Im Folgenden stelle ich die Begriffsbestimmung des Politischen durch Carl Schmitt anhand seiner Unterscheidung von staatlich und politisch und des ausschlaggebenden Kriteriums von Freund-Feind Gruppierungen vor.
Danach werde ich auf Hannah Arendts Definition der Politik angesichts ihrer Vorstellungen über die Voraussetzungen für Politik eingehen und ihre Antwort auf die Frage, was Politik sei, erläutern. Dies führt zur Frage nach dem Sinn der Politik, die für Arendts Politikverständnis begriffsbestimmend ist. Nach den Darstellungen zu Schmitts und Arendts grundsätzlichen Auffassungen von Politik, werde ich den Vergleich zum liberalen Politikverständnis im Zusammenhang mit der Liberalismuskritik der beiden Autoren ziehen, um mit eigenen Beurteilungen der Definitionen durch Arendt und Schmitt zu schließen.
Der mehrdimensionale Begriff der Politik im üblichen Gebrauch der Politikwissenschaft schlägt für dessen Verständnis eine normativ-inhaltliche (Policy), eine prozessuale (Politics) und eine institutionelle (Polity) Dimension vor.
Mit der Wortherkunft aus dem Griechischen polis, was mit Stadt, Gemeinde, Burg übersetzt werden kann, verweist die Politik ursprünglich insbesondere auf den Zuständigkeitsbereich innerer Verhältnisse und die Organisation, wie Erhaltung eines Staates oder kleineren Institutionen.
Häufig wird im Sprachgebrauch der Begriff der Politik und des Politischen in den Zusammenhang mit Macht gebracht. Niccolo Macchiavelli prägte ein Politikverständnis, das im theoretischen Sinn die Lehre vom Machterwerb und deren Erhaltung und im praktischen erfolgreichen Machtgebrauch beschreibt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER BEGRIFF DES POLITISCHEN UND DER POLITIK BEI CARL SCHMITT
2.1 STAATLICH UND POLITISCH
2.2 KRITERIUM DES POLITISCHEN: DIE UNTERSCHEIDUNG VON FREUND UND FEIND
3. DER BEGRIFF DER POLITIK UND DES POLITISCHEN BEI HANNAH ARENDT
3.1 WAS IST POLITIK?
3.2 DER SINN VON POLITIK
4. UNTERSCHEIDUNG ZUM LIBERALEN POLITIKVERSTÄNDNIS
5. DISKUSSION
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Politikbegriffe von Carl Schmitt und Hannah Arendt, um deren jeweilige Positionen zu beleuchten, kritisch zu hinterfragen und in Abgrenzung zum liberalen Politikverständnis einzuordnen.
- Analyse des Schmitt’schen Begriffs des Politischen unter Fokus auf die Freund-Feind-Unterscheidung.
- Erarbeitung von Hannah Arendts Politikverständnis basierend auf Pluralität und Freiheit.
- Kritische Auseinandersetzung mit den Konzepten von Souveränität, Macht und Gewalt.
- Gegenüberstellung der liberalen Liberalismuskritik beider Autoren.
- Diskussion der theoretischen Anwendbarkeit und gesellschaftlicher Implikationen.
Auszug aus dem Buch
3.1 WAS IST POLITIK?
Für Arendt beruht Politik auf der „Tatsache der Pluralität der Menschen“ (Arendt, 2010, S. 9). Dafür unterscheidet sie den einzelnen Menschen als göttliche Schöpfung und die vielen Menschen als künstliches, irdisches Produkt. Die Frage nach dem Wesen der Politik konnte nach Arendt durch die Philosophie nie gültig beantwortet werden, da sie von dem künstlichen Konstrukt der Menschen, das auf dem einzelnen aufbaut ausgeht, statt eine heterogene Pluralität der Menschen als Grundlage für die Beantwortung dieser Frage heran zu ziehen.
Politik handelt für Arendt „von dem Zusammen- und Miteinander-Sein der Verschiedenen“ (Arendt, 2010, S. 9). In der beschriebenen Heterogenität organisieren sich die einzelnen Menschen laut Arendt (2010) nach bestimmten Merkmalen, die sie mit anderen gemeinsam haben. Arendt erklärt, dass der Begriff Verwandtschaft durch seine Einführung die „Grundqualität der Pluralität aufhebt oder vielmehr verwirkt (...)“ (Arendt, 2010, S. 10f.). Da für ein Individuum keine familiäre Abschirmung besteht, werden Familien als Rückzugsort verwendet, wodurch mit dem Begehren nach dieser Geborgenheit durch Verwandtschaft als Grundlage von Politik die ursprüngliche Verschiedenheit, wie die Gleichheit der Menschen als irdisches Produkt unterdrückt wird und die Familie politische Bedeutung erhält.
