Heldenwechsel. Vom "Stoßarbeiter" zum "mittleren Helden"

Zum Zusammenhang von Wirtschaft, Politik und Kunst


Fachbuch, 2015
121 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Wirtschaft, Politik, Kunst und Arbeitshelden

2. DDR: Periodisierung und Trendbruchperiode
2.1. Periodisierung: Theorie und Empirie
2.2. Trendbruchperiode: Forschungsdefizite und Forschungshypothesen

3. Arbeitshelden: Mythologische und sowjetische Arbeitshelden
3.1. Mythologischer Heros der Arbeit: Herakles – Figur, Facetten und Funktionen
3.1.1. Figur: Herakles - Taten und Wirkungsgeschichte
3.1.2. Facetten: Herakles als Revolutions-, Arbeits- , Zivilisations- und Kulturheros
3.1.3. Funktionen: Herakles als Vermittlungs- und Identifikationsfigur
3.2. Sowjetische Heroen der Arbeit: Alexej Stachanow und die Winogradovas
3.2.1. Alexej Stachanow
3.2.2. Die Winogradovas

4. DDR-Arbeitshelden der ersten und zweiten Periode
4.1. DDR-Arbeitshelden der ersten Periode: Die preußischen „Stoßarbeiter“
4.1.1. Adolf Hennecke und Frida Hockauf
4.1.2. Hans Garbe und der Garbe-Stoff
4.1.3. Bearbeitungen des Garbe-Stoffes: Frühe, mittlere und späte Varianten
4.2. DDR-Arbeitshelden der zweiten Periode: Peter Hacks‘ „mittlere Helden“ 69
4.2.1. „Eröffnung des indischen Zeitalters“ (1954): Columbus
4.2.2. „Moritz Tassow“ (1961): Mattukat
4.2.3. „Prexaspes“ (1968): Darios
4.2.4. „Omphale“ (1969): Herakles
4.2.5. „Numa“ (1970/71): Quirini, Lucia und Numa
4.2.6. „Die Binsen“ (1981): Justine

5. Heldenwechsel: Vergleich und Agenda

6. Danksagung

7. Literatur

1. Einleitung: Wirtschaft, Politik, Kunst und Arbeitshelden

Ein allseits bekanntes und immer wieder diskutiertes Grundcharakteristikum moderner Gesellschaften besteht darin, dass die Bereiche Wirtschaft, Politik und Kunst eine strukturelle und funktionale Teilautonomie besitzen[1]. Dabei stehen drei Fragen im Mittelpunkt der Debatte: Erstens, wie weit reicht die Teilautonomie eines jeden Bereiches? Zweitens, hat einer dieser drei Bereiche den Primat? Und drittens, wie wechselwirken diese strukturell und funktional teilautonomen Bereiche miteinander? Die zur Diskussion stehenden Antworten auf diese drei Fragen sind kontrovers und alles andere als trivial[2].

Was die Wechselwirkung von Wirtschaft und Kunst betrifft, so geben hier die Arbeiten von Hutter einen ebenso breiten wie differenzierten Einblick in die Thematik. Man denke nur an seine Aufsatzsammlung „Wertwechselstrom“[3] oder an Artikel wie „Structural Coupling between Social Systems“[4] und „Visual Credit“[5]. Darüber hinaus untersucht Hutter in einem noch laufenden Projekt an Hand historischer Fallstudien unterschiedliche Varianten der Ko-evolution zwischen Wirtschaft und Kunst[6].

Bei der Frage nach der Ko-evolution von Wirtschaft und Kunst und der allgemeineren Frage nach der Ko-evolution von Wirtschaft, Politik und Kunst, ist, soweit zu sehen, bislang eine Vermittlungsfigur nur unzureichend und einseitig analysiert worden, und zwar die Figur des Arbeitshelden. Dies erstaunt aus mehreren Gründen. Zum einen steht diese Figur seit der Antike im Zentrum der großen abendländischen Erzählungen[7]. Zum anderen gibt es zwischen den teilautonomen Bereichen Wirtschaft, Politik und Kunst wohl kaum eine passendere Vermittlungsfigur als den Arbeitshelden[8]. Und schließlich hat der Sozialismus den Arbeitshelden als Vermittlungsfigur zwischen Wirtschaft, Politik und Kunst geradezu unübersehbar und sinnfällig gemacht[9].

Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die zentrale Rolle der Arbeitshelden in der Ko-evolution von Wirtschaft, Politik und Kunst exemplarisch herauszuarbeiten und zu plausibilisieren. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese Vermittlungsfigur nicht fix und unveränderlich ist, sondern dass sie sich in diesem trilateralen Ko-evolutionsprozess wandelt, so wie sich auch die teilautonomen Bereiche Wirtschaft, Politik und Kunst und deren Wechselwirkungsgefüge wandeln.

Als Vermittlungsfigur besitzen Arbeitshelden eine Doppelfunktion, nämlich eine Indikator- und eine Impulsfunktion. Eine Indikatorfunktion insofern, als in einer Veränderung der Arbeitshelden zugleich eine Veränderung des Ko-evolutionsprozesses aufscheint. Eine Impulsfunktion insofern, als eine Veränderung der Arbeitshelden auch eine Veränderung des Ko-evolutionsprozesses zwischen Wirtschaft, Politik und Kunst stimulieren kann. So gesehen ist die Vermittlungsfigur des Arbeitshelden sowohl Wirkung (Indikatorfunktion) als auch Ursache (Impulsfunktion) eines Wandels des trilateralen Ko-evolutionsprozesses.

Empirisch wird die Doppelfunktion des Arbeitshelden in der vorliegenden Studie am Beispiel des Heldenwechsels vom „Stoßarbeiter“ zum „mittleren Helden“ in der DDR analysiert. Damit baut die Untersuchung zwar auf den Helden-Analysen von Satjukow und Gries[10] auf, will aber zugleich deren konzeptionellen Engführungen aufzeigen und überwinden helfen. Eine dieser Engführungen besteht darin, die DDR-Arbeitshelden mehr oder weniger als bloße Propagandafiguren vorzustellen und deren skizzierte Vermittlungs- und Doppelfunktion zu übersehen.

Vom Wandel des trilateralen Ko-evolutionsprozesses und seiner drei teilautonomen Bereiche zu sprechen, wirft eine Vielzahl von theoretischen, empirischen und methodischen Problemen auf. Ein Grundproblem ist das der Periodisierung. Die Rede vom Wandel impliziert, dass es in der Entwicklung der drei teilautonomen Bereiche und in der Entwicklung ihres Ko-evolutionsprozesses verschiedene Perioden gibt, die sich voneinander unterscheiden lassen. Das Periodisierungsproblem ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint, denn obgleich gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Periodisierungen seit Jahrhunderten, um nicht zu sagen seit Jahrtausenden zum Kernbestand der Geschichtsschreibung gehören und permanent in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit Periodisierungen gearbeitet wird, sind grundlegende Facetten dieses Problems nach wie vor strittig.

Es stellen sich nämlich nicht nur Fragen, wie „Worin bestehen die Kriterien für Periodisierungen und gibt es überhaupt allgemein verbindliche?“[11], „Was nutzen Periodisierungen, insbesondere formale Periodisierungen?“[12] oder „Gibt es zuverlässige Periodisierungsstrategien, auf die man sich stützen kann?“[13], sondern es gibt ein Kernproblem, das jedweder Periodisierung zu Grunde liegt und das sich vielleicht am besten als Beliebigkeitsproblem bezeichnen ließe.

Dieses Problem hat Borchard einmal in einem Essay zur Periodisierung der deutschen Nachkriegsgeschichte sehr pointiert formuliert. Der Essay trägt den Titel „Zäsuren in der wirtschaftlichen Entwicklung. Zwei, drei oder vier Perioden?“ und der Autor schreibt: „Vermutlich wird man es frivol finden, wenn ich frage: ‘Wie viele Perioden hätten Sie denn gerne? Zwei, drei oder vier?‘ Aber es liegt in der Natur der Sache, daß für jede Antwort gute Gründe geliefert werden können. Und so finden sich denn auch in der Literatur zur deutschen Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit recht verschiedene zeitliche Gliederungen“[14].

2. DDR: Periodisierung und Trendbruchperiode

Dieses von Borchard aufgeworfene Beliebigkeitsproblem gilt auch und gerade für die Geschichte der DDR, insbesondere für ihre Wirtschaftsgeschichte. Das Spektrum der Periodisierungsvorschläge ist ausgesprochen breit. Neben expliziten Periodisierungsvorschlägen, die aus unterschiedlichen und zum Teil gegensätzlichen konzeptionellen Perspektiven und empirischen Quellen entwickelt werden, gibt es eine Vielzahl impliziter Periodisierungen, derer sich DDR-Erforscher bedienen, um eine zeitliche Ordnung in die Geschichte ihres Untersuchungsgegenstandes zu bringen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit kristallisieren sich aus diesem breiten Periodisierungsspektrum mindestens sechs große diskursive Ordnungen heraus, und zwar kalendarische, marxistisch-leninistische, wirtschaftliche, parteipolitische, staatliche und relationale Ordnungen. Innerhalb dieser Ordnungen gibt es verschiedene Untergruppen und zwischen diesen mehr oder weniger idealtypischen Ordnungen existieren wiederum diverse Kombinationen[15].

Der Beliebigkeit scheinen also in der Tat Tür und Tor geöffnet. Ganz so aussichtslos jedoch, wie es zunächst den Anschein hat, ist das Periodisierungsanliegen nicht. Einen möglichen Ansatz liefert eine Disziplin, die in den traditionellen Geistes- und Sozialwissenschaften eher weniger bekannt sein dürfte, nämlich die Kliometrie. Ich werde im Folgenden in sehr geraffter Form die Methode und Hauptergebnisse einer kliometrischen Periodisierungsanalyse der DDR-Wirtschaft referieren (Kapitel 2.1.) und dann ausgehend davon eine besondere wirtschaftsgeschichtliche Trendbruchperiode und die damit zusammenhängenden Forschungsdefizite und Forschungsfragen skizzieren (Kapitel 2.2.).

2.1. Periodisierung: Theorie und Empirie

Die kliometrische Periodisierungsanalyse der DDR-Wirtschaft, von der hier die Rede ist, erfolgt in zwei Schritten. In einem ersten, theoretischen Schritt wird ein allgemeines Periodisierungstool entworfen, das dann in einem zweiten empirischen Schritt auf unterschiedliche volkswirtschaftliche Langzeitreihen angewandt wird.

Theorie

Dem kliometrischen Periodisierungstool, auf das sich die vorliegende Arbeit stützt, liegt zunächst eine ganz einfache, um nicht zu sagen simple Frage zugrunde. Sie lautet: Ist es möglich, aus der Entwicklungsdynamik von Prozessindikatoren charakteristische Entwicklungsperioden des Prozesses herauszufiltern, den diese Indikatoren beschreiben. Eine zweite, darauf aufbauende und schon nicht mehr ganz so simple Frage lautet: Ist es möglich, diese charakteristischen Entwicklungsperioden so herauszufiltern, dass sie weitgehend indikator- und filterinvariant sind. Das heißt: Gibt es ein Verfahren, das möglichst unabhängig von den ausgewählten Indikatoren und Filtern ist, so dass die Periodisierungsergebnisse wenig und im Idealfall gar nicht indikator- beziehungsweise filterbedingt sind. Der Sinn dieser Frage liegt auf der Hand. Periodisierungen, die beispielsweise hauptsächlich oder gar ausschließlich von dem gewählten Filter abhängen und sich von Filter zu Filter signifikant verändern, nutzen nichts, sondern führen in die Irre. Sie öffnen der oben von Borchardt erwähnten Beliebigkeit („Wie viele Perioden hätten Sie denn gerne?“) Tür und Tor.

Komprimiert zusammengefasst sind zwölf Schritte notwendig, um aus der Entwicklungsdynamik bestimmter Prozessindikatoren charakteristische, indikator- und filterinvariante Entwicklungsperioden dieses Prozesses herauszufiltern[16]. Diese zwölf Schritte sind in der folgenden Abbildung 1[17] zusammengestellt.

Den Ausgangspunkt des gesamten Verfahrens bilden die Auswahl der Indikatoren (Schritt 1) und das Auffinden entsprechender Langzeitreihen (Schritt 2) für diese Indikatoren. Dabei handelt es sich um einen iterativen Prozess, der in aller Regel mehrmals durchlaufen werden muss. Die besten Prozessindikatoren nutzen nichts, wenn dazu keine Langzeitreihen existieren, die sich weiter bearbeiten lassen und umgekehrt. Über die Güte der Periodisierungsergebnisse wird in diesen ersten beiden Schritten entschieden. Die folgenden mathematischen Algorithmen (Schritte 3-10) können unzureichendes oder unpassendes Datenmaterial inhaltlich nicht verbessern.

Gleiches gilt für die Schritte 11 und 12. Die Ergebnisse der in den Schritten 3-10 vollzogenen Berechnungen können nicht einfach gedankenlos übernommen werden, sondern bedürfen zunächst einer kritischen Diskussion (Schritt 11) und dann einer darauf aufbauenden Hypothesenbildung (Schritt 12), die auf die Erforschung der Ursachen für die vorliegenden Periodisierungsresultate gerichtet ist. Beides, die Diskussion und die Hypothesenbildung, sind nicht verzichtbar.

Dieses kliometrische Tool lässt sich nun auf Langzeitreihen der DDR-Wirtschaft anwenden.

Empirie

Wenn hier von Langzeitreihen die Rede ist, dann sind damit Datenreihen gemeint, die die jährliche Entwicklung volkswirtschaftlicher Kennziffern der DDR beginnend von ihrer Gründung 1949 bis zu ihrer Selbstaufgabe 1990 erfassen. Das bedeutet in aller Regel Langzeitreihen, die von 1950 bis 1989 reichen. Zeitreihen, die nur Teile dieses Intervalls erfassen, werden hier ausgeklammert[18].

Bei der Sichtung der Untersuchungen zur DDR-Wirtschaftsgeschichte kristallisieren sich sechs Gruppen von Langzeitreihen heraus, die diese Kriterien erfüllen, und zwar die „Jahrbuch“-Reihen, die „Steiner“-Reihen, die „Merkel/Wahl“-Reihen, die „Sleifer“-Reihen, die „van Ark“-Reihen und die „Heske“-Reihen.

Bei den „Jahrbuch“-Reihen handelt es sich um die von der „Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik“ beziehungsweise ihrem kurzzeitigen Nachfolger, dem „Amt für Statistik der DDR“, herausgegebenen Statistischen Jahrbücher und Statistischen Taschenbücher. Dabei haben diese Jahrbuchreihen im Laufe ihrer Entwicklung verschiedene inhaltliche und methodische Umbrüche erfahren. Einer dieser Umbrüche ist das 1990 vom Statistischen Amt herausgegebene „Statistische Jahrbuch 90 der Deutschen Demokratischen Republik“, in dem Langzeitreihen seiner Vorgänger einer Revision unterzogen werden[19].

Die „Steiner“-Reihen sind die Langzeitreihen im Band „SBZ/DDR“ der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegebenen „Übersichten zur Sozialpolitik in Deutschland seit 1945“[20]. Dieser Band wurde wesentlich von Steiner erarbeitet, der sich auch in anderen Arbeiten intensiv mit der Wirtschaftsgeschichte der DDR auseinandergesetzt hat[21].

Bei den „Merkel/Wahl“-Reihen handelt es sich um die von beiden Autorinnen in ihrer Arbeit „Das geplünderte Deutschland. Die wirtschaftliche Entwicklung im östlichen Teil Deutschlands von 1949-1989“ berechneten Langzeitreihen[22].

Die „Sleifer“-Reihen bezeichnen die vom Autor in seiner Arbeit „Planning Ahead and Falling Behind. The East German Economy in Comparison with West Germany 1936-2002“[23] vorgestellten Langzeitreihen. Im Unterschied zu den drei zuvor erwähnten Reihen, die sich alle in dieser oder jener Form auf die „Jahrbuch“-Reihen stützen und deren Daten übernehmen oder mit unterschiedlichen Methodiken transformieren, geht Sleifer einen völlig anderen Weg, indem er de facto auf die Erzeugnisreihenmethode zurückgreift, die nicht auf Preis-, sondern auf Naturalgrößen basiert.

Die „van Ark“-Reihen sind die vom Autor in seinem Artikel „The Manufactoring Sector in East Germany: A Reassessment of Comparative Productivity Performance 1950-1988“[24] berechneten Langzeitreihen. Ähnlich wie Sleifer stützt sich van Ark bei seinen Berechnungen nicht auf Preis-, sondern auf Naturalgrößen. Sein von ihm als „Adjusted Factor Cost Method“ bezeichnetes Verfahren ist primär an Produktionsmengenziffern orientiert.

Bei den „Heske“-Reihen handelt es sich um Langzeitreihen, die der Autor vor allem in zwei Publikationen vorgestellt hat, und zwar „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung DDR 1950-1989. Daten, Methoden, Vergleiche“[25] und „Wertschöpfung, Erwerbstätigkeit und Investitionen in der Industrie Ostdeutschlands 1950-2000: Daten, Methoden Vergleiche“[26]. Ausgangsbasis für die Heske-Reihen sind die Hefte 33 und 34 der Sonderreihe des Statistischen Bundesamtes[27]. Auf dieser Grundlage und weiteren eigenen Arbeiten berechnet Heske seine Langzeitreihen.

Wendet man nun das zuvor skizzierte kliometrische Tool auf diese sechs Gruppen von Langzeitreihen an, dann ergibt sich aus der Periodisierungsanalyse kurz zusammengefasst folgendes Resultat[28]: Die DDR-Wirtschaftsgeschichte weist an Hand unterschiedlicher volkswirtschaftlicher Indikatoren und statistischer Daten im Zeitraum von 1950-1989 drei große Perioden auf, und zwar

1. Periode: 1950 – 1963/1964
2. Periode: 1963/1964 – 1972/1973
3. Periode: 1972/1973 – 1989

Dabei handelt es sich bei der 2. Periode um eine Trendbruch-Periode. Diese Periode besitzt eine deutlich andere Wachstumsdynamik als die 1. und 3. Periode. Berücksichtigt man nun ferner nicht nur die statistischen Daten, sondern bezieht in die Periodisierung auch die Sphäre der Wirtschaftspolitik mit ein, was für sozialistische Wirtschaften unerlässlich ist, dann liegt es auf der Hand, dass sich Veränderungen in dieser Sphäre nicht von einem Tag auf den anderen in veränderten Kennziffern niederschlagen. Für die Trendumkehr von der 1. zur 2. Periode und von der 2. zur 3. Periode müssen als ungefährer Schätzwert jeweils mindestens zwei bis drei Jahre wirtschaftspolitische „Vorlaufzeit“ veranschlagt werden. Damit würden sich folgende Perioden ergeben:

1. Periode: 1950 - 1961
2. Periode: 1961 - 1971
3. Periode: 1971 - 1989

Selbstredend handelt es sich dabei um ungefähre Werte. Die Häufigkeitsverteilung in den Wendepunktmatrizen[29] zeigt, dass es sich nicht um plötzliche, „ruckartige“, sondern um gleitende, prozessartige Übergänge von der 1. zur 2. sowie von der 2. zur 3. Periode handelt. Diese Übergänge vollziehen sich jeweils über mehrere Jahre.

