Frauenrechte in Frankreich. Die Parité-Bewegung


Referat (Ausarbeitung), 2001
5 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Die Parité - Bewegung in Frankreich

Die Parité - Bewegung ist als eine relativ neue Bewegung einzustufen, die sich zu Anfang der Neunzehnhundertneunziger Jahre im Lande herauskristallisierte. Während der Französischen Frauenbewegung ein beachtlicher Erfolg zugeschrieben wird, den sie binnen einer Dekade erreicht habe, verschreien Kritiker das Gelingen und explizieren ein Scheitern.

Meine Auseinandersetzung soll sich auf folgende zwei Kernfragen konzentrieren:

1.) Warum ist das ursprüngliche Ziel der Gleichstellung gescheitert? Oder:
2.) Führt ein Anstieg der weiblichen Vertretung im politischen Wahlkreis zwangsweise zur Gleichstellung?

Dazu gehe ich zunächst auf den Paritätsgedanken ein und formuliere Forderungen und Ziele der Französischen Frauenbewegung. Welchen Schwierigkeiten sie begegnete, illustriere ich an den Kritiken, auf die gestossen ist. Das Fehlschlagen erläutere ich im Zusammenhang mit der defizitären Zielformulierung und äußere schließlich meinen persönlichen Standpunkt.

Die Parité - Bewegung etablierte sich im Jahre 1995 und setzte sich die gleiche Repräsentation beider Geschlechter auf politischer Ebene zum obersten Ziel. Sie erkannte, dass die Verbesserung der politischen Rechte ein essentielles Werkzeug für die Emanzipation der Frau ist. Formell beschränkte sie ihr Ziel auf die gleichberechtigte Beteiligung der Geschlechter auf politischer sowie judikativer Ebene. Unter der Institutionalisierung von Gleichstellung verstand sie die gesetzliche Garantie der gleichen Anzahl der Wahlkandidaten beider Geschlechter. Somit hatte die Paritẽ-Bewegung zunächst einmal ein deutliches Ziel artikuliert, doch hatte sie sich gleichzeitig zum Scheitern verurteilt.

Der Paritätsgedanke beruft sich darauf zurück, dass die Frau eine der beiden essentiellen Existenzformen des Menschen ist und begründet somit die Gleichstellung der Geschlechter in den Menschenrechten. Sie betont die Geschlechterunterschiede, um den Machtanspruch von Mann und Frau zu gerechtfertigen. Da „Menschsein“ auf zwei Arten besteht, müssen beide Formen auf politischer Ebene vertreten sein. Kein Individuum sollte aufgrund seiner Unterschiede leiden; vielmehr ist die Betonung dieser Differenzen wesentlich, um den (Rechts-) Anspruch auf Gleichstellung zu begründen. Während die Parité - Bewegung klare Ziele definiert riskiert sie eine Beschränkung auf den Bereich der Wahlpolitik. Die Parität hat eine breite Bedeutung und kann demnach nicht auf die gleiche Präsenz der Geschlechter in den Wahlgremien konzentriert werden, denn dies wäre eine Fehlinterpretation.

Einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der weiblichen politischen Präsenz leisteten vor allem die Europäische Kommission, die unterstützt durch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und die französische Presse ein Bewußtsein für das Problem schuf und dessen Eskalation bewirkte. Nach einer Konferenz der Europäischen Kommission (1992) über „Women in Power“ wurde eine soziale Bewegung ausgelöst. Unterstützt durch NGOs und der Presse wurde publik gemacht, wie miserabel Frankreich bezüglich der Frauenpartizipation auf politischer Ebene im europäischen Ländervergleich abschnitt. Die Zeitung „ Le Monde “ betonte, dass eine Gleichstellung in der Politik ohne eine Zwangsaufschrift kaum bewirkt werden kann. Folglich berücksichtigten zahlreiche Parteilisten die Gleichstellung von Mann und Frau. Als ein bedeutender Erfolg kann das Bestreben der Neuen Regierung genannt werden, die sich vorschrieb den Frauenanteil in der eigenen Partei auf mindestens 30% zu erhöhen. Um die Projekte der Regierung zu unterstützen, stellten ein gemeinsamer Rat aus Juristen, Soziologen und Philosophen diesbezüglich eine Resolution auf. Erst kürzlich (1999) wurde der gleichberechtigte Zugang in Funktionen in der Verfassung institutionalisiert. Die neue Sanktion lautet, dass der staatliche Zuschuss der Parteien reduziert wird, die keine fünfzigprozentige Beteiligung der Frauen gewährleisten.

Kritiker der Parität unterstellen, dass die Polarität der Geschlechter unvereinbar mit dem Souveränitätsprinzip ist, da die Gleichstellung diese bedroht. Weiterhin argumentieren Gegner dieser Idee, dass eine gerechtere Machtverteilung bzw. eine Teilung der Souveränität unbedingt eine zerstörerische Wirkung mit sich zieht. Der Geschlechterunterschied könne die Nation teilen.

Vertreter der Parité -Bewegung betonen, dass die Frau oder der Mann im Abgeordnetenhaus nicht alleiniger Repräsentant des eigenen Geschlechts ist. Vielmehr impliziert die Ausübung der Souveränität, dass kein Geschlecht sich diese Herrschaft zu Nutzen macht. Das Gleichstellungsprinzip in der Legislative kann nicht zu einer Zweiteilung der Nation führen, weil die politischen Stellvertreter die Bürger nicht nach ihrem Geschlecht vertreten sollen, sondern das Volk als Einheit. Folglich verkörpern Frauen im Parlament nicht die Interessen des eigenen Geschlechts, sondern die Nation in seiner Vollständigkeit. In diesem Sinne ist die Gleichstellung als eine einheitliche politische Repräsentation und nicht als Seperation des Volkes zu betrachten. Trotzdem bestünde im Volke die Angst vor einer Teilung bei politischer Gleichberechtigung und daher würde Uniformität bevorzugt, obwohl dies keineswegs die Nation widerspiegelt.

Das Scheitern der Französischen Frauenbewegung ist an einer einseitigen Zielfformulierung zu sehen, insbesondere an der ungenügenden Forderung von umfassender Geschlechtergleichheit. Das Problem liegt darin, dass die Betonung auf der Nomierungsgleichheit liegt und nicht auf gleichen Wahlergebnissen. Dieser Fokus auf die Nominierung vernachlässigt die tatsächliche Wahl von Frauen, so dass es in den Wahlergebnissen wieder zu einer Verzerrung der Gleichstellung kommt. Ein wesentliches Defizit ist, dass der Gleichheitsgrundsatz keine quantitative Gleichheit impliziert, so dass nicht die gleiche Anzahl beider Geschlechter gewählt wird. Die einzige Gleichstellung wurde in den Wahlgremien erreicht, während andere Domänen, in denen soziale, ökonomische Ungleichheiten herrschen, nicht berührt werden. Die Reform ist zu ungenügend, um die Förderung im universellen Entscheidungsprozess zu umfassen, so dass auch Fortschritte in der Ökonomie und Politik erreicht werden. Essentiell ist die Gleichstellung in allen Bereichen, in denen Macht ausgeübt wird und wichtige Entscheidungsträger sitzen, damit ein genereller Schutz gegen eine Diskriminierung gewährleistet ist. Daher ist eine Fokussierung auf den Wahlbereich keine umfassende Lösung. Auch die Quotenregelung der Sozialistischen Partei ist als mangelhaft und lächerlich zu bewerten, da die Frauen die Hälfte der Population ausmachen. Die Abwesenheit von Frauen in Entscheidungsgremien ist ein entscheidendes Hindernis für das Erreichen des Zieles von gleichen Möglichkeiten. Frauen sind noch immer von Machtpositionen ausgeschlossen und ihre Rarität auf politischen Ebenen ist auf das Kandidatensystem zurückzuführen. Das männliche Geschlecht dominiert in den Parteien und sichert sich somit seine Wiederwahl.

Die Parität muss ein umfassenderes Ziel anstreben, um die männliche Dominanz abzubauen. Noch immer sind Frauen in der Politik und in Führungspositionen unterrepräsentiert, eine große Anzahl ist Teilzeit beschäftigt und verdient weniger als ihre männlichen Kollegen auf vergleichbaren Positionen.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Frauenrechte in Frankreich. Die Parité-Bewegung
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Nord-Amerika-Studien)
Veranstaltung
Equality, Gleichstellung, Parität
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V300177
ISBN (eBook)
9783656976462
ISBN (Buch)
9783656976479
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenrechte, frankreich, parité-bewegung, parité, parite, frauenbewegung, feminismus
Arbeit zitieren
Rukiye Hamza (Autor), 2001, Frauenrechte in Frankreich. Die Parité-Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300177

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