Ökonomische Analysen zum Wundmanagement und zur Dekubitusprophylaxe


Seminararbeit, 2010
11 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Kosten und Nutzen in der Therapie chronischer Wunden

2 Hauptteil
2.1 Moderne Wundversorgung am Beispiel des Klinikum Stuttgart, städtisches Krankenhaus der Maximalversorgung
2.2 Rechenbeispiel der modernen Wundversorgung eines „kleinen“ Wundliegegeschwüres = Dekubitalulkus mit Hilfe eines Hydroaktivverbandes (Jochen Autenrieth, 2006)
2.3 Lokale Unterdrucktherapie als spezielle Therapieform bei infizierten, multiresistent besiedelten Wunden (V.A.C.®-Therapie)
2.4 Vereinheitlichung von Lagerungssystemen zur Dekubitusprophylaxe

3 Schlussteil
3.1 Fazit und Ausblick des modernen Wundmanagements unter ökonomischen Gesichtspunkten
3.2 Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Beim Thema meiner ersten Semesterarbeit möchte ich zum aktuellen Stand der klinischen Wundversorgung am Beispiel meines Arbeitgebers Stellung beziehen. Da ich hier im Bereich Chirurgie/Orthopädie seit über 7 Jahren tätig bin und mindestens einmal täglich bei einem Verbandswechsel dabei sein darf kenne ich den Ablauf als interessierter Beobachter ganz gut, ist es doch für mich als Physiotherapeut eine wichtige Bereicherung den Heilungsprozess mitbeobachten bzw. erklärt zu bekommen. Den sogenannten „Verbandswechsel“ führen bei uns ausschließlich examinierte Krankenpfleger/-innen und Ärzte durch.

Dem Thema Dekubitusprophylaxe möchte ich mich im Hauptteil mit dem Beitrag „Vereinheitlichung der Lagerungssysteme“ nur kurz widmen.

Auf die entsprechenden ökonomischen Gesichtspunkte gehe ich jeweils am konkreten Beispiel direkt ein. Da mein Thema sehr breitgefächert beschrieben werden kann, möchte ich auch nur zu ausgewählten, bei uns verwendeten Wundmanagementverfahren etwas schreiben.

1.1 Kosten und Nutzen in der Therapie chronischer Wunden

Chronische Wunden sind häufig, in der Behandlung oft schwierig und für die Patienten und ihre Angehörigen meist äußerst belastend. Ökonomische Faktoren sind in der Versorgung chronischer Wunden von zunehmender Bedeutung. Die Verknappung der finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen hat zu drastischen Maßnahmen der Kostendämpfung geführt, ohne dass deren Sinnhaftigkeit und Nutzen im Einzelfall geprüft wurden. Viele regulatorische Maßnahmen im Gesundheitssektor haben weder die erhoffte Kostensenkung noch eine angemessene Versorgung induziert. Stattdessen haben sie zu einer Überregulation, Bürokratisierung und Kumulation sekundärer Kosten geführt. Ökonomie betont die Balance zwischen Kosten und Nutzen medizinischer Intervention. (M. Augustin, 2009) Als sehr gelungen erscheint mir ein Kommentar aus dem NJW-Magazin nach Rieger 1979:

„Der Patientenanspruch auf eine sichere Versorgung nach den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft ist stets zu gewährleisten.“

2 Hauptteil

2.1 Moderne Wundversorgung am Beispiel des Klinikum Stuttgart, städtisches Krankenhaus der Maximalversorgung

In unserem Krankenhaus arbeitet ein spezieller Pflegefachberater, welcher sich ausschließlich um Patienten mit chronischen Wunden kümmert. Er beriet mich auch bei der Zusammenstellung der Themen, welche exemplarisch für den Fortschritt der Wundversorgung bei uns, speziell im Fachbereich Chirurgie ökonomisch von besonderer Wichtigkeit sind. Trotz höherer Kosten der Materialien, die in der modernen Wundversorgung zum Einsatz kommen, schneidet diese im direkten Kostenvergleich mit der traditionellen Wundversorgung besser ab. Das Argument der Wirtschaftlichkeit erschließt sich allerdings erst unter Betrachtung der Verbandtragedauer und der Personalkosten. (Protz, 2009)[1]

2.2 Rechenbeispiel der modernen Wundversorgung eines „kleinen“ Wundliegegeschwüres = Dekubitalulkus mit Hilfe eines Hydroaktivverbandes (Jochen Autenrieth, 2006)

