In enger Beziehung: Fachjournalismus und Public Relations


Hausarbeit, 2004
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1. Was ist Fachjournalismus?
2.2. Was sind Public Relations?

3. Intersystembeziehungen und Grenzziehungen
3.1. Journalismus und Fachjournalismus
3.2. Journalismus und Public Relations
3.3. Fachjournalismus und Public Relations

4. Theorien
4.1. Der steuerungstheoretische Determinationsansatz
4.2. Der handlungstheoretische Intereffikationsansatz
4.2. Der systemtheoretische Interpenetrationsansatz

5. Welcher Ansatz beschreibt die derzeitige Beziehung zwischen Fachjournalismus und Public Relations am besten?

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den vergangenen Jahren hat sich das System Journalismus immer weiter ausdifferenziert. Die Entstehung neuer Ressorts, beispielsweise „Wissenschaft“, „Finanzen“, „Verbraucher-tipps“ und „Gesundheit“, zeigt das. Als Folge dessen spezialisieren sich Journalisten weiter-hin auf bestimmte Themenbereiche. Außerdem sind Fachjournalisten zunehmend gefragt, da sie komplizierte Sachverhalte für die Leser, Zuhörer und Zuschauer besser verständlich machen. Doch was bedeutet Fachjournalismus? Inwiefern unterscheidet er sich vom althergebrachten Journalismus? Fungiert er als Bindeglied zwischen Journalismus und Public Relations?

Fachjournalismus hat vor allem eine enge Verbindung zu den Public Relations – wie eng, das soll in dieser Hausarbeit näher untersucht werden. Dabei geraten verschiedene Ansätze in den Mittelpunkt der Betrachtung, mit deren Hilfe die Interdependenzen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Fachjournalismus und Public Relations erläutert werden sollen. Darunter zählen der steuerungstheoretische Determinationsansatz, der handlungstheoretische Intereffikations- sowie der systemtheoretische Interpenetrationsansatz. Fragen, die sich bei näherer Betrachtung gestellt haben: Welcher dieser Ansätze beschreibt die derzeitige Situation zwischen Fachjournalismus und Public Relations am besten? Wie sehr sind Fachjournalisten und PR-Leute voneinander abhängig? Und übt einer der beiden einen stärke-ren Einfluss auf den anderen aus? Interessant ist dabei zu sehen, ob der Determinationsansatz von Barbara Baerns bereits überholt ist oder noch immer Gültigkeit besitzt, und wenn ja, in welchem Maße.

Vor dem Hintergrund der Medienkrise in Deutschland und der zunehmenden Spezialisierung im Journalismus hat sich die Autorin die These aufgestellt, dass sich der Fachjournalismus nur schwer dem Einfluss der Public Relations entziehen kann. Zwar kann sich der Fachjournalismus zunehmendst etablieren und PR und Fachjournalismus beeinflussen sich gegenseitig. Jedoch steigen die Chancen für gute Öffentlichkeitsarbeit.

2. Begriffserklärungen

2.1. Was ist Fachjournalismus?

Der Prozess der Spezialisierung im Journalismus setzt sich weiterhin fort. Zu sehen ist dies vor allem an den hohen Auflagenzahlen im Bereich der Fachpublikationen. Im Jahr 2002 gab es 3.563 Titel, wovon 84 neu eingeführt wurden. Allerdings wurden gleichzeitig 167 Titel eingestellt. Die Ursache dafür liegt in der derzeitig schlechten wirtschaftlichen Lage.[1]

Fachjournalismus findet in allen Medien statt, vor allem aber in Fachpublikationen. Das zeigen unter anderem neu entstandene Rubriken in den etablierten Medien wie den Tageszeitungen. Zudem popularisiert sich Fachjournalismus zunehmend. Themen wie beispielsweise Börse, Finanzen, Service, Ratgeber und Gesundheit sind nicht mehr nur in Fachpublikationen enthalten, sondern haben vor allem einen Boom im Bereich der Very Special Interest-Zeitschriften hervorgerufen.[2]

