Jugendzentren als Institution sozialer Kontrolle? Umsetzung in der Praxis


Praktikumsbericht / -arbeit, 2014
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Terminologie sozialer Kontrolle
2.1 Sanktionsandrohungen und Strafen als Arten sozialer Kontrolle
2.2 Selbstdisziplinierung als Art sozialer Kontrolle
2.3 Exklusion als Art sozialer Kontrolle

3. Das doppelte Mandat der Sozialen Arbeit - Hilfe und Kontrolle im Span- nungsverhältnis

4. Praktische Erfahrung mit sozialer Kontrolle sowie Hilfe und Kontrolle in Jugendzentren
4.1 Regeln
4.2 Hausverbote
4.3 Das Projekt >Jugendclub<
4.4 Das Jugendzentrum als Ort sozialer Exklusion

5. Synthese aus theoretischen Ansätzen und praktischen Erkenntnissen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die übergeordnete Frage innerhalb dieser Ausarbeitung lautet, ob und inwiefern Ju- gendzentren Institutionen sozialer Kontrolle entsprechen und wie manifest oder latent sich dies in der Praxis Sozialer Arbeit darstellt. Zunächst soll die Terminologie sozia- ler Kontrolle differenziert in die Arten sozialer Kontrolle sowie die Zusammenhänge von Devianz und sozialer Kontrolle dargelegt werden. Darauf folgend soll der Über- gang zur Theorie Sozialer Arbeit dadurch hergestellt werden, dass auf das Doppel- mandat, beziehungsweise das Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit eingegangen wird. Anschließend wird beschrieben, wie und wodurch sich soziale Kontrolle im Rahmen des Praktikums im Jugendzentrum dargestellt hat. In einem abschließenden Schritt soll zu einer Synthese aus theoretischen sowie praktischen Aspekten gelangt werden.

2. Zur Terminologie sozialer Kontrolle

Bei Devianz und sozialer Kontrolle handelt es sich um zwei Termini, welche eng mit- einander verknüpft sind. Unter Devianz, also abweichendem Verhalten versteht Peu- ckert Verhaltensweisen, welche „[…] gegen die in einer Gesellschaft oder einer ihrer Teilstrukturen geltenden sozialen Normen verstoßen und im Falle der Entdeckung soziale Reaktionen hervorrufen, die darauf abzielen, die betreffende Person, die die- ses Verhalten zeigt, zu bestrafen, isolieren, behandeln oder zu bessern. Abweichen- des Verhalten in der einen oder anderen Form findet man überall, denn wo es Re- geln gibt, da gibt es auch Abweichungen von diesen Regeln […]“ (Peuckert 2006: 106). Um eben diese Normverstöße zu vermeiden, bedürfe es sozialer Kontrolle, zu der alle Strukturen, Prozesse sowie Mechanismen zu zählen seien, welche die Mit- glieder einer Gesellschaft, beziehungsweise einer Gruppe dazu brächten, deren Normen Folge zu leisten. Weiterhin entspreche soziale Kontrolle den Prozessen so- zialer Integration (vgl. ebd.). Die Definition sozialer Kontrolle kann noch erweitert werden, indem man auf Berger und Luckmann verweist. Sie gehen in Bezug auf In- stitutionen davon aus, dass diese bereits durch ihre Existenz soziale Kontrolle ausü- ben würden, beziehungsweise dass soziale Kontrolle durch die Institutionalisierung eines Bereichs menschlichen Handelns ausgeübt werde (vgl. Berger / Luckmann 1969: 59). Zudem benennt Helge Peters Ausschließungen und Verbannungen als Maßnahmen sozialer Kontrolle (vgl. Peters 2009: 136f.). Auch Prävention ist Kontext sozialer Kontrolle insofern von Relevanz, als dass es nach Ziegler ein wichtiges sozi- alpolitisches Anliegen darstelle, durch Maßnahmen und Programme präventiv Prob- lementwicklungen entgegenzuwirken sowie bei Problemlagen zu intervenieren, um letztendlich auch deviantes Verhalten zu vermeiden (vgl. Ziegler 2013: 213).

