In dieser Arbeit soll es um den Stettiner Frieden vom 13.12.1570 gehen, der den so genannten Nordischen Siebenjährigen Krieg zwischen Schweden und Dänemark sowie der Hansestadt Lübeck beendete. Im Mittelpunkt der Arbeit soll dabei die nähere Betrachtung der wesentlichen Vertragsbestimmungen stehen. Um die Bedeutung des Friedensschlusses bzw. der Vertragsinhalte einschätzen zu können, wird es notwendig sein, zunächst nach den entscheidenden Streitpunkten zu fragen, die zu einem dänisch-schwedischen Gegensatz und schließlich zum so genannten Nordischen Siebenjährigen Krieg geführt haben. In dem Verhältnis zwischen Schweden und Dänemark lassen sich im 16. Jahrhundert drei wesentliche Konfliktebenen ausmachen, die ursächlich verantwortlich für den Ausbruch des Nordischen Siebenjährigen Krieges waren. In diesem Zusammenhang ist eine kurze Darstellung der politischen Situation im Ostseeraum unabdingbar für das Verständnis der außenpolitischen Entscheidungen Schwedens und Dänemarks. Da sich in der Zeit der Kalmarer Union Konfliktpotentiale zwischen den beiden Ländern entwickelt haben, muss einleitend ein kurzer Abschnitt auf diesen Zeitraum eingehen. Die sich daraus ergebenden Spannungen und Rivalitäten bedeuteten in der Folgezeit eine nicht zu unterschätzende Belastung für die Beziehungen zwischen Schweden und Dänemark.
Im Anschluss an die genannte Herausarbeitung der Konfliktpotentiale sollen die wesentlichen Vertragsbestimmungen des Stettiner Friedens daraufhin untersucht werden, inwieweit mit dem Friedensschluss die zentralen Differenzen zwischen Schweden und Dänemark beigelegt werden konnten. An dieser Stelle wird es zudem von großem Interesse sein, nach den Verfahrenswegen zu fragen, die zur Streitschlichtung vorgesehen waren und mit denen ein Ausgleich hergestellt werden sollte. Abschließend muss erörtert werden, inwieweit die Regelungen des Stettiner Vertrages eine dauerhafte bzw. tragfähige Friedenssicherung gewährleisten konnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das dänisch-schwedische Verhältnis bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts
2.1 Entstehung und Ende der Kalmarer Union
2.2 Phase der friedlichen Koexistenz und Kooperation
3. Konfliktpotentiale zwischen Schweden und Dänemark
3.1 Geographisch-politische Problemlage
3.2 Zerfall der livländischen Konföderation und die Narvafahrt
3.3 Bedeutung des Wappenstreits
4. Kriegsausbruch, Kriegsende und die Friedensverhandlungen in Stettin
5. Bestimmungen des Stettiner Friedens
5.1 Interimslösung im Wappenstreit
5.2 Verbot von Schmähschriften
5.3 Bestimmungen zu gegenseitigen Herrschaftsansprüchen
5.4 Regelungen in der Livlandfrage
5.5 Bestimmungen für die Narvafahrt
5.6 Grenztreffen zur Friedenssicherung
6. Schlussbetrachtung und Fazit
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert den Stettiner Frieden von 1570, der den Nordischen Siebenjährigen Krieg zwischen Schweden, Dänemark und der Hansestadt Lübeck beendete, mit einem besonderen Fokus auf die vertraglichen Regelungen zur Konfliktlösung. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, inwieweit die Vertragsbestimmungen die zugrunde liegenden politischen Spannungen dauerhaft beilegen konnten.
- Historische Konfliktpotentiale zwischen Dänemark und Schweden
- Die Auswirkungen des Zerfalls der livländischen Konföderation
- Herausforderungen der Wappenfrage und der Herrschaftsansprüche
- Strukturen und Verfahrenswege zur langfristigen Streitschlichtung
Auszug aus dem Buch
3.1 Geographisch-politische Problemlage
Ein entscheidendes Konfliktpotential entstand durch eine geographisch-politische Problemlage im Ostseeraum, wodurch Schweden in negativer Weise betroffen war. Dänemark stellte zu diesem Zeitpunkt die führende Macht im Norden dar, und die Ostsee war zu diesem Zeitpunkt noch ein beinahe geschlossenes, von Dänemark beherrschtes Meer, das von der dänischen Kriegsflotte kontrolliert wurde. Am deutlichsten sichtbar wurde das dänische Hoheitsrecht dadurch, dass ausländische Handelsschiffe bei Helsingör den so genannten Öresund-Zoll an Dänemark zu entrichten hatten. Für Dänemark ergab sich hieraus eine der bedeutsamsten Einnahmequellen für die Krone. Außerdem bot die Kontrolle über den Öresund entscheidende Verhandlungsoptionen in Konfliktlagen. Die geographisch-politische Lage Schwedens im Ostseeraum war demgegenüber deutlich ungünstiger. Schweden berührte das Westmeer nur mit einem schmalen Landstreifen zwischen den dänischen und norwegischen Küstenlandschaften.
