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Zwangsverheiratung in Deutschland im Spannungsfeld von Politik, Recht und normativer Erwartung

Titel: Zwangsverheiratung in Deutschland im Spannungsfeld von Politik, Recht und normativer Erwartung

Hausarbeit , 2009 , 36 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tobias Keßler (Autor:in)

Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Debatte über Zwangsheirat und häusliche Gewalt in Migrantenfamilien wurde ausgelöst durch die bundesweite Kampagne der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes im Jahr 2003 unter dem Titel "Stoppt Zwangsheirat". Besonderen Nachdruck gewann die Diskussion aber durch die allgemein als Ehrenmord verstandene Bluttat an Hatun Aynur Sürücü am 7. Februar 2005 in Berlin. Auf politisch-rechtlicher Ebene gab es diesbezüglich eine lange Diskussion, welche auf die Anhebung des Nachzugsalters für Ehegatten von bisher 18 Jahren auf 21 Jahre zielte. Kritiker hielten die geplante Maßnahme zur Verhinderung von Zwangsehen nicht nur für wirkungslos, sie äußerten vielmehr verfassungsrechtliche Bedenken.

Die Arbeit möchte einen Beitrag leisten zu einer differenzierteren Sichtweise des Phänomens der Zwangsverheiratung. In diesem Zusammenhang werden die Möglichkeiten rechtlicher Regelungen vor dem Hintergrund des aus den Grund- und Menschenrechten erwachsenden normativen Anspruchs in ihrem Für und Wider dargestellt. Daran anschließend skizziert der Autor die politische Auseinandersetzung zum Thema in ihrem Spannungs-verhältnis zu den genannten normativen Erwartungen und reflektiert die Frage der Fundierung des universalen Geltungsanspruchs der Menschenrechte.

Ein weiterer Schritt fragt aus soziologischer Sicht nach einer Erklärung für die fortwährende Diskrepanz zwischen normativem Anspruch und politischer Handhabung. Die Ursache hierfür wird in der empirischen Unvereinbarkeit nationalstaatlicher Verfasstheit der Politik mit dem universalen Anspruch der Grund- und Menschenrechte identifiziert. Auf dieser Grundlage wird schließlich ein Fazit als Beitrag für weitere Diskussionen formuliert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zwangsverheiratung oder arrangierte Ehe?

2.1 Die arrangierte Ehe

2.2 Definition und Formen von Zwangsverheiratung

2.3 Fließende Übergange zwischen verschiedenen Formen der Eheschließung

3 Rechtliche Möglichkeiten der Regulierung

3.1 Strafrecht

3.2 Aufenthaltsrecht

3.3 Zivilrecht

3.4 Staatsangehörigkeitsrecht

4 Politik: Zuwanderungsbegrenzung im Namen der Bekämpfung von Zwangsheirat?

4.1 Politischer Diskurs: Der Nationale Integrationsplan

4.2 Realisierung: Aufenthaltsgesetz und Richtlinienumsetzungsgesetz

4.3 Normativer Anspruch, Kulturpluralismus und Menschenrechte

5 Die Debatte um Zwangsverheiratung aus soziologischer Perspektive

6 Fazit

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen politischen Maßnahmen, rechtlichen Rahmenbedingungen und normativen Erwartungen im Kontext von Zwangsverheiratungen in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf die Verknüpfung mit Migration und die Wirksamkeit staatlicher Schutzkonzepte gelegt wird.

  • Abgrenzung von arrangierter Ehe und Zwangsverheiratung
  • Analyse rechtlicher Regulierungsoptionen (Straf-, Aufenthalts- und Zivilrecht)
  • Kritische Beleuchtung migrationspolitischer Diskurse
  • Soziologische Perspektive auf das staatliche Handeln
  • Menschenrechtliche Fundierung und ihre Anwendung in der Praxis

Auszug aus dem Buch

2.3 Fließende Übergange zwischen verschiedenen Formen der Eheschließung

Der von Straßburger beschriebene idealtypische Phasenverlauf der arrangierten Ehe, welcher der traditionellen Form der Eheschließung im Herkunftsland entspricht, erfährt vor allem im Migrationskontext zunehmend Veränderungen, und zwar in zweifacher Hinsicht: Während im Zuge integrativer Angleichung bei einer Vielzahl von Eheschließungen der Anteil der Selbstbestimmung im Sinne einer selbst organisierten Ehe wächst, herrschen ebenso fließende Übergänge zwischen arrangierter Ehe und Zwangsverheiratung.

