Psilocybin-induzierte Defizite in emotionaler Gesichtserkennung und deren Abschwächung durch Ketanserin

Studienexposé


Studienarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Methoden und Studiendesign
Probanden
Studiendesign

Literatur

Einleitung

Schizophrene Erkrankungen als Störungen von Wahrnehmungsprozessen, Affektivität und Denkvorgängen definieren sich entlang einem breiten phänomenologischen Spektrum. Dadurch wird die Erforschung einer zu Grunde liegenden Dysfunktionalität von neurobiologischen und biochemischen Mechanismen und daraus folgend die gezielte medikamentöse Behandlung für schizophrene Störungen erheblich erschwert.

Als Kernsymptome der Schizophrenie werden in der aktuellen Forschungslage Defizite in der Informationsverarbeitung, so zum Beispiel bei automatischen oder kontrollierten Hemmprozessen angesehen (Braff et al., 2001; McGhie & Chapman, 1961). Prozesse der Aufmerksamkeits- und Verhaltenskontrolle, wo Hemmprozesse einzuordnen sind, stehen laut Cools et al. (2008) in einem Zusammenhang mit dem serotonergen System. Dabei scheint insbesondere der 5HT2A-Rezeptor in die Pathogenese von schizophrenen Erkrankungen verwickelt zu sein (Dean, 2003; Geyer & Vollenweider, 2008; Meltzer, 1999). Diese Grundlagen nutzend, untersuchten Quednow et al. (2012) die Rolle des spezifischen 5HT2A-Rezeptors anhand einer modellhaften Annäherung zur Psychose durch Psilocybin-induzierte Defizite in Hemmprozessen, die sie mit dem 5-HT2A-R Antagonisten Ketanserin modulierten. Die Resultate zeigten eine deutliche Abschwächung der Psilocybin-induzierten Veränderungen durch Ketanserin-Vorbehandlung, was als Hinweis dafür gilt, dass eine Störung automatischer und kontrollierter Hemmprozesse durch Psilocybin auf die 5-HT2A-R-Stimulation zurück zu führen ist. Störungen aufmerksamkeitsbasierter Kontrolle bei schizophrenen Patienten könnten somit auf einer Veränderung des 5-HT2A-R-Systems basieren. Um diese These zu bestärken, sind weitere Bereiche schizophrener Störungsbilder im Zusammenhang mit dem serotonergen System und spezifisch den 5-HT2A-Rezeptoren zu untersuchen.

Neben der kognitiven, ist ein zentraler Aspekt schizophrener Störungen die defizitäre emotionale Informationsverarbeitung. Dabei wurde in den letzten Jahren vermehrt die Beeinträchtigung der Interpretation von Gesichtsausdrücken und von Emotionen bei anderen Menschen untersucht, die bei schizophrenen Patienten zur Erschwerung sozialer Interaktionen führt (Berndl, Grüsser, Martin, & Remschmidt, 1986; Sachs et al., 2004; Weniger et al., 2004).

Kometer et al. (2012) untersuchten die emotionale Informationsverarbeitung unter Psilocybin bei gesunden Probanden wiederum im Zusammenhang mit Ketanserin als 5-HT2A-R-Antagonist. Die Studie konnte zeigen, dass Serotonin 2A Rezeptoren essentiell in der Erkennung negativer Gesichtsausdrücke involviert zu sein scheinen, da Ketanserin die Psilocybin-induzierte Verminderung von Erkennung negativer Gesichtsausdrücke der Augenregion blockierte. Auch bisherige Studien sprechen Serotonin eine zentrale Rolle in der emotionalen Gesichtserkennung zu. Die spezifische Rolle des 5-HT2A-Rezeptors bei emotionaler Gesichtserkennung ist jedoch zu replizieren. Dabei müsste sowohl eine grössere Stichprobenzahl, als auch eine differenziertere Testung der Gesichtserkennung in Betracht gezogen werden. Ein weiterer methodologischer Mangel der Studie von Kometer et al. (2012) liegt in der späten Datenerhebung, 130 Minuten nach Einnahme von Psilocybin. Bei einem Wirkungspeak von 70-90 Minuten nach Einnahme, der ungefähr für 50 Minuten anhält, könnte es sein, dass die Erhebung bereits mit einer Abschwächung der Effekte einhergegangen ist (Hasler et al., 1997, 2002).

Der vorliegende Studienvorschlag soll sich mit der Frage beschäftigen, welche Rolle Serotonin 2A Rezeptoren bei der emotionalen Informationsverarbeitung, spezifisch der Gesichtserkennung spielen. Dabei wird die Hypothese aufgestellt, dass Psilocybin die Fähigkeit zur emotionalen Gesichtserkennung vermindert, wobei dieser Effekt durch den 5-HT2A-Rezeptor-Antagonisten Ketanserin abgeschwächt wird.