Zugang nach Westeuropa zu erhalten, mussten die schwedischen Schiffe den Öresund passieren. Da diese Wasserstraße von Dänemark kontrolliert wurde, konnte die Verbindung jedoch jederzeit eingeschränkt bzw. abgeschnitten werden. Ebenso wie im Westen war für Schweden der Zugang nach Süden eingeschränkt. Solange nämlich Lübeck seine Stellung als Seemacht aufrecht erhielt, hing die Verbindung nach Norddeutschland vom Wohlwollen Lübecks ab. Im Osten ergaben sich aus der Nachbarschaft zu Russland einerseits und zu dem livländischen Ordensstaat andererseits Probleme für Schweden. Das mit Schweden verbundene Finnland grenzte an Russland. Die russische Grenze reichte im Norden weiter nach Westen als heute. Die Grenzlinien im äußersten Norden waren in den so genannten Ödmarken ohnehin nicht eindeutig festgelegt zwischen Schweden-Finnland, Norwegen und Russland und waren deshalb immer wieder Gegenstand militärischer Auseinandersetzungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt den historischen Kontext des Stettiner Friedens dar und definiert die Zielsetzung der Untersuchung der Konfliktebenen.
2. Das dänisch-schwedische Verhältnis bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts: Beleuchtet die historische Entwicklung der Kalmarer Union und die darauffolgende Phase der Koexistenz.
3. Konfliktpotentiale zwischen Schweden und Dänemark: Analysiert die geographischen, politischen und symbolischen Spannungsfelder, die zum Krieg führten.
4. Kriegsausbruch, Kriegsende und die Friedensverhandlungen in Stettin: Beschreibt den Weg in den Nordischen Siebenjährigen Krieg und den Verlauf der diplomatischen Bemühungen.
5. Bestimmungen des Stettiner Friedens: Detailanalyse der einzelnen Artikel zur Lösung von Wappenstreit, Livlandfrage und Handelsrechten.
6. Schlussbetrachtung und Fazit: Bewertet die Wirksamkeit des Vertrages als Instrument zur langfristigen Friedenssicherung im Ostseeraum.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Listet die für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen auf.
Schlüsselwörter
Stettiner Frieden, Nordischer Siebenjähriger Krieg, Dänemark, Schweden, Ostseeraum, Livland, Narvafahrt, Wappenstreit, Kalmarer Union, Diplomatie, Streitschlichtung, Erik XIV., Friedrich II., Dominium maris Baltici.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Stettiner Frieden von 1570 und untersucht dessen Rolle bei der Beendigung des Nordischen Siebenjährigen Krieges zwischen Dänemark und Schweden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die geographisch-politischen Spannungen, der Wettbewerb um die Vorherrschaft im Ostseehandel und dynastische Konflikte wie der Wappenstreit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu bewerten, inwieweit der Stettiner Frieden eine dauerhafte Friedenssicherung ermöglichte und ob die Vertragsbestimmungen als pragmatische Konfliktlösungen angesehen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Quellen und relevanter Fachliteratur zur nordeuropäischen Geschichte des 16. Jahrhunderts basiert.
Was bildet den inhaltlichen Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ursachen des Konflikts und eine detaillierte Prüfung der einzelnen Vertragsartikel, einschließlich der Schlichtungsverfahren.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch eine vertiefte Analyse der diplomatischen Mechanismen und der machtpolitischen Interessen der beteiligten Akteure im Ostseeraum aus.
Wie wurde der Wappenstreit vertraglich gelöst?
Durch eine Interimslösung, bei der beide Seiten die Drei Kronen führen durften, während ein Schiedsverfahren unter kaiserlicher Leitung den Streit klären sollte.
Welche Rolle spielte die Livlandfrage bei den Verhandlungen?
Die Livlandfrage war aufgrund der polnischen, russischen und schwedischen Interessen hochkomplex und führte zur Abtretung schwedischer Eroberungen an den Kaiser gegen Entschädigung.
- Quote paper
- Oliver Lilienthal (Author), 2003, Der dänisch-schwedische Gegensatz im 16. Jahrhundert und der Stettiner Friede von 1570, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30002