Unternehmensprüfung - Erarbeitung einer risikoorientierten Prüfungsstrategie


Hausarbeit, 2002
33 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Prüfung im Fokus der Öffentlichkeit
1.2 Zweck einer Prüfung

2. Rechtliche Grundlagen der Prüfungsplanung

3. Theoretische Analyse der Prüfungsplanung
3.1 Zielgrößen der Prüfungsplanung
3.2. Das Prüfungsrisikomodell
3.2.1 Das Geschäftsrisiko
3.2.2 Das Auftragsrisiko
3.2.3 Das Prüfungsrisiko
3.2.4 Kritische Würdigung des Risikomodells
3.3 Das Konzept der Materiality
3.3.1 Qualifikation der Materiality
3.3.2 Materiality Allokation
3.3.3 Kritische Würdigung des Konzepts der Materiality

4. Umsetzung der Prüfungsstrategie
4.1 Berücksichtigung von Risiko und Wirtschaftlichkeit
4.2 Entwicklung der Prüfungsstrategie
4.3 Erstellung von Prüfungsfeldern
4.4 Ausarbeitung des Prüfungsprogramms

5. Alternativen zum derzeitigen Prüfungssystem und Ausblick
5.1 Erwartungen an die Prüfung
5.2 Kritik am System
5.3 Zukünftige Entwicklungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 : IDW Prüfungsstandarts und Prüfungshinweise (Stand: 8.6.2001)

Abb. 2 : Das Prüfungsrisikomodel

Abb. 3 : Sicherheitsbeitrag der einzelnen Prüfungsmethoden

1 Einleitung

1.1 Prüfung im Fokus der Öffentlichkeit

Am Ende des 20. Jahrhunderts wuchs die Weltwirtschaft in Rekordmassen1 und der Aktienmarkt, der von Kleinanlegern als Geldanlage entdeckt worden war, boomte. Das Interesse der Allgemeinheit an wirtschaftlichen Informationen stieg. Mit dem Wechsel ins neue Jahrhundert verschlechterte sich die konjunkturelle Entwicklung und es kam zum stärksten prozentualen Einbruch des Wachstums der Weltwirtschaft2 seit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. Das Interesse der Öffentlichkeit an der wirtschaftlichen Entwicklung aber blieb, wobei nun die The- matik Aktienmarktentwicklung die anderen Themen verdrängte. Im jetzigen Fokus der Öffentlichkeit stehen Grund und Umstände für Unternehmenskonkurse. In der Vergangenheit galt das Interesse bei einem Unternehmenskonkurs zum größten Teil dem Arbeitsplatzverlust, nun kommt der Verlust von (Beteiligung-)Kapital, das z.T. als Altersvorsorgung von breiten Bevölkerungsschichten gedacht worden war, hinzu. Wie bereits in den 30er Jahren (Weltwirtschaftskrise) wird gesell- schaftspolitisch diskutiert, wie man Konkursen entgegenwirken kann. Am 19.9.1931 wurde im Zuge der Notverordnung die Pflichtprüfung von Bilanzen als Ergänzung zur bereits bestehenden Kontrolle durch den Aufