Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun. Ausgewählte Probleme zwischenmenschlicher Kommunikation


Zusammenfassung, 2013

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Selbstoffenbarungsseite einer Nachricht
2.1 Selbstoffenbarungsangst
2.2 Selbstdarstellung und Selbstverbergung
2.3 Auswirkungen der Selbstdarstellungstechniken

3. Die Sachseite einer Nachricht
3.1 Strategien der Sachlichkeit
3.2 Trennung von Sach- und Beziehungsebene im Alltag
3.3 Das >eigentliche Thema< im Zuge zwischenmenschlicher Kom- munikation

4. Die Beziehungsseite einer Nachricht
4.1 Das Bild vom Anderen
4.2 Unrepräsentativer Kontakt und das Ringen um die Beziehungs- definition
4.3 Längerfristige Auswirkungen von Beziehungsbotschaften: Das Selbstkonzept
4.4 Zum Umgang mit Beziehungsstörungen und die Funktionalisie- rung der Beziehungsebene

5. Die Appellseite einer Nachricht
5.1 Ausdruck und Wirkung - Zwei Funktionen der Kommunikation
5.2 Von der Erfolgslosigkeit mancher Appelle
5.3 Verdeckte Appelle anhand eines Beispiels
5.3.1 Vor- und Nachteile verdeckter Appelle
5.3.2 Appellwidriges Reagieren des Empfängers
5.4 Paradoxe Appelle
5.5 Offene Appelle

6. Zur Anwendbarkeit innerhalb der Sozialen Arbeit
6.1 Aspekte der Selbstoffenbarungsseite
6.2 Aspekte der Sachseite
6.3 Aspekte der Beziehungsseite
6.4 Aspekte der Appellseite

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits in Modul 4.1: Kommunikation wurde im Zuge der Seminare das Vier-Ohren- Modell von Friedemann Schulz von Thun thematisiert und auf Selbstoffenbarungs-, Sach-, Beziehungs- und Appellaspekte einer Nachricht eingegangen. Innerhalb die- ser Hausarbeit soll dies dementsprechend nicht erneut aufgegriffen werden - viel- mehr sollen die Inhalte vertieft werden, indem ausschließlich auf ausgewählte Prob- leme der zwischenmenschlichen Kommunikation in Bezug auf die vier verschiedenen Ohren, beziehungsweise Ebenen einer Nachricht eingegangen wird. Die reproduzier- ten Inhalte dieser Hausarbeit beziehen sich auf die Originalausgabe Friedemann Schulz von Thuns Werk >Miteinander reden 1 - Störungen und Klärungen<.

2. Die Selbstoffenbarungsseite einer Nachricht

Der Autor bezieht sich hinsichtlich der Selbstoffenbarungsseite einer Nachricht vor allem auf die Sicht des Senders (vgl. Schulz von Thun 1981: 99).

2.1 Selbstoffenbarungsangst

Schulz von Thun geht in Bezug auf Selbstoffenbarungsangst davon aus, dass emotionale Belastung primär aus der potentiellen Selbstoffenbarung als solche resultiere und die Selbstoffenbarungsangst auf der Tatsache beruhe, dass der Sender einer Nachricht die potentielle negative Beurteilung durch dessen Mitmenschen befürchte sowie diese Beurteilung dadurch selbst vorwegnehme. Er verweist zudem darauf, dass Selbstbeurteilung oftmals strenger ausfalle als Fremdbeurteilung (vgl. ebd.: 100). Der Autor konkludiert, dass eine „generalisierte Prüfungsangst allgegenwärtig“ (ebd.: 101) sei, da der Sender darüber gewahr sei, dass Nachrichten durch Selbstoffenbarung empfangen sowie gewertet würden.

Die Entstehung der Selbstoffenbarungsangst erkennt der Autor in der frühen Kind- heit, in welcher das kindliche Individuum mit der Gesellschaft sowie deren Normen und Konventionen zusammenstoße. Bezug nehmend auf die Folgen dieses Zusam- menstoßes differenziert Schulz von Thun jedoch hinsichtlich der unterschiedlich aus- fallenden Härte des Zusammenstoßes, was sich hinsichtlich der Art der Erziehung sowie der gesellschaftlichen Gestaltung ermesse, beziehungsweise unterscheide (vgl. ebd.: 101 ff.).

2.2 Selbstdarstellung und Selbstverbergung

Der Verfasser beschreibt aufbauend auf der Selbstoffenbarungsangst Imponiertechniken, also Selbstdarstellung und Fassade- sowie Verkleinerungstechniken, also Selbstverbergung.

