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Sterbehilfe. Rechtliche und moralische Aspekte und Alternativen

Title: Sterbehilfe. Rechtliche und moralische Aspekte und Alternativen

Seminar Paper , 2013 , 29 Pages , Grade: 15 Punkte

Autor:in: Daniel Wurst (Author)

Law - Miscellaneous
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Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, zunächst den Begriff Sterbehilfe zu bestimmen, seine verschiedenen Ausprägungen darzustellen und sodann auf die geltende Rechtslage einzugehen.
Anschließend wird diskutiert, welche moralischen und ethischen Aspekte den rechtlichen Regelungen entsprechen oder entgegenstehen. Zum Schluss wird ein Blick in die Niederlande geworfen, in denen die Sterbehilfe gesetzlich erlaubt wurde.

Es stehen zwei Interessen miteinander im Konflikt. Auf der einen Seite steht der Staat, der vorsätzliches Töten verbietet und das Leben als unverfügbares Gut in seine Verfassung aufgenommen hat, welches zu schützen seine Aufgabe ist. Auf der anderen Seite steht der Ehemann mit seiner Ehefrau, die laut Aussage des Mannes keinen Sinn in ihrem Leben mehr gesehen hat.
Sie wusste von ihrer Krankheit und hielt es nicht aus, bewusst mitzuerleben, wie eine Funktion des Gehirns nach der anderen wegfiel. Ihre Vorstellung von einem Leben in Würde wurde jeden Tag untergraben, bis sie keine Würde mehr in ihrem Dasein finden konnte.
Welches Interesse überwiegt nun? Kann der Staat seinen Bürgern verbieten, ihr Leben in Würde beenden zu wollen, im Zweifel unter Zuhilfenahme anderer oder sogar durch andere? Der Ehemann hat sich durch die Tötung seiner Frau nach deutschem Recht einer Tötung auf Verlangen gem. § 216 StGB strafbar gemacht, wenn die Ehefrau ausdrücklich nach Tötung verlangt hat.
Wenn sie dies nicht tat, käme sogar ein Totschlag gem. § 212 StGB in Betracht. Daran ändert unter der heute geltenden Rechtslage auch nicht, dass der Mann menschlich nachvollziehbar und ethisch möglicherweise gerechtfertigt gehandelt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Zusammenfassung Filmausschnitt

II. Widerstreitende Interessen und erste Einschätzung

III. Begriffsbestimmungen und Arten der Sterbehilfe

IV. Grundrechtsfragen der Sterbehilfe

1. Grundrecht auf Sterben

2. Grundrecht auf Hilfe beim Sterben

3. Grundrecht auf selbstbestimmte Entscheidung über lebensverlängernde Maßnahmen

V. Rechtliche Würdigung der Sterbehilfe

1. Die reine Sterbehilfe

2. Die Beihilfe zur Selbsttötung

3. Die indirekte Sterbehilfe

4. Die aktive direkte Sterbehilfe

5. Passive Sterbehilfe

a) Recht des Patienten auf eigenverantwortliche Ablehnung der Behandlung

b) Konsequenzen des Selbstbestimmungsrechts

VI. Moralisch-ethische Aspekte der Sterbehilfe

1. Geschichtlich orientierte Argumentation gegen aktive Sterbehilfe

2. Dammbruch- oder „slippery slope“-Argumente

3. Die Rolle des Arztes und das ärztliche Berufsrecht

4. Der Moribunde

5. In Würde sterben dürfen

VII. Alternativentwürfe und Vorschläge

1. Alternativentwürfe

2. Vorschläge

VIII. Sterbehilfe im Ausland

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Recht und Ethik im Kontext der Sterbehilfe, insbesondere anhand der Auseinandersetzung mit medizinethischen Konfliktfällen in amerikanischen TV-Serien sowie unter Berücksichtigung der geltenden deutschen Rechtslage.

  • Rechtliche Differenzierung und Definition verschiedener Formen der Sterbehilfe.
  • Analyse der grundrechtlichen Dimensionen des Sterbens und der Patientenautonomie.
  • Diskussion moralisch-ethischer Argumente wie der „slippery slope“-Theorie und der ärztlichen Fürsorgepflicht.
  • Kritische Würdigung bestehender und geplanter Regelungsentwürfe für Sterbebegleitung.
  • Vergleich mit europäischen Rechtsordnungen, speziell den Niederlanden.

Auszug aus dem Buch

3. Die Rolle des Arztes und das ärztliche Berufsrecht

Obwohl die Beihilfe zum Suizid generell aufgrund fehlender rechtswidriger Haupttat strafrechtlich nicht belangt wird, spricht sich die Bundesärztekammer gegen eine ärztliche Teilnahme am Suizid aus. In ihren Grundsätzen stellt sie fest, „die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung [sei] keine ärztliche Aufgabe.“ Passive Sterbehilfe dürfe ermöglicht werden, sofern dies dem Willen des Patienten entspreche. Liegt der Patient im Sterben, hat der Arzt laut Bundesärztekammer folgende Pflichten: Erstens muss Sterbenden so geholfen werden, dass sie menschenwürdig sterben können. Das ist palliativmedizinische Versorgung und damit auch Beistand und Sorge für die Basisbetreuung. Subjektive Hunger- und Durstempfindung müssen gestillt werden. Zweitens sollen Maßnahmen, die den Todeseintritt nur verzögern, unterlassen oder beendet werden. Eine Lebensverkürzung darf hingenommen werden, wenn die Linderung des Leidens im Einzelfall im Vordergrund steht. Obwohl nicht ausdrücklich genannt, sind also die passive und die indirekte Sterbehilfe von der Bundesärztekammer gebilligt.

Die Ärzteschaft selber sagte in einer Umfrage der Bundesärztekammer mehrheitlich aus, gegen die Legalisierung der ärztlichen Beihilfe zum Suizid zu sein. Auch die Musterberufsordnung der Ärzte untersagt in § 16 die Sterbehilfe. „Die Grundsätze sind eine klare Absage an alle Versuche aktiver Sterbehilfe und zugleich Definition dessen, was als passive Sterbehilfe zulässig ist.“ Nicht zuletzt der Hippokratische Eid gebietet, „niemandem ein tödliches Gift [zu] geben, auch nicht, wenn [der Arzt] darum gebeten werde, und [er] werde auch niemanden dabei beraten“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Zusammenfassung Filmausschnitt: Einleitende Darstellung eines Fallbeispiels über aktive Sterbehilfe und deren strafrechtliche Debatte im Gerichtskontext.

II. Widerstreitende Interessen und erste Einschätzung: Erläuterung des Konflikts zwischen staatlichem Lebensschutz und der individuellen Freiheit des Patienten, das Leben in Würde zu beenden.

III. Begriffsbestimmungen und Arten der Sterbehilfe: Abgrenzung der verschiedenen Sterbehilfe-Formen sowie Diskussion terminologischer Unsicherheiten.

IV. Grundrechtsfragen der Sterbehilfe: Prüfung, ob das Grundgesetz ein Recht auf Sterben oder Hilfe beim Sterben sowie Entscheidungsfreiheiten über lebenserhaltende Maßnahmen normiert.

V. Rechtliche Würdigung der Sterbehilfe: Analyse der strafrechtlichen Einordnung von reiner, indirekter, aktiver und passiver Sterbehilfe nach deutschem Recht.

VI. Moralisch-ethische Aspekte der Sterbehilfe: Ethische Reflexion über Dammbruch-Argumente, die Rolle des Arztes und das Bedürfnis des Moribunden.

VII. Alternativentwürfe und Vorschläge: Diskussion legislativer Lösungsansätze und der Notwendigkeit für eine differenzierte Sterbebegleitung.

VIII. Sterbehilfe im Ausland: Darstellung und Kritik der niederländischen Regelungen und deren Sorgfaltskriterien als europäisches Vergleichsmodell.

Schlüsselwörter

Sterbehilfe, Euthanasie, Suizidbeihilfe, Patientenverfügung, Selbstbestimmungsrecht, Menschenwürde, aktiver Sterbehilfe, passive Sterbehilfe, indirekte Sterbehilfe, ärztliches Berufsrecht, palliativmedizinische Versorgung, Strafrecht, § 216 StGB, Sterbebegleitung, Lebensschutz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit behandelt die rechtliche und ethische Problematik der Sterbehilfe im deutschen Kontext und setzt sich kritisch mit den bestehenden Regelungen sowie ärztlichen Standespflichten auseinander.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Qualifizierung verschiedener Sterbehilfe-Formen, der Bedeutung des Patientenwillens sowie der ethischen Debatte um die Rolle der Ärzteschaft bei der Sterbebegleitung.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlich geschützter Selbstbestimmung und den derzeitigen strafrechtlichen bzw. berufsrechtlichen Restriktionen bei der Sterbehilfe aufzuzeigen und Lösungsansätze für eine humanere Sterbebegleitung zu diskutieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Arbeit nutzt eine juristische und ethische Analyse von Fachliteratur, höchstrichterlicher Rechtsprechung sowie gesetzlicher Regelungen, ergänzt durch einen rechtsvergleichenden Blick auf die Niederlande.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der strafrechtlichen Würdigung der verschiedenen Sterbehilfe-Typen, der ethischen Reflexion der ärztlichen Rolle sowie einer Analyse der Alternativentwürfe für eine gesetzliche Neuregelung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Sterbehilfe, Patientenautonomie, Menschenwürde, ärztliche Fürsorgepflicht, palliative Versorgung und die juristische Abgrenzung zwischen Tötung und Sterbenlassen beschreiben.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen indirekter und aktiver Sterbehilfe?

Die Arbeit differenziert primär nach der Absicht und der Kausalität: Indirekte Sterbehilfe akzeptiert den Tod als Nebenfolge von Schmerztherapie, während die aktive direkte Sterbehilfe den Tod als primäres Ziel durch gezieltes Handeln herbeiführt.

Warum wird die Einbindung eines Leichenbeschauers in den Niederlanden als kritisch angesehen?

Der Autor hinterfragt die formale Kontrollkette des niederländischen Modells, da die Einbindung eines Leichenbeschauers in einem sehr persönlichen Prozess der Lebensbeendigung als bürokratisch und potenziell unpassend empfunden wird.

Welchen Stellenwert nimmt das Selbstbestimmungsrecht ein?

Das Selbstbestimmungsrecht bildet das zentrale moralische und rechtliche Argument für eine Liberalisierung, da der Mensch als „Sultan seiner Existenz“ auch über die Gestaltung seines Lebensendes entscheiden können sollte.

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Details

Title
Sterbehilfe. Rechtliche und moralische Aspekte und Alternativen
College
University of Augsburg
Course
„Medizin zwischen Recht und Ethik“ - Der Umgang mit medizinethischen Konfliktfällen in amerikanischen TV-Serien
Grade
15 Punkte
Author
Daniel Wurst (Author)
Publication Year
2013
Pages
29
Catalog Number
V300445
ISBN (eBook)
9783656970323
ISBN (Book)
9783656970330
Language
German
Tags
sterbehilfe rechtliche aspekte alternativen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Wurst (Author), 2013, Sterbehilfe. Rechtliche und moralische Aspekte und Alternativen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300445
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