Erläuterung „Hydroaktivverband“: Diese Wundauflage (3M™Tegaderm™ Absorbent) besteht aus einem anpassungsfähigen Acrylwundkissen, das zwischen zwei Schichten aus semipermeabler Transparentklebefolie eingeschlossen ist. Die Klebefolie, die in direktem Wundkontakt steht, ist perforiert. So kann das Acryl-wundkissen Wundexsudat aufnehmen, welches durch die obere, semipermeable Transparentfolie abdunstet. Durch die Transparenz ist eine Wundbeobachtung, auch nach Absorption von Wundexsudat, optimal gewährleistet. Indikationen dieses Verbandes sind oberflächliche, schwach bis mäßig exsudierende Wunden. Der Hydroaktivverband darf nicht zugeschnitten werden. Seine Verweildauer ist abhängig von der Wundexsudation und kann z.T. sogar deutlich mehr als 7 Tage betragen.

Durchschnittswunde: Versorgt wird ein ca. 4 – 5 cm im Durchschnitt messendes Dekubitalulkus Grad III A nach Seiler[2], Wundtiefe ca. 5 mm, Wundzustand: sauber, nicht infiziert, normal exsudierend.

Verbandkosten/Materialien: In der modernen Wundtherapie wird ein selbstklebender Hydroaktivverband verwendet, gerechnet wird mit einem Mittelwert aus Kosten für viele handelsübliche Hydrokolloidverbände und für viele handelsübliche feinporige Polyurethanschaumverbände. Der Verbandwechsel erfolgt alle 2 – 3 Tage. In der klassischen Versorgung werden Salbenkompressenverbände mit dafür zugelassenen und erstattungsfähigen Lokaltherapeutika auf die Wunde verbracht. Der Verbandwechsel erfolgt einmal täglich.

Materialkosten: Die Materialpreise werden der GKV-Festpreis-/ Verrechnungs-preisliste entnommen, welche auch für das Klinikum Stuttgart gültig ist. Preise für Wundtherapeutika, Wundverbände und Fettgaze werden als rechnerischer Mittelwert für das typische und versorgungsfähige Produktspektrum erfasst. Art und Menge des benötigten Materials ist einer Leitlinie der momentan auf unseren Stationen verfügbaren Markenprodukte entnommen. Die Preise enthalten die Mehrwertsteuer, Rezeptanteile und Kassenrabatte werden nicht berücksichtigt.

Der rechnerische Querschnitt des Preises der gängigsten Lokaltherapeutika in wirtschaftlichen Packungsgrößen beträgt 0,36 € pro Gramm, der rechnerische Durchschnittspreis gängiger moderner Wundverbände in der kleinsten Packungsgröße beträgt im Mittel aus 12 bei uns verwendeten Hydrokolloidverbänden 7,60 € pro Stück, aus 12 bei uns gelisteten feinporigen Polyurethanschaumverbänden 9,04 € und damit rechnerisch 8,32 € pro Hydroaktivverband. Der rechnerische Durchschnittspreis gängiger Salbenkompressen (ca. 10 mal 10 cm) beträgt 1,53 € pro Stück. Ermittelt man nun die Kosten für jeweils einen Wundverband ergeben sich folgende Summen: Pro klassischem Wundverband entstehen Kosten von ca. 5,62 €, jeder moderne Wundverband kostet insgesamt ca. 9,67 €, ist also deutlich teurer. Allerdings müssen in der Wirtschaftlichkeitsanalyse auch die Frequenzen des Verbandwechsels berücksichtigt werden.Damit relativiert sich der scheinbar wirtschaftliche Vorteil des konservativen Wundverbands schon im Laufe einer Woche: Unter Anwendung anerkannter und üblicher Verbandwechselzeiten entstehen auf Seiten der konservativen Versorgung Materialkosten von 39,34 €, auf Seiten der hydroaktiven Wundversorgung Wochenkosten von 29,01 €. Die Einsparung bei Verwendung moderner Materialien beträgt somit rund 26 %.

Personalkosten: Bei der Ermittlung der durchschnittlichen Verbandswechselpauschale bei einem solchen Geschwür wurde ein Mittelwert der GKV-Erstattungsbeträge (gemäß Selbstauskunft) gebildet. Die Preise schwanken von 6,77 € bis 18,30 € und ergeben einen Durchschnittspreis von 10,86 €/ Verbandswechsel. Eingesetzt in unser Modell betragen die Personalkosten für eine Woche klassischen Verbandwechsel 7 Tage je 10,86 € = in der Summe: 76,02 €. Die Personalkosten für eine Woche der modernen Wundtherapie betragen: 3 x 10,86 € = in der Summe: 32,58 €. Im Vergleich der Personalkosten für eine Woche Verbandwechsel ergibt sich ein Kostenvorteil für den Hydroaktivverband von ca. 57%.