Detaillierte Tests und Vergleichsrechnungen mit der Bundesrepublik zeigen, dass die Periodisierungsergebnisse sowohl filter- als auch indikatorinvariant sind[30].

Exemplarisch veranschaulicht die folgende Abbildung 2, in der die Entwicklung der jährlichen Veränderungsrate des DDR-Bruttoprodukts auf der Basis der „Merkel/Wahl-Reihen“ dargestellt ist[31], die drei Perioden der DDR-Wirtschaftsentwicklung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der geglätteten jährlichen Veränderungsrate des DDR-Bruttoproduktes und Wirtschaftsperioden

Die 1. und 3. Periode zeigen deutlich das tendenzielle Sinken der geglätteten Wachstumsraten. In der 2. Periode wird diese Tendenz gestoppt und sogar umgekehrt – die Wachstumsraten steigen leicht an. Der Anstieg in der zweiten Hälfte der 80er Jahre bedarf einer gesonderten Untersuchung[32], die nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, die auf den Übergang von der 1. zur 2. Periode und den damit verbundenen Wechsel der Figur der Arbeitshelden fokussiert ist. Um diesen Wechsel besser zu verstehen, ist es notwendig, die Spezifik der Trendbruchperiode wenigstens grob zu umreißen.

2.2. Trendbruchperiode: Forschungsdefizite und Forschungshypothesen

Die zuvor skizzierten Untersuchungsergebnisse bilden den Ausgangspunkt für Periodisierungsanalysen, nicht den Endpunkt. Die mit Hilfe des kliometrischen Tools aus statistischen Langzeitreihen ermittelten Perioden sind zunächst formaler Natur und bieten nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die Chance einer soliden Hypothesenbildung. In dem hier untersuchten Fall der DDR-Wirtschaft steht dabei natürlich die Frage im Mittelpunkt, wie es zum Übergang von der 1. zur 2. und von der 2. zur 3. Periode kam. Sind diese Übergänge rein zufällig oder lassen sich dafür konkrete Ursachen benennen? Und: liegen diese Ursachen möglicherweise in exakt bestimmbaren gesellschafts- und speziell wirtschaftspolitischen Prozessen, und wenn ja, in welchen genau?

Um diese Frage zu beantworten werden im Folgenden zunächst einige Forschungsdefizite aufgezeigt. Ausgehend davon werden dann Forschungshypothesen formuliert, deren Prüfung dazu beitragen kann, diese Defizite zu beseitigen und die zugleich darauf fokussiert sind, die Entstehung, den Verlauf und das Ende der Trendbruchperiode zu erklären.

Forschungsdefizite

Im Falle der DDR stößt die Bildung von Periodisierungshypothesen im Allgemeinen und von Hypothesen zur Trendbruchperiode im Besonderen zunächst auf ein bemerkenswertes Phä-nomen. Im Verhältnis zur 1. und 3. Periode wird nämlich der Trendbruchperiode (2. Periode) im akademischen Wissenschaftsbetrieb, und zwar sowohl in der Forschung als auch in der Lehre, deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Dies wird sehr anschaulich in einer wissenschaftspolitischen Untersuchung von Hüttmann und Pasternack deutlich, in der die Aufmerksamkeitsverteilung für unterschiedliche Phasen der DDR-Geschichte in Forschung und Lehre an deutschen Universitäten im Zeitraum von 1990-2002 analysiert wurde. Die Ergebnisse dieser Untersuchung, in der insgesamt 1.200 Forschungsprojekte sowie die akademische Lehre zur DDR ausgewertet wurden, haben die Autoren in der folgenden Abbildung 3 komprimiert zusammengefasst[33]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aufmerksamkeitsverteilung für die Phasen der DDR-Geschichte in Forschung und Lehre an deutschen Universitäten 1990-2002

Ausgerechnet die Periode, die eigentlich wissenschaftlich hoch interessant ist, weil sich in ihr nicht nur eine andere, sondern eine geradezu gegensätzliche volkswirtschaftliche Wachstumsdynamik entfaltet als die, die für die DDR und auch für viele andere sozialistischen Länder typisch war, wird vergleichsweise wenig erforscht. Dabei spricht vieles dafür, dass gerade ein Vergleich dieser drei Perioden die Korrektur vereinfachender und schematisierender Sozialismusvorstellungen ermöglichen und befördern würde.

Trotz dieses eigentümlichen Forschungsdefizits gibt es ausreichend viele publizistische Darstellungen und wissenschaftliche Untersuchungen[34], die die Bildung plausibler Hypothesen zur Entstehung, zum Verlauf und zum schließlichen Ende der Trendbruchperiode ermöglichen[35].

Im Hinblick auf den Beginn der Trendbruchperiode liegt eine Hypothese sofort auf der Hand, die ebenso grundlegend wie simpel ist: Am 13. August 1961 wurde die Mauer gebaut und dies hatte auch erhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen. So wichtig dieses Ereignis aber auch ist, so wäre es zu kurz gegriffen, die Ursachen für den Übergang von der 1. zur 2. Periode und die veränderte Wachstumsdynamik der Trendbruchperiode ausschließlich dem Mauerbau zuzurechnen. Der Bau der Mauer war Teil eines breiteren und tiefergehenden gesellschaftlichen Prozesses.

Bei diesem Prozess handelte es sich um eine „systemische Revolution von oben“. Mit diesem Begriff sind vier Charakteristika dieses Prozesses benannt. Erstens sein Ausgangspunkt: Dieser Prozess war eine „Revolution von oben“[36]. Zweitens sein Ziel: Diese Revolution von oben war darauf gerichtet, nicht nur diesen oder jenen Teil, sondern das gesamte Gesellschaftssystem umzugestalten. Insofern handelte es sich um eine „systemische Revolution“[37]. Drittens der Weg: Der Begriff „systemisch“ verweist darauf, wie diese grundlegenden Veränderungen erreicht werden sollten. Dieser Weg bestand darin, den gesellschaftlichen Teilsystemen wie Wirtschaft, Recht, Wissenschaft, Politik, Bildung, Medien etc. eine Teilautonomie einzuräumen und ihre jeweilige teilsystemische Eigenlogik zu entfalten[38]. Viertens der Diskurs, der sich um diese „Revolution von oben“ rangte[39]: Die Trendbruchperiode wurde später von vielen Menschen als „Systemzeit“ bezeichnet und erinnert.

Ausgehend von dieser knappen Charakteristik lassen sich folgende sieben Hypothesen formulieren, die einer detaillierten Prüfung bedürfen:

1. Hypothese: Die „systemische Revolution von oben“ war eine Revolution von ganz oben, die von Walter Ulbricht persönlich initiiert und geführt wurde[40]. Dabei stützte er sich auf einen vergleichsweise kleinen Stab von jungen Mitarbeitern und wissenschaftlich-technischen Experten[41], die nicht dem Partei- oder Staatsapparat entstammten und diesem auch nicht unterstanden.
2. Hypothese: Die „systemische Revolution von oben“ wurde Ende der 50er Jahre konzipiert und seit Beginn der 60er Jahre schrittweise durch ein breites Spektrum von Initiativen in Gang gesetzt. Hierzu gehörten beispielsweise die Gründung des Staatsrates (1960), ein neues Parteiprogramm (1963), eine neue Verfassung (1968), ein neues Arbeitsgesetzbuch (1961), das Jugend Kommuniqué (1963), das „Neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“/NÖS (1963)[42], die Bitterfelder Konferenzen (1959/1964), die 3. Hochschulreform (1967-1972)[43], die Förderung der Kybernetik und Systemtheorie[44], die Gründung neuer wissenschaftlicher Disziplinen, wie die Organisationswissenschaften[45], die Bildung neuer Kombinate (1965/66)[46], ein neuer Typ von Fernsehsendungen und Fernsehfilmen[47], um hier nur einige dieser Initiativen zu nennen.
3. Hypothese: Die „systemische Revolution von oben“ wurde zunehmend durch eine „frondistische Konterrevolution bekämpft[48]. Der Begriff „frondistisch“ meint hier eine Negativkoalition, in der sich Akteure und Gruppierungen zusammenfinden, die sich eigentlich feindlich gegenüberstehen und die nichts weiter eint als das Bestreben, einen gemeinsamen Gegner zu vernichten. In der neueren soziologischen, speziell netzwerksoziologischen Forschung wird eine solche frondistische Struktur auch unter dem Begriff „negative ties“ diskutiert[49].
4. Hypothese: Die „frondistische Konterrevolution“ schloss ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen zusammen, angefangen von den Apparaten, insbesondere dem Parteiapparat, über Teile des gering qualifizierten Proletariats und Lumpenproletariats bis hin zu Wissenschaftlern, Experten und Leitungskadern, die durch den neuen Kurs ihre bisherige gesellschaftliche Stellung gefährdet sahen. Führungsfigur und Hauptorganisator dieser „frondistischen Konterrevolution“ war Erich Honecker[50].
5. Hypothese: Ihren ersten großen Sieg erzielte die „frondistische Konterrevolution“ Ende 1965 auf dem 11. Plenum des ZK der SED, das auch als „Kahlschlagplenum“ in die Geschichte einging. Auf diesem Plenum, das ursprünglich als Wirtschaftsplenum zur beschleunigten Durchsetzung des NÖS geplant war, wurde die „systemische Revolution von oben“ durch Honeckers Fronde exemplarisch auf dem kulturpolitischen Feld in einer schauprozessartigen Inszenierung zum Tode verurteilt[51]. Auf der Anklagebank saßen vor allem die neuen sozialistischen Film-Helden, insbesondere die neuen Arbeitshelden, wie etwa Karla Blum („Karla“ 1965), Hannes Balla („Spur der Steine“ 1965), Peter Naumann („Denk bloß nicht, ich heule“, 1965) oder Olaf und Hannes („Berlin um die Ecke“ 1965).
6. Hypothese: In der zweiten Hälfte der 60er Jahre gelang es der „frondistischen Konterrevolution“ nicht nur, zunehmend die „systemische Revolution von oben“ auf immer mehr gesellschaftlichen Handlungsfeldern zu blockieren, sondern es gelang ihr auch, sich die anfängliche Duldung und spätere aktive Unterstützung der sowjetischen Führung zu organisieren und zu sichern[52]. Ende 1970 war Ulbrichts systemische Reform endgültig gescheitert und er selbst ins politische Abseits manövriert worden. Mit dem VIII. Parteitag der SED 1971 wurde der Sieg der Fronde offiziell besiegelt und mit der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ programmatisch kodifiziert.
7. Hypothese: Der Übergang von der 1. zur 2. Periode sowie die Wachstumsdynamik der Trendbruchperiode wurden durch Ulbrichts „systemische Revolution von oben“ und den Mauerbau, der ein wesentlicher Teil dieser Revolution war, ausgelöst. Der Übergang von der 2. zur 3. Periode, die Wachstumsprobleme der 3. Periode sowie die Selbstauflösung der DDR sind wesentlich auf die frondistische Politik Honeckers zurückzuführen. Diese Politik war vorrangig gegen die wissenschaftlich-technische Intelligenz sowie das qualifizierte Proletariat gerichtet und basierte auf der Bildung wechselnder und immer größerer Negativkoalitionen, die schließlich das Gemeinwesen immer mehr erodieren ließen.

