"Desistance"-Forschung. Psychologische Aspekte in der Bewährungshilfe


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
11 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stichprobe

3. Design

4. Durchführung

5. Auswertung

6. Ergebnisse

7. Diskussion

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Selbstjustiz wird in Deutschland streng geahndet, sehr zum Missfallen einiger Bürger, die der Meinung sind, der Rechtsstaat greife oft nicht streng genug ein. Besonders heftige Debatten entbrennen zuweilen, wenn die Entlassung eines Straftäters aus dem Gefängnis bevorsteht, vor allem wenn diese vor Ablauf der verhängten Strafe stattfinden soll. Häufig heißt es in den Medien dann, der (Ex-)Straftäter werde aufgrund guter Führung und psychologischer Gutachten vorzeitig aus der Haft entlassen. In vielen Fällen erfährt man nach der kurzeitigen Intensivberichterstattung kaum noch etwas über die betroffenen Personen, es sei denn, der entlassene Straftäter wird rückfällig. In diesem Fall werden die an der Entlassung und Bewährung beteiligten Personen häufig von allen Seiten kritisiert. Insbesondere dem zuständigen Psychologen, dessen „falsche“ Einschätzung Schuld an der Entlassung gewesen sei, oder der in der Bewährungszeit versagt habe, werden Vorwürfe gemacht, die bis hin zu Forderungen des Zulassungsentzugs gehen.

Hierbei wird von der breiten Bevölkerung häufig ignoriert, dass es sich beispielsweise bei Gutachten zunächst einmal um Beschreibungen einiger interessierender Variablen des Straftäters oder des bisherigen Therapieverlaufs handelt. Bei der abgeleiteten Prognose zukünftigen Verhaltens handelt es sich um reine Wahrscheinlichkeitsaussagen und Erfahrungswerte des Psychologen, die zu einem klinischen Urteil zusammengefasst werden. Die letztendliche Entscheidung des Richters mag zwar zu Teilen auf dieser Einschätzung beruhen, jedoch ist sie nicht das einzige Kriterium. Zudem muss bedacht werden, dass es an verlässlichen und empirisch überprüften Prädiktoren, die das Kriterium „Rückfälligkeit“ zuverlässig vorhersagen könnten, fehlt. Vielmehr stellt die Frage danach, warum manche Straftäter rückfällig werden und andere wiederum nicht, einen sehr aktuellen Forschungsgegenstand der Psychologie dar.

Eine der aufsehenerregendsten Untersuchungen des letzten Jahrzehnts stellt die Liverpool Desistance Study dar, in der die Autoren das Ziel hatten, ein tieferes Verständnis für den Prozess der zukünftigen Unterlassung von Straftaten zu entwickeln. Dieser Prozess wird in der Fachsprache als desistance bezeichnet (Laub, J. & Sampson, R., 2001; Maruna, S., Porter, L. & Carvalho, I., 2004). In der Untersuchung war es in erster Linie nicht geplant Leitlinien oder ähnliches zu veröffentlichen, wie gefundene Ergebnisse in der Bewährungshilfe angewandt werden könnten, sondern wie einzelne Individuen, die nicht wieder straffällig wurden, den Verlauf ihrer desistance wahrnehmen und beschreiben. Einen Überblick über diese Untersuchung geben die Autoren in dem Artikel The Liverpool Desistance Study and probation practice: Opening the dialogue (Maruna, S., Porter, L. & Carvalho, I., 2004). Zugleich werden hier Übertragungsmöglichkeiten der Ergebnisse in die Praxis vorgestellt und diskutiert. Dieser Artikel soll im Folgenden kurz dargestellt werden und im Anschluss hinsichtlich seiner Bedeutung und Anwendung diskutiert werden.

Wie eingangs erläutert, ist die Frage, welche psychologischen Prozesse für den weiteren Werdegang von Straftätern verantwortlich sind, noch weitgehend ungeklärt. Um für den Vorgang der desistance ein besseres Verständnis zu entwickeln, begann Maruna 1995 im Alleingang mit einer Felduntersuchung an aus der Haft entlassenen Straftätern in Liverpool. Innerhalb von zwei Jahren führte er Gespräche und Interviews mit der Zielgruppe, mit der er unter anderem über Bewährungshelfer und Integrationsprogramme in Kontakt kam. Durch Mund zu Mund Propaganda entstanden schnell weitere Kontakte zu ehemaligen Straftätern aus der Region. Auf diese Weise ergab sich die Möglichkeit aus einer zunächst kleinen explorativen Untersuchung ein breiteres Forschungsprojekt zu entwickeln. Die Untersuchung wurde mit der Zielsetzung durchgeführt, die Existenz charakteristischer Denkmuster bei nicht-rückfälligen Straftäter aufzuzeigen und zu prüfen, ob sich diese Denkmuster systematisch von denen persistenter Straftäter unterschieden und somit zwischen den beiden Gruppen diskriminieren. Die Autoren nahmen an, dass derartige Denkmuster in den Prozess der desistance involviert sind.

2. Stichprobe

In einer Voruntersuchung wurden erste Kontakte zu ehemaligen Straftätern aus Liverpool hergestellt. Maruna verbrachte mehrere Wochen in einer Männerunterkunft und suchte zahlreiche Reintegrationsprogramme und Bewährungshelfer in der Region auf, um Kontakte zu knüpfen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wurde eine große Anzahl von ehemaligen Straftätern über das Projekt informiert. Auf diese Weise entstand ein Pool an potentiellen Studienteilnehmern für die eigentliche Untersuchung. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmer lag bei 30 Jahren und ihre Haftdauer bei etwa drei Jahren. Viele Straftäter zeichneten sich zudem durch eine ähnliche Biografie aus. Sie verließen die Schule mit etwa 16 Jahren ohne Schulabschluss, wurde das erste Mal mit 15 verhaftet und kamen mit 20 Jahren das erste Mal im Gefängnis.

3. Design

Bei der Liverpool Desistance Study handelt es sich um eine Querschnittsuntersuchung mit gepaarten Gruppen. Hierzu fand zunächst eine Einteilung der Versuchsteilnehmer in persistente und nicht-rückfällige Straftäter statt. Eine eindeutige Einteilung der Straftäter gestaltete sich schwierig und die Autoren wählten ein Extremgruppendesign. Zu den persistenten Straftätern zählten demnach Personen, die offen zugaben, dass sie derzeit aktiv in kriminelle Handlungen involviert seien und angaben, nicht vorzuhaben diese bald zu beenden. Die Probanden in der desistance Gruppe gaben hingegen an, seit mindestens einem Jahr nicht gesetzeswidrig gehandelt zu haben und bewusst daran zu arbeiten dieses Verhalten aufrechtzuerhalten. Die beiden Gruppen wurden nach Alter, Haftdauer und ihrer Demografie gepaart.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
"Desistance"-Forschung. Psychologische Aspekte in der Bewährungshilfe
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V300335
ISBN (eBook)
9783656978978
ISBN (Buch)
9783656978985
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
desistance, psychologische, aspekte, bewährungshilfe
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, "Desistance"-Forschung. Psychologische Aspekte in der Bewährungshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300335

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Desistance"-Forschung. Psychologische Aspekte in der Bewährungshilfe


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden