Unterschiede und Gemeinsamkeiten frontaler und offener Unterrichtsformen


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Der Frontalunterricht
2.1 Die historische Entwicklung des Frontalunterrichts
2.2 Das Konzept des Frontalunterrichts

3. Der offene Unterricht
3.1 Die historische Entwicklung des offenen Unterrichts
3.2 Das Konzept des offenen Unterrichts

4. Frontalunterricht und offener Unterricht im Vergleich
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit besitzen Lehrpersonen eine Vielzahl von Möglichkeiten ihren Schülerinnen und Schülern Wissen zu vermitteln. Allerdings gehen im Kontext der zahlreichen Möglichkeiten den Unterricht zu gestalten, die Sichtweisen, welche Unterrichtsform wohl am besten geeignet ist weit auseinander. Somit bieten die etlichen Möglichkeiten bezüglich des schulischen Alltags ein sehr breites Diskussions-Spektrum. Daher ziehen beispielsweise einige Lehrkräfte den eher traditionellen und kollektiven Frontalunterricht dem individuell ausgerichteten offenen Unterricht vor. Falko Peschel, ein strenger Befürworter von offenen Unterrichtsformen, ist beispielsweise der Ansicht, dass der offene Unterricht die zukünftige Unterrichtsform darstellt(vgl. Peschel 2006,S.5).Im Gegensatz dazu, ist Herbert Gudjons, ein deutscher Erziehungswissenschaftler, der Meinung, dass der frontale Unterricht unverzichtbar für offenes und selbstständiges Lernen sei(vgl. Gudjons 2003,S.8). Diesbezüglich ergibt sich die Frage, inwiefern sich geschlossene im Vergleich zu offenen Unterrichtsformen unterscheiden, worin die Gemeinsamkeiten der beiden Unterrichtsformen liegen und letztlich welche Unterrichtsart für die Schülerinnen und Schülern wohl am besten geeignet ist. Damit sich der Leser dieser Arbeit ein genaues Bild über das oft diskutierte Thema machen kann, werden beide Unterrichtsformen genauer analysiert und verglichen. Zunächst wird das Prinzip des frontalen Unterrichts genauer beleuchtet. Jenes erfolgt durch eine kurze historische Einführung in die Thematik und der genauen Analyse der Unterrichtsform. Anschließend erfolgt die gleiche Vorgehensweise mit dem Konzept der offenen Unterrichtsformen. Im letzten Schritt werden beide Unterrichtskonzepte gezielt miteinander verglichen und Fakten, die für oder gegen die jeweiligen Konzepte sprechen werden dargelegt. Für das bessere Verständnis der jeweiligen Thematik befinden sich zwischen den einzelnen Kapiteln sogenannte Kurzzusammenfassungen.

2. Der Frontalunterricht

2.1 Die historische Entwicklung des Frontalunterrichts

Wenn man sich die Geschichte des Frontalunterrichts mithilfe von Fachliteratur genauer betrachtet, wird schnell deutlich, dass die Entstehung des Frontalunterrichts noch nicht allzu alt ist sowie man es vermuten könnte. Genauer gesagt, geht die Entstehung des Frontalunterrichts auf das 17.Jahrhundert zurück. In diesem Kontext spielt das Jahr 1653 eine ganz besondere Rolle, da Georg Philipp Harsdörffer, ein deutscher Dichter des Barock, sein dreibändiges Buch „Poetischer Trichter“, die Teutsche Dicht-und Reimkunst, ohne Behuf der lat.Sprache, in 6 Stunden einzugießen publiziert, welches als die Geburtsstunde des „Nürnberger Trichters“ gilt. Der Begriff „Nürnberger Trichter“ bedeutet, dass eine gelehrte Person einer unwissenden Person etwas in den Kopf gießen kann(vgl.Gudjons 2003,S.13).In dieser Hinsicht war das Prinzip des Frontalunterrichts eine sehr geeignete Unterrichtsform, da die Lehrperson etwas erklärt und die Schülerinnen und Schüler umgehend die Wissensinhalte aufnehmen indem sie der lehrenden Person zuhören. Bereits im gleichen Jahrhundert wurde die Methode des Frontalunterrichts von dem Theologen, Philosoph und Pädagogen namens Johann Amos Comenius weiterentwickelt, welcher der Ansicht war eine Großmenge von Schülerinnen und Schülern gleichzeitig zu unterrichten(vgl. Gudjons 2003,S.13). Johann Amos Comenius befasste sich mit dem „Allumfassenden“, daher sollte die lehrende Person wie eine Sonne über alle Schüler strahlen, die mehr als 100 Schüler gleichzeitig belehrt. Comenius fokussierte sich bezüglich seiner Idee besonders auf die Methode des „Lehrervortrags“, in welchem damals bereits Bildmaterialien als Veranschaulichung dienten. Wie bereits erwähnt, ist der Frontalunterricht eine relativ junge Unterrichtsform. Beispielsweise unterrichtete der griechische Philosoph Platon im vierten Jahrhundert vor Christus seine Schüler in Form eines Dialoges. Das Schüler-Lehrer Verhältnis war hierbei von besonderer Bedeutung, da dieses Verhältnis verantwortlich für das Lernen und den damit verbundenen Erfolg jedes einzelnen Schüler war(vgl.ebd.,S.11). Ende des 18.Jahrhunderts ging die Einführung der allgemeinen Schulpflicht mit der stetig wachsenden Bevölkerungszahl einher, was schließlich auch eine organisatorische Veränderung der Schulklasse und des Schulwesens zur Folge hatte. Zum ersten Mal wurden Klassenräume eingerichtet, wo sich der schulische Alltag abspielte. Folglich war die Lehrkraft die zentrale Person im Klassenraum, die das Unterrichtsgeschehen zentral steuern konnte. Ab sofort war der Frontalunterricht ein fester Bestandteil des Schulalltags und wurde zukünftig unverzichtbar.

