Das Münchner Eingewöhnungsmodell
4.2.2 Das Berliner Eingewöhnungsmodell
4.3 Unsicherheiten während der Eingewöhnung
4.3.1 Unsicherheiten der Kinder
4.3.2 Unsicherheiten der Eltern
4.3.3 Unsicherheiten der pädagogischen Fachkräfte
4.4 Methoden und praktische Tipps um den Start in die Kita zu erleichtern

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis

Thesen zum Thema:

„Nur noch einen Kuss, Mama !“ – Eingewöhnung im Elementarbereich

Eine gute Vorbereitung ist unerlässlich für eine gelingende Eingewöhnung.

Die Kooperation mit allen Beteiligten spielt eine zentrale Rolle.

Der Eingewöhnungsprozess ist ein individueller Prozess.

Die Eingewöhnung ist ein Prozess sozialer Integration.

1 Einleitung

An der Tür ist Leo ganz fröhlich, wenn er früh von seiner Mama gebracht wird. Sagt sie ihm dann aber „Tschüss“ und gibt ihm einen Kuss, kullern meist ein paar dicke Tränen über seine Wangen. Er verabschiedet sich nur schwer von seiner Mutter und klammert an ihrem Hosenbein. Der Bezugserzieher holt ihn an der Tür ab, begrüßt ihn freundlich und geht gemeinsam mit ihm ins Zimmer. Leo beobachtet alles in seiner Umgebung sehr sorgfältig, so auch die anderen Kinder. Er steht etwas abseits und drückt sein Schmusetuch ganz fest an sich. Sein Blick wandert immer wieder zur Tür.

Dies ist ein Szenario was sich jeden früh, so oder so ähnlich in Deutschlands Kindereinrichtungen abspielt. Seit dem 1. August 2013 hat, laut Familienministerin Dr. Kristina Schröder, jede Familie mit Kindern von einem bis drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.

Wenn es soweit ist, sein Kind durch eine fremde Person betreuen zu lassen, kommen bei Eltern viele Fragen auf. Wird der Erzieher mein Kind gernhaben? Wird das pädagogische Fachpersonal seine Signale verstehen? Kann ich von meinen Befürchtungen sprechen, meinen Bedenken, vielleicht auch von meinen Sorgen? Wird der Erzieher in Wettbewerb zu mir treten? (vgl. Laewen, et. al. 2011, S. 61; Laewen, et. al. 2012, S. 37 und http://www.uni-bielefeld.de/Benutzer/MitarbeiterInnen/Kita/EingewöhnungKita.pdf)

Um all diese Fragen zu beantworten, ist es unentbehrlich, eine sanfte und individuelle Eingewöhnung durchzuführen. Während meines ersten Blockpraktikums, wurde ich durch meine Mentorin gebeten eine Eingewöhnung als Bezugserzieher durchzuführen. Diese Eingewöhnung dauerte fünf Wochen. Drei Jahre zuvor gewöhnte ich, meinen Sohn in derselben Einrichtung ein, hier dauerte es etwa 10 Tage. Aus diesen Praxiserfahrungen weiß ich, wie unterschiedlich lang eine Eingewöhnung sein kann und welche Herausforderung es für alle Beteiligten ist. Um den Start in die Einrichtung für das Kind zu erleichtern, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Team, Träger und Eltern Grundvoraussetzung.

Doch es blieben auch Fragen offen. Gibt es die eine richtige Methode um ein Kind einzugewöhnen? Wie sollte man sich auf die Eingewöhnungszeit vorbereiten, als Erzieher und als Team? Welche Möglichkeiten gibt es um allen Beteiligten die Eingewöhnung zu erleichtern? In meiner Facharbeit möchte ich diesen Fragen auf den Grund gehen.

2 Bindung

2.1 Definition von Bindung

Bindung ist eine emotionale lang anhaltende Beziehung zu einer Person, bei der das Kind Schutz, Geborgenheit und körperliche Nähe sucht. Dies wird vor allem in Situationen deutlich, in denen sich das Kind nicht sicher, fremd oder gestresst fühlt (vgl. Ahnert, 2010, S. 43).

2.2 Bindungsentwicklung

Während man früher nur von der Mutter-Kind-Bindung sprach, hat man später erkannt, dass der Säugling durchaus in der Lage ist, eine Bindung zu mehreren Personen aufzubauen, so zum Beispiel die Eltern-Kind-Bindung. Väter nehmen heute Elternzeit in Anspruch, somit haben sie früher Kontakt zu ihrem Nachwuchs. Kinder entwickeln verschiedene individualisierte Bindungen mit unterschiedlichen Stärken innerhalb ihrer Familie oder zu Personen aus dem näheren Umfeld dieser (vgl. Haug-Schnabel, et. al. 2005, S. 37 bis 38).