Unter Imponiertechniken versteht er die individuelle bestmögliche Selbstdarstellung, wozu beispielsweise Angeberei oder das Schinden von Eindruck gezählt werden könnten. Darüber hinaus erkennt er aber ein Problem seitens des Senders, da diese Form der Darstellung beim Empfänger oftmals das Gegenteil der ursprünglichen In- tention des Senders hervorrufe - wie sich Imponiertechniken auswirken würden, hänge also immer vom Empfänger einer Nachricht ab (vgl. ebd.: 107 ff.).

Zu Fassadetechniken zählt Schulz von Thun „[…] alle Techniken, die darauf abzie- len, negativ empfundene Anteile der eigenen Person zu verbergen oder zu tarnen.“

(ebd. 108), welche die entsprechende Person für sich oftmals so tiefgreifend übernehme und automatisiert anwende, dass sie die eigene Selbstoffenbarungsangst überhaupt nicht mehr wahrnehme (vgl. ebd.: 108 ff.). In Bezug darauf schreibt er außerdem von sprachlichen Hilfsmitteln der Fassadentechniken, beziehungsweise der Selbstverbergung, bei denen meist eine Entpersönlichung stattfinde - das Synonym >Ich< werde beispielsweise durch >Man< oder >Wir< im Sinne einer Verallgemeinerung mit Allgemeingültigkeit umgangen und häufig würden zudem Du-Botschaften angewendet werden, um eine Ich-Aussage zu vermeiden und dadurch das eigene Innere nicht offenbaren zu müssen (vgl. ebd.: 111 ff.).

Des Weiteren nennt er die demonstrative Selbstverkleinerung, in deren Zuge sich der Sender als minderwertig beschreibe, dadurch jedoch häufig einen verdeckten Appell zum Ausdruck bringe, der sich entweder so äußere, dass der Sender einen Wider- spruch hinsichtlich der eigenen angeblichen Minderwertigkeit erwarte - was im End- effekt nur eine angewandelte Form von Bestätigung zu sein scheint - oder, dass der Sender den Empfänger dazu verleiten wolle, die dem Sender lästigen Aufgaben zu übernehmen (vgl. ebd.: 113 ff.).

2.3 Auswirkungen der Selbstdarstellungstechniken

Die daraus resultierenden Auswirkungen summiert Schulz von Thun wie folgt: Er er- kennt erstens eine Gefahr für den sachlichen Ertrag von Kommunikation, da der Sa- chertrag im Zuge bestmöglicher Selbstdarstellung nicht optimal sei. Zweitens sieht er aufgrund des Verbergens eigener Schwächen sowie der damit verbundenen Distanz und Isolation Barrieren für die zwischenmenschliche Solidarität untereinander und drittens wirke sich die äußere Selbstdarstellung, welche nicht dem tatsächlichen in- neren Empfinden entspreche, in einer permanenten inneren Spannung aus, worin eine Gefahr für die seelische Gesundheit bestehe (vgl. ebd.: 115).

3. Die Sachseite einer Nachricht - Sachlichkeit

Zum besseren Verständnis wird nun angeführt, was der Verfasser überhaupt unter >Sachlichkeit< versteht:

„[…]Der auf ein Sachziel bezogene Austausch von Informationen und Argumenten, das Abwägen und Entscheiden, frei von menschlichen Ge- fühlen und Strebungen […] Sachlichkeit ist erreicht, wenn die Verständi- gung auf der Sach-Ebene weiterkommt, ohne daß die Begleitbotschaften auf den anderen drei Seiten der Nachricht störend die Oberhand gewin- nen.“ (ebd.: 129) Schulz von Thun gibt an, dass man innerhalb einer sachlichen Auseinandersetzung zwischen zwei entgegengesetzten Strategien unterscheiden könne (vgl. ebd.: 130).

3.1 Strategien der Sachlichkeit

Die erste Strategie entspreche dem Standpunkt, nach welchem das Unerwünschte zu unterbinden sei, da es nicht in den entsprechenden Kontext gehöre, was einem Appell zur Disziplin gleichkomme. Weiterhin schreibt er davon, dass diese Strategie zwar temporär anwendbar sei und zu einem entsprechenden Erfolg führe, sich das Unterdrücken menschlicher Emotionen unter den Aspekten der Sachlichkeit hinsicht- lich eines längerfristigen Austauschs jedoch kontraproduktiv auswirke (vgl. ebd.: 130 ff.).

Bezüglich der zweiten Strategie schreibt er davon, von der ersten Strategie, also von der reinen Sachseite Abstand zu nehmen und sich darauf aufbauend an Metakom- munikation zu orientieren, in deren Zuge der Schwerpunkt auf den Selbstoffenba- rungs- und Beziehungsaspekten einer Nachricht liege - Störungen hätten demnach Vorrang, die Sachlichkeit als solche erste einmal nicht (vgl. ebd.: 131 ff.). Der Autor erkennt im Gegenzug jedoch auch potentielle Gefahren innerhalb dieser zweiten Strategie, da diese erstens bedrohlich sowie ungewohnt wirken könne und dass durch diese Strategie zweitens Sachziele aus den Augen verloren werden könnten (vgl. ebd.: 133 ff.).

