Die Auswirkungen der Perserkriege auf die innere Entwicklung Athens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
13 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Perserkriege als „conditio sine qua non“ der attischen Demokratie

2 Die Auswirkungen der Perserkriege auf die innere Entwicklung Athens
2.1 Der Sieg von Marathon als Grundlage des athenischen Selbstbewusstseins
2.2 Das Flottenbauprogramm des Themistokles
2.2.1 Grundzüge des Flottenbauprogramms
2.2.2 Die Motive für den Ausbau der Flotte
2.2.3 Die innenpolitischen Auswirkungen
2.2.4 Die Einführung der Triere
2.3 Die Perserabwehr von 483/
2.3.1 Der Sieg von Salamis und der Aufstieg Athens zur Hegemonialmacht
2.3.2 Der Sieg von Salamis und der Aufstieg der Theten
2.3.3 Der Delisch-Attische Seebund als Machtinstrument Athens

3 Die Demokratie als „Produkt der äußeren Geschichte Athens“

1. Die Perserkriege als „conditio sine qua non“ der attischen Demokratie

„Der Krieg ist aller Dinge Vater“[1]behauptete der griechische Philosoph Heraklit bereits im 5. Jahrhundert vor Christus. Diese Aussage scheint durchaus für die Perserkriege und Athens innerer Entwicklung zuzutreffen. Denn analog zu der Meinung Heraklits bezeichnet Christian Meier eben diese Kriege in seinem Aufsatz „Die Rolle des Krieges im klassischen Athen“ als „conditio sine qua non“[2]der attischen Demokratie. Diese lateinische Formel bedeutet übersetzt so viel wie „Bedingung, ohne die nicht“. Die Perserkriege sollen also nach Christian Meier die Bedingung für die Entwicklung der attischen Demokratie dargestellt haben. Aber inwieweit haben die Konflikte mit den Persern, die seit Athens Eintritt in den Ionischen Aufstand aufgeflammt waren, die innere Entwicklung Athens beeinflusst?

Bei der Beantwortung dieser Frage liegt das Hauptaugenmerk zweifelslos auf dem Flottenbauprogramm des Themistokles 482/83. Denn diese Maßnahme verhalf den Athenern später zum Sieg bei der Seeschlacht von Salamis, der als Anfangspunkt der Entwicklung Athens zur Hegemonialmacht gesehen werden kann. Zusammen mit Athens Aufstieg erlangte aber auch die zunächst noch unbedeutende Volksgruppe der Theten immer mehr Bedeutung. Durch das Flottenbauprogramm benötigte Athen eine Vielzahl an Ruderern, die aus der Gruppe der unbemittelten Theten angeheuert wurden. So leisteten die Theten Kriegsdienst ab und hatten somit auch Anspruch auf politische Beteiligung. Der Zusammenhang zwischen den Perserkriegen und der Innenpolitik ergibt sich also an der Flotte Athens, die zur Abwehr der Perser aufgebaut wurde und den gesellschaftlichen Veränderungen, die das Flottenbauprogramm hervorrief.

Die vorliegende Arbeit befasst sich genau mit diesen Zusammenhängen. Sie soll die Auswirkungen der Perserkriege auf die innere Entwicklung Athens im besonderen Hinblick auf die Entstehung der Demokratie, untersuchen. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich von der Schlacht bei Marathon 490 bis zu den Reformen des Ephialtes in den Jahren 462/61.

Hauptquelle für den Zeitraum der Perserkriege sind die „Historien“ Herodots, im Besonderen die Bücher VI-XI, wobei diese wie auch andere Quellen immer nur mit Vorsicht herangezogen werden dürfen. Herodot selbst erwähnt in seinem Werk, das nicht alles Gesagte für wahr gehalten werden dürfe.[3]So dürften auch die persönliche Meinung, rhetorische Ausformulierungen und ein gewisser polemischer Stil bei Herodot ihren Einfluss auf die Geschichtserzählung gehabt haben. Den Anspruch objektiver und genauer zu sein, hegt Thukydides, der mit seinem ersten Buch des Peloponnesischen Krieges eine weitere der wichtigen Quellen für den Betrachtungszeitraum der Arbeit liefert. Des Weiteren sind Plutarchs Themistokles-Biografie und Aristoteles‘ Athenaion Politeia für diese Hausarbeit von Bedeutung.

Im Gegensatz zu der eher mageren Quellenlage liegt im Bereich der Forschungsliteratur eine unüberschaubare Menge an Werken vor. Als Grundlage für die Untersuchungen dieser Arbeit dient Jochen Bleickens Werk „Die athenische Demokratie“, das 1986 erstmals erschien. Er stellte bereits einen deutlichen Zusammenhang zwischen Athens Innen- und Außenpolitik heraus. Diesen Gedanken hat Jochen Martin in seinem Aufsatz „Von Kleisthenes bis Ephialtes“ weitergeführt, indem er die Demokratie sogar als unmittelbare Konsequenz der Perserkriege betrachtet.

2 Die Auswirkungen der Perserkriege auf die innere Entwicklung Athens

2.1 Der Sieg von Marathon als Grundlage des athenischen Selbstbewusstseins

Nachdem die Athener die kleinasiatischen Griechen in ihrem Aufstand gegen die Perser unterstützt hatten, war ein offener Konflikt zwischen Athen und dem Perserreich deutlich abzusehen. Bereits im Jahre 490 v.Chr. landete das persische Heer unter Datis und Artaphernes im Zuge einer Strafexpedition bei Marathon in Attika. Unter der Führung des Miltiades konnten die athenischen Hopliten einen Sieg erringen. Eben dieser Sieg brachte den Athenern nicht nur noch Jahrzehnte später „Achtung und Ansehen in der griechischen Staatenwelt“ ein, sondern festigte auch „das Selbstbewusstsein seiner Bürger“[4].