2.1 Sanktionsandrohungen und Strafen als Arten sozialer Kontrolle

Helge Peters formuliert die Definition zum Thema Sanktionsdrohungen wie folgt:

„Sanktionsdrohungen sind bekannt gemachte Sätze, die negative Sanktionen für den Fall von Devianz ankündigen und negative Sanktionen, die bekannt werden. Das manifeste Ziel von Sanktionsdrohungen ist es, Devianz durch „Abschreckung“ zu verhindern.“ (Peters 2009: 143)

Der Autor verweist außerdem auf den Zusammenhang von Sanktionsdrohungen und Strafrecht und benennt mit der Herrschaftsstabilisierung ein weiteres Ziel von Sanktionsdrohungen (vgl. ebd.). Dementsprechend kann die Androhung von Sanktionen als eine Art sozialer Kontrolle verstanden werden, da gegen die Normen verstoßendes, also deviantes Verhalten dadurch unter Umständen vermieden wird.

Als geeignete allgemeine Definition des Terminus >Strafe< eignet sich der folgende Auszug aus dem Fachlexikon der sozialen Arbeit:

„Strafe ist die absichtliche Zufügung eines Übels als Reaktion auf missbilligtes Verhalten […] im privaten Bereich (z. B. Erziehungs- maßnahmen, Vertragsstrafen) als auch im öffentlichen Bereich (z. B. Bußgeld, Disziplinarstrafen) […]“ (Bolowich 2011: 881)

Des Weiteren schreibt Peters hinsichtlich Strafen von strafrechtlichen Sanktionen bezüglich eines Verstoßes gegen ein Strafgesetz (vgl. Peters 2009: 156). Im Gegen- satz zu Sanktionsandrohungen erfolgen Strafen also nach dem devianten Verhalten und nicht präventiv davor, um dem identischen oder ähnlichen Verhalten zukünftig vorzubeugen.

2.2 Selbstdisziplinierung als Art sozialer Kontrolle

Nach Singelnstein und Stolle verfolge Selbstdisziplinierung in Hinblick auf soziale Kontrolle das Ziel, möglichst viele Individuen zur selbstständigen Einhaltung, Verin- nerlichung sowie Sicherstellung gesellschaftlicher Verhaltensanforderungen und Normen zu verleiten (vgl. Singelnstein/ Stolle 2012: 74 ff.). Die Autoren schreiben überdies davon, dass hinsichtlich der Selbstführung keine tatsächliche Drohkulisse bestehe, sondern sie implizieren, dass die üblichen Disziplinarinstrumente viel subti- ler sowie weniger sichtbar zum Tragen kämen und die individuelle Einsicht auch wirk- lich individuell selbst vollzogen werde. Es finde also keine offensichtliche Repression und damit auch keine manifeste Form sozialer Kontrolle statt. Daraus resultiere ei- nerseits ein gewisser Handlungsfreiraum für das jeweilige Individuum, andererseits jedoch auch ein erhöhtes Maß an individueller Eigenverantwortung sowie die ent- sprechenden Konsequenzen bei Normüberschreitung oder Devianz (vgl. ebd.: 75).

2.3 Exklusion als Art sozialer Kontrolle

Zur besseren Einordnung des Begriffs >Exklusion< wird nun die Definition zu sozialer Ausgrenzung aus dem Fachlexikon für soziale Arbeit angeführt:

„[…] Gemeint ist ein extremer und dauerhafter Zustand der Unter- versorgung,  Diskriminierung oder Isolation, der einem weitge- henden Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben gleichkommt[…]“ (Wagner 2011: 782)

Für Exklusion als ein Aspekt sozialer Kontrolle eignen sich die Ausführungen von Singelnstein und Stolle. Sie erkennen die Ziele von sozialem Ausschluss darin, dass Personen oder auch Gruppen aufgrund deren Unerwünschtheit oder potentieller Ge- fährlichkeit von bestimmten Lokalitäten ferngehalten werden sollten (vgl. Singelnstein / Stolle 2012: 89).

Anhorn schreibt darüber hinaus von einer gesellschaftlichen Spaltung in eine inte- grierte Mehrheit (Innen), welcher Werte wie Ordnung, Homogenität oder unproblema- tische Zusammenhänge zugeordnet würden sowie in eine ausgeschlossene Minder- heit (Außen), welche als ungeordnet, desintegrativ und pathologisch bezeichnet wür- de, was letztendlich einer Bedrohung des Inneren durch das Äußere gleichkäme (vgl. Anhorn 2008: 25 ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Jugendzentren als Institution sozialer Kontrolle? Umsetzung in der Praxis
Hochschule
Hochschule RheinMain  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Praxisreflexion und - auswertung
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V299482
ISBN (eBook)
9783656960768
ISBN (Buch)
9783656960775
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Kontrolle, Kontrolle, Jugendarbeit, Offene Jugendarbeit, Jugendzentrum
Arbeit zitieren
Dennis Funken (Autor), 2014, Jugendzentren als Institution sozialer Kontrolle? Umsetzung in der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299482

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