Saarland. Aufstieg und Fall der Montanindustrie


Referat (Ausarbeitung), 2014
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

LEITFRAGE

SAARLAND ALLGEMEIN
WIRTSCHAFT HEUTE

ENTWICKLUNG DER WIRTSCHAFT
AUFSTIEG
Bergbau - Entstehung
Stahl und Eisen - Entstehung
NIEDERGANG
Fall der Bergbauindustrie
Abstieg der Eisenindustrie

KAUSALITÄTEN UND KONSEQUENZEN
URSACHEN
FOLGEN
Diversifizierung

FAZIT

QUELLEN

Leitfrage

Wie gut hat das Saarland die Krisen überstanden, und ist der Strukturwandel im Saarland aus heutiger Sicht gelungen?

Saarland allgemein

Als eines der 16 Bundesländer der deutschen Bundesrepublik zählt das Saarland als das kleinste Flächenland Deutschlands. Mit der südwestlichen Lage innerhalb des Staates grenzt es an die Nachbarländer Frankreich und Luxemburg an und liegt zusammen mit Lothringen, Wallonien, Rheinland-Pfalz und Luxemburg in der 1995 gegründeten Großregion Saar-Lor-Lux. Aufgrund der Weltkriege unterging das Saarland allein im letzten Jahrhundert vier Staatswechsel und wurde infolgedessen zweimal aus Deutschland (bzw. dem Deutschen Reich) ausgegliedert. Heute weist es mit unter einer Million Einwohnern (991.000; Stand 2013) die zweitgeringste Population unter den Bundesländer auf.

Wirtschaft heute

Mit einer Arbeitslosenquote von 6,8% (November 2014) liegt es über dem nationalen Durchschnitt (6,3%) und belegt den siebten Platz der Bundesländer. Das Bruttoinlandsprodukt über 32,1 Milliarden Euro (Stand 2013) trägt zu 1,17% zum nationalen BIP bei und erreicht auf nationaler Ebene den vorletzten Platz, das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner hingegen liegt mit 31.834 Euro Abbildung 1: Wirtschaftssektoren 2012 (Bundesdurchschnitt: 33.355) auf dem siebten Platz. Heute sind über 700 Kraftfahrzeuge pro 1000 Einwohner zugelassen, welches als höchster Wert in einem Bundesland weit über dem nationalen Durchschnitt (570 pro 1000 E.) liegt und einen hohe allgemeine Kaufkraft indiziert. Diese Faktoren deuten auf eine knapp unterdurchschnittliche Wohlstands- und Wirtschaftslage im Saarland hin, welche im Vergleich zu den einzelnen Bundesländern jedoch überdurchschnittlich (Platz 7 von 16) ist. Mit 25 Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner (d.h. rund 250 Anmeldungen; Stand 2013) liegt das Land weit unter dem Bundesdurchschnitt (59 pro 100.000 Einwohner) und belegt im Landesvergleich einen neunten Platz, indizierend für Innovationsdefizite für Forschung und Entwicklung im Saarland. Das Bundesland hat sich mit einem Beschäftigungsanteil von 0,2% im primären Wirtschaftssektor und 64,9% im tertiären Sektor weitestgehend von der Montanindustrie abgekoppelt und sich den Dienstleistungen zugewandt (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entwicklung der Wirtschaft

Aufstieg

Bergbau - Entstehung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Industrie des Bergbaus lässt sich im Saarland bis zum 14. Jahrhundert durch schriftliche Belege zurückverfolgen; planmäßig erfolgte der Steinkohleabbau jedoch erst seit dem 18. Jahrhundert. Mitte des Jahrhunderts verstaatlichte Fürst Wilhelm Heinrich die saarländischen Gruben, welche durch konzentrierten Abbau vorerst 150 Arbeitsplätze und eine Fördermenge über 50.000 Tonnen pro Jahr (Vergleich 1955: 17 Mio. t) ermöglichte. Zusammen mit einem reichlichen Kohlevorkommen bildete die Anbindung an der Saar (Erschließung des Saarkanals mit Anbindung an der Mosel und am Rhein als Transportweg) positive harte Standortfaktoren im Die Wiege der Kohle: Fürst Saarland. Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte sowohl die Einführung der Wilhelm Heinrich Dampfmaschinen als Kraftquellen in den Gruben als auch der Bau der Saarbrücker Eisenbahn, welche neben des Beschäftigungspotentials (5000 Beschäftigte; Mitte des Jh.: 10.000) eine kräftige Entwicklung bis zum ersten Weltkrieg (40.000 Beschäftige; Anfang des 20. Jh.) bewirkte. Durch den Bau der Bahnstrecke Sarreguemines-Sarrebourg 1873 verlagerte sich der Transport auf die Bahnwege, bis der Wasserweg Mitte des 20. Jahrhunderts seine Bedeutung verlor und nunmehr lediglich für Freizeitschifffahrt wie Sport- und Tourismusboote genutzt wird.

Nach dem Weltkrieg wurde das Saarland in 1920 (Beschäftigungsgipfel mit 75.000, mit einem Faktor von 1:1,84 verantwortlich für zusätzliche 138.000 indirekte Arbeitsplätze) infolge des Versailler Vertrages in den französischen Wirtschaftsraum eingegliedert, bis es in 1935 erneut in das Deutsche Reich aufgenommen wurde. Bis 1930 nahm die Zahl der Beschäftigten im Bergbau auf 60.000 ab, da durch Modernisierung menschliche Muskelkraft durch Maschinenkraft ersetzt wurde. Nach einer erneuten Übernahme durch Frankreich in 1945 ereignete sich aufgrund der durch den Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg bedingten Rohstoffnachfrage der Produktionshöhepunkt in 1955 mit 17 Mio. Tonnen Förderung pro Jahr, bis es in 1957 wieder der BRD beitrat. Im selben Jahr wurden sämtliche Gruben von der Saarbergwerke AG übernommen.