3.2 Trennung von Sach- und Beziehungsebene im Alltag

Schulz von Thun formuliert, dass Sach- und Beziehungsebene im Alltag der Gegen- wart getrennt seien. Er geht davon aus, dass unser Arbeitsleben, also ein umfangrei- cher Teil unseres Lebens von Sachzwängen geprägt sei und dass in diesem Arbeits- leben das Individuum als solches sowie Aspekte des Miteinanders nicht von Rele- vanz seien, was seine These der Trennung beider Ebenen verifiziert. Überdies be- schreibt er, dass aus diesen Sachzwängen Mangelerlebnisse resultieren würden, welche dementsprechend im Privatleben durch die Suche nach Beziehungsaspekten kompensiert werden würden. Abschließend geht er davon aus, dass durch diesen besonderen Fokus auf die Beziehungsaspekte im Privatleben, Sachaspekte, bezie- hungsweise gemeinsame Sachthemen in diesem fehlen würden, wodurch Menschen trotz aller Beziehungsaspekte auf gewisse Weise voneinander getrennt wären (vgl. ebd.: 134 ff.).

3.3 Das >eigentliche Thema< im Zuge zwischenmenschlicher Kommunikation

In diesem Teil seines Werks geht Friedemann Schulz von Thun darauf ein, wann und ob das Innenleben der Menschen dem tatsächlich vollzogenen Nachrichtenwechsel entspricht. Er stellt die These auf, dass es häufig der Fall sei, dass Innenleben der Gesprächspartner und die tatsächlich thematisierte Sache konträr zueinander stän- den, woraus halbherzige Anteilnahme resultieren würde (vgl. ebd.: 137). Als potenti- ellen Lösungsvorschlag bezüglich der beschriebenen Problematik verweist er auf das Folgende: „[…] deswegen kann das Anliegen der Themenzentrierten Interaktion, offi- zielles und >>eigentliches<< Thema zur Deckung bringen, als Wegweiser für die Verbesserung jeglicher zwischenmenschlicher Kommunikation dienen.“ (ebd.)

4. Die Beziehungsseite einer Nachricht

Im Überblick wird beschrieben, dass man keine Sachinhalte vermitteln könne, ohne nicht gleichzeitig den anderen als Menschen in irgendeiner Weise zu behandeln oder misshandeln. In der zwischenmenschlichen Kommunikation sei daher die dritte Seite der Nachricht von großer Bedeutung. Da das Wort >Wie< nicht durch den Sachinhalt der Nachricht, sondern durch den Tonfall sowie die Art der Formulierung, wie auch durch Mimik und Gestik bei dem Beispiel >Wie redet der eigentlich mit mir?< daher wie folgt zum Ausdruck komme: >So stehe ich zu dir, so sehe ich dich< (vgl. ebd.: 156).

„Während sich die Sachbotschaft mehr an den Verstand wendet, geht die Beziehungsbotschaft gleichsam direkt ins Herz.“ (ebd.: 157)

In einer Nachricht gebe es nach Schulz von Thun zwei Aspekte des Beziehungsgeschehens - die Du-Botschaft und die Wir-Botschaft. In der Beziehungsseite der Nachricht seien beide enthalten, jedoch seien sie nicht immer deutlich trennbar. Hier laute die Du-Botschaft >So einer bist du?< und die Wir-Botschaft >So stehen wir zueinander< (vgl. ebd. 158).

Es werden zwei Instrumente zur Erfassung des Beziehungsgeschehens vorgestellt. Zum einen das Verhaltenskreuz und zum anderen die Transaktionale Analyse (vgl. ebd.: 159).

Im Verhaltenskreuz wird beschrieben, dass empirische Untersuchungen zum Vorgesetzten- und Erzieherverhalten zwei >Techniken< nahe lägen, die den Empfänger auf der Beziehungsseite misshandeln würden: Herabsetzung und Bevormundung. Es gebe zwei Hauptmerkmale, in denen sich die Vorgesetzten, beziehungsweise Erzieher unterschieden - zum einen durch Wertschätzung kontra Geringschätzung und zum zweiten durch Lenkung, beziehungsweise Bevormundung kontra Einräumen und Entscheidungsfreiheit (vgl. ebd.: 162).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun. Ausgewählte Probleme zwischenmenschlicher Kommunikation
Hochschule
Hochschule RheinMain  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Kommunikation
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V299480
ISBN (eBook)
9783656961284
ISBN (Buch)
9783656961291
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Zwischenmenschliche Kommunikation, Schulz von Thun, Kommunikationsprobleme
Arbeit zitieren
Dennis Funken (Autor), 2013, Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun. Ausgewählte Probleme zwischenmenschlicher Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299480

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