Wie kommt es, dass Unternehmen sich auf einmal in die Rolle von Politikern erheben? Waren sie es nicht, die vor allem in den 90er Jahren mit anderen Schlagzeilen auf sich aufmerksam machten?
Große Unternehmen nutzten die Mechanismen der Globalisierung für ihr eigenes Interesse. Bekannt wurde in dieser Zeit, wie sie sich über Menschenrechte hinwegsetzten, ihre Arbeiter in Drittländern ausbeuteten und Umweltkatastrophen verschuldeten. Dieses Bild befindet sich momentan in einem starken Wandel und geht einher mit dem Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR). Ein Begriff, der gerade seit der Jahrtausendwende in der öffentlichen Wahrnehmung Konjunktur hat und immer mehr Aufmerksamkeit findet.
Im Rahmen von CSR-Aktivitäten engagieren sich Unternehmen in sozialen und gesellschaftlichen Themengebieten. Manche Unternehmen gehen sogar soweit ihre komplette Strategie einer nachhaltigen CSR anzupassen. Unternehmen handeln demnach nicht mehr als reine Gewinnmaschinen, bei denen Profit an oberster Stelle steht, sondern nehmen durch ihr Engagement auch bewusst politischen Einfluss auf die Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlage
2.1 Von Steuerung zu Governance
2.2 Neokorporatismus
2.3 Was ist CSR
3. CSR - eine Frage der Legitimität
4. Das Beispiel der BMW Group
4.1 Input-Legitimation
4.2 Throughput-Legitimation:
4.3 Output-Legitimation
5. Fazit/Handlungsempfehlungen zur Bewertung von CSR Engagement
6. Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Unternehmen durch ihr gesellschaftliches Engagement (Corporate Social Responsibility) zu legitimen Akteuren im politischen System werden können. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Unternehmen ihre Rolle legitimieren, da sie im Gegensatz zu Regierungen keine demokratischen Wahlen durchlaufen.
- Wandel von staatlicher Steuerung hin zu Governance-Formen
- Definition und theoretische Einordnung von Corporate Social Responsibility (CSR)
- Analyse der Legitimität von CSR-Aktivitäten anhand der Input-, Throughput- und Output-Legitimation
- Praktische Fallstudie der BMW Group zur Anwendung dieser Legitimationskriterien
- Bewertung der Steuerungs- und Reglementierungsmöglichkeiten für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
4. Das Beispiel der BMW Group
In diesem Kapitel werde ich anhand der BMW Group ein prominentes Beispiel für umfassendes CSR-Engagement untersuchen. Es soll dabei zu Beginn um die Perspektive der Organisation gehen. Zusätzlich wird untersucht, wie das Unternehmen Erfolg oder Misserfolg seiner Aktivitäten misst. Daraufhin werden im Anschluss die vorher ausgearbeiteten Merkmale zur Definition der Legitimität des Handelns angewandt. Sie sollen Antworten darauf geben, inwieweit die Aktivitäten bereits legitimiert sind, oder was getan werden muss, um den aktuellen Zustand zu verbessern.
Die BMW Group ist mit 95000 Beschäftigten in 150 Ländern aktiv. Sie hat damit unvermeidlich einen Einfluss auf die globale Gesellschaft. Daher lässt sie sich in eine vierte transnationale Ebene des Neokorporatismus (siehe Kapitel 2.2) einordnen. In ihrem Statement zum Thema gibt die BMW Group an, sich auch aus eigenem Interesse im Bereich der CSR zu engagieren (siehe Einleitung). Aus diesem Grunde wolle der Konzern politische Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. In diesem Rahmen ist die BMW Group unter anderem Mitglied des UN-Global Compact, der einen globalen Zusammenschluss von Organisationen im Rahmen der United Nations Organisation (UNO) darstellt. Ziel der Gruppe ist eine soziale und ökologisch verträgliche Gestaltung der Globalisierung.
BMW knüpft seine Aktivitäten im CSR-Bereich daher auch eng an das eigene Kerngeschäft. Das Unternehmen argumentiert in seinem Statement, dass besonders das Thema Nachhaltigkeit und Rohstoffknappheit für die mobile Autoindustrie von großer Bedeutung sind und räumt auch selbstkritisch ein, dass die Automobilindustrie Mitschuld am Klimawandel trägt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, warum Unternehmen zunehmend politische Rollen übernehmen und fragt nach der Legitimität ihres gesellschaftlichen Engagements.
2. Theoretische Grundlage: Dieses Kapitel erörtert den Wandel von hierarchischer Steuerung zu modernen Governance-Ansätzen und definiert den Begriff CSR sowie den Neokorporatismus.
3. CSR - eine Frage der Legitimität: Hier werden die Kriterien der Input-, Throughput- und Output-Legitimation als Messinstrumente für das Handeln politisch agierender Unternehmen eingeführt.
4. Das Beispiel der BMW Group: Anhand der BMW Group wird die praktische Anwendung der Legitimationskriterien auf ein real existierendes CSR-Engagement getestet.
5. Fazit/Handlungsempfehlungen zur Bewertung von CSR Engagement: Das Fazit bewertet die Untersuchungsergebnisse und stellt fest, dass die Legitimationsfrage bei CSR-Aktivitäten trotz Fortschritten noch nicht abschließend geklärt ist.
6. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Governance, Legitimität, Neokorporatismus, Steuerungstheorie, BMW Group, Politische Steuerung, Input-Legitimation, Throughput-Legitimation, Output-Legitimation, Nachhaltigkeit, Stakeholderdialog, Globalisierung, Unternehmensverantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische Rolle von Unternehmen und ob ihr gesellschaftliches Engagement (CSR) als legitim im demokratischen Sinne angesehen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind Governance, Neokorporatismus, Corporate Social Responsibility und Legitimationskriterien für private Akteure in politischen Prozessen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie Unternehmen in ihrem gesellschaftlichen Engagement legitimiert handeln können, da sie keine demokratischen Wahlen legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es werden politikwissenschaftliche Konzepte (Governance, Legitimationsbegriffe) theoretisch hergeleitet und anschließend in einer Fallstudie anhand der BMW Group praktisch angewendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Governance, Neokorporatismus), die Definition von Legitimitätsmessgrößen und die empirische Anwendung am Beispiel der BMW Group.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind CSR, Governance, Legitimität, Neokorporatismus, Stakeholderdialog und politische Steuerung.
Wie bewertet der Autor das CSR-Engagement der BMW Group?
Die BMW Group erfüllt bereits viele Kriterien legitimen Handelns, insbesondere durch Transparenz und Stakeholder-Einbindung, jedoch fehlen weiterhin Reglementierungsmechanismen bei Fehlverhalten.
Welche Rolle spielt die iooi-Methode im Kontext der Untersuchung?
Die iooi-Methode dient der Erfolgsmessung von CSR-Aktivitäten; der Autor schlägt vor, diese Methode durch die Kriterien der Legitimation zu ergänzen, um eine umfassende Bewertung zu ermöglichen.
- Quote paper
- Benedikt Simon Feld (Author), 2013, "Corporate Social Responsibility". Unternehmen als legitime Akteure im Politischen System?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300158