Gesundheitsförderung der Krankenkassen. Ein Beitrag zur Reduzierung der sozialen Ungleichheit von Gesundheitschancen?


Studienarbeit, 2014
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 1

2. Stand der Forschung und Gesundheitsförderung der Krankenkassen.. 2

2.1. Soziale und gesundheitliche Ungleichheit 2

2.2. Was ist Gesundheitsförderung und der Auftrag der Krankenkassen?. 5

3. Betrachtung und Ergebnisse der Präventionsberichte des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. 6

4. Diskussion.. 14

5. Schlussfolgerung. 17

6. Anhang. 18

Literatur 20

1. Einleitung

Schon im Grundgesetz heißt es in Artikel 2 „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ (Absatz 2, GG) und weiterführend in Artikel 3 „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ (Absatz 3, GG). Dies gilt auch in Bezug auf gesundheitliche Verhältnisse. Es ist seit langer Zeit hinreichend bekannt, dass soziale Ungleichheit zu gesundheitlicher Ungleichheit führt (Richter und Hurrelmann 2009), was die Frage nach der gesundheitlichen Chancengleichheit aufwirft. Weiterhin ist es angesichts des demografischen Wandels und der damit einhergehenden steigenden Ausgaben bei den sich verschärfenden Einnahmenentwicklungen im Interesse aller, die Gesundheit der bestehenden und nachfolgenden Generationen der Bevölkerung Deutschlands möglichst zu erhalten oder wiederherzustellen, um potenzielle Gesundheitsausgaben zu vermeiden. Um ein solches Ziel umsetzen zu können, bedarf es der Befähigung von Individuen und Bevölkerungsgruppen, sich selbst um die eigene Gesundheit kümmern zu können und gleichzeitig die in der Umgebung dafür notwendigen Verhältnisse zu schaffen.

Die Fragestellung, ob die Gesundheitsförderungsmaßnahmen der Krankenkassen einen Beitrag zur Reduzierung der sozialen Ungleichheit von Gesundheitschancen leisten, ist in dem Zuge nicht einfach nur mit Ja oder Nein zu beantworten. Ziel dieser Arbeit ist es daher, den Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit sowie den Maßnahmen der Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen herauszustellen und deren Dokumentation zu untersuchen. Dies soll mittels der Präventionsberichte, die seit dem Jahr 2001 zur Dokumentation und Bewertung durch den Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. geführt werden, geschehen. Es erscheint sinnvoll, sich den Verlauf der Dokumentation genauer anzusehen, um Trendentwicklungen der letzten Jahre mit einzubeziehen und ggf. singuläre Auffälligkeiten in einem einzigen Berichtsjahr ausschließen zu können.

In Kapitel 2 wird zunächst ein Einblick in den Stand der Forschung von sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit gegeben und anschließend auf den Auftrag der Krankenkassen zur Gesundheitsförderung eingegangen.

Im nachfolgenden dritten Kapitel werden dann die Präventionsberichte des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. näher betrachtet sowie die Ergebnisse der Betrachtung der Wirksamkeit der Bemühungen, spezifische Zielgruppen zu erreichen, und der Ansätze der Gesundheitsförderungsmaßnahmen beschrieben.

Kapitel 4 diskutiert die Ergebnisse aus Kapitel 3 in Bezug zu dem aktuellen Forschungsstand zu sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit. Abschließend werden in Kapitel 5 eine kurze Schlussfolgerung gezogen und Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

2. Stand der Forschung und Gesundheitsförderung der Krankenkassen

In diesem Kapitel soll zunächst grundlegend beschrieben werden, was soziale Ungleichheit ist und wie diese entsteht, was soziale Ungleichheit mit gesundheitlicher Ungleichheit zu tun hat und wie der Auftrag der Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen diese Ungleichheiten beeinflussen soll.

2.1. Soziale und gesundheitliche Ungleichheit

Unter sozialer Ungleichheit wird die unterschiedliche Verteilung von knappen Ressourcen und Möglichkeiten auf einzelne Gesellschaftsgruppen verstanden (Siegrist 2005).

Soziale Ungleichheit ist im Wesentlichen in zwei Dimensionen unterscheidbar: eine horizontale und eine vertikale Dimension. Unter der horizontalen Dimension werden Faktoren wie Alter, Geschlecht, aber auch Glaube und kulturelle Herkunft verstanden. Die für die Betrachtung in Deutschland wichtigere Dimension ist die vertikale, bestehend aus Bildung, Beruf und Einkommen, der sogenannten meritokratischen Triade, die in der traditionellen Betrachtung von sozialen Ungleichheiten im Mittelpunkt steht (Siegrist 2005, Hurrelmann 2010).

Obwohl sich die Gesundheit der Bevölkerung im letzten Jahrhundert insgesamt durch abnehmende Epidemien, abnehmende Hungersnöte, eine verbesserte hygienische Situation und medizinischen Fortschritt verbessert hat, stellt sich jedoch zunehmend heraus, dass sich die gesundheitlichen Chancen sozial benachteiligter Personen langsamer zum Positiven verändern als diejenigen sozial besser gestellter (Richter Hurrelmann 2009). „Personen mit einer niedrigen Bildung, beruflichen Stellung oder einem niedrigen Einkommen sterben in der Regel früher und leiden in ihrem ohnehin schon kürzeren Leben auch häufiger an gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dies führt zu erheblichen Unterschieden in der Anzahl von Jahren, die Angehörige unterschiedlicher sozioökonomischen Gruppen erwarten können in guter Gesundheit zu verbringen“ (Richter Hurrelmann 2009, S.13). Betrachtet man die soziale Ungleichheit der vertikalen Dimension genauer, so zeigt sich, dass

o in allen Ländern, in denen Untersuchungen erfolgt sind, die Lebenserwartung und somit die frühe Sterblichkeit ungleich verteilt sind,

o starke Ungleichheiten auch in Bezug auf Erkrankungen festzustellen sind,

o die Sterblichkeit dabei geringer und die Lebenserwartung höher sind, je höher der sozioökonomische Status ist und umgekehrt,

o eine Vergrößerung der Ungleichheit der Sterblichkeit in den letzten Jahren stattgefunden hat, wohingegen die Unterschiede in der Morbidität konstant geblieben zu sein scheinen (Richter Hurrelmann 2009).