Selbstredend sind diese sieben Hypothesen erweiterbar und differenzierbar. Und sie bedürfen einer Verifikation oder Falsifikation und gegebenenfalls einer Modifikation, was allerdings im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht geleistet werden kann, sondern gesonderten Analysen vorbehalten bleibt.

Die vorliegende Untersuchung versteht sich als ein kleiner Beitrag zur Prüfung dieser Hypothesen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Wechsel der Arbeitshelden von der 1. zur 2. Periode. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, dass die in der 5. Hypothese skizzierte Fokussierung des 11. Plenums eine Art „Nebenkriegsschauplatz“ des Kampfes zwischen der systemischen Revolution von oben und der frondistischen Konterrevolution war. Man könnte meinen, dass es die Frondeure zunächst aus taktischen Gründen vorzogen, einen Rand- und Überbaubereich, nämlich die Kunst, zu attackieren, statt gleich den Kern der systemischen Revolution, die Autonomisierung der Wirtschaft und der Politik, anzugreifen. Etwas flapsig formuliert: Es sieht so aus, dass Honecker und seine Frondeure den Sack schlugen, aber den Esel meinten.

Völlig falsch ist diese Annahme nicht, dennoch verstellt sie den Blick auf die strategische Dimension der frondistischen Attacke. Das politisch-ideologische Strafgericht über die neuen sozialistischen Film-Helden war wohl durchdacht. Die neuen Arbeitshelden sollten sowohl in ihrer Indikator- als auch in ihrer Impulsfunktion ausgeschaltet werden. Und da die Arbeitshelden keine Randfiguren sondern die zentralen Vermittlungsfiguren zwischen Wirtschaft, Kunst und Politik waren, zielte die frondistische Attacke gegen ein wichtiges Bindeglied der trilateralen Ko-evolution und Revolutionierung dieser drei Bereiche. Honeckers Fronde traf einen archimedischer Punkt der systemischen Revolution von oben.

Die folgenden Überlegungen sollen diese Annahme plausibilisieren. Den Ausgangspunkt dafür bildet zunächst eine kurze Charakterisierung jener Helden-Figuren, auf denen die DDR-Arbeitshelden aufbauten, und zwar die mythologischen und die sowjetischen Heroen der Arbeit.

3. Arbeitshelden: Mythologische und sowjetische Arbeitshelden

Um den Wechsel der DDR-Arbeitshelden von der ersten zur zweiten Periode sowie die Differenz zwischen der ästhetischen Struktur und der wirtschaftspolitischen Funktion dieser unterschiedlichen Heldenfiguren in den Blick zu bekommen, ist es unumgänglich, sich zunächst den Quellen der DDR-Arbeitshelden der ersten Periode zuzuwenden.

Die DDR-Arbeitshelden der ersten Periode sind weit mehr als bloße Produkte des SED-Agit/Prop-Apparats. Sie entstammen zwei großen historischen Heroen-Geschlechtern, und zwar den mythologischen und den sowjetischen Heroen der Arbeit. Diese beiden Heroen-Geschlechter und ihre Berührungspunkte sollen im Folgenden kurz skizziert werden, denn ohne diese beiden Quellen wären die DDR-Arbeitshelden sonst kaum, im Grunde genommen gar nicht verständlich.

3.1. Mythologischer Heros der Arbeit: Herakles – Figur, Facetten und Funktionen

Die griechische Mythologie und ihre Helden gehören nach wie vor zum kulturellen Grundbestand der westlichen Moderne. Erinnert sei hier nur an den Trojaner Äneas (Aeneas), dem bereits Vergil in seiner „Aeneis“[53] als Gründungsvater Roms ein literarisches Denkmal gesetzt hat, und an die Langzeitwirkung dieses Epos‘[54] oder an den Kriegshelden Achill (Achilleus), der bis in unsere Tage sehr kontrovers interpretiert wird, wie die Texte von Effe[55], Wolf[56] und See[57] sowie der Film von Petersen[58] sehr anschaulich zeigen. Worauf basiert diese anhaltende Faszination der archaischen Erzählungen und Helden?

Es ist das große Verdienst von Klaus Heinrich in seinen legendären „Dahlemer Vorlesungen“ auf diese Frage ebenso überzeugende wie differenzierte Antworten gegeben zu haben. Schlagwortartig verkürzt zeigt Heinrich in seinem Vorlesungszyklus, dass die griechische Mythologie keine Fantasiewelt fernab der Realität darstellt, sondern komprimierte Modelle der Realgeschichte liefert. Und dies mindestens in dreifacher Hinsicht, als Gattungsgeschichte, als Individualgeschichte und als aktuelle, gegenwärtige Geschichte. In den Vorlesungen und Schriften Heinrichs sind immer alle drei Dimensionen präsent, wenn auch jeweils in unterschiedlicher Gewichtung.

Allein „Tertium Datur. Eine religionsphilosophische Einführung in die Logik“ (Dahlemer Vorlesung 1)[59], „Arbeiten mit Ödipus. Begriff der Verdrängung in der Religionswissenschaft“ (Dahlemer Vorlesung 3)[60], „Vom Bündnis denken. Religionsphilosophie“ (Dahlemer Vorlesung 4)[61] oder „Der Gesellschaft ein Bewußtsein ihrer selbst geben“ (Reden und kleinere Schriften 2)[62] bilden ein theoretisches und methodologisches Reservoir, das bislang auch nicht ansatzweise an-, geschweige denn ausgeschöpft ist[63].

Dies gilt auch und gerade für die Helden-Figur des Herakles, dem Arbeitsheros par excellence. Bevor ich gestützt auf die 9. Dahlemer Vorlesung von Klaus Heinrich einige Facetten und Funktionen des Herakles-Mythos skizziere, möchte ich zuvor noch einmal stichpunktartig die Taten des Herakles und die Wirkungsgeschichte des Mythos in Erinnerung rufen.

3.1.1. Figur: Herakles - Taten und Wirkungsgeschichte

Der so genannte Dodekathlos umfasst die zwölf kanonisierten Taten des Herakles. Dies sind im Einzelnen[64]: Die Erlegung des Nemëischen Löwen, die Tötung der neunköpfigen Hydra, das Einfangen der Kerynitischen Hirschkuh, das Einfangen des Erymanthischen Ebers, das Ausmisten der Rinderställe des Augias, die Vertreibung der Stymphalischen Vögel, das Einfangen des Kretischen Stiers, die Zähmung der menschenfressenden Rosse des Diomedes, die Herbeischaffung des Wehrgehänges der Amazonenkönigin Hippolyte, der Raub der Rinderherde des Riesen Geryon, das Pflücken der goldenen Äpfel der Hesperiden und das Heraufbringen des Wachhundes der Unterwelt, Kerberos, an die Oberwelt.

Neben diesen kanonisierten Taten werden Herakles auch noch weitere Arbeiten zugeschrieben, so etwa, dass er der lydischen Königen Omphale drei Jahre als Sklave diente, Jason beim Zug der Argonauten unterstützte, den Tyrannen Syleus und die Kerkopen bestrafte, Prometheus befreite, mit dem Giganten Antaeus kämpfte, den feuerspeienden Cacus tötete oder dass er mit seinen Gefährten in Troja eindrang, König Laomedon und dessen gesamte Familie bis auf seine Tochter Hesione und seinen jüngsten Sohn Priamos auslöschte[65].