Stahl und Eisen - Entstehung

Der Beginn der saarländischen Eisenindustrie lässt sich im 15. Jahrhundert nachweisen. Sogenannte „fliegende Hütten“ wanderten je nach Verfügbarkeit von Erz, Holz und Wasser von Ort zu Ort, um die Produktionskapazität zu maximieren. Anfang des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich die Verhüttung aufgrund der Verfügbarkeit von Steinkohle (als Brennstoff für die Dampfmaschinen) und Koks (als Energie- und Reduktionsmittel) auf das Saarrevier; neben der inländischen Kohle sorgte der Bau der Eisenbahnen und des Saarkohlekanals für günstige Importkohle. Durch die Verfeinerung der Stahlherstellung und der Roheisengewinnung (Einführung des Thomasverfahrens und des Siemens-Martin-Verfahrens) erfolgte ein Stahlboom, welcher bis zum ersten Weltkrieg anhielt. In 1913 befanden sich 5 Hüttenwerke (Brebach, Burbach, Dillingen, Neunkirchen, Völklingen) im Saarland, welche eine Beschäftigung über 28.000 Arbeitskräfte aufweisen konnten. Im Nachspiel beider Weltkriege traten Phasen der begrenzten Weiterentwicklung ein.

Niedergang

Fall der Bergbauindustrie

Der Niedergang der Steinkohle fand am Ende der 1950er infolge der Kohlekrise statt. Auslöser der Krise waren ein Überangebot und Absatzschwierigkeiten, hervorgerufen durch stärkere ausländische Konkurrenz und allgemeine Marktsättigung. Allein in den sechziger Jahren wurden von insgesamt 18 saarländischen Gruben zwölf Einheiten stillgelegt; die Förderungsmenge sank um 7 Mio. t auf zehn Millionen Tonnen, wie an Abbildung 2.1 ersichtlich ist. Innerhalb von wenigen Dekaden nahm die Zahl der Arbeitnehmer in der Bergbauindustrie um 73,1% (67.000 in 1948 -> 18.000 in 1991) ab. In 1997 wurden sämtliche Besitzrechte der Gruben an die RAG (ehemals Ruhrkohle AG) übertragen, deren Verluste

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der Bergbauindustrie (Daten in 1948, 1965 und1997 unvollständig), eigene Darstellung

von dem öffentlichen Haushalt ausgeglichen wurden. Trotz staatlicher Subventionen von über 100 Mrd. Euro wurden ab 1990 fünf weitere Gruben eingestellt, bis 2006 lediglich das Bergwerk Saar (Ensdorf) mit einer Förderung von lediglich 3,7 Mio. t das Zechensterben überstand. Nach Hausschäden durch bergbaubedingte Erdbeben 2008 beschloss die Landesregierung einen unbefristeten Abbaustopp; die dadurch bewirkte Einstellung der Ensdorfer Grube markiert das Ende der saarländischen Bergbaugeschichte.

Abstieg der Eisenindustrie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2 Entwicklung der Stahlindustrie, eigene Darstellung

Auch die gegen Ende der sechziger Jahre eintretende Stahlkrise brachte schwerwiegende Auswirkungen auf die saarländische Montanstruktur. Waren laut Abbildung 2.2 1960 noch 42.100 Personen durch Investitionsschub und Modernisierung in der stahlschaffenden Industrie beschäftigt, sind es heute nur noch 12.000 Arbeitskräfte. Aufgrund von einem großen internationalen Wettbewerb und dem daraus resultierenden Überangebot entstanden durch Preisverfall und unterdurchschnittlichen Gewinnen erhebliche Schwierigkeiten für die Stahlwirtschaft, aus welchen die Schließung von drei der fünf saarländischen Stahlhütten hervorgeht.

Seit 2006 bestehen weiterhin zwei Produktionsstätten, welche jeweils etwa 5200 Personen beschäftigen. Die Dillinger Hütte fungiert als Zulieferer von jährlich 4 Mio. Tonnen Roheisen und Rohstahl für die Stahlbauindustrie (wie der Bau der Viaduc de Millau, der Allianz Arena und des Olympiastadions in Athen), den Schiffbau (wie die Queen Mary 2) und für den Maschinen- und Anlagenbau. Die Stahlhütten der Saarstahl AG, welche mit 370 Auszubildenden das größte saarländische Ausbildungsunternehmen bildet, liefern 2 Mio. t Rohstahl für die Herstellung von Walzdraht, Stabstahl und Halbzeug, welche wichtige Komponenten für die Automobilindustrie und den Maschinenbau darstellen. Gut 42% der im Saarland produzierten Mengen werden im Ausland abgesetzt, was das Land als eine starke Exportwirtschaft kennzeichnet (Platz 2 ausgenommen

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Details

Titel
Saarland. Aufstieg und Fall der Montanindustrie
Note
1,0
Autoren
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V299779
ISBN (eBook)
9783668661523
ISBN (Buch)
9783668661530
Dateigröße
1443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
saarland, aufstieg, fall, montanindustrie
Arbeit zitieren
Jun-Ying Poon (Autor)Kevin M. (Autor)Mohammed A. (Autor)Nils D. (Autor), 2014, Saarland. Aufstieg und Fall der Montanindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299779

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