„Der Idealtypus des Fachjournalismus sammelt Themen und Informationen in einem – meist durch berufliche Interessen – eingegrenzten Fachgebiet, bearbeitet diese nach allgemeinen publizistischen Regeln (Recherche, Genres, Nachrichtenwerte, Layout etc.) und auf der Grundlage eines spezifischen an Wissen und Erfahrungen der Produzenten wie der Rezipien-ten anknüpfenden Programms; Fachjournalismus nutzt verschiedene fachkompetente, v.a. wissenschaftliche Quellen und stellt das Produkt einer eingrenzbaren, relativ homogenen Nutzergruppe zur Verfügung.“ (Dernbach, 2002(a), 183)[3]

Fachjournalismus dient aber nicht nur einer eingegrenzten Nutzergruppe. Für den Laien macht Fachjournalismus Expertenwissen erst verständlich. Komplexe Themen werden durch ihn vereinfacht. Wichtig für die Rezipienten: das Sachwissen, welches der Fachjournalismus vermittelt.[4] Eine Umfrage unter 180 Fachjournalisten im Jahr 2002 ergab, dass über 90 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Fachjournalismus komplexe Sachverhalte vermitteln will. Auf Rang 2: das Publikum präzise informieren, Rang 3: Trends aufzeigen. Nur 10 Prozent finden, Fachjournalismus müsste auch unterhalten und entspannen. Knapp 24 Prozent der Befragten wiesen dem Fachjournalismus die Aufgabe zu, politische Akteure zu kritisieren.[5]

Das zeigt, dass Fachjournalismus im Gegensatz zum herkömmlichen Journalismus nicht als eine der Hauptaufgaben das Kritisieren und die Kontrolle zugewiesen wird, sondern in erster Linie das Vereinfachen komplexer Sachverhalte. Fachjournalismus zeichnet sich in erster Linie durch Sachwissen aus. Mit diesem unterstützt Fachjournalismus den Prozess des lebenslangen Lernens.

2.2. Was sind Public Relations?

Public Relations sind ein weites Feld. Es existieren eine Vielzahl an Bergriffserklärungen, die zeigen, wie schwierig es ist, diesen noch sehr jungen Zweig der Medienkommunikation zu definieren. Was also sind Public Relations (PR)?

Ursprünglich kam der Begriff „Public Relations“ aus den USA und wurde bereits 1807 von Thomas Jefferson und 1832 an der Yale Universität verwendet. Doch erst Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten sich PR, in Deutschland sogar erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die ersten Pressestellen zur Information der Öffentlichkeit eröffnet wurden.[6] Der deutsche Synonymbegriff für Public Relations lautet „Öffentlichkeitsarbeit“.[7]

In einer Definition von Albert Oeckl beispielsweise heißt es: „ Public Relations sind das planmäßige, zielgerichtete und kontinuierliche Bemühen, gegenseitiges Verständnis und Ver-trauen zwischen einem Unternehmen oder einer Institution und seiner Öffentlichkeit aufzu-bauen und zu pflegen.“ (Arendt, 1993, 13)

Dr. Rex Harlow veröffentlichte 1976 eine Superdefinition, die er aus 472 bis dato erschienenen Definitionen entwickelt hatte. Darin steht: „Public Relations ist eine unterscheidbare Management-Funktion, die dazu dient, wechselseitige Kommunikationsver-bindungen, Akzeptanz und Kooperation zwischen einer Organisation und ihren Öffentlichkeiten herzustellen und aufrechtzuerhalten. Sie bezieht die Handhabung von Problemen und Streitfragen ein; sie unterstützt das Management im Bemühen, über die öffentliche Meinung informiert zu sein und auf sie zu reagieren; sie definiert die Verantwortlichkeit des Managements in ihrem Dienst gegenüber dem öffentlichen Interesse und verleiht ihm Nachdruck; sie unterstützt das Management, um mit dem Wandel Schritt halten zu können und ihn wirksam zu nutzen; sie dient als Frühwarnsystem, um Trends zu antizipieren; und sie verwendet Forschung sowie gesunde und ethische Kommunikations-techniken als ihre Hauptinstrumente.“ (Ronneberger/Rühl, 1992, 29)[8]