Das folgende Mosaikbild[66] (Abbildung 4) zeigt den Heros beim Ausmisten der Rinderställe des Augias:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Herakles beim Ausmisten der Rinderställe des Augias (Mosaik)

Herakles hat bereits in der Kunst und Literatur des antiken Griechenland als mythologische Gestalt eine zentrale Rolle gespielt[67]. Er und seine Taten gehörten schon für Homer, wenn es ihn denn gab, Hesiod oder Pindar nicht der aktuellen, sondern einer fernen Vor- und Frühgeschichte an und dürften damit in eine Zeit weit vor den sogenannten „dunklen Jahrhunderten“, also dem Zeitraum vom 12. bis 8. vorchristlichen Jahrhundert, zurückreichen[68]. Seit der Antike bis in unsere Tage wurde der Herakles-Mythos immer wieder neu bearbeitet, interpretiert und gedeutet[69]. Die Herakles-Mythologie prägte nicht nur das Christentum[70], auch Schiller[71] und Hegel[72] und über Letzteren auch Marx[73] und Lenin[74], sind davon beeinflusst.

Dabei gilt für meine, wie für jede andere Diskussion des Herakles-Mythos, ein grundlegender Hinweis, den Heinrich seinen Zuhörerinnen und Zuhörern in seiner zweiten Herakles-Vorlesung gab, und zwar, „dass Sie niemals den Schnitt machen können zwischen der Interpretation und der Instrumentalisierung der Figur des Heros“[75]. Wer behauptet, dies zu können, dessen Deutungen sind mit Vorsicht zu genießen, weil er „sich nicht nur verstrickt, sondern in den Dienst vertrackter und verhängnisvoller Instrumentalisierung tritt“[76].

3.1.2. Facetten: Herakles als Revolutions-, Arbeits- , Zivilisations- und Kulturheros

Wenn vom Heros Herakles die Rede ist, dann sind es vor allem vier Facetten dieses Heros, die den mythologischen Helden mit den frühen sowjetischen und den DDR-Heroen der Arbeit verbinden. Herakles ist zugleich Revolutionsheros, Arbeitsheros, Zivilisationsheros und Kulturheros. Diese vier Facetten des Heros sollen im Folgenden kurz umrissen werden.

Herakels ist ein Revolutionsheros, weil er und seine Taten in einer bestimmten Revolution angesiedelt sind und, vor allem, weil sie den Kern dieser Revolution zum Ausdruck bringen. Sie sind eine der großen Erzählungen über diese Revolution. Diese Revolution ist die so genannte neolithische oder jungsteinzeitliche Revolution, die auch als Neolithisierung bezeichnet wird. In diesem Neolithisierungsprozess vollzogen sich drei eng miteinander verflochtene Übergänge, und zwar der Übergang vom Jagen zur Viehzucht, vom Sammeln zum Ackerbau und vom Nomadisieren zur Sesshaftigkeit[77].

In Europa umfasste die Neolithisierung ungefähr den Zeitraum vom 9. bis 2. Jtd. v. Chr. Ausgangspunkt war hier der „fruchtbare Halbmond“, also ein Gebiet im Vorderen Orient, das zwischen Persischem Golf, Euphrat und Tigris sowie dem Totem Meer lag. Von dort aus breitete sich die jungsteinzeitliche Revolution schubweise vom 7. bis 2. Jtd. v. Chr. südwestlich in Nordafrika sowie westlich, nordwestlich und nordöstlich in ganz Europa aus[78].

Der Begriff der „neolithischen Revolution“ stammt von dem marxistischen Archäologen Vere Gordon Child und ist umstritten. Gegner halten diesen Terminus für verfehlt und irreführend, weil ein Prozess, der sich über mehrere Jahrtausende hinzieht ihrer Meinung nach nicht als Revolution, sondern nur als Evolution bezeichnet werden kann. Meines Erachtens ist dieser Streit aus zwei Gründen müßig: Zum einen dürfte feststehen, dass die Neolithisierung, egal wie man diesen Vorgang auch immer benennen mag, einer der größten menschheitsgeschichtlichen Umbruchprozesse war. Zum anderen ist der Zeithorizont, aus dem die Neolithisierung jeweils betrachtet wird, relativ. Gemessen an den verschiedenen Revolutionen der Moderne ist die Neolithisierung ein evolutionärer Prozess, gemessen an der Menschheitsgeschichte, die ungefähr 2 Millionen Jahre umfasst, kann dieser Prozess mit Fug und Recht als revolutionär bezeichnet werden, insbesondere wenn man bedenkt, wie tiefgreifend, differenziert und folgenreich die genannten drei Übergänge waren. Dies zeigen nicht zuletzt auch neuere Forschungsergebnisse[79].

Wenn man eine Landkarte mit der schubweisen Ausbreitung der neolithischen Revolution in Europa betrachtet[80] und diese mit den Ortsangaben aus dem Dodekathlos des Herakles vergleicht, dann mutet diese Karte wie eine Wegbeschreibung des Revolutionsheros an. Besonders deutlich wird dies beispielsweise bei der Schilderung des Raubes der Rinder des Geryoneus. „Mit ihnen“, so Heinrich, „begibt er sich auf einen Zug, den wir uns in eine ganz reale Landkarte der Ausbreitung … übersetzen können: zieht nach Spanien und Gallien, schweift nach Britannien und zu den Skythen am Schwarzen Meer“[81].

Aber nicht nur dieser Rinderraub, sondern alle zwölf kanonisierten Taten des Herakles sind auf bestimmte Aspekte der Neolithisierung bezogen. Dass „mit dem Stall des Augias, den Rossen des Diomedes und den Rindern des Geryoneus die Sphäre der Viehhaltung“[82] und „mit den Äpfeln der Hesperiden die des Gartenbaus“[83] angesprochen wird, ist offensichtlich. Dies gilt aber auch für die anderen Taten. So spielen sich zum Beispiel die ersten fünf „auf dem Peleponnes ab: dort in Argolis, wo der nemeische Löwe in einem Waldgebirge und die lernäische Schlange in einem Sumpfgebiet haust; und in Arkadien, wo die Hirschkuh der Artemis von Weide zu Weide herumschweift[84] … wo der erymanthische Eber vom Gebirge herabkommt und die Täler verwüstet und wo die stymphalischen Vögel, aus den Sumpfgebieten aufsteigend und die Sonne verdunkelnd, die Ernten vernichten“[85]. Noch heute kann jeder Bauer, der sein Geschäft in einer waldreichen Gegend betreibt, ein Lied davon singen, welchen Schaden Hirschkühe und sonstiges Rotwild auf Feldern anrichten. Und bis heute gibt es kein effektives Gegenmittel, außer einem Herakles, der das Wild jagt und vertreibt. Löwen, Sumpfgebiete, Vögel, Eber … sie alle gefährden Ackerbau und Viehzucht. Mit ihnen müssen sich Bauern und Tierzüchter jahrein jahraus herumschlagen, um sich und ihre Familien am Leben zu halten. Die Bewältigung dieser Aufgaben war für die Neolithiker ebenso existenziell wie gigantisch. Kurz gesagt: eine Herakles-Arbeit.

Dass Herakles ein Arbeitsheros ist, liegt nach dem zuvor Skizzierten auf der Hand. „Keine der Taten des Herakles läßt sich näher ohne das Moment von Arbeit bestimmen“[86].Der gesamte Dodekathlos ist Arbeit, und zwar Schwerstarbeit. Diese allgemeine Aussage lässt sich jedoch noch in zweierlei Hinsicht konkretisieren, und zwar im Hinblick auf den Typ und auf die Struktur der von ihm geleisteten Arbeit. Was zunächst den Arbeitstyp betrifft, so lassen sich Herakles‘ Taten doppelt bestimmen, nämlich „als Auftragsarbeiten, die zugleich – denn um sie hat er sich nicht bemüht, weil er ein passionierter Jäger, Viehdieb und Räuber wäre, und auch nicht, weil er mit dem Auftrag einverstanden wäre, sondern weil er muß – Strafarbeiten sind“[87]. „Auftragsarbeiten“[88] heißt, dass diese Arbeiten von Herakles „nicht frei durchgeführt werden, nicht seiner Selbstverwirklichung dienen, sondern alle in gewisser Weise den Charakter entfremdeter Arbeit haben“[89]. Der Dodekathlos ist also nicht nur schlechthin Arbeit, sondern entfremdete oder fremdbestimmte Arbeit.

Und was die Struktur dieser fremdbestimmten Arbeit anbelangt, so handelt es sich dabei weder um rein körperliche, noch um rein geistige Arbeit, sondern um eine Kombination beider. Dass Herakles bei all seinen Taten nicht nur schwere und außergewöhnliche, sondern spektakuläre körperliche Arbeit leistet, sieht man auf den ersten Blick. Dabei wird leicht vergessen, dass jede seiner zwölf Taten auch eine spektakuläre geistige Arbeit erfordert, weil sie mit roher Körperkraft allein nicht zu bewältigen wäre. Das vielleicht augenfälligste Beispiel für die Kombination von körperlicher und geistiger Arbeit ist das bis heute sprichwörtliche Ausmisten der Augias-Ställe.