Obwohl die Athener die Spartaner um Hilfe gerufen hatten, erschienen diese jedoch erst nach den Kampfhandlungen. Der Grund für das Versäumen der Schlacht war das religiöse „Fest der Karneen“, das den Spartanern „einem alten Brauch zufolge“[5]verbot, ihr Heer während dieser Tage ausrücken zu lassen. So konnten die Spartaner nach Besichtigung des Schlachtfeldes nur noch „unter Lobsprüchen auf die Athener“[6]wieder heimkehren. Erstmals hatte „eine griechische Armee eine persische in offener Schlacht besiegt“[7]und dies sogar ohne die Hilfe der Spartaner. Die isonome Gesellschaftsordnung, die nach dem Ende der Tyrannis unter Kleisthenes eingeführt worden war, wurde erfolgreich verteidigt. Athens Bürger musste sich damals erstmals ihrer eigenen Möglichkeiten bewusst werden, hatten doch die Hopliten alleine die Schlacht gewonnen. In dem Sieg von Marathon keimt erstmals das Selbstbewusstsein, das mit Marathon seinen Anfang nahm, in der Seeschlacht von Salamis enorm wuchs und schließlich in der Hegemonialstellung Athens im neugegründeten Seebund gipfelte. Das sich dieses Selbstbewusstsein der Bürger langfristig gesehen auch auf das Innenpolitische auswirken musste, lässt sich aus dem Zusammenhang zwischen Militärdienst und Anspruch auf politische Rechte herleiten, die in der Antike in einem „Kausalzusammenhang“[8]standen. Bestimmt war man sich des politischen Gewichts der Masse noch nicht so stark bewusst wie etwa zur Zeit des Seebundes, jedoch muss schon damals durch den Sieg eine Art Gemeinschaftsgefühl erwachsen sein, dass sich später auf die Mitbestimmung im Politischen auswirkte. Man begann sich mit Athens Erfolg und der Stadt an sich zu identifizieren. Marathon wurde bald zum Hauptschlagwort „des anwachsenden athenischen Polisbewußtseins“ und später ein einschneidendes Argument „für die athenische Vormachtstellung in Griechenland“[9].

2.2 Das Flottenbauprogramm des Themistokles

2.2.1 Grundzüge des Flottenbauprogramms

„Unter den Athenern lebte ein Mann, der erst vor kurzem unter die Ersten aufgestiegen war“[10]. So führt Herodot die Person des Themistokles in die Geschichte ein. Themistokles, der von dem alten Adelsgeschlecht der Lykomiden abstammte, wurde 493/92 Archon. Bereits in dieser ersten Amtsperiode legte er den Athenern den Plan nahe, den Piräus zu befestigen, der dann als „ein geschützter Hafen dem Handel wie der attischen Kriegsflotte dienen“[11]sollte. Ob Themistokles zu diesem Zeitpunkt schon die Notwendigkeit einer Flotte in der bevorstehenden Perserabwehr erkannt hat oder nicht, ist nicht mehr eindeutig festzustellen. 483/82 schaffte er es jedoch den Bau einer Flotte durchzusetzen. Nach Thukydides besaß Athen vor dem Xerxesfeldzug 480 „nur kleine Flotten, die meist aus Fünfzigruderern bestanden“[12]. Während Thukydides über die Zahl der neu gebauten Flotten schweigt, erwähnt Herodot die Zahl 200.[13]Aristoteles hingegen spricht in seinem Werk Athenaion Politeia von 100 neuen Schiffen.[14]Finanziert wurde das Programm nach allgemeiner Forschungsmeinung durch „Einnahmen neuerschlossener Silberminen im Gebiet von Laureion“[15].

[...]


[1]Heraklit: Fragment 53, in: Hermann Diels und Walter Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker. 10. Aufl. Berlin 1961, S. 162.

[2]Christian Meier: Die Rolle des Krieges im klassischen Athen. In: Historische Zeitschrift 251 (1990), S. 555-605, hier: S. 584.

[3]Vgl. Hdt. VII, 152. http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Hdt.+7.152

[4]Peter Funke: Wendezeit und Zeitenwende: Athens Aufbruch zur Demokratie. In: Dietrich Papenfuß und Volker Michael Strocka (Hrsg.): Gab es das griechische Wunder? Griechenland zwischen dem Ende des 6. und Mitte des 5. Jahrhunderts v.Chr.. Tagungsbeiträge des 16. Fachsymposiums der Alexander von Humboldt-Stiftung, veranstaltet vom 5. bis 9. April 1999 in Freiburg und Breisgau. Mainz 2001, S.1-20, hier: S.14.

[5]Christian Meier: „Athen“. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Berlin 1993, S. 249.

[6]Hdt. VI, 120. www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Hdt.+6.120

[7]Meier: „Athen“, S. 254.

[8]Jochen Bleicken: Die athenische Demokratie. Paderborn u.a. 1986, S. 41.

[9]Martin Dreher: Athen und Sparta. München 2001, S. 73.

[10]Hdt., VII, 143. www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Hdt.+7.143

[11]Meier: „Athen“, S. 235.

[12]Thuk. Der Peloponnesische Krieg I, 14.

[13]Vgl. Hdt. VII, 144., www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Hdt.+7.144

[14]Vgl. Arist. Ath. Pol. 22, 7.

[15]Bleicken: Demokratie, S. 40.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der Perserkriege auf die innere Entwicklung Athens
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für das Altertum)
Note
1,0
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V299979
ISBN (eBook)
9783668303850
ISBN (Buch)
9783668303867
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, perserkriege, entwicklung, athens
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Die Auswirkungen der Perserkriege auf die innere Entwicklung Athens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299979

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