Das Brautwerbungsschema in der mittelalterlichen Literatur. Das "Nibelungenlied" und "Tristan" im Vergleich


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Brautwerbungschema in der mittelalterlichen Literatur

2. Handlungsstruktur und -rollen

3. Ungefährliche Brautwerbung

4. Gefährliche Brautwerbung

5. Brautwerbungsschema im Nibelungenlied und Tristan
5.1 Gunthers Werbung um Brünhild im Nibelungenlied
5.2 Markes Werbung um Isolde im Tristan

6. Abschließende Erläuterungen im Vergleich

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Brautwerbungsschema in der mittelalterlichen Literatur

Brautwerbungsdichtungen lassen sich in den Literaturen aller Völker wiederfinden. So zeigen sie auch in der mittelhochdeutschen Ependichtung eine Tendenz zum Schematismus.1 Traditionelle Erzählschemata, wie z.B. Sprachformeln, bestimmte Handlungsmuster und Motive finden hierin Gebrauch. Minnesänger tragen Liebeslieder mit vergleichbaren klagenden Worten vor, Ritter erleben Abenteuer in ähnlicher Weise oder Könige reisen in ferne Länder, um ihre Braut für sich zu gewinnen.2

Aufmerksamkeit erhielt ein mittelhochdeutscher Dichter durch absichtliches Missachten der traditionellen Handlungsmuster. Dies führte zum gezielten Schemabruch, der wiederum auf ein spezifisches Ereignis hinwies ohne es zunächst zu benennen.3

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit dem Brautwerbungsschema4 als Erzählstruktur von Schmid-Cadalbert. Dargestellt werden die Handlungsstruktur sowie die Handlungsrollen. Der Unterschied zwischen der ungefährlichen und gefährlichen Brautwerbung wird im Anschluss daran kurz erläutert. Anhand des Nibelungenlieds und Gottfrieds von Straßburg Tristan soll geprüft werden, in wie weit die einzelnen Handlungsfiguren ihre Handlungsrollen innerhalb der gegebenen Handlungsstruktur erfüllen. Eventuelle Besonderheiten sollen dabei unter Berücksichtigung der gegebenen Literatur herausgestellt werden.

2. Handlungsstruktur und -rollen

Charakteristisch für beide Schemata sind Raumstruktur und Figurenkonstellation, die innerhalb der Brautwerbung verschiedene Fixpunkte der Handlung durchlaufen. Eine Dreiteilung kennzeichnet dabei die Raumstruktur - dem Machtbereich des Werbers steht das Gebiet des Brautvaters gegenüber. Beide Machtbereiche sind meist durch ein Meer getrennt, welches es zu überwinden gilt.5

Werber und Braut sind feste Rollenträger im Brautwerbungsschema. Die übrigen Handlungsrollen lassen sich Werber und Braut unterordnen.

Neben dem Werber tritt der Nenner, Kundige, außergewöhnliche Helfer und der oder die Bote(n) in Erscheinung. Auf der anderen Seite fungieren neben der Braut der Brautvater und die Brautmutter.6

Der Werber, oft ein tugendhafter und heiratsfähiger König und Held ohne Frau, entschließt sich selbst zur Werbung, oder wirbt auf den Rat enger Vertrauter und Verwandter meist um eine schöne, schwer zu erringende und ferne Königstochter. Die Braut sollte ihm dabei ebenbürtig sein. Unterstützt wird der Werber von einem Nenner, Kundigen, außergewöhnlichen Helfer sowie von einem oder mehreren Boten. Der Nenner erwähnt als Erster die Braut. Der Kundige berichtet daraufhin von den Verhältnissen im Machtbereich des Brautvaters und bestimmt das weitere Vorgehen bei der Werbung. Die Aufgabe des außergewöhnlichen Helfers ist es die Braut für den Werber zu gewinnen. Meist ist sein Verhältnis gegenüber dem Werber zwiegespalten. Der Bote übernimmt den Erstkontakt zum Land der Braut und überbringt die Werbungsbotschaft seines Königs.7

Viel weniger Figuren lassen sich im Machtbereich des Brautvaters finden. Die wohlbehütete Königstochter glänzt mit ihrer Schönheit. Sie nimmt aber eher eine passive Position ein, da die Werbung aktiv vom Werber und seiner Gefolgschaft übernommen wird. Der Brautvater widersetzt sich der Begierde des Werbers und muss zunächst überwältigt werden. Die Brautmutter hat eine vermittelnde Rolle zwischen dem Brautvater und dem Weber. Sie versucht ihren Mann von der Werbung zu überzeugen.8

