Einleitend interessieren in dieser Facharbeit die möglichen Widersprüche sowie Überschneidungen von Ökonomie und der Sozialen Arbeit, um zu erörtern, ob und wie vereinbar Ökonomie und die Soziale Arbeit tatsächlich sind. Die Widersprüche werden als Thesen den Überschneidungen als Antithesen gegenübergestellt, um so zu einer ersten Einschätzung
der Thematik als Synthese zu gelangen. Es wird also nach der dialektischen Methode wissenschaftlichen Arbeitens verfahren.
Ein erster Anhaltspunkt findet sich in der Entstehung erster Manufakturen und der gleichzeitigen Einführung der Armenfürsorge im Zuge der Industrialisierung. Einerseits habe daraus laut Schilling und Zeller ein enormer Anstieg von Arbeitsplätzen in den Manufakturen, sowie ein dementsprechendes Wirtschaftswachstum resultiert, aber andererseits hätten Bauernbefreiung und Einführung der Gewerbefreiheit zu einer städtischen Überbevölkerung geführt,
welche auch durch die neu entstandenen Arbeitsplätze nicht hätten gedeckt werden können und weiterhin in Massenverarmung geendet habe.
Ein erster Widerspruch findet sich also insofern, dass sich die ökonomische Entwicklung der damaligen Zeit in einem Ergebnis niederschlug, welches wiederum mitunter zur Entwicklung der Sozialen Arbeit führte – denn wenn die Auswirkungen ökonomischer Entwicklung zur Entstehung
der Sozialen Arbeit beitragen und diese versucht, die Folgen dessen zu beheben, können die jeweiligen Ziele definitiv nicht als übereinstimmend beschrieben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Zu Diskrepanz sowie Interessen Sozialer Arbeit und Ökonomie – Hinführung zur Ökonomisierung und deren Definition
2. Ursachen des Entwicklungsprozesses der Ökonomisierung
2.1 Neoliberalismus
2.2 Demografische Entwicklung
2.3 Standortdebatte im Kontext der Globalisierung
3. Aspekte des Ökonomisierungsprozesses im Detail
3.1 Das neue Steuerungsmodell (NSM) >New Public Management< (NPM)
3.2 Die Veränderungen in der Sozialgesetzgebung
3.3 Sozialstaatlicher Paradigmenwechsel – Vom sorgenden zum aktivierenden Sozialstaat
4. Management in der Sozialen Arbeit
4.1 Qualitätsmanagement
4.2 Case Management
4.3 Kontraktmanagement
5. Auswirkungen auf die Soziale Arbeit und deren Praxis
6. Perspektivische Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Spannungsfelder zwischen ökonomischen Marktlogiken und den Prinzipien der Sozialen Arbeit. Das zentrale Ziel ist es, mittels einer dialektischen Untersuchungsmethode zu erörtern, ob und wie diese beiden Bereiche vereinbar sind, wobei insbesondere die Auswirkungen des New Public Management auf die soziale Praxis im Fokus stehen.
- Grundlagen und Definition der Ökonomisierung
- Ursachen des Wandels (Neoliberalismus, Demografie, Globalisierung)
- Instrumente der Steuerung im Sozialbereich (NSM, Case Management, Kontraktmanagement)
- Veränderungen in der Sozialgesetzgebung und im Sozialstaatsverständnis
- Kritische Analyse der Auswirkungen auf Profession und Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Neue Steuerungsmodell (NSM) >New Public Management< (NPM)
Basierend auf Wollesens Ausführungen sei das New Public Management ein Modell zur Effektivitäts- und Effizienzsteigerung sowie zur Steigerung von Wirtschaftlichkeit in der öffentlichen Verwaltung (vgl. Wollesen 2008: 128). Seithe gibt in ihrem Schwarzbuch der Sozialen Arbeit an, dass dieses neue Steuerungsmodell 1990 in den Kommunen verbindlich eingeführt worden wäre, um deren leere Kassen durch Rationalisierungs- und Qualitätsverbesserungsprozesse neu zu organisieren (vgl. Seithe 2012: 121). Weiterhin beschreiben Buestrich und Wohlfahrt das Ziel des NSM/ NPM als „[…] Umbau der Verwaltung von einer Behörde zu einem Dienstleistungsunternehmen. […]“ (Buestrich/ Wohlfahrt 2008: 20).
Das Neue Steuerungsmodell ziele laut den Ausführungen Grohs und Bogumil zunächst auf den Aufbau dezentraler sowie teilautonomer Fachbereiche, beziehungsweise Verwaltungseinheiten ab, welche über eine ebenso dezentrale Fach- und Ressourcenverantwortung sowie eigene Budgets verfügen sollten. In Bezug darauf seien Rückkopplungen an die zentrale Steuerung durch Kontraktmanagement, Controlling und Berichtswesen zu gewährleisten (vgl. Grohs/ Bogumil 2011: 302 ff.). Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge sollen nun die Termini >Controlling< und >Berichtswesen< definiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zu Diskrepanz sowie Interessen Sozialer Arbeit und Ökonomie – Hinführung zur Ökonomisierung und deren Definition: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und kontrastiert die ökonomischen Interessen mit den Leitideen der Sozialen Arbeit unter Anwendung einer dialektischen Methode.
2. Ursachen des Entwicklungsprozesses der Ökonomisierung: Hier werden die treibenden Faktoren des Wandels, konkret der Neoliberalismus, die demografische Entwicklung und die globale Standortdebatte, analysiert.
3. Aspekte des Ökonomisierungsprozesses im Detail: Dieser Abschnitt beleuchtet spezifische Steuerungsinstrumente wie das New Public Management, gesetzliche Reformen und den Wandel vom sorgenden zum aktivierenden Sozialstaat.
4. Management in der Sozialen Arbeit: Das Kapitel definiert und untersucht drei zentrale Managementmethoden: Qualitätsmanagement, Case Management und Kontraktmanagement.
5. Auswirkungen auf die Soziale Arbeit und deren Praxis: Die Arbeit diskutiert hier kritisch die Folgen der Ökonomisierung, insbesondere in Bezug auf Organisationsstrukturen, Professionalität und das Arbeitsverhältnis zwischen Klient und Dienstleister.
6. Perspektivische Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und stellt die Frage nach der Vereinbarkeit sowie der zukünftigen Ausrichtung der Sozialen Arbeit als eigenständige Profession.
Schlüsselwörter
Ökonomisierung, Soziale Arbeit, New Public Management, Neoliberalismus, Kontraktmanagement, Case Management, Qualitätsmanagement, Sozialstaat, Aktivierung, Effizienz, Professionalisierung, Sozialgesetzgebung, Standortdebatte, Verwaltung, Dienstleistungsunternehmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und die Frage, inwieweit ökonomische Prinzipien mit sozialpädagogischen Werten vereinbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Ursachen der Ökonomisierung, moderne Steuerungsinstrumente (NPM) sowie deren Auswirkungen auf die Praxis der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung, um Chancen und Risiken für die Profession und die Klienten zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die dialektische Methode, bei der Thesen und Antithesen gegenübergestellt werden, um zu einer Synthese zu gelangen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen des Wandels, die konkreten Managementmethoden (Qualitäts-, Case- und Kontraktmanagement) sowie die praktischen Folgen in den sozialen Einrichtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ökonomisierung, New Public Management, Sozialstaat, Aktivierung, Effizienz und Professionalisierung.
Wie unterscheidet sich der aktivierende Sozialstaat vom ursprünglichen Modell?
Das neue Modell setzt stärker auf Marktmechanismen, Konkurrenz und die Eigenverantwortung der Bürger statt auf die reine Bereitstellung von Sicherheitsnetzen.
Welche Rolle spielt das Case Management in diesem Kontext?
Es dient als professionelle Methode, um Ressourcen effizient zu bündeln, wird aber kritisch hinsichtlich möglicher Sanktionen gegenüber Klienten betrachtet.
Wie bewertet die Arbeit die Auswirkungen auf das Vertrauensverhältnis zum Klienten?
Die Arbeit warnt davor, dass ökonomischer Druck und Sanktionsmechanismen das für die Soziale Arbeit essenzielle Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Fachkraft gefährden können.
Gibt es ein Fazit zur Vereinbarkeit von Ökonomie und Sozialer Arbeit?
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass beide Bereiche vereinbar sind, sofern eine angemessene Balance gefunden wird und die Soziale Arbeit ihre fachliche Eigenständigkeit behält.
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- Dennis Funken (Author), 2013, Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit. Einschätzung der Vereinbarkeit, Widersprüche und Überschneidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299462