Thomas Hobbes war in erster Linie Staatsphilosoph. Seine Staatsphilosophie leitet er nicht, wie in der Antike üblich, aus der Ethik, sondern aus der Anthropologie her.
Thomas Hobbes Anliegen ist die Ausbildung eines philosophischen Systems, das frei von metaphysischen Annahmen sein soll. Grundlage dafür sind die Naturwissenschaft und Mathematik seiner Zeit. Seine Hauptwerke sind „Elemente der Philosophie“ und „Leviathan“. Letzteres ist ein Klassiker der Staatsphilosophie durch die enthaltene Theorie des Gesellschaftsvertrages.
Die Textgrundlage dieser Arbeit ist ein Text von Hobbes mit dem Titel „Von der Religion“, welches ein Teil der Elemtorum philosophiae, den Elementen der Philosophie, ist. Genauergesagt erschien der Text in seinem Werk De Homine, welches zusammen mit der Schrift De Corpore die Elementorum bildet.
Wie der Titel besagt beschäftigt sich Hobbes mit der Religion. In 13 Punkten erklärt er seine Ansichten zu den Themen Glauben, Kult, Religion und Staat, Gottesdienst, Aberglaube und einigen anderen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von der Religion
2.1 Definition der Religion
2.2 Die Liebe zu Gott
2.3 Autorität und Glauben
2.4 Religion und Gesetz
2.5 Gottes Befehle
2.7 Glaubensheuchler
2.9 Der öffentliche Kult
2.10 Vernunft und Kult
2.12. Der Gottesdienst
2.13 Die Religionsänderung
3. Schlussbemerkung
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion, Staat und individuellem Glauben im philosophischen Denken von Thomas Hobbes, wobei das Ziel darin besteht, sein Verständnis von Gottesdienst, Kultausübung und der Rolle der Kirche im modernen Staat zu analysieren.
- Die begriffliche Definition von Religion und Frömmigkeit bei Hobbes.
- Die Korrelation zwischen staatlicher Gesetzgebung und religiöser Praxis.
- Die kritische Auseinandersetzung mit Aberglauben, Wahrsagerei und Priestertum.
- Die Dynamik von Religionsänderungen infolge von Dogmenwidersprüchen und dem Lebenswandel der Geistlichen.
Auszug aus dem Buch
2.5 Gottes Befehle
Woher weiß der Mensch nun, was Gott ihm befiehlt? Die ist eine essentielle Frage, denn von Gottes Befehlen ist in der Religion vieles abhängig. Gott zu lieben zum Beispiel, heißt seinen Geboten zu gehorchen. Ebenso ist Gott zu fürchten, die Angst des Gläubigen etwas gegen seine Gesetze zu tun.
Hobbes sieht die Antwort darin, dass Gott allen Menschen Vernunft gegeben hat und dadurch in ihren Herzen festgeschrieben steht das Gebot zu befolgen, niemandem etwas anzutun, von dem der Mensch nicht wünscht, dass man es ihm antut. Eigentlich ist dies das einzig nötige Gebot, da es in allen Lebenslagen anwendbar ist und auf alle Fragen des menschlichen Handels die Antwort darstellt. „In diesem Gebot ist die ganze Gerechtigkeit und der bürgerliche Gehorsam enthalten“. Es ist die Richtschnur für alles Handeln, selbst für Souveräne und Könige. Jene werden von ihren Untertanen mit der Gesetzgebung und Regierung betraut und dürfen dann davon ausgehen, dass man ihnen folgt. Ist dies nicht der Fall dürfen sie es für unbillig halten. Es ist nämlich auch ein göttliches Gesetz, immer den höchsten Gewalten zu gehorchen und folge zu leisten. Wie der Untertan nun seinem König gehorcht, muss der König wiederum immer Gott gehorchen und immer das Gesetz Gottes befolgen. Tut er dies kann er nicht falsch entscheiden und die Untertanen vertrauen und gehorchen ihm, wie sie es mit Gott tun.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung von Thomas Hobbes als Staatsphilosoph und verortet den analysierten Text „Von der Religion“ innerhalb seines Gesamtwerks.
2. Von der Religion: Das Kapitel definiert Religion als äußeren Kult und untersucht die verschiedenen Facetten des Glaubens sowie die Beziehung zwischen menschlichem Handeln und göttlichen Geboten.
2.1 Definition der Religion: Hier wird Religion als Ausdruck der Ehrung Gottes durch Glauben und Kult bestimmt, wobei Gott als allmächtiger Lenker des menschlichen Schicksals verstanden wird.
2.2 Die Liebe zu Gott: Dieses Kapitel unterscheidet die göttliche Liebe von zwischenmenschlichen Begierden und definiert sie als freudige Erfüllung der Gebote Gottes.
2.3 Autorität und Glauben: Der Text erörtert, dass Glaube, der über die menschliche Fassungskraft hinausgeht, auf der Autorität von Verkündern basiert, die ihre Legitimation durch Wunder beweisen müssen.
2.4 Religion und Gesetz: Es wird dargelegt, dass Religion im Staat kein philosophisches Diskussionsthema, sondern verbindliches Gesetz sein muss, um gesellschaftliches Chaos zu vermeiden.
2.5 Gottes Befehle: Hobbes argumentiert, dass das Vernunftgebot, niemandem Unrecht zuzufügen, das fundamentale Gesetz darstellt, welches sowohl für Untertanen als auch für Souveräne gilt.
2.7 Glaubensheuchler: Der Abschnitt kritisiert Heuchelei als größte Sünde, da sie auf mangelndem Glauben basiert und lediglich eigennützigen Zwecken dient.
2.9 Der öffentliche Kult: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit von staatlich verordneten Zeremonien im öffentlichen Kult, um eine einheitliche religiöse Ausübung zu gewährleisten.
2.10 Vernunft und Kult: Hier werden rationale Akte des Gottesdienstes wie Gebete, Danksagungen und das Bekennen von Sünden als Ausdruck der menschlichen Reue beschrieben.
2.12. Der Gottesdienst: Hobbes analysiert den menschlichen Wunsch, durch Gottesdienst Gutes zu erlangen oder Unheil abzuwenden, und warnt vor dem Aberglauben, die Zukunft durch Wahrsagerei vorhersagen zu können.
2.13 Die Religionsänderung: Das Kapitel identifiziert widersprüchliche Dogmen und den unheiligen Lebenswandel der Geistlichen als Hauptursachen für den Glaubensverlust des Volkes und den Wandel von Religionen.
3. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der hobbeschen Positionen und unterstreicht die präzise, wenngleich kritische Herangehensweise des Autors an das Thema Religion.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der für diese Proseminararbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Religion, Staatsphilosophie, Gottesdienst, Kult, Glauben, Frömmigkeit, Gesetz, Zeremonien, Heuchelei, Vernunft, Religionsänderung, Souveränität, Anthropologie, Offenbarung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk "Von der Religion" von Thomas Hobbes und analysiert dessen Auffassung von Religion als Teil des staatlichen Lebens und der menschlichen Anthropologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition von Religion, das Verhältnis von Glauben und staatlicher Ordnung, die Funktion des Gottesdienstes sowie die Kritik an kirchlichem Fehlverhalten und Aberglauben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die strukturierte Darstellung und Interpretation der hobbeschen Thesen zur Religion, wie sie in seinen Elementen der Philosophie formuliert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Arbeit, die Hobbes' Argumentation systematisch entlang der 13 Punkte seiner Schrift aufbereitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Unterpunkte, die von den Grundlagen des Glaubens und der Frömmigkeit bis hin zu komplexen Themen wie dem öffentlichen Kult, der Rolle des Staates und den Gründen für Religionsänderungen reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Souveränität, göttliche Gebote, Vernunft, Kirchenkritik und die Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Kult bestimmt.
Warum hält Hobbes die Naturwissenschaft für gefährlich im Kontext der Religion?
Hobbes argumentiert, dass der Versuch, durch menschliche Wissenschaft übernatürliche göttliche Dinge verstehen zu wollen, die Ehrfurcht vor dem Unbekannten zerstört und damit den Glauben untergräbt.
Wie bewertet Hobbes die Rolle des Staates im öffentlichen Gottesdienst?
Für Hobbes ist der Staat die höchste Instanz, die durch die Festlegung von Zeremonien und die Unterordnung der Religion unter das Gesetz sicherstellt, dass die religiöse Praxis nicht zur Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung wird.
- Quote paper
- Marie-Christin Pollak (Author), 2004, Zu: Thomas Hobbes - "Von der Religion", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29928