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Die Verkleidung der Tugend. Funktion der höfischen Kleider im "Fräulein von Sternheim"

Title: Die Verkleidung der Tugend. Funktion der höfischen Kleider im "Fräulein von Sternheim"

Term Paper , 2015 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Angela Krebil (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Entstehungszeit von Sophie von La Roches Briefroman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" liegt, unter modetechnischer Betrachtung, in einer Zeit radikaler Umbrüche. Zum Ende des 18. Jahrhunderts hin verloren Mode und Kleidung ihren ständischen und beruflichen Repräsentationscharakter und funktionierten immer mehr als Zeichen eines symbolischen Systems.

Ich möchte in dieser Arbeit die beschriebenen Kleider des Fräuleins von Sternheim bezüglich ihrer Bedeutung und Funktion als Zeichen im höfischen Repräsentationssystem untersuchen. Die Figurenkonzeption des Fräuleins steht ganz im Zeichen der „bürgerlich-empfindsamen Aufrichtigkeitsdoktrin“, welche die Konvergenz von innerer Verfassung und äußerlicher Erscheinung fordert. Diese Forderung ist in einem höfischen Kontext jedoch nicht zu erfüllen. La Roche thematisiert in der "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" unter anderem diese beiden sozialen Ordnungen, wobei die höfische und bürgerlich-ländliche Sphäre in „Überlagerung und gegenseitiger Durchdringung“ präsentiert werden.

Abgesehen von den reinen Kleiderzeichen möchte ich auch der Frisurengestaltung, der Mimik, und der Bewegungsästhetik Beachtung schenken, um das äußerliche Gesamtkonzept des "Fräuleins von Sternheim" angemessen bearbeiten zu können. In diesem Sinne werde ich herausstellen, welche der verwendeten äußerlichen Zeichen zum Erfolg der Intrigen gegen das Fräulein dienen. Demgegenüber stelle ich die permanenten Zeichen, die Indizien für die Wahrung der Tugend sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Höfische Repräsentation und bürgerliche Natürlichkeit

3. Die Kleider des Fräuleins von Sternheim

3.1. Von den „Kleidern meiner Mutter“ zu einem höfischen Putz

3.2. Ein „liebenswürdige[s] Hausgespenst“ zwischen „Damen und Kavalieren“ – Die erste Begegnung mit höfischer Gesellschaft

3.3. Im spanischen Kostüm in der Oper - die Präsentation des Fräuleins vor dem Fürsten

3.4. „Das Bild der lautern Unschuld“- Sophie als Alpenmädchen

3.5. Das Kleid einer Mätresse

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion von Kleidern und äußerlicher Gestaltung als Zeichensystem innerhalb der höfischen Welt von Sophie von La Roches Briefroman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die Diskrepanz zwischen der bürgerlich-empfindsamen Aufrichtigkeitsdoktrin und dem höfischen Inszenierungszwang durch Kleidung und Ästhetik thematisiert wird und welche Rolle diese Zeichen bei der Instrumentalisierung und Intrige gegen die Protagonistin spielen.

  • Wandel der Kleidung vom ständischen Repräsentationsmittel zum symbolischen Zeichensystem
  • Spannungsfeld zwischen bürgerlicher Natürlichkeit und höfischer Artifizialität
  • Die Rolle der Kleidung als Instrument der höfischen Intrige und Mätressendefinition
  • Analyse spezifischer Kostümierungen (Spanisches Kleid, Alpenmädchen, Spanische Sängerin)
  • Die Funktion von Mimik, Frisur und Bewegungsästhetik als permanente oder ablegbare Identitätszeichen

Auszug aus dem Buch

3.5. Das Kleid einer Mätresse

Der Höhepunkt in der „Komödie des Fürsten“ ist der Maskenball nach englischem Vorbild. Die Tatsache, dass das Fräulein gerne tanzt weckt die Hoffnung, dass das Vergnügen eines Balls sie „biegsam und nachgebend“ macht und tatsächlich findet das Fräulein Gefallen an der Aussicht auf einen Maskenball. Zu diesem Anlass erhält sie die Verkleidung einer spanischen Sängerin.

„Sie war in Carmoisi und schwarzem Taft gekleidet, ihre schönen Haare in fliegenden nachlässigen Locken verbreitet; ihre Brust ziemlich, doch weniger als sonst verhüllt; überhaupt schien sie mit vielem Fleiß auf eine Art gekleidet zu sein, die alle reizenden Schönheiten ihrer Figur wechselweise entwickelte; denn der weite Ärmel war gewiß allein da, um, während sie die Laute schlug, zurückzufallen und ihren vollkommen gebildeten Arm in sein ganzes Licht zu setzten. Die halbe Maske zeigte uns den schönsten Mund, und ihre Eigenliebe bemühete sich die Schönheit ihrer Stimme zu aller Zauberkraft der Kunst zu erhöhen.“

Das ausschlaggebende Merkmal dieser Kleidung ist, dass sie als das Equivalent zum Kostüm des Fürsten dargestellt wird. Das Fräulein bekommt von ihm nicht nur Kleid und Schmuck, er selbst trägt auch „ihre Farben“. Ihre Kleidung erfüllt also eine relationale Funktion, indem sie Sophies scheinbare Zugehörigkeit zum Fürsten visualisiert und sie als „würkliche Mätresse“ kennzeichnet. Die Aufmachung des Fräuleins bezeichnet nicht nur eine Zugehörigkeit zum Fürsten sondern auch den Verlust ihrer Tugend. Da die obere Hälfte ihres Gesichts unter einer Maske verborgen ist, geht ihre Identität als Ideal der Tugend verloren und sie sinkt „zu der allgemeinen Idee eines Mädchens herab“. Indem ihre Augen, welche „eine Hoheit und Reinigkeit der Seele über ihre ganze Person auszugießen schien[en], verdeckt sind, wird ihr Körper der uneingeschränkten Begierde ausgesetzt, obwohl zuvor ein Blick ihrerseits reichte, um „alle Begierden, die sie einflößte, in den Schranken der Ehrerbietung“ zu halten. Dies zeigt sich etwa in der Unverfrorenheit, mit welcher der Fürst das Fräulein von einer Unterhaltung mit ihrer Tante wegreißt, sie fest an sich drückt und mit ihr tanzt, obwohl sie sich offensichtlich dagegen sträubt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet den Roman in der Zeit des Umbruchs der Mode im späten 18. Jahrhundert und definiert das Ziel, Kleidung als Zeichen im höfischen Repräsentationssystem zu untersuchen.