Bilanzvergleich: Im Bilanzvergleich von Personal- plus Materialkosten für eine Woche Therapie liegt der klassische Wundverband bei 7 x 16,48 € (Material 5,62 € + Personal 10,86 €) in der Summe 115,36 €. Beim modernen Wundverband sind es 3 x 20,53 € (Material 9,67 € + Personal 10,86 €) in der Summe 61,59 €. Hieraus ergibt sich ein rechnerischer Gesamtkostenvorteil für den Hydroaktivverband von rund 47%!

2.3 Lokale Unterdrucktherapie als spezielle Therapieform bei infizierten, multiresistent besiedelten Wunden (V.A.C.®-Therapie)

Erläuterung „Lokale Unterdrucktherapie“ (V.A.C.-Pumpe): Speziell für die Anwendung bei infizierten Wunden ist die V.A.C.®-Therapie oder die V.A.C. Instill® (beide KCI) geeignet. Das Grundprinzip ist beiden gemeinsam. Es wirkt ein Unterdruck auf die Wundoberfläche. Durch das geschlossene System werden Bakterien, Abfallprodukte und Zelltrümmer abtransportiert. Der Hersteller bietet bei infizierten und infektionsgefährdeten Wunden den Einsatz eines Polyurethan-schaums mit Silber an. Durch die kontinuierliche Abgabe von Silberionen direkt ins Wundbett werden dort Mikroorganismen abgetötet. Zusätzlich können bei der V.A.C. Instill® auch alternierend zeitgemäße Antiseptika wie Octenisept® oder Polyhexanidlösung zur Bakterienbekämpfung eingesetzt werden („Saug-/Spüldrainage“). Diese Methode erfordert spezielle Anwender-erfahrung und Kenntnisse im klinischen Bereich. (Protz, 2009) Diese Methode ist i. M. als der Goldstandard im Bereich größerer und größter (super-)infizierter Wunden anzusehen. (vgl. M. Augustin, 2009) Aus meiner persönlichen, semiprofessionellen Erfahrung mit diesem System kann ich, sachgerechte Anwendung seitens des Pflegepersonals vorausgesetzt, nur positives berichten. Die Geschwindigkeit der Wundheilung, und damit verbunden die Vorteile für den Patienten, sind fast unglaublich.

Auch ist die Akzeptanz seitens der (oft älteren, immungeschwächten) Patienten sehr hoch, können Sie doch fast täglich einen Therapieerfolg vermerken und sind in Ihrer Bewegungsfreiheit deutlich weniger eingeschränkt als mit einem dicken (Resorption-) Verband.

Auf meine gezielte Nachfrage bezüglich der Kosten dieser Therapie bei der zuständigen Stationsschwester wurde ich auf den „Leitfaden Wundmanagement“ unseres Klinikums vom Dezember 2004 verwiesen. In Ihm fand ich nur die (unzureichende) Preisangabe von 66,40 € / Tag, bezeichnet als „Tagestherapie-pauschale incl. Zubehör“. Für genauere Informationen fragte ich also bei der zuständigen Pflegedirektorin des Klinikum Stuttgart, Frau Elisabeth Hückelheim, nach. Diese überließ mir freundlicherweise eine Zusammenfassung einer Studie, welche an der „Klinik für Gefäßchirurgie Prof. Dr. Thomas Hupp“ in unserem Klinikum 2003 durchgeführt wurde. Verglichen wurde die V.A.C.-Therapie mit der traditionellen Therapie, mit folgendem Ergebnis:

Kosten der traditionellen Therapie:

(bei täglichem Verbandswechsel) Materialkosten 18,09 Euro + Personalkosten 18,90 Euro

Gesamtbetrag (täglich) 36,99 Euro

[...]


[1] KlinikumNET – Online-Magazin 05/2006

[2] (Die Schwester Der Pfleger Juni 2005 [06 – 05])

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Analysen zum Wundmanagement und zur Dekubitusprophylaxe
Hochschule
Dresden International University
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V300088
ISBN (eBook)
9783656965718
ISBN (Buch)
9783656965725
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ökonomische, analysen, wundmanagement, dekubitusprophylaxe
Arbeit zitieren
Lukas Kretschmer (Autor), 2010, Ökonomische Analysen zum Wundmanagement und zur Dekubitusprophylaxe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300088

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