Die Gleichheit der Menschen in der Politik existiert nach Arendt (2010) nur als Mitglieder der gleichen biologischen Gattung, gründet aber ansonsten auf der Heterogenität der Menschen. In der Politik erhält ein Individuum daher die Rechte, die sich die Verschiedenen aufgrund ihrer Pluralität gegenseitig garantieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Vielschichtigkeit des Politikbegriffs ein und umreißt die theoretischen Ansätze von Schmitt und Arendt im Kontext ihrer Zeit.
2. DER BEGRIFF DES POLITISCHEN UND DER POLITIK BEI CARL SCHMITT: Dieses Kapitel erläutert Schmitts Ablehnung einer rein staatlichen Definition des Politischen und seine Fokussierung auf die existenzielle Unterscheidung von Freund und Feind.
3. DER BEGRIFF DER POLITIK UND DES POLITISCHEN BEI HANNAH ARENDT: Der Abschnitt widmet sich Arendts Verständnis von Politik als Raum der Freiheit und Pluralität, der sich vom Individuum und privaten Interessen abhebt.
4. UNTERSCHEIDUNG ZUM LIBERALEN POLITIKVERSTÄNDNIS: Hier wird die gemeinsame, jedoch unterschiedlich begründete Liberalismuskritik beider Autoren sowie deren Sicht auf Staat und Wirtschaft analysiert.
5. DISKUSSION: Die Diskussion reflektiert kritisch die Widersprüchlichkeiten in Schmitts und Arendts Theorien und hinterfragt deren Anwendbarkeit und ethische Konsequenzen.
Schlüsselwörter
Politik, Politisches, Carl Schmitt, Hannah Arendt, Freund-Feind-Unterscheidung, Liberalismus, Pluralität, Freiheit, Souveränität, Macht, Gewalt, Totalitarismus, Dezisionismus, Ordnung, Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die unterschiedlichen theoretischen Politikbegriffe von Carl Schmitt und Hannah Arendt sowie deren kritische Auseinandersetzung mit dem liberalen Politikverständnis.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den zentralen Themen zählen die Unterscheidung zwischen dem Staatlichen und dem Politischen, die Rolle der Macht, der Begriff der Freiheit, die Kritik am Liberalismus sowie die Bedeutung von menschlicher Pluralität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Definitionen von Politik durch Schmitt und Arendt vorzustellen, diese in Bezug auf ihre ideengeschichtliche Herkunft zu bewerten und die Positionen kritisch zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung primärer und sekundärer Literatur der Politischen Philosophie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Schmitts Freund-Feind-Theorie, Arendts Konzept der Pluralität und Freiheit sowie den Vergleich beider Ansätze in ihrer Kritik an liberalen Vorstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Politik, das Politische, Freund-Feind-Unterscheidung, Freiheit, Pluralität und Liberalismuskritik.
Wie unterscheidet Schmitt das Politische vom Staatlichen?
Schmitt argumentiert, dass das Politische eine eigene, substanzielle Kategorie ist, die nicht in staatlichen Institutionen aufgehen darf, da sich das Politische überall dort manifestieren kann, wo ein Freund-Feind-Gegensatz entsteht.
Warum hält Arendt Freiheit für den Sinn der Politik?
Für Arendt ist Politik kein Mittel zum Zweck der Überlebenssicherung, sondern ein Raum, der durch das gemeinschaftliche Handeln der Verschiedenen erst die Möglichkeit von Freiheit und Neuanfängen schafft.
Inwiefern kritisieren beide den Liberalismus?
Beide Autoren kritisieren den Liberalismus für seine Tendenz zur Entpolitisierung, wobei Schmitt vor allem die Schwäche der liberalen Entscheidungsgewalt angreift und Arendt die Einengung auf private Interessen und utilitaristisches Denken bemängelt.
Welchen Vorwurf erhebt die Autorin gegenüber Schmitts Theorie?
Die Autorin kritisiert, dass Schmitts Dezisionismus keine moralische Konzeption beinhaltet und dadurch Gefahr läuft, totalitäre Strukturen intellektuell zu legitimieren.
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- Nicole Hauser (Author), 2012, Der Begriff "Politik" bei Carl Schmitt und Hannah Arendt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299421