Herakles erkennt sofort, dass es keinen Sinn hat, sich in blindem Eifer wie ein Berserker mit Schaufel und Forke in den Mist zu stürzen. Die Rinder wären in jedem Fall schneller als er schippen kann, auch wenn er noch so stark und ausdauernd ist. Er würde früher oder später im Mist ersticken. Mit Kraft allein lässt sich die Aufgabe nicht bewältigen. Eine Idee ist gefragt. Herakles hat sie, indem er einen Fluss durch die Ställe leitet[90]. Er erkennt und anerkennt damit, „daß man mit der Natur nur arbeiten kann, indem man sie gegen sich arbeiten lässt, daß man sich den Naturgesetzen unterwerfen muß, wenn man die Natur sozusagen mit ihren eigenen Waffen besiegen will“[91]. Die Umleitung des Flusses ist auch nicht nebenbei gemacht. Es ist zwar eine schwere aber immerhin bewältigbare körperliche Arbeit. Die, wie wir heute vielleicht sagen würden, Synergie von geistiger und körperlicher Arbeit löst das Ausmistungsproblem. Und genau diese Synergie ist im gesamten Dodekathlos am Werk.

In den Anmerkungen zum Revolutions- und Arbeitsheros klang bereits die dritte Facette an, von der hier die Rede sein soll, nämlich die des Zivilisationsheros. In seiner Eigenschaft als Revolutions- und Arbeitsheros der Neolithisierung ist Herakles zugleich auch Zivilisationsheros. Dieser Zivilisationsheros ist zunächst ganz allgemein daran erkennbar, „daß überall dort, wo der Heros agiert, das Zentrum der Welt ist: daß seine Taten Zivilisation erst möglich machen“[92]. Dies betrifft vor allem die Rinderzucht, da sein „zivilisatorischer Ruhm darin besteht, Rinder aus totem Kapital in lebendes verwandelt zu haben … um sie so als Mittel zur Reproduktion der Gattung einsetzen zu können“[93]. Dies ist nicht nur mit gravierenden technologischen, sondern auch mit fundamentalen zivilisatorischen Umbrüchen verbunden. Dabei ist Herakles „die Figur, die ein älteres Opferritual durch ein neueres ersetzt, das es mit dem von ihm eingerichteten Altären gestattet, die Rinderzucht auf den Bedarf an Schlachtvieh zu beziehen“[94].

Dies ist vor allem deshalb bedeutsam, weil er „durch Massenschlachtung auf großen Altären die Voraussetzung für städtische Zivilisation schafft“[95]. Die technologischen Probleme der Rinderhaltung sind aufs Engste mit den zivilisatorischen Problemen verzahnt. „Überall, wo Herakles in der Ökumene mit der Herde aufkreuzt, schafft er Rinderland in der spezifischen Weise, daß er einen Kult einrichtet, der mit einem älteren Ritual bricht: den unterirdischen Mächten das Totalopfer verweigert“[96]. „In der römischen Tradition werden dem Hercules zahlreiche Tempel und Altäre geweiht, weil er Italien in der Weise zivilisiert, bewohnbar und fruchtbar gemacht hat, daß die Menschen in den großen Städten von den Herden leben können“[97].

Und dies ist nicht nur in Italien so, „also dem die vituli oder vitelloni in seinem Namen führenden ‚Rinderland‘“[98], sondern überall, wo der Zivilisationsheros Herakles auftaucht. „Immer wieder wird er Hochzeit halten und Dynastien gründen, und immer wieder wird er um das rituelle Schlachten von Rindern zentrierte Kulte errichten“[99]. Die Zivilisationsleistung dieser neuen Kulte besteht nicht zuletzt darin, „daß Herakles fundamental in ein Ritual eingreift, in dem ursprünglich wohl nicht Tiere, sondern Menschen geopfert wurden“[100].

Dieser Zivilisationszug des Herakles ist jedoch janusköpfig und alles andere als gewaltfrei. Ganz im Gegenteil. Der Zivilisationsheros Herakles ist der „kolonisierende Heros“[101] und er „macht dabei weder vor den Göttern noch vor Menschen, nicht vor denjenigen, die ihm nahestehen, nicht vor denjenigen, die ihm völlig fremd sind, Halt“[102]. Wenn Herakles beispielsweise „ins rohe Thrakien“ zieht, so nicht nur, um die Rosse des Diomedes zu erbeuten, sondern auch, um „hier zu demonstrieren, wie man mit Barbaren verfährt: er erschlägt Diomedes, der seinen Rossen Menschen zum Fraß vorwarf, und macht diesem Kannibalismus ein Ende, indem er den Rossen nun Diomedes selber zum Fraß vorwirft“[103]. „Er greift in die dort herrschende Barbarei mit barbarischen Mitteln ein“[104]. Noch deutlicher zeigt sich diese barbarische Seite des Heraklesschen Zivilisationsprozesses darin, dass diesem Prozess „auch viele in seine Kämpfe gar nicht involvierte Unschuldige zum Opfer fallen“[105], so zum Beispiel die Kentauren, Lebewesen, halb Mensch, halb Tier. Diese, „für ihre Friedfertigkeit trotz ihrer Körperkraft berühmte, zu einem aggressiven Heroismus querstehende Zivilisation“[106], rottet Herakles restlos aus[107]. Dies bedeutet, „daß wir Herakles keineswegs nur als den überall gegen den Tod kämpfenden, sondern zugleich auch als den immer wieder den Tod verbreitenden Heros“[108] ansehen müssen.

Die vierte und letzte Facette, die hier abschließend kurz umrissen werden soll, betrifft Herakles als Kulturheros. Klaus Heinrich macht in seiner Vorlesung darauf aufmerksam[109], dass es Freud war, der Herakles auch als einen „Kulturheros“ interpretierte, und zwar in seiner kleinen Schrift „Zur Gewinnung des Feuers“[110]. Dieser Bezug liegt durchaus nahe, denn der Begriff „Kultur“, der sich aus dem lateinischen „cultura“ ableitet, meint ursprünglich Bearbeitung, Ackerbau, urbar machen, kultivieren, pflegen – also die Grundtätigkeiten der neolithischen Revolution.

Entgegen der klassischen Schwab-Interpretation[111], „der zufolge die Hera die Erzfeindin des Herakles ist, ihn von Anfang an drangsaliert, ihn vor schier unlösbare Aufgaben stellt, ihn in den Wahnsinn treibt“[112], zeigt Heinrich, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: „Herakles ist der Heros, der seinen ‚Ruhm‘ der Hera verdankt, respektive derjenige, der zum Ruhm der Hera beiträgt“[113]. Dass Herakles den Kult und den Ruhm der Hera verbreitet, ist alles andere als spitzfindige religionsphilosophische Scholastik, denn da die „als ‚kuhäugig‘ angerufene Hera die Göttin des Rindviehs ist“[114], handelt es sich bei dieser Kultverbreitung um einen zentralen Prozess der neolithischen Revolution. Herakles verbreitet mit dem Hera-Kult, wenn man so will, einen wesentlichen Teil des neuen „Neolithic Way of Life“.

Die Verbreitung des Hera-Kultes und der Großviehhaltung sind zwei Seiten einer Medaille[115]. „Mit jagdbarem Wild kann man zwar die Tafel eines Königs füllen, aber nicht eine Stadt ernähren; und wer Herden hat, aber sie nicht schlachtet, kann auch nicht in einer Stadt siedeln. Dazu gehört in unseren Breiten in der Tat, daß von diesen Herden in Abständen und rituell geschlachtet wird; und exakt diese Möglichkeit hat Herakles mit geminderter Angst vor den tödlichen Folgen (denken Sie noch einmal an den Anfang der ‚Odyssee‘), auch mit geminderter Angst vor der Rachemacht der Tiere, eröffnet“[116]. Die Sesshaftigkeit, die Stadtbildungen und die damit einhergehende Großviehhaltung und Massenschlachtung bedürfen nicht nur einer bestimmten Technologie, sondern auch einer entsprechenden Kultur. Der Hera-Kult stellt beides bereit. Tempel ermöglichen das Schlachten von Rindern, manche von ihnen sind sogar ausschließlich für Massenschlachtungen konstruiert[117], und der Hera-Kultur ermöglicht es, die Tiere auch tatsächlich zu schlachten und zu essen, ohne Gefahr zu laufen, dafür von den Göttern der Ober- und Unterwelt bestraft oder gar getötet zu werden. Eine der großen Taten des Kulturheros Herakles bestand darin, „daß er die Opfertiere zu Schlachtung und Verzehr freigab“[118]. Was nützen die größten Viehherden und die ausgeklügelsten Schlachtanlagen, wenn die Menschen eher Hungers sterben, als eine heilige Kuh zu berühren.

Diese hier umrissenen vier Facetten des Herakles-Bildes tragen exemplarischen Charakter und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Klaus Heinrich hat viele weitere Facetten beschrieben beziehungsweise angedeutet. Auch im Hinblick auf Verbindungen zu den frühen sowjetischen und DDR-Heroen der Arbeit ließe sich dieses Bild durchaus weiter ergänzen und differenzieren. So verweist Heinrich, um hier nur zwei Beispiele zu nennen, bei seiner Analyse des Arbeitsheros Herakles auf die konfliktreichen Zusammenhänge zwischen Kampf und Arbeit sowie zwischen Eros und Arbeit[119]. Beide Spannungsverhältnisse sind auch für die frühen sozialistischen Arbeitsheroen konstitutiv. Ebenso lassen sich auch die anderen drei Facetten des Herakles-Heros, also der Revolutions-, der Zivilisations- und der Kulturheros, weiter ausarbeiten. Diese Möglichkeiten sollen hier jedoch nur aufgezeigt, nicht aber weiter ausargumentiert werden. Stattdessen werden im Folgenden zwei Grundfunktionen des Herakles-Heros herausgearbeitet, die beide auch für die frühen sowjetischen und DDR-Arbeitshelden von zentraler Bedeutung sind, und zwar Herakles als Vermittlungs- und als Identifikationsfigur.