Mit der stetig wachsenden Bevölkerungszahl wurde die allgemeine Schulpflicht schrittweise vom Ende des 17.Jahrhunderts durchgesetzt, die sehr eng mit dem Recht auf Bildung verbunden war. Somit war es notwendig eine Unterrichtsform zu schaffen, in welcher eine größere Anzahl von Schülern unterrichtet werden konnte. Im Zeitraum der Industrialisierung(1750-1850) kam es zur erstmaligen Etablierung eines organisierten Schulsystems. Schließlich verlor das herkömmliche „Schulehalten“ an Bedeutung was eine Etablierung ab dem Jahre 1850 zur Folge hatte. Somit wurden zum ersten Mal Klassenräume eingerichtet, die es der Lehrkraft ermöglichten das Unterrichtsgeschehen zentral zu steuern. Die Weiterentwicklung des frontalen Unterrichts wurde durch Johann Friedrich Herbart, ein deutscher Philosoph und Psychologe, beeinflusst. Daher wurden fortan auch psychologische Prozesse und Aspekte in Zusammenhang des Unterrichts mit einbezogen. Laut Johann Friedrich Herbart existiert ein ganz bestimmtes Schema, welches für die Aneignung von neuem Wissen verantwortlich ist: Aufnehmen, Denken, Abrufen und die Anwendung des systematischen Wissens(vgl.ebd.,S.18).Die ersten Kritiken in Bezug auf die frontale Unterrichtsform kamen jedoch zu Beginn der Reformpädagogik im 20.Jahrhundert auf. Folglich forderten einige Pädagogen beispielsweise mit der Arbeitsschulmethodik eine erhöhte Selbstständigkeit von Schülerinnen und Schülern. Allerdings ist die Form des Frontalunterrichts dennoch mit rund 80% die meist praktizierte Unterrichtsform innerhalb Deutschlands(vgl. Aschersleben 1999,S.9). Im Anschluss muss allerdings noch genau erklärt werden wie das Unterrichtskonzept des fronalten Unterrichts eigentlich aussieht und hierzu soll das folgende Kapitel genaueren Aufschluss geben.

2.2 Das Konzept des Frontalunterrichts

Da sehr viele Menschen unserer heutigen Gesellschaft, sobald sie an den traditionellen Frontalunterricht denken und diesen mit einem strengen, autoritären Lehrer assoziieren, ist der Frontalunterricht heutzutage oftmals mit einer negativen Konnotation belastet. Daher sind die grundsätzlichen theoretischen Bemühungen für eine klare Definition des Frontalunterrichts von großer Bedeutung(vgl.Gudjons 2003, S.21).Damit man eine relativ neutrale Deutung erlangt, sollten zunächst die einzelnen Bedeutungen von „frontal“ und „offen“ geklärt werden. Das Adjektiv „frontal“ besitzt heutzutage auch noch die Bedeutung „vorne an, nach vorne gerichtet, von vorn her“. Das Subjekt „Unterricht“ bedeutet so viel wie: die Belehrung lernender Individuen durch einen Lehrenden(vgl.Aschersleben 1999,S.2.f).

Verknüpft man nun die alleinstehenden Bedeutungen miteinander, so entsteht die neutrale Bedeutung: „von vorne aus Einzelnen oder eine Gruppe Lernender belehren“(Pfeiffer,1997,zit.nach Aschersleben).Aufgrund dessen, dass mit dem Frontalunterricht oftmals eine negative Konnotation einhergeht, wird heutzutage auch öfters der Begriff „Klassenunterricht“ verwendet, da diese Begrifflichkeit noch relativ unvorbelastet erscheint. Des Weiteren, wird versucht mit dem Begriff des Klassenunterrichts zu verdeutlichen, dass die Gesamtheit aller Schülerinnen und Schüler zur selben Zeit und am selben Ort unterrichtet wird. Die Grundannahme, dass Rhythmus, Lerntempo und die Lerninhalte für alle Lernenden gleich sind(Bovet 2008,S.80),strebt das Ideal einer homogenen Lerngruppe an. Es wird deutlich, dass die Lehrperson die entscheidende Rolle der schulischen Interaktion spielt, da „Arbeits-,Interaktions-und Kommunikationsprozesse“ von der lehrenden Person gelenkt werden(H.Meyer,1987 zit.nach Gudjons).Laut Karl Aschersleben ist der Frontalunterricht daher eine „Sozialform des Unterrichts und zwar Klassenunterricht mit den beiden Varianten Lehrervortrag und Frageunterricht“(Aschersleben 1999,S.7). Vor allem wird in der Form des Lehrervortrags die Rolle der Lehrkraft als „aktiver Akteur“ besonders herauskristallisiert, da diese Impulse liefert, die den jeweiligen Lernprozess der Schülerinnen und Schüler anregen soll. Somit wird beabsichtigt, dass die Schülerinnen und Schüler versuchen möglichst viele der vom Lehrer vorgetragenen Informationen aufzunehmen und schließlich zu verarbeiten. Mithilfe des Lehrervortrags wird auf schnellem Wege Wissen vermittelt, welches von den Rezipienten mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft wird. Wie bereits erwähnt, ist eine andere Art des Frontalunterrichts der sogenannte Frageunterricht. Hierbei werden die Rollen der aktiven und passiven Rollen gelockert, da auch die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv am Unterricht teilnehmen können und selbst das „Wort“ ergreifen können. Die Gefahr des Frontalunterrichts besteht oft darin, dass der Unterricht zu „trocken“ werden kann. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollten während des Klassenunterrichts auch zwingend andere Sozialformen wie beispielsweise die Einzelarbeit, die Partnerarbeit oder die Gruppenarbeit vertreten werden, damit die lernende Person nicht sofort von dem geballten, vorgetragenen Wissen der Lehrkraft „erschlagen“ wird. Jene Bedingungen sollten Lehrkräfte hinsichtlich des Frontalunterrichts unbedingt realisieren, da ein gewisses Maß an Abwechslung der Sozialformen die Motivation und die Effektivität des Unterrichts mit Sicherheit beeinflussen kann. Wie schon im Kapitel 2.1 angesprochen, liegt der Anteil geschlossener Unterrichtsformen in deutschen Schulen heutzutage noch bei etwa 80%.In Anbetracht des Unterrichtsthemas, kann diese Unterrichtsform eine sehr sinnvolle und effiziente Unterrichtsart sein.

Hans Glöckel, Professor für Schulpädagogik, hat in seinem Buch „Vom Unterricht: der allgemeinen Didaktik“ die Rolle des frontalen Unterrichts bereits sehr gut resümiert, indem er sagte, dass der Frontalunterricht „die angemessene Sozialform für die Eingangsstufe der Unterrichtseinheit, die Phasen der Darbietung und gedanklichen Verarbeitung, die vertiefende Besinnung, die Zusammenfassung der Ergebnisse,[und] die Einschulung von Arbeitstechniken“ sei. Allerdings verweist Glöckel auch darauf hin, dass diese Sozialform „unbedingt durch andere Sozialformen ergänzt werden muss“(Glöckel 1992, S.76).Zu den genannten Sozialformen, durch die der frontale Unterricht ergänzt werden soll, gehört der sogenannte offene Unterricht, welcher im folgenden Kapitel genauer beleuchtet wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Unterschiede und Gemeinsamkeiten frontaler und offener Unterrichtsformen
Veranstaltung
Schulpädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V300190
ISBN (eBook)
9783656965459
ISBN (Buch)
9783656965466
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frontalunterricht, offener Unterricht, Schulpädagogik
Arbeit zitieren
Kim Frintrop (Autor), 2013, Unterschiede und Gemeinsamkeiten frontaler und offener Unterrichtsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300190

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