Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Weimarer Republik erfahren seit vielen Jahrzehnten eine enorme Beachtung. Dies ist u. a. dem geschuldet, dass diese Zeit in erster Linie als Epoche zwischen den beiden Weltkriegen angesehen wird. Eine Vielzahl von Untersuchungen geht demnach der Frage nach, was die Ursachen für den aufkommenden Nationalsozialismus innerhalb der Weimarer Republik waren. Welche Rolle die öffentliche Meinungsbildung dabei spielte und wie sich die demokratische Öffentlichkeit gestaltete – so gab es erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland – ist eine weitere Frage.
Diese Arbeit setzt an dieser Stelle an und zielt darauf ab, die demokratische Öffentlichkeit der Weimarer Republik zu analysieren. Anhand der Konferenz von Locarno, die im Jahr 1925 also einer Zeit, in der die Republik enorm um internationales Ansehen rang, stattfand, wird die demokratische Öffentlichkeit unter Zuhilfenahme zweier Zeitungen untersucht. Exemplarisch werden zwei publizierte Zeitungsartikel aus zwei der bedeutendsten Zeitungen jener Zeit – Deutsche Allgemeine Zeitung und Die Weltbühne – herangezogen, um der konkreten Frage nachzugehen: Wie gestaltete sich die demokratische Öffentlichkeit der Weimarer Republik und inwiefern versuchten Zeitungen auf die öffentliche Meinungsbildung Einfluss zu nehmen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext
2.1 Die Konferenz von Locarno
2.2 Demokratische Öffentlichkeit in der Weimarer Republik
2.3 Begründung der Literaturauswahl
2.4 Deutsche Allgemeine Zeitung
2.5 Die Weltbühne
3. DAZ und Weltbühne – zwei Zeitungsartikel im Spiegel der demokratischen Öffentlichkeit
3.1 Paul Lensch
3.2 Paul Lensch: Warnung
3.3 Jules Sauerwein
3.4 Jules Sauerwein: Locarno
3.5 Gegenüberstellung der Zeitungsartikel
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die demokratische Öffentlichkeit der Weimarer Republik am Beispiel der Berichterstattung über die Konferenz von Locarno (1925). Ziel ist es, mittels einer komparativen Untersuchung zweier gegensätzlicher Zeitungsartikel aufzuzeigen, wie unterschiedliche publizistische Medien Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung zu nehmen versuchten.
- Gestaltung und Bedeutung der demokratischen Öffentlichkeit in der Weimarer Republik
- Historische Einordnung und Analyse der Konferenz von Locarno
- Mediale Einflussnahme durch die Parteipresse und politische Zeitschriften
- Vergleichende Analyse der Deutschen Allgemeinen Zeitung und der Weltbühne
- Politische Instrumentalisierung historischer Ereignisse zur Meinungsbildung
Auszug aus dem Buch
Paul Lensch: Warnung
Fünf Tage nach dem Abschluss der Konferenz von Locarno, am 21. Oktober 1925, veröffentlichte die DAZ den Leitartikel Warnung ihres Chefredakteurs Paul Lensch. Darin beschäftigt er sich mit der Interpretation der in Locarno geschlossenen Verträge aus einer nationalistischen und antieuropäischen Sicht. Der Titel seines Artikels ist nicht zufällig gewählt. So vermittelt er den Eindruck, dass Lensch das deutsche Volk mahnen möchte – es soll den Locarno-Verträgen nicht mit allzu großem Vertrauen entgegenblicken.
Lensch deutet die jeweiligen Schiedsverträge, die Deutschland mit Polen und der Tschechoslowakei nicht als ein Schutzbündnis, sondern als ein Abkommen „militärischer Art gegen einen Bundesbruder“ (Lensch 1925: 1). Lensch hat kein Verständnis dafür, dass Nationen derartige Verträge innerhalb des Völkerbundes, einem „sogenannten Friedensbunde“ (Lensch: 1925: 1), schließen – gerade im Hinblick darauf, dass Deutschland dem Völkerbund alsbald beitreten soll. Er verurteilt jene Schiedsverträge weiterhin mit der Begründung, „daß ein so völlig wehrlos gemachter Staat wie Deutschland eines Tages über die große Militärmacht Polen herfallen sollte“ (Lensch 1925: 1) völlig absurd sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Interesse an der demokratischen Öffentlichkeit der Weimarer Republik vor und begründet die methodische Herangehensweise, mittels der Zeitungsartikel zu Locarno die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung zu untersuchen.
2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die Rahmenbedingungen der Konferenz von Locarno und die Bedeutung des Zeitungswesens als zentrales Massenmedium zur politischen Meinungsbildung, ergänzt durch die Vorstellung der untersuchten Zeitungen.
3. DAZ und Weltbühne – zwei Zeitungsartikel im Spiegel der demokratischen Öffentlichkeit: Der Hauptteil analysiert die Autoren Paul Lensch und Jules Sauerwein sowie deren spezifische Artikel zur Locarno-Konferenz und führt eine Gegenüberstellung der gegensätzlichen Deutungsmuster durch.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Rolle der Parteipresse als Instrument der politischen Einflussnahme und ordnet die Ergebnisse der Analyse in das politische Gesamtbild der Weimarer Republik ein.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Konferenz von Locarno, Deutsche Allgemeine Zeitung, Die Weltbühne, Demokratische Öffentlichkeit, Meinungsbildung, Paul Lensch, Jules Sauerwein, Parteipresse, Nationalismus, Außenpolitik, Zeitungsgeschichte, Medienanalyse, Politische Kultur, Völkerbund
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Struktur der demokratischen Öffentlichkeit in der Weimarer Republik und wie verschiedene Medien diese zur Meinungsbildung nutzten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konferenz von Locarno von 1925 sowie die politische Rolle und Ausrichtung der Zeitungen Deutsche Allgemeine Zeitung und Die Weltbühne.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zeitungen durch die Berichterstattung über internationale Verträge aktiv versuchten, die öffentliche Meinung ihrer Leserschaft in eine bestimmte politische Richtung zu lenken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Kontextualisierung und einer vergleichenden Inhaltsanalyse zweier exemplarischer Zeitungsartikel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil stellt die Autoren Paul Lensch und Jules Sauerwein vor, analysiert deren Berichte über Locarno und vergleicht die dabei angewandten unterschiedlichen Deutungsmuster.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den prägenden Begriffen gehören Weimarer Republik, Demokratische Öffentlichkeit, Parteipresse, Locarno-Verträge und mediale Einflussnahme.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung der DAZ von der Weltbühne?
Die Deutsche Allgemeine Zeitung bewertet die Locarno-Verträge aus einer nationalistischen, pessimistischen Perspektive, während die Weltbühne eine proeuropäische und optimistische Deutung vertritt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Bedeutung des Zeitungswesens?
Der Autor schlussfolgert, dass das Zeitungswesen das wichtigste Massenmedium der Epoche war und die Parteipresse einen maßgeblichen, oft parteiisch gesteuerten Einfluss auf die demokratische Willensbildung ausübte.
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- Andreas Bocek (Author), 2014, Die Konferenz von Locarno im Spiegel der demokratischen Öffentlichkeit der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300383