Stimmungen beeinflussen tagtäglich unser Leben. Martin Heidegger , einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, beschäftigt sich in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1927) unter anderem mit Stimmungen beziehungsweise Befindlichkeiten. Dabei nimmt die Grundstimmung der Angst, als „ausgezeichnete Befindlichkeit“, einen besonderen, existenziellen Stellenwert im Leben des Menschen ein. Meine Darlegung beschäftigt sich mit Heideggers außergewöhnlicher Angst-Analyse, im Kontext von „Sein und Zeit“.
Inhaltsverzeichnis
1. Drei wesentliche Denkfiguren Heideggers: Sein-Dasein-Seiendes
2. Charakterisierung der Befindlichkeit
3. Geworfenheit und Verfallenheit
4. Furcht contra Angst
5. Angst als ausgezeichnete Grundbefindlichkeit
6. Angst als Möglichkeit zu Freiheit und Erkenntnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die existenziale Bedeutung der Angst in Martin Heideggers Hauptwerk "Sein und Zeit" und analysiert, wie diese Grundstimmung das Dasein aus seiner alltäglichen Verfallenheit herauslöst und den Weg zu Freiheit und eigenem Sein eröffnet.
- Die ontologische Differenz von Sein, Dasein und Seienden.
- Die Konstitution der Befindlichkeit und das Phänomen der Verfallenheit.
- Die phänomenologische Abgrenzung zwischen Furcht und Angst.
- Die Rolle der Angst als Bedingung für Eigentlichkeit und Freiheit.
Auszug aus dem Buch
Angst als ausgezeichnete Grundbefindlichkeit
Angst ist eine Grundbefindlichkeit und zugleich eine Seinsmöglichkeit des Menschen. In der Angst wird der Mensch durch sein je eigenes Sein vor sich selbst gebracht. Um zur Angst zu gelangen und durch sie zum Sein, als der Ganzheit des Strukturganzen, setzt Heidegger bei dem Phänomen des Verfallens an. Die alltägliche Orientierung des Menschen am Man, also an gesellschaftlich vorgegebenen Konventionen, Werten, Normen und Idealen sowie seine ausschließliche Hinwendung zum Seienden, das er nicht ist (an die besorgte Welt), zeigt eine Flucht des Menschen vor seinem eigentlichen Selbst-sein-können. In der Lebensweise der Verfallenheit flieht der Mensch vor sich selbst und davor, die Möglichkeiten zu wählen, durch die er zu sich selbst findet.
Zwar erlebt sich der Mensch alltäglich weder selbst als Fliehender, noch zeigt sich ihm das, wovor er flieht, nämlich vor sich selbst. Jedoch die „(...) existenziell-ontische Abkehr gibt auf Grund ihres Erschlossenheitscharakters phänomenal die Möglichkeit, existenzial-ontologisch das Wovor der Flucht als solches zu fassen.“ (SuZ, S. 185)
Die Flucht des Menschen vor sich selbst hat nicht den Charakter des „Furchtbaren“, im Gegensatz zu dem Wovor der Flucht: „Die Bedrohung, die einzig `furchtbar` sein kann und die in der Furcht entdeckt wird kommt immer von innerweltlichem Seienden her.“ (SuZ, S. 185 f.)
In der Verfallenheit aber wendet der Mensch sich ja gerade dem Seienden explizit zu: „Die Abkehr des Verfallens gründet vielmehr in der Angst, die ihrerseits Furcht erst möglich macht.“ (SuZ, S.186)
Zusammenfassung der Kapitel
Drei wesentliche Denkfiguren Heideggers: Sein-Dasein-Seiendes: Einführung in die zentralen Begriffe, die das Fundament für das Verständnis von Heideggers Philosophie bilden.
Charakterisierung der Befindlichkeit: Untersuchung der Stimmung als grundlegende Art der Erschlossenheit des Daseins in der Welt.
Geworfenheit und Verfallenheit: Beschreibung des alltäglichen Daseinsmodus, in dem sich der Mensch durch die Hinwendung an die Welt und das "Man" vor sich selbst flüchtet.
Furcht contra Angst: Differenzierung zwischen der Furcht, die sich auf innerweltliches Seiendes bezieht, und der Angst als existenzieller Grundstimmung.
Angst als ausgezeichnete Grundbefindlichkeit: Analyse der angstbesetzten Unheimlichkeit als Weg, der das Dasein vor sein eigenes, eigentliches Sein bringt.
Angst als Möglichkeit zu Freiheit und Erkenntnis: Darlegung, wie die Angst das Dasein aus der Unfreiheit der öffentlichen Gewohnheit löst und Wahlmöglichkeiten zur Selbstgestaltung eröffnet.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Sein und Zeit, Dasein, Befindlichkeit, Angst, Furcht, Geworfenheit, Verfallenheit, Unheimlichkeit, Eigentlichkeit, Freiheit, In-der-Welt-sein, Existenzialphilosophie, Phänomenologie, Ontologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich mit Martin Heideggers Analyse der Angst im Kontext seines Hauptwerks "Sein und Zeit" auseinander und beleuchtet deren Rolle für die menschliche Existenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur des Daseins, das Verhältnis von Stimmung und Befindlichkeit sowie die Abgrenzung alltäglicher Verfallenheit von der existenzialen Bedeutung der Angst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Heidegger die Angst als "ausgezeichnete Stimmung" definiert, die es dem Menschen ermöglicht, aus der Unfreiheit des "Man" auszubrechen und sein eigenes Sein zu wählen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet die phänomenologische Methode Heideggers, um die existenzialen Strukturen des Daseins aufzuzeigen und durch eine begriffliche Klärung von den alltäglichen Lebensweisen abzuheben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die fundamentalen Denkfiguren, die Charakterisierung der Befindlichkeit, die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst sowie die Bedeutung der Angst für die Erlangung von Freiheit und Erkenntnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Heidegger und "Sein und Zeit" sind Begriffe wie Angst, Befindlichkeit, Dasein, Verfallenheit und Eigentlichkeit essenziell für das Verständnis der Arbeit.
Warum unterscheidet Heidegger zwischen Furcht und Angst?
Während die Furcht sich auf ein konkretes, innerweltliches Objekt bezieht, konfrontiert die Angst das Dasein mit seiner Existenz als In-der-Welt-sein an sich, was sie zu einem fundamentaleren Phänomen macht.
Inwiefern führt Angst zu Freiheit?
Die Angst reißt den Menschen aus der unreflektierten Vertrautheit mit der Welt heraus; dieser Zustand der Vereinzelung macht dem Individuum seine eigenen Wahlmöglichkeiten und die Verantwortung für sein Selbstsein bewusst.
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- Miriam Schroiff (Author), 2015, Martin Heidegger. Angst als ausgezeichnete Stimmung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300554