3.1.3. Funktionen: Herakles als Vermittlungs- und Identifikationsfigur

Jeder Heros und jede Heroine ist eine Vermittlungsfigur zwischen Göttern und Menschen. Dies gilt zunächst in einem ganz ursprünglichen und direkten Sinne, dass nämlich „die Heroen eine Menschenmutter und einen Göttervater oder eine Göttermutter und einen Menschenvater haben“[120]. Im Falle des Heroen Herakles gelten gemeinhin Zeus, der oberste olympische Gott, als der Göttervater und die Königstochter Alkmene als die Menschenmutter.

Diese Vermittlungsfunktion zwischen Göttern und Menschen gilt aber noch in einem weiteren und grundlegenderen Sinne, worauf Hegel in seinen „Vorlesungen über die Philosophie der Religion“ aufmerksam macht, wenn er erklärt, wie der göttliche Zweck vermenschlicht und der menschliche zum göttlichen erhoben wird. Zitat: „Dies gibt die Heroen, die Halbgötter. Besonders ausgezeichnet ist in dieser Rücksicht die Gestalt des Herakles. Er ist menschlicher Individualität, hat es sich sauer werden lassen; durch seine Tugend hat er den Himmel errungen. Die Heroen daher sind nicht unmittelbar Götter; sie müssen erst durch die Arbeit sich in das Göttliche setzen … So steht die geistige Individualität der Heroen höher als die der Götter selbst; sie sind, was die Götter an sich sind …“[121].

Herakles setzt sich, nach Hegel, durch seine Arbeit, genauer, durch die fremdbestimmte Arbeit, die er leistet, ins Göttliche. Der Halbgott Herakles macht sich selbst zum Gott, und zwar durch das Ableisten entfremdeter Arbeit. Damit steigt er nicht nur in den Olymp auf, sondern steht da „höher als die Götter selbst“. Der Lohn-Arbeiter Herakles, dem seine Arbeit sauer aufstößt, kann sich durch diese nicht nur selbst den Himmel erringen, sondern dort eine Position erhalten, die ihn über alle anderen Götter stellt. Diese Möglichkeit ist einer der zentralen Gesichtspunkte der Vermittlung zwischen Göttern und Menschen, die es bei der Analyse der frühen sowjetischen und DDR-Heroen der Arbeit im Blick zu behalten gilt.

Als Vermittlungsfigur zwischen Göttern und Menschen sind Heroen im Allgemeinen und Herakles im Besonderen immer auch Konfliktfiguren. Sie können „als Gott nicht Mensch, als Mensch nicht Gott sein“[122]. Dieser Konflikt lässt sich nicht lösen, sondern nur aushalten. Und: Es ist nicht der einzige Konflikt, den Heroen aushalten müssen. Herakles ist geradezu die Personifikation sich wechselseitig durchdringender menschheitsgeschichtlicher Konfliktfelder. Das heißt, dass in dieser Figur „Widersprüche, die die Person zerreißen müßten, konzentriert, von ihr weitergeschleppt und uns, wenn wir uns um aufklärende Mytheninterpretation bemühen, als noch immer nicht gelöst aufgegeben worden sind“[123].

In seiner Vorlesung zeigt Klaus Heinrich Herakles „als den gegen den Vatergott Zeus rebellierenden und agentenhaft tüchtigen Sohn, als den Sohn, Liebhaber und Feind der Muttergöttin Hera, als den Kultkonkurrenten und Kultdiener, als den omnipotenten Gründer von Geschlechtern und als Entmannten, als den als Vorbild verehrten und als Wiedergänger gefürchteten, weil Todesangst verbreitenden Ahn“[124]. All dies ist Herakles und noch mehr. Und, so fährt Heinrich fort: „Keine der mit dem Heros verknüpften Geschichten können Sie von ihm abspalten, alle machen sie ihn zu einer besonderen, Geschichte mit all ihren Widersprüchen repräsentierenden Figur“[125].

So wichtig es ist, sich immer wieder diese Konfliktzerrissenheit des Heros vor Augen zu führen, so falsch wäre es, dabei stehen zu bleiben. Heinrich macht immer wieder darauf aufmerksam, „daß es das Spezifische dieser Figur ist, Konflikte zu tragen und zu halten“[126]. Und genau daraus leitet sich die zweite Funktion der Herakles-Figur ab, und zwar die Identifikationsfunktion des Heros. Konfliktzerrissen sind auch alle Götter. Apollon zum Beispiel zeichnet sich dadurch aus, „daß er einerseits den Wolf und die pestbringende Maus mit sich führt, andererseits spielend und singend den Reigen der Musen hinter sich herzieht“[127]. Götter sind aber keine Identifikationsfiguren. „Das Spezifische der Figur des Heros“, so Heinrich, „läßt sich dadurch bestimmen …, daß er, obschon selber Konfliktfigur und obschon mit den Göttern dadurch verwandt, daß er wie sie Spannungen zu halten vermag, den Menschen die Möglichkeit der Identifikation mit ihm eröffnet, indem er seine vornehmste Funktion, die der Vermittlung in Menschen mit Zerreißung bedrohenden fundamentalen Konflikten und ebenso die der Vermittlung zwischen Göttern und Menschen wahrnimmt“[128].

Zu den fundamentalen Konflikten, die Menschen, in denen diese Konflikte zusammenlaufen, mit Zerreißung bedrohen, gehören die Widersprüche in Revolutions- und Umbruchsperioden, also in Perioden, wo alte Erfahrungen und Werte nicht mehr und neue Erfahrungen und Werte noch nicht gelten, wo die Welt verrückt geworden zu sein scheint. Auch und gerade was diesen Konflikttyp betrifft, wird Herakles als Revolutionsheros der Neolithischen Revolution von diesen Umbruchswidersprüchen heimgesucht. Dies wird in einer Szene deutlich, die Euripides in seiner Fassung des Herakles-Mythos[129] auf den Punkt bringt und auf die Klaus Heinrich mehrfach zu sprechen kommt. Herakles wird von Lyssa, der Göttin der Tollwut, mit einem Wahnsinnsanfall geschlagen und metzelt seine eigenen Kinder hin. Als er aus diesem Anfall erwacht und sieht, was er angerichtet hat, ist er ebenso fassungs- wie hilflos und sagt „in sicherer Weise weiß ich überhaupt nichts mehr von dem, was Hergekommen ist“[130].

In konfliktentschärfenden und gesellschaftsharmonisierenden Interpretationen des Herakles-Mythos wird der Wahnsinnsanfall des Revolutionsheros als jähzorniger Wutanfall eines Machos gedeutet. Dem entgegen zeigt Klaus Heinrich, dass Euripides in seiner Fassung eine Grunderfahrung zur Sprache bringt, die viele andere Menschen damals und heute mit Herakles teilen, die jedoch in den jeweiligen Mainstream-Deutungen immer ausgeblendet wird, die Erfahrung nämlich, dass die eigene Gesellschaft tollwütig ist. „Dionysos regiert nicht mehr, sondern Lyssa“[131]. Auch in dieser Hinsicht stellt der Herakles-Mythos bis heute ein Identifikationsangebot bereit.

Vor dem Hintergrund der hier skizzierten Facetten und Funktionen des Herakles-Mythos sollen im Folgenden zunächst die frühen sowjetischen (Kapitel 3.2.) und anschließend die frühen DDR-Arbeitsheroen (Kapitel 4.1.) skizziert werden. Obgleich sich dabei immer wieder frappierende Punkt-Für-Punkt-Vergleiche mit dem Heros Herakles anbieten, werde ich diese nicht klippschulartig abbeten, sondern möchte es den Leserinnen und Lesern überlassen, selber mögliche Verbindungslinien zu entwickeln.

[...]


[1] Krüger 2014, S. 10

[2] Schimank 2009; Schimank 2011; Krüger 2014, S. 7–24; Bruch und Türk 2007, 2005; Türk 2006; Kühl 2012; Wagner 2009, 1995; Baecker 2014

[3] Hutter 2010

[4] Hutter 2001

[5] Hutter 2007

[6] Hutter 2012

[7] Arndt 1994, 2001; Heinrich und Kücken 2006; Schwab 1999; Weiss 2005; Brommer 1986

[8] Türk 1999; Krüger 2014

[9] Gries und Satjukow 2012, Satjukow und Gries 2002a, 2002b; Maier 1990

[10] Satjukow und Gries 2001, 2002a, 2002b, 2003, 2005; Gries und Satjukow 2003, 2008, 2012

[11] Shukow 1979; Schlieben-Lange 1995

[12] Kaven 2011; Kaufmann 2010; Jordheim 2012

[13] Liebermann 2001; Pomeranz 2013

[14] Borchardt 1990, S. 21

[15] Zu einer komprimierten Übersicht über dieses diskursive Ordnungsgefüge siehe Böhme und Marz 2014a, S. 21–37

[16] Detaillierte theoretische und empirische Darstellungen dieser zwölf Schritte finden sich am Beispiel der Periodisierung der DDR-Wirtschaft in Böhme und Marz 2014a, 2014b und am Beispiel der Periodisierung der USA-Wissenschaftspolitik in Marz 2015

[17] Eigene Darstellung in Anlehnung an Marz 2015

[18] Hierzu gehören beispielsweise die Zeitreihen in den Arbeiten von Görzig 1992; Ludwig und Stäglin 1999; Peche 1990; Rytlewski und Opp de Hipt 1987; Statistisches Bundesamt 2000

[19] Statistisches Amt der DDR 1990

[20] Steiner 2006

[21] Steiner 2007, 2004

[22] Merkel und Wahl 1991

[23] Sleifer 2006

[24] Ark 1995

[25] Heske 2009

[26] Heske 2013

[27] Statistisches Bundesamt 1999, 2000

[28] Böhme und Marz 2014a, S. 80–125

[29] Böhme und Marz 2014a, S. 92

[30] Böhme und Marz 2014a, S. 95–116

[31] Böhme und Marz 2014b, S. 173

[32] Dieser Anstieg kann sowohl aus methodischen Problemen resultieren, beispielsweise der Zuverlässigkeit der Filterergebnisse in den Randbereichen, als auch aus statistischen Umbewertungen, wie etwa der in der DDR vorgenommenen Grundmittelumbewertung, und/oder aus wirtschaftlichen Realprozessen.