Man unterscheidet verschiedene Stufen der Bindungsentwicklung. So ist das Kind in den ersten Wochen noch nicht fest gebunden. In dieser Vorphase der Bindung, reagiert es auf die Personen, die seine Bedürfnisse befriedigen. Zwischen der sechsten Woche bis zum sechsten oder achten Monat befindet sich das Kind in der Phase der Entstehenden Bindung. Es bevorzugt Personen die es an bestimmten Merkmalen, wie zum Beispiel an der Stimme erkennt. Durch diese lässt es sich leichter beruhigen und entwickelt Vertrauen zu ihnen. Die Phase der Ausgeprägten Bindung beginnt frühestens mit dem sechsten Lebensmonat und dauert bis etwa zum 24. Lebensmonat an. Man erkennt sie daran, dass das Kind wenn es sich fremd fühlt, zu weinen beginnt, so zum Beispiel wenn die Mutter den Raum verlässt. Danach folgt die Stufe der Reziproken Beziehungen. Das Kind verfügt nun über zunehmende Möglichkeiten sich auszudrücken. Auch seine Aktivitäten und kognitiven Fähigkeiten nehmen zu. Es kann nun eine funktionierende, beiderseitig organisierte Beziehung aufbauen.

(vgl.http://www.psy.lmu.de/epp/studium_lehre/lehrmaterialien/lehrmaterial_ss10/wintersemester1011/krimmel_vuori/seminar2/bindungunderltern.pdf)

2.3 Bindungstheorie

Die Bindungstheorie wurde durch John Bowlby und Mary Ainsworth begründet. Sie beschreibt anschaulich das Verhalten, welches aus Interaktion zwischen Mutter und Kleinkind resultiert. Bindung ist eine beständige, gefühlvolle Beziehung welche sich über einen langen Zeitraum erstreckt. Sie ist ein Grundbedürfnis. Kinder können sich nur mit der Umwelt auseinandersetzen, wenn sie auf den Schutz und die Nähe der Bindungsperson zurückgreifen können. (vgl. Bodenburg, et. al. 2011, S.207) Die Beziehungserfahrungen, die ein Kind in seiner frühen Kindheit macht, bilden die Grundlage für alle weiteren Bindungen. So lernen Kinder aus selbständigem Verhalten sicher gebundener Erwachsener, deren Haltung in Beziehungen kennen, diese übernehmen sie. Je älter die Kinder sind, umso weniger sind sie auf ihre Bezugsperson angewiesen (vgl. Bodenburg, et. al. 2011, S. 209 bis 210).

2.4 Bindungstypen

Sichere Bindung

Von einer sicheren Bindung wird gesprochen, wenn die Kinder Kontakt zu ihrer Bezugsperson suchen und sich sicher und geborgen fühlen. Sie erforschen ihre Umwelt (Exploration ). In Trennungsphasen weinen diese Kinder oder sind unglücklich, lassen sich bei Rückkehr der Bezugsperson aber schnell beruhigen.

Unsicher vermeidende Bindung

Kinder die ein unsicher vermeidendes Bindungsmuster aufweisen, haben bei Trennung von der Bezugsperson keinen Kummer. Sie zeigen nur wenige Emotionen und vermeiden Körperkontakt. Kehren Eltern nach Trennungsphasen wieder, wendet sich dieser Bindungstyp eher ab als das er Nähe sucht.

Unsicher ambivalente Bindung

Unsicher ambivalent gebundene Kinder suchen teilweise den Kontakt zur Kontaktperson. Gelegentlich ignorieren sie diese aber auch. Unbekannte Personen lösen bei ihnen Ängste und Wut aus, die sie dann auch lautstark zum Ausdruck bringen. Es ist schwer, sie nach einer Trennung zu beruhigen.

Desorganisierte Bindung

Kinder mit desorganisierter Bindung reagieren oft sehr widersprüchlich. In ihrer Mimik ebenso wie in ihrem Verhalten. Sie empfinden die Eltern nicht als sichere Basis. Bei älteren Kindern dieses Bindungstyps findet oft ein Tausch der Rollen zwischen Kind und Erwachsenem statt.

(vgl. Fröhlich- Gildhoff, et. al. 2009, S. 43 bis 44 und Haug-Schnabel, et. al. 2005, S. 38 bis 43)

3 Eingewöhnung im Elementarbereich

3.1 Eingewöhnung als Bildungsauftrag

Eingewöhnung als erster Umgang mit dem Kind ist im Sächsischen Bildungsplan verankert, sie stellt einen Qualitätsstandard innerhalb der Kindertagesstätten dar. Der sächsische Bildungsplan ist laut dem Sächsischen Gesetz zur Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen (SächsKitaG) die Grundlage für die Gestaltung der pädagogischen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen § 2 Absatz 1. Im Bereich Kontexte des Sächsischen Bildungsplanes werden Überlegungen vorgestellt, wie man die Kindertageseinrichtungen und ihre Abläufe so gestaltet, dass sie Kinder zum Lernen anregen. Teil dieser Überlegungen ist die Eingewöhnung.