Laut Richter und Hurrelmann (2009) ist die Evidenz gesundheitlicher Ungleichheit und der Zusammenhang mit dem unterschiedlichen sozioökonomischen Status, also der sozialen Ungleichheit, schon lange hinreichend gesichert, was zunehmend zu der Frage nach den Ursachen dieser Zusammenhänge führt.

Hinsichtlich dieser Frage existieren derzeit fünf Erklärungsansätze, die zu gesundheitlicher Ungleichheit führen können. Zu diesen Erklärungsansätzen zählen der materielle, der kulturell-verhaltensbezogene, der psychosoziale sowie der neo-materielle Ansatz, dazu auch die Lebenslaufperspektive. Alle Ansätze sind in Tabelle 1 ausführlicher dargestellt.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Abschließend seien grundsätzlich die drei verschiedenen Bedingungsfaktoren für den Gesundheitsstatus einer Bevölkerung im Allgemeinen kurz aufgeführt (Abb. 1). Die erste Faktorgruppe benennt die personalen Faktoren, wozu z. B. die genetische Disposition gehört. Die zweite Gruppe enthält Verhaltensfaktoren, z. B. die individuellen Aktivitäten oder das Essverhalten einzelner Individuen. Die letzte Gruppe besteht aus den Verhältnisfaktoren, wozu z. B. die wirtschaftliche, Bildungs- und Gesundheitssystemsituation gehören (Hurrelmann 2010). Die Gesundheitschancen von Individuen werden dabei von diesen drei Faktorengruppen gebildet. Die Faktoren stellen somit positive oder negative Grundbedingungen für die Chancen von Gesundheit oder Krankheit von Menschen dar (Hurrelmann 2010).

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

2.2. Was ist Gesundheitsförderung und der Auftrag der Krankenkassen?

Nachdem im vorangegangenen Kapitel die sozial ungleiche Verteilung von Gesundheitschancen, deren Erklärungsansätze und verschiedene Grundfaktoren für Gesundheit und Krankheit kurz dargestellt worden sind, soll an dieser Stelle dargelegt werden, was unter Gesundheitsförderung zu verstehen ist und auf welcher Grundlage die Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen beruht.

Die WHO definiert Gesundheitsförderung 1986 in der Ottawa-Charta folgendermaßen: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. verändern können“ (S. 1). Es geht also um das Empowerment einzelner Individuen und Bevölkerungsgruppen, die eigene Gesundheit selbst besser beeinflussen zu können, wobei auf die individuelle Verhaltenskomponente als auch auf die Verhältniskomponente eingegangen wird.

Seit dem Jahr 2000 sind Prävention und Selbsthilfe wieder in erweiterter und verbindlicher Form im SGB V in § 20 festgeschrieben. Dort heißt es: „Die Krankenkasse soll in der Satzung Leistungen zur primären Prävention vorsehen […] . Leistungen zur Primärprävention sollen den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und insbesondere einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen erbringen“ (§ 20 Abs. 1 SGB V). Weiterhin heißt es, dass die Kassen seit 2006 verpflichtet sind, mindestens 2,74 € für jeden ihrer Versicherten für den Bereich Prävention und Selbsthilfe auszugeben. Für welche Maßnahmen diese Mittel ausgegeben werden und wie viele Personen mit diesen Maßnahmen der Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen direkt oder indirekt erreicht werden, das wird seit 2001 im Präventionsbericht des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V., nachfolgend als MDS bezeichnet, dokumentiert. Diese Präventionsberichte sollen im nachfolgenden Kapitel eingehender betrachtet und der Umfang der Erreichung der Ziele und die Ansätze untersucht werden.

3. Betrachtung und Ergebnisse der Präventionsberichte des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.Vh2

Die Präventionsberichte sind als Dokumentationsberichte zu verstehen und erheben keine Daten über die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen. Sie sollen ferner Defizite und bestehende Potenziale aufzeigen helfen (MDS 2002). Die Dokumentation, die erfolgt, bezieht sich dabei auf die Art der Leistungen der Krankenkassen in der Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung, auf die Zielgruppen, die erreicht werden, und auf die Partner, mit welchen die Krankenkassen zusammenarbeiten (MDS 2002, MDS 2013). Die Art der Leistungen wird durch den Leitfaden der GKV Spitzenverbände bestimmt (MDS 2002). [...]

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Gesundheitsförderung der Krankenkassen. Ein Beitrag zur Reduzierung der sozialen Ungleichheit von Gesundheitschancen?
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Gesundheitspolitik und Gesundheitssysteme
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V299276
ISBN (eBook)
9783656956679
ISBN (Buch)
9783656956686
Dateigröße
946 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesundheitsförderung, krankenkassen, beitrag, reduzierung, ungleichheit, gesundheitschancen
Arbeit zitieren
Tobias Munko (Autor), 2014, Gesundheitsförderung der Krankenkassen. Ein Beitrag zur Reduzierung der sozialen Ungleichheit von Gesundheitschancen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299276

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