Die angesprochene Schwierigkeit der Abgrenzung der Letzteren liegt vor allem im kommunikativen Setting des Ehearrangements begründet. Besonders die Braut ist darauf angewiesen, dass ihre subtilen Andeutungen und Willensbekundungen von der Familie wahrgenommen und berücksichtigt werden. Auf Grund der von ihr erwarteten Schamhaftigkeit ziemt es sich nicht, dass sie ihre Position lautstark vertritt, da solch eine Haltung als Tabubruch zu werten wäre und das Ansehen der Familie empflindlich verletzen würde. Speziell in diesem Bereich entsteht für die anderen Akteure ein Machtspielraum und damit die Möglichkeit, durch das Ignorieren dieser subtilen Signale Druck auszuüben und den eigenen Willen zur Geltung zu bringen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um Zwangsheirat in Deutschland, ihre mediale Rezeption und die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung des Phänomens im Kontext von Migration.

2 Zwangsverheiratung oder arrangierte Ehe?: Dieses Kapitel arbeitet die begrifflichen Unterschiede und fließenden Grenzen zwischen arrangierten Ehen und Zwangsheiraten heraus, um Pauschalisierungen zu vermeiden.

3 Rechtliche Möglichkeiten der Regulierung: Der Hauptteil untersucht die bestehenden straf-, aufenthalts- und zivilrechtlichen Instrumente sowie deren Grenzen beim Schutz betroffener Personen.

4 Politik: Zuwanderungsbegrenzung im Namen der Bekämpfung von Zwangsheirat?: Hier wird die politische Debatte kritisch hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Instrumentalisierung des Themas für restriktive Migrationsziele.

5 Die Debatte um Zwangsverheiratung aus soziologischer Perspektive: Das Kapitel bietet eine soziologische Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen universalen Menschenrechten und der nationalstaatlichen Logik politischer Handhabung.

6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines konstruktiven, lösungsorientierten Umgangs mit der Thematik, der die Menschenrechte wahrt.

Schlüsselwörter

Zwangsverheiratung, Zwangsheirat, arrangierte Ehe, Migration, Integrationspolitik, Menschenrechte, Familiennachzug, Aufenthaltsgesetz, Rechtsstaat, Soziologie, Kulturpluralismus, Rechtsregulierung, Diskursanalyse, Gewaltprävention, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das komplexe Thema der Zwangsverheiratung in Deutschland als ein Spannungsfeld zwischen politischen Interessen der Zuwanderungsbegrenzung, rechtlichen Regulierungsversuchen und dem Anspruch auf Wahrung universeller Menschenrechte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zu den zentralen Themen gehören die Abgrenzung von Zwangsheirat und arrangierter Ehe, die kritische Evaluation rechtlicher Schutzmaßnahmen, die Rolle politischer Diskurse im Rahmen des Nationalen Integrationsplans sowie die soziologische Einordnung des Themas.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel der Arbeit ist es, die Diskrepanz zwischen normativen menschenrechtlichen Forderungen und der tatsächlichen politischen Handhabung des Themas Zwangsverheiratung aufzuzeigen und einen Beitrag zu einer sachlicheren Debatte zu leisten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die juristische Gutachten, politologische Dokumente sowie soziologische Theorieansätze (insbesondere zur politischen Rationalität und zum Nationalstaat) zusammenführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Definition des Phänomens, eine Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten im Straf-, Zivil- und Aufenthaltsrecht sowie eine kritische Untersuchung politischer Maßnahmen, die im Namen der Zwangsheirat-Bekämpfung diskutiert wurden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Zwangsverheiratung, Migration, Menschenrechte, staatliche Integrationspolitik und die Abgrenzung von arrangierten Ehen in soziokulturellen Kontexten.

Inwiefern beeinflusst das Aufenthaltsrecht die Situation der Betroffenen?

Das Aufenthaltsrecht spielt eine Schlüsselrolle, da restriktive Regelungen, wie etwa Mindestalter oder Sprachanforderungen beim Familiennachzug, die Handlungsoptionen der Betroffenen einschränken können, während zugleich Schutzlücken bei der Rückkehr aus dem Ausland bestehen.

Warum ist die Datenlage laut Autor problematisch?

Die mangelnde Datenlage führt laut dem Autor dazu, dass das Thema anfällig für Pauschalisierungen und eine Instrumentalisierung zu populistischen oder migrationspolitischen Zwecken wird, anstatt fundierte Lösungsansätze zu verfolgen.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zwangsverheiratung in Deutschland im Spannungsfeld von Politik, Recht und normativer Erwartung
Hochschule
Universität Osnabrück  (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS))
Note
1,0
Autor
Tobias Keßler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
36
Katalognummer
V299468
ISBN (eBook)
9783656959717
ISBN (Buch)
9783656959724
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwangsheirat Zwangsverheiratung Migrationsrecht Migration Zuwanderungsbegrenzung Soziologie Zwangsehe Ausländerrecht Migrantinnen Menschenrechte Unterdrückung der Frau arrangierte Ehe normativ Integration Gleichberechtigung Gender Gewalt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tobias Keßler (Autor:in), 2009, Zwangsverheiratung in Deutschland im Spannungsfeld von Politik, Recht und normativer Erwartung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299468
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Leseprobe aus  36  Seiten
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