Methoden und Studiendesign

Probanden

Die oben genannten Studien rekrutierten jeweils aufgrund des aufwändigen Studiendesigns n < 20 gesunde Probanden. Für den vorliegenden Forschungsvorschlag sollen trotz gleicher Herausforderungen zur Verbesserung statistischer Masse mindestens 25 gesunde Personen im Alter zwischen 20 bis 45 rekrutiert werden; via E-Mail-Versand an den Probandenserver der Universität Zürich, per Ausschreibung auf ronorp.ch und per Aushang am Schwarzen Brett der Universität Zürich. Aufgrund der Abgabe zweier Substanzen, wird bezüglich der Gesundheitsparameter die Krankheitsanamnese erhoben, eine klinische Untersuchung, sowie ein EKG und Blutanalysen durchgeführt. Zur Exklusion psychiatrisch relevanter Erkrankungen wird eine detaillierte Psychodiagnostik durchgeführt. Dazu können Tests wie das Mini-International Neuropsychiatric Interview für DSM-IV (MINI) von Sheehan et al. (1998), die DIA-X-Interviews von Wittchen und Pfister (1997) und die Hopkins Symptom Checklist 90-R (Derogatis, 1994) für den Ausschluss von Probanden mit vorhandenen oder vergangenen psychiatrischen Störungen oder bei wesentlichen psychiatrischen Störungen bei Verwandten ersten Grades verwendet werden. Weibliche Probandinnen sollen zudem einen Schwangerschaftstest machen, wobei Schwangerschaft als Ausschlusskriterium gilt.

Um konfundierende Variablen bezüglich der Wirkung der Substanzen auszuschließen, sollten in den letzten drei Tagen vor der Untersuchung keine Substanzen (außer Nikotin, Alkohol und Koffein) konsumiert worden sein, und am Tag vor der Untersuchung jeweils zusätzlich kein Alkohol, wobei sonstige Gewohnheiten beibehalten werden sollen. Eine momentane Substanzabhängigkeit oder ein -missbrauch wird anhand eines Selbstreports über Substanzgebrauch und eines zusätzlichen Urintests erhoben. Da in Studien mit illegalen Substanzen bezüglich Drogenkonsum oft nicht die Wahrheit berichtet wird, werden in Zusammenarbeit mit dem forensischen Institut Zürich Haarproben auf weitere Substanzen analysiert. Co-Konsumenten werden von der Studie ausgeschlossen.

Die Probanden werden schriftlich und mündlich über die Prozedur der Studie informiert, wie auch über die möglichen Risiken von Psilocybin-Einnahme und deren Effekte. Alle Probanden müssen ihre mündliche Einwilligung geben und eine schriftliche Einverständniserklärung unterzeichnen.

Die Studie muss von der Ethikkommission des Kantons Zürich genehmigt werden. Die Nutzung von Psilocybin durch Menschen muss vom schweizerischen Bundesamt für Gesundheit autorisiert werden.

Studiendesign

Die Studie wird nach einem doppelblinden, Placebo-kontrollierten randomisierten Design durchgeführt. An vier verschiedenen Erhebungsdaten erhalten die Probanden im Abstand von mindestens zwei Wochen jeweils Placebo oder Ketanserin (50 mg) als Vorbehandlung und eine Stunde darauf Placebo oder Psilocybin (260µg/kg). In bisherigen Studien konnten diese gewählten Dosierungen die gewünschten Veränderungen induzieren respektive blockieren (Carter et al., 2005; Kometer et al, 2012).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Psilocybin-induzierte Defizite in emotionaler Gesichtserkennung und deren Abschwächung durch Ketanserin
Untertitel
Studienexposé
Hochschule
Universität Zürich  (Psychologisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Pharmakopsychologie
Note
1,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V299426
ISBN (eBook)
9783656961765
ISBN (Buch)
9783656961772
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschungsdesign, Exposé, Psychopharmakologie, Psilocybin, Magic Mushrooms, Schizophrenie, 5HT-2A-Rezeptoren, Ketanserin
Arbeit zitieren
Nicole Hauser (Autor), 2013, Psilocybin-induzierte Defizite in emotionaler Gesichtserkennung und deren Abschwächung durch Ketanserin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299426

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Psilocybin-induzierte Defizite in emotionaler Gesichtserkennung und deren Abschwächung durch Ketanserin



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden