In der vorliegenden Arbeit wird sich auf die Ermittlung des Betafaktors als Element des WACC-Ansatzes konzentriert. Im Fokus steht dabei das zur Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) aufgeworfene und diskutierte Total-Beta-Konzept.
Die Beschäftigung mit dieser Thematik wirft verschiedene Fragen auf. Wie wird der Wert eines Unternehmens bestimmt? Welche Rolle spielen Kalkulationszinssätze dabei? Mit welchen Verfahren werden diese ermittelt? Wie wird das Risiko bei der Ermittlung eines Unternehmenswertes berücksichtigt? Mit welchen Methoden wird das Risiko quantifiziert?
Zur Beantwortung dieser Fragen werden zuerst die Grundlagen der Unternehmensbewertung dargestellt (Kap. 2). Dazu werden diverse Verfahren unter Verwendung von Kalkulations-zinssätzen erläutert (Kap. 2.1). Anschließend wird auf die Ermittlung der Eigenkapitalkosten näher eingegangen (Kap. 2.2). Hierauf wird das Risiko bei Unternehmensbewertungen in Form des Betafaktors beleuchtet und verschiedene Ermittlungsverfahren dafür aufgezeigt (Kap. 3). Abschließend werden die wichtigsten Aussagen zusammengefasst und beurteilt (Kap. 4).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Unternehmensbewertung und Kapitalisierungszinssätze
2.2 Verfahren zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten
2.2.1 Capital Asset Pricing Model (CAPM)
2.2.2 Arbitrage Pricing Theory (APT)
2.2.3 Klassische Schätzverfahren
3. Bestimmung des Betafaktors
3.1 Ermittlung durch das Capital Asset Pricing Model (CAPM)
3.2 Ermittlung für nicht börsennotierte Unternehmen
3.3 Anwendungsprobleme des CAPM und Verwendung des Total Beta-Ansatzes
3.4 Umsetzung der Ermittlung in der Praxis
4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Ermittlung des Betafaktors als kritische Komponente bei der Bestimmung von Kalkulationszinssätzen in der Unternehmensbewertung. Das primäre Ziel besteht darin, die wissenschaftlichen Verfahren zur Beta-Ermittlung – insbesondere unter Berücksichtigung der Herausforderungen bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) – kritisch zu hinterfragen und die Relevanz des Total-Beta-Ansatzes zu analysieren.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung und verschiedene Bewertungsverfahren (DCF, Ertragswert).
- Theoretische Fundierung der Eigenkapitalkostenbestimmung mittels CAPM und APT.
- Methodische Ansätze zur Ermittlung des Betafaktors für börsennotierte und nicht börsennotierte Unternehmen.
- Kritische Analyse von Anwendungsproblemen des CAPM und der Eignung des Total-Beta-Konzepts.
- Praktische Umsetzung der Beta-Ermittlung unter Verwendung von Fundamentaldaten und Finanzmarktdaten.
Auszug aus dem Buch
3.2 Ermittlung für nicht börsennotierte Unternehmen
Die Bestimmung von Betafaktoren für nicht an der Börse gelistete Unternehmen gestaltet sich wegen nicht vorhandener Kapitalmarktdaten schwierig (vgl. Pankoke & Petersmeier, 2009, S. 124). Aufgrund des fehlenden Zugangs zum Kapitalmarkt handelt es sich hierbei i.d.R. um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) (vgl. IDW, 2008, S. 32). Ein häufiger Grund dafür stellt ihre Rechtsform dar, die ihren Zutritt oft beschränkt (vgl. Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 5-6). Darüber hinaus zählten im Jahr 2012 laut einer Statistik 99,6% aller deutschen Unternehmen zu den KMU (vgl. IfM, 2015b, S. 1). Die Beschäftigung mit der Bewertung nicht börsennotierter Unternehmen bzw. KMU erscheint vor diesem Hintergrund sinnvoll.
Für nicht an der Börse gelistete Unternehmen stehen mit Analogie- und Analyseansätzen zwei Verfahrensarten zur Verfügung (s. Abb. 8). Analogieansätze nutzen empirisch ermittelte Betas vergleichbarer Einzelunternehmen (sog. Pure-Play-Beta), Unternehmensgruppen (sog. Peer-Group-Beta) oder Unternehmensbranchen (sog. Industry-/Branchen-Beta) als Betafaktoren für zu bewertende Unternehmen. Analyseansätze ermitteln den Betafaktor auf Basis einer messbaren Beziehung zwischen Unternehmens- oder Wirtschaftskennzahlen und dem Risiko des Marktes. In Abhängigkeit der Bezugsgröße werden hierbei Gewinn-, Accounting- sowie Fundamental-Betas differenziert. Des Weiteren werden Betafaktoren auf Grundlage von Scoring-Modellen (sog. Scoring-Beta) berechnet (vgl. Schütte-Biastoch, 2011, S. 185-188).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unternehmensbewertung ein und fokussiert auf die Bedeutung des Betafaktors innerhalb des WACC-Ansatzes bei der Wertermittlung.
2. Grundlagen der Unternehmensbewertung: Das Kapitel erläutert die theoretischen Verfahren zur Gesamtbewertung und die Berechnung von Kapitalkosten unter Berücksichtigung von Discounted Cashflow (DCF) und Ertragswertverfahren.
2.1 Unternehmensbewertung und Kapitalisierungszinssätze: Hier werden die investitionstheoretischen Grundlagen sowie der Zusammenhang zwischen Bewertungsverfahren und dem Kalkulationszinssatz als Diskontierungsfaktor dargelegt.
2.2 Verfahren zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene theoretische Modelle zur Ableitung der Eigenkapitalkosten, um eine adäquate Risikokompensation sicherzustellen.
2.2.1 Capital Asset Pricing Model (CAPM): Darstellung der Portfoliotheorie als Basis des CAPM sowie der Definition von systematischem Risiko und Betafaktor als relative Risikogröße.
2.2.2 Arbitrage Pricing Theory (APT): Analyse der APT als Multifaktorenmodell, das im Gegensatz zum CAPM mehrere makroökonomische Faktoren bei der Renditebestimmung einbezieht.
2.2.3 Klassische Schätzverfahren: Vorstellung des Dividendenwachstumsmodells als pragmatischer Ansatz zur Eigenkapitalkostenschätzung bei börsennotierten Unternehmen.
3. Bestimmung des Betafaktors: Zentrales Kapitel, das die methodische Herleitung des Betafaktors sowie die praktischen Herausforderungen und Ermittlungsansätze für verschiedene Unternehmensformen diskutiert.
3.1 Ermittlung durch das Capital Asset Pricing Model (CAPM): Erläuterung der empirischen Schätzung von Betafaktoren für börsennotierte Firmen durch Zeitreihenregression der Aktienrenditen.
3.2 Ermittlung für nicht börsennotierte Unternehmen: Beschreibung von Analogie- und Analyseansätzen zur Ableitung von Betafaktoren für KMU, da hier keine direkten Kapitalmarktdaten zur Verfügung stehen.
3.3 Anwendungsprobleme des CAPM und Verwendung des Total Beta-Ansatzes: Diskussion der Limitationen des CAPM bei KMU und Vorstellung des Total-Beta-Ansatzes als alternatives Konzept.
3.4 Umsetzung der Ermittlung in der Praxis: Detaillierte Darstellung der direkten und indirekten Datenbeschaffung, inklusive der Problematik von time lags und der Verwendung von Fundamentaldaten.
4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit und bewertet die Eignung der verschiedenen Verfahren für die Unternehmensbewertungspraxis.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Betafaktor, Kapitalkosten, CAPM, WACC, Total Beta-Ansatz, Unternehmensrisiko, Eigenkapitalkosten, KMU, DCF-Verfahren, Ertragswertverfahren, Marktrisikoprämie, Diversifikation, Regressionsanalyse, Unternehmenswert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Bestimmung des Kalkulationszinssatzes in der Unternehmensbewertung, wobei der Schwerpunkt auf der Ermittlung des Betafaktors liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Grundlagen der Unternehmensbewertung, verschiedene Modelle zur Ermittlung der Eigenkapitalkosten (CAPM, APT) und spezielle Verfahren für KMU ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die wissenschaftlich fundierte Beta-Ermittlung zu erläutern und dabei die Eignung sowie Grenzen des Total-Beta-Ansatzes bei der Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zu Bewertungstheorien sowie eine deskriptive Darstellung der mathematischen Modelle zur Beta-Berechnung und Regression.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die technischen Aspekte der Beta-Bestimmung (direkt vs. indirekt) und die methodischen Unterschiede zwischen börsennotierten Unternehmen und KMU.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unternehmensbewertung, Betafaktor, CAPM, Total Beta, Kapitalkosten, Eigenkapitalkosten und KMU-Bewertung.
Warum ist das CAPM für kleine Unternehmen oft problematisch?
Das CAPM basiert auf der Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes und diversifizierter Investoren, was auf KMU-Besitzer, die ihr Kapital oft in einem einzigen Unternehmen gebunden haben, häufig nicht zutrifft.
Welchen Vorteil bietet der Total-Beta-Ansatz?
Der Total-Beta-Ansatz berücksichtigt das Gesamtrisiko einer Investition (inklusive unsystematischem Risiko) und ist daher theoretisch besser für nicht diversifizierte Anleger geeignet.
Was wird bei der indirekten Beta-Ermittlung mittels Fundamentaldaten gemacht?
Bei der indirekten Ermittlung werden Kennzahlen wie Verschuldungsgrad, Unternehmenssteuern und Peer-Group-Betas herangezogen, um das Beta-Risiko eines nicht börsennotierten Unternehmens nachvollziehbar abzuleiten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Der Total-Beta-Ansatz bei der Bestimmung des Kalkulationszinssatzes in der Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300344