[33] Hüttmann und Pasternack 2012, S. 108

[34] Hierzu siehe exemplarisch Kaiser 1997 und Wolle 2011

[35] Die folgenden Hypothesen stützen sich auf Böhme und Marz 2014a, S. 119–122, stellen jedoch eine deutlich strengere und pointiertere Variante der dort formulierten Hypothesen dar.

[36] Engelberg 1974

[37] Bartels 2010; Evans 2010

[38] Herold 1971; Liebscher 1995

[39] Witte 2011

[40] Kopstein 1994; Roesler 1999; Sodaro 1980

[41] Neben Berger, Apelt, Graf, Mittag und Schürer ist hier vor allem Klaus zu nennen, der mit seinen Arbeiten und den Arbeiten seiner Schüler eine Pionierrolle bei der Verbreitung der Kybernetik, der Systemtheorie und der Operationsforschung inne hatte. Hierzu siehe unter anderem Klaus 1961, 1963, 1965, 1967, 1969; Klix 1976; Liebscher 1966; Thiel 1962, 1963, 1967.

[42] Berger 1966; Bottcher 1968; Cesarz 1965; Jonuscheit 1963; Lange 1964; Roesler 1993

[43] Lambrecht 2007

[44] Dittmann und Seising 2007; Hollatz und Hollatz 1963; Krause 2013; Liebscher 1966; Nemtschinow 1961

[45] Gerisch et al. 1968; Lange 1968; Mueller 1968

[46] Breuer 1983; Roesler 1984; Stutz 2005

[47] Günther 2008; Wrage 2008

[48] Kaiser 1997

[49] Everett und Borgatti 2014; Labianca 2014; Whittier 2014

[50] Kaiser 1997; Roesler 2003

[51] Agde 2000; Brockmann 2013; Engler 2000

[52] Kaiser 1997

[53] Vergilius Maro 1974

[54] Wlosok 1985

[55] Effe 1988

[56] Wolf 1983

[57] See 1993

[58] Petersen 2004

[59] Heinrich 1981

[60] Heinrich 1993

[61] Heinrich 2000

[62] Heinrich 1998

[63] So schrieb ein Schüler Heinrichs zu dessen 85. Geburtstag: „Künftige Wissenschaftshisto-riker werden zeigen, wie viel von ihm in den Zeiten seiner Berliner Lehrtätigkeit bereits vorgedacht worden war. Nicht nur der mittlerweile durch den banalen Anglizismus ‚gender‘ ersetze Begriff des Geschlechterverhältnisses stammt von ihm, auch der philosophische Dekonstruktivismus wurde in Dahlem schon gelehrt, bevor er offiziell überhaupt erfunden war“ (Kohl 2012). Dazu gehört auch die Herausarbeitung der Bedeutung figurativer Quellen, wie Reliefs, Bilder, Plastiken etc., als unverzichtbares Komplement zu textlichen Überlieferungen. So gibt Heinrich beispielsweise in seiner 9. Dahlemer Vorlesung seinen Zuhörern zu bedenken: „Wenn Sie die frühe Geschichte der Philosophie studieren und nach Reflexionen für den Arbeitsbegriff fragen, dann beschränken Sie sich um Gottes willen nicht auf Texte, sondern dann beziehen Sie bitte Maler und Zeichner als kritische Theoretiker und zumindest ebenso gute Philosophen ein“ (Heinrich und Kücken 2006, S. 266).

[64] Wikipedia 2014i

[65] Wikipedia 2014i, 2015a

[66] Wikipedia 2015b

[67] Brommer 1986; Padilla 1998

[68] Zu den „dunklen Jahrhunderten“ des antiken Griechenland siehe unter anderem Morris 2007; Snodgrass 1971

[69] Blanshard 2006; Galinsky 1972; Leis und Sourek 2005

[70] Zilling 2011

[71] Barone 2006

[72] Explizit siehe Hegel 1840, S. 132–133. Hegel hat sich nicht nur sehr früh in seinen Schriften von 1793 bis 1806 systematisch den Themen Heroismus und Arbeit zugewandt (siehe Krüger 2014), sondern sich auch später immer wieder damit auseinandergesetzt (siehe Arndt 1985 sowie Heinrich und Kücken 2006, S. 274).

[73] Arndt 2001, 2002, 2005; Petersen und Faber 2012

[74] Arndt 2011

[75] Heinrich und Kücken 2006, S. 40

[76] Heinrich und Kücken 2006, S. 17

[77] Für einen Überblick über die neolithische Revolution siehe neben den diversen Wikipedia-Einträgen wie etwa Wikipedia 2014k unter anderem Uerpmann 2007.

[78] Zur Neolithisierung Mitteleuropas siehe Gronenborn und Petrasch 2010

[79] Kuzmin 2013; Lemmen et al. 2011; Lemmen und Wirtz 2014; Petersen und Skaaning 2010

[80] Hierzu siehe zum Beispiel das „Infoblatt Neolithische Revolution“ des Klett Verlages (Ernst Klett Verlag GmbH 2015)

[81] Heinrich und Kücken 2006, S. 121

[82] Heinrich und Kücken 2006, S. 87

[83] Heinrich und Kücken 2006, S. 87

[84] Heinrich und Kücken 2006, S. 86

[85] Heinrich und Kücken 2006, S. 87

[86] Heinrich und Kücken 2006, S. 117

[87] Heinrich und Kücken 2006, S. 70

[88] Heinrich und Kücken 2006, S. 61, 66, 84, 117

[89] Heinrich und Kücken 2006, S. 117

[90] Hierzu siehe näher Heinrich und Kücken 2006, S. 60

[91] Heinrich und Kücken 2006, S. 93

[92] Heinrich und Kücken 2006, S. 85

[93] Heinrich und Kücken 2006, S. 151

[94] Heinrich und Kücken 2006, S. 141

[95] Heinrich und Kücken 2006, S. 192

[96] Heinrich und Kücken 2006, S. 149

[97] Heinrich und Kücken 2006, S. 102

[98] Heinrich und Kücken 2006, S. 121–122

[99] Heinrich und Kücken 2006, S. 121

[100] Heinrich und Kücken 2006, S. 123

[101] Heinrich und Kücken 2006, S. 87

[102] Heinrich und Kücken 2006, S. 89–90

[103] Heinrich und Kücken 2006, S. 97

[104] Heinrich und Kücken 2006, S. 117

[105] Heinrich und Kücken 2006, S. 77

[106] Heinrich und Kücken 2006, S. 121

[107] Heinrich und Kücken 2006, S. 90, 115

[108] Heinrich und Kücken 2006, S. 192

[109] Heinrich und Kücken 2006, S. 312

[110] Freud 1999, S. 4, 7

[111] Schwab 1999

[112] Heinrich und Kücken 2006, S. 19

[113] Heinrich und Kücken 2006, S. 18

[114] Heinrich und Kücken 2006, S. 142

[115] Heinrich und Kücken 2006, S. 143

[116] Heinrich und Kücken 2006, S. 168

[117] Heinrich und Kücken 2006, S. 168

[118] Heinrich und Kücken 2006, S. 143

[119] Heinrich und Kücken 2006, S. 70, 303-304

[120] Heinrich und Kücken 2006, S. 15

[121] Hegel 1840, S. 108

[122] Heinrich und Kücken 2006, S. 16

[123] Heinrich und Kücken 2006, S. 180–181

[124] Heinrich und Kücken 2006, S. 210–211

[125] Heinrich und Kücken 2006, S. 210–211

[126] Heinrich und Kücken 2006, S. 200

[127] Heinrich und Kücken 2006, S. 216

[128] Heinrich und Kücken 2006, S. 218

[129] Euripides und Scheliha 1995

[130] Zitiert nach Heinrich und Kücken 2006, S. 45

[131] Heinrich und Kücken 2006, S. 65

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Heldenwechsel. Vom "Stoßarbeiter" zum "mittleren Helden"
Untertitel
Zum Zusammenhang von Wirtschaft, Politik und Kunst
Veranstaltung
Kunstwissenschaft
Autor
Jahr
2015
Seiten
121
Katalognummer
V300410
ISBN (eBook)
9783656967248
ISBN (Buch)
9783656967255
Dateigröße
2910 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstwissenschaft, DDR, Geschichte, Kliometrie, Ökonomie, Peter Hacks
Arbeit zitieren
Lutz Marz (Autor), 2015, Heldenwechsel. Vom "Stoßarbeiter" zum "mittleren Helden", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300410

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