2. Höfische Repräsentation und bürgerliche Natürlichkeit: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Paradigmenwechsel der Mode von adliger Artifizialität hin zu bürgerlichen Deutungspraxen, die das Äußere als Spiegel des inneren Charakters verstehen.

3. Die Kleider des Fräuleins von Sternheim: Das Hauptkapitel analysiert die Entwicklung der Kleidung der Protagonistin als Spiegel ihrer sozialen Position und ihrer Instrumentalisierung durch höfische Intrigen.

3.1. Von den „Kleidern meiner Mutter“ zu einem höfischen Putz: Es wird analysiert, wie das Ablegen der einfachen mütterlichen Kleidung den Verlust der Authentizität einleitet und das Fräulein in die höfische Inszenierungslogik zwingt.

3.2. Ein „liebenswürdige[s] Hausgespenst“ zwischen „Damen und Kavalieren“ – Die erste Begegnung mit höfischer Gesellschaft: Das Kapitel beschreibt Sophies erste höfische Erscheinung, in der sie durch ihr weißes Kleid als übernatürliches Wesen wahrgenommen wird und ihre soziale Außenseiterrolle manifestiert.

3.3. Im spanischen Kostüm in der Oper - die Präsentation des Fräuleins vor dem Fürsten: Hier wird die Kleidung als Teil einer „Hofkomödie“ analysiert, die durch das Wechselspiel von Verhüllen und Entblößen das Begehren des Fürsten provoziert.

3.4. „Das Bild der lautern Unschuld“- Sophie als Alpenmädchen: Das Kapitel untersucht die ideale Maskerade des Alpenmädchens, die als sorgfältige Inszenierung sowohl Sophies Tugend als auch ihre instrumentalisierte Sinnlichkeit betont.

3.5. Das Kleid einer Mätresse: Das abschließende Kapitel analysiert das Kostüm der spanischen Sängerin als Zeichen der endgültigen Fremdbestimmung und des tugendhaften Identitätsverlustes am Hofe.

Schlüsselwörter

Geschichte des Fräuleins von Sternheim, Sophie von La Roche, Mode, Repräsentation, Aufklärung, Höfische Gesellschaft, Kleiderzeichen, Tugend, Identität, Intrige, Mätresse, Inszenierung, Natürlichkeit, Artifizialität, Zeichenlehre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Funktion von Kleidung und äußerlicher Erscheinung als Zeichensystem im Roman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ innerhalb des höfischen Repräsentationssystems des 18. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Spannung zwischen bürgerlicher Natürlichkeit und höfischer Inszenierung, der Rolle der Kleidung als Instrument politischer Intrigen sowie der semiotischen Bedeutung von modischen Details.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Garderobe der Protagonistin sowohl deren tugendhafte Identität als auch die manipulative Intention der höfischen Gesellschaft visualisiert und interpretiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die kultursemiotische Ansätze nutzt, um Kleidung, Mimik und Bewegungsästhetik im Kontext des Romans zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einleitung zum Kleiderdiskurs und eine detaillierte Analyse von fünf verschiedenen Kostümstationen Sophies, die den Verlauf der Intrige gegen sie markieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Höfische Repräsentation, Artifizialität, bürgerliche Tugend, Identitätsbildung, Kleiderzeichen und Täuschungspotenzial.

Warum wird das Alpenmädchen-Kostüm als ambivalent beschrieben?

Es ist ambivalent, da es einerseits Sophies Vorliebe für ländliche Schlichtheit bedient, andererseits jedoch ein sorgfältig konstruiertes Inszenierungsmittel bleibt, das ihre sinnliche Ausstrahlung für den Fürsten gezielt unterstreicht.

Welche Bedeutung hat das Haar der Protagonistin?

Das Haar fungiert als ambivalenter Bedeutungsträger; es steht sowohl als Zeichen für ihre naturhafte Sinnlichkeit als auch für eine dauerhafte, unverfälschte Authentizität, die im Kontrast zu den ablegbaren, manipulativen Kleiderzeichen steht.

Welchen Zweck verfolgt die „Hofkomödie“ des Fürsten?

Der Fürst nutzt die Maskeraden und die Inszenierung Sophies als Mätresse, um sie durch ein falsches Zeichensystem in der Wahrnehmung der Hofgesellschaft als tugendlose Person zu markieren und so ihre soziale Position zu untergraben.

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Details

Title
Die Verkleidung der Tugend. Funktion der höfischen Kleider im "Fräulein von Sternheim"
College
University of Paderborn
Grade
1,3
Author
Angela Krebil (Author)
Publication Year
2015
Pages
19
Catalog Number
V299342
ISBN (eBook)
9783656958536
ISBN (Book)
9783656958543
Language
German
Tags
verkleidung tugend funktion kleider fräulein sternheim
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angela Krebil (Author), 2015, Die Verkleidung der Tugend. Funktion der höfischen Kleider im "Fräulein von Sternheim", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299342
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