Des Weiteren wird im Lehrplan für die Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher unter anderem im Lernfeld 2 „Beziehungen gestalten und Gruppenprozesse begleiten“ vermittelt. Man findet hier die Punkte: „Bedeutung von Individualität und Identität im Beziehungsgefüge“, „Bedeutung sozialer Beziehungen im Lebenslauf“ sowie „Bindungstheorien“, diese sind ein wichtiger Bestandteil des Eingewöhnungs- und Gruppenprozesses. Im Lernfeld 4 „Bildungs- und Entwicklungsprozesse anregen und unterstützen“ wird „Spezifik frühkindlicher Bildung und Bindung als deren Voraussetzung“ und „Wohlbefinden als eine Grundbedingung für erfolgreiches Lernen“ gelehrt, auch diese Dinge haben während der Eingewöhnung und im weiteren pädagogischen Alltag einen hohen Stellenwert.

(vgl. http://www.schule.sachsen.de/lpdb/web/downloads/lp_fs_erzieher_2008.pdf)

3.2 Bedingungen

Erzieher haben die Aufgabe in der frühkindlichen Betreuung die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder zu fördern, indem sie diese zu kreativer Betätigung sowie zu freiem oder gelenktem Spielen anregen und zum Lernen ermuntern. Sie gestalten die Entwicklung des sozialen Verhaltens der zu betreuenden Kinder aktiv mit. Das pädagogische Fachpersonal muss Kinder altersgerecht unterstützen, begleiten und mit ihnen gemeinsam nach Antworten, auf ihre Fragen, suchen. Folgende Aufgaben sind Grundbedingungen für die pädagogische Arbeit, Selbstreflexion, Auseinandersetzung im Team und mit den Eltern.

3.2.1 Rahmenbedingungen

Eine wichtige Bedingung für das Gelingen der Eingewöhnung ist die Einstellung und das Verhalten dem Kind und seinen Eltern gegenüber. Eine wertschätzende Haltung und ein empathischer Umgang erleichtern Kindern den Aufbau einer positiven Beziehung. Kindern muss die Zeit und der Freiraum gegeben werden Dinge selbst zu erforschen. Die Aufgabe des Erziehers ist es sie dabei zu begleiten. Eine vertrauensvolle Erzieher-Kind-Beziehung ist wichtig um die Kinder bei ihren Problemen und Fragen zu begleiten und sie zum Lernen anzuregen. Die Eltern müssen im Vorfeld genau über die Eingewöhnungszeit informiert werden, damit sie dazu eine positive Einstellung entwickeln können. Der Gruppenraum sollte nicht überfüllt und eine Überforderung des Kindes vermieden werden. Die erste Eingewöhnungsphase muss im zukünftigen Gruppenraum oder im Sommer nur in einem Teilbereich des Gartens stattfinden. (vgl. Laewen, et. al. 2011,S. 50 bis 53)

3.2.2 Zusammenarbeit mit den Eltern

Die Eingewöhnung kann nur glücken, wenn Erzieher sowohl im Team als auch mit den Eltern zusammen arbeiten. Grundvoraussetzung dafür ist ein respektvoller Umgang miteinander.

Kinder leben in unterschiedlichen Sozialräumen, so existieren vielleicht in der Familie andere Werte und Haltungen, welche abhängig sind von der Herkunft, der Religion und den kulturellen Traditionen. Für Eltern ist die Eingewöhnung ihres Kindes ein neuer Lebensabschnitt, zum einen haben sie den Loslassungsprozess, zum anderen den Stress wieder in ihr Berufsleben einzusteigen. Sie sollten sich die Zeit für die Eingewöhnung nehmen (vgl. Laewen, et. al. 2011, S. 38 bis 41).

Um Eltern über die Entwicklung ihres Kindes zu informieren, ist es wichtig das Kind zu beobachten und diese Beobachtungen gut zu dokumentieren. Dies ist zum Beispiel durch ein Portfolio möglich, hier dokumentiert die pädagogische Fachkraft in Lerngeschichten das bereits Erlernte. Erzieher können diese Beobachtungen auch für Entwicklungsgespräche mit den Eltern nutzen.

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
„Nur noch einen Kuss, Mama!“. Die Herausforderungen des Eingewöhnungsprozesses im Elementarbereich
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V299270
ISBN (eBook)
9783656958055
ISBN (Buch)
9783656958062
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eingewöhnung, Elementarbereich, Elternarbeit
Arbeit zitieren
Claudia Hartzendorf (Autor), 2013, „Nur noch einen Kuss, Mama!“. Die Herausforderungen des Eingewöhnungsprozesses im Elementarbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299270

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