Beide Definitionen werfen allerdings noch Fragen auf. Was verbirgt sich hinter dem Wort „Bemühen“? Welche Öffentlichkeiten meint Harlow? Sind unternehmensinterne Zielgruppen darin inbegriffen? Zumindest sollten sie es sein, denn Öffentlichkeitsarbeit hat nicht nur etwas mit externer Kommunikation zu tun. In der BRD existieren über 500 redaktionelle betreute Werkzeitschriften von Unternehmen und Institutionen.[9] Insofern geht Harlows „Superdefinition“ noch nicht weit genug und müsste demzufolge um diesen Aspekt ergänzt werden.

Auch Oeckles Erklärung sollte um einen Punkt erweitert werden. Es müsste genauer definiert werden, was unter „Bemühen“ gemeint ist. Was genau tun denn PR-Fachleute, um Vertrauen zu einer Öffentlichkeit aufzubauen? Sie wenden sich beispielsweise an die Medien, indem sie Pressemitteilungen herausgeben oder eine Pressekonferenz organisieren und durchführen. Aber auch Kunden, Politiker und Lobbyisten sind Zielgruppen der PR-Fachleute. Auch haben Public Relations nicht nur etwas mit gegenseitigem Verständnis und Vertrauen zu tun. Nein, Öffentlichkeitsarbeit will mitunter mehr, beispielsweise die öffentliche Meinung im Interesse des Unternehmens oder der Organisation beeinflussen. PR-Fachleute führen auch PR-Aktionen durch, entwickeln PR-Strategien für das Unternehmen oder die Organisation, für die sie arbeiten, erstellen Pressespiegel, organisieren Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, geben PR-Anzeigen auf und pflegen den Kontakt mit allen internen Stellen im Betrieb.[10] Public Relations als Begriff ist demnach nicht leicht zu definieren, denn Public Relations beinhalten eine Fülle an Aufgaben, Interessen und Ziele.

„Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations ist in allen gesellschaftlichen Bereichen erforderlich. Da sich die Gesellschaft weiter ausdifferenziert, wächst dieses Berufsfeld; die Nachfrage nach Experten in der Öffentlichkeitsarbeit/ Public Relations steigt. In Deutschland sind ca. 30.000-50.000 Personen (Stand: 2004) in der Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations tätig, und zwar vorwiegend in Organisationen, Unternehmen, in Agenturen oder als selbständige/r PR-Berater/in sowie in Ausbildung, Forschung und Lehre.“ (Quelle: DPRG[11] )

Wichtig ist, Public Relations vom Journalismus abzugrenzen, denn auch wenn PR-Fachleute journalistische Darstellungsformen anwenden, so unterscheiden sich PR und Journalismus voneinander. Dazu später mehr im Kapitel 3.2.

3. Intersystembeziehungen und Grenzziehungen

3.1. Journalismus und Fachjournalismus

Bevor jedoch ein Blick auf das Verhältnis von Journalismus und Public Relations geworfen und im Anschluss daran auf die Beziehung von Fachjournalismus und PR eingegangen wird, sollte zunächst Fachjournalismus von Journalismus abgegrenzt werden. Was unterscheidet Fachjournalismus also vom herkömmlichen Journalismus? In welcher Beziehung stehen beide zueinander?

Fachjournalismus ist neben Informations- und Unterhaltungsjournalismus ein weiteres Subsystem von Journalismus. Jedoch ist eine Grenzziehung zwischen den einzelnen journa-listischen Subsystemen problematisch, da Elemente von Unterhaltungs- und Informations-journalismus ebenfalls im Fachjournalismus vorkommen wie auch umgekehrt.[12] Das zeigte eine Umfrage unter Fachjournalisten, bei der 10 Prozent der Meinung waren, Fachjourna-lismus sollte unterhalten, wie bereits im Kapitel 2.1. erwähnt wurde.[13]

[...]


[1] Siehe: http://www.fachpresse.de

[2] Siehe: http://aulis.hs-bremen.de/ilias/le_uebersicht.php

[3] Beatrice Dernbachs Definition zum Berufsbild ist umfassender als die des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV), der sich hinsichtlich der Nutzergruppe nicht geäußert hat. Die Definition des DFJV lautet: „Fachjournalisten sind Menschen, die in einem wissensintensiven Beruf arbeiten und ihr dort gesammeltes Expertenwissen journalistisch auswerten.“

[4] „Sachwissen“ bedeutet nach dem Kompetenzmodell von Siegfried Weischenberg „Spezialwissen“ (z.B. in Wirtschaft, Technik und Wissenschaft). Siehe: Weischenberg, Siegfried/Altmeppen, Klaus-Dieter/Löffelholz, Martin; Die Zukunft des Journalismus - Technologische, ökonomische und redaktionelle Trends; Opladen; 1994(a); S. 208

[5] Siehe: http://aulis.hs-bremen.de/ilias/le_uebersicht.php

[6] Siehe: Arendt, Gusti; PR der Spitzenklasse: Die Kunst Vertrauen zu schaffen; Landsberg/Lech; 1993; S. 13

[7] Siehe: Mast, Claudia(Hrsg.); ABC des Journalismus: Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit; Konstanz; 2000; S. 466; Die Begriffe „Public Relations“ und „Öffentlichkeitsarbeit werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

[8] Die Definition von Harlow wurde übersetzt von Ronneberger/Rühl. Im Original heißt sie: “Public relations is the distinctive management function which helps establish and maintain mutual lines of communication, understanding, acceptance, and cooperation between an organization and its publics; involves the management of problems or issues; helps management to keep informed on and responsive to public opinion; defines and emphasizes the responsibility of management to serve the public interest; helps management keep abreast of, and effectively utilize change, serving as an early warning system to help anticipate trends; and used research and sound and ethical communication as its principal tools.” (Siehe: http://www.wakh.net/EIprstudy.html)

[9] Siehe: Mast, Claudia(Hrsg.); ABC des Journalismus: Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit; Konstanz; 2000; S. 33

[10] Siehe: Mast, Claudia(Hrsg.); ABC des Journalismus: Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit; Konstanz; 2000; S. 471f.

[11] Siehe: http://www.dprg.de/statische/itemshowone.php4?id=39&return=itemshowall.php4

[12] Siehe: Dernbach, Beatrice; Fachjournalismus und Public Relations: Informationslieferanten in der multimedialen Unterhaltungswelt; In: Baum, Achim/Schmidt, Siegfried J.(Hrsg.); Fakten und Fiktionen: Über den Umgang mit Medienwirklichkeiten; Konstanz; 2002(a); S. 190

[13] Siehe: http://aulis.hs-bremen.de/ilias/le_uebersicht.php

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
In enger Beziehung: Fachjournalismus und Public Relations
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Medientheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V29949
ISBN (eBook)
9783638313315
ISBN (Buch)
9783638687188
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wie nahe stehen sich Fachjournalismus und Public Relations? Welche Abhängigkeiten bestehen? Hat PR den Fachjournalismus in der Hand? Um dies zu klären, wurden die Beziehungen zwischen Journalismus und Fachjournalismus, Journalismus und PR und letztlich auch zwischen Fachjournalismus und PR näher betrachtet. Es sollte herausgefunden werden, ob der Determinationsansatz von Barbara Baerns bereits überholt ist oder heute noch immer Gültigkeit besitzt und wenn ja, in welchem Maße.
Schlagworte
Beziehung, Fachjournalismus, Public, Relations, Medientheorie
Arbeit zitieren
Nadine Kiewitt (Autor), 2004, In enger Beziehung: Fachjournalismus und Public Relations, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29949

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