Das Schema stellt somit Handlungsfixpunkte bereit, die von der Handlung durchlaufen werden müssen. Unter einem solchen Fixpunkt versteht man beispielsweise ein überindividuelles Handlungselement, welches an bestimmte Orte der Raumstruktur und an bestimmte Handlungsrollen geknüpft ist. Ein solches Handlungselement hat einen festen Platz im Handlungsablauf. Als klassische Handlungsfixpunkte der traditionellen Brautwerbung gelten neben der Herrscherbeschreibung und der Ratszene der Dienst der Gefolgsleute des Werbers. Die darauffolgende Werbungsfahrt besteht aus der Botenfahrt und der Fahrt des Werbers. Die Ereignisse und Umstände geben schließlich Auskunft darüber, ob es sich bei der Geschichte um das Schema einer einfachen oder gefährlichen Brautwerbung handelt. Die Nichterfüllung eines Handlungsfixpunktes muss demnach als Schemabruch gewertet werden. Er wird als bewusst gesetzt verstanden, wenn er die Folgehandlung beeinflusst.9

3. Ungefährliche Brautwerbung

Staatspolitische Vorteile stehen bei der Eheschließung in der ungefährlichen Brautwerbung im Vordergrund. Vernachlässigt wird die gegenseitige Minne des Werbers und der Braut. Auf eine eingangs beschreibende Herrscherszene folgt die Ratszene. Im Anschluss daran findet die Brautbeschreibung statt und folglich die Werbung und Verheiratung. Die Brautwerbung erfolgt demnach konfliktlos.10

4. Gefährliche Brautwerbung

Neben der Vermählung ist meist die gegenseitige Minne von Werber und Braut wichtig. Kennzeichnend ist, dass die Brautwerbung konflikthaft verläuft. Häufig muss die Braut mit List, Gewalt oder durch das Lösen von Aufgaben erobert werden, da der Brautvater gegen die Verbindung ist. Demnach muss es eine Versöhnung mit dem Brautvater geben oder dessen Tötung erfolgen, um die Braut heimzuführen. Oft spielt der außergewöhnliche Helfer eine tragende Rolle, der den Werber unterstützt oder die Braut für den Werber erobert.11

5. Brautwerbungsschema im Nibelungenlied und Tristan

Im Nachfolgenden soll die Werbung Gunthers um Brünhild im Nibelungenlied und Markes Werbung um Isolde im Tristan betrachtet werden.

Die Beschreibung des Machtbereichs des königlichen Werbers und die Nennung der Residenz verläuft sowohl im Nibelungenlied als auch im Tristan systematisch (vgl. NL: Aventiure 1 und T: V. 2760; 3155, 2-3)8. Auch die darauffolgende Ratszene entspricht sowohl im Nibelungenlied als auch im Tristan dem Brautwerbungsschema (vgl. NL: V. 326-335 und T:

V. 8350-8355; 8370-8381). In der darauffolgenden Werbungshandlung deutet sich bereits an, dass es sich bei Gunthers Werbung um Brünhild und Markes Werbung um Isolde um eine gefährliche Brautwerbung handeln wird. Anhand welcher Umstände dies der Fall ist, soll dabei herausgestellt und geprüft werden.

[...]


1 vgl. Schmid-Cadalbert, Christian 1985, S. 14

2 vgl. Ebd., S. 41

3 vgl. Ebd., S. 98

4 vgl. Ebd., S. 69 und S. 95

5 vgl. Ebd., S. 83

6 vgl. Schmid-Cadalbert, Christian 1985, S. 84-86

7 vgl. Ebd., S. 59, 84-86

8 vgl. Ebd., S. 84-86

9 vgl. Ebd., S. 87

10 vgl. Schmid-Cadalbert 1985, S. 69-72

11 vgl. Ebd., S. 59-69

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Brautwerbungsschema in der mittelalterlichen Literatur. Das "Nibelungenlied" und "Tristan" im Vergleich
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V300451
ISBN (eBook)
9783656967668
ISBN (Buch)
9783656967675
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brautwerbung, Mittelalter, Nibelungenlied, Tristan
Arbeit zitieren
Erla Schweitzer (Autor), 2012, Das Brautwerbungsschema in der mittelalterlichen Literatur. Das "Nibelungenlied" und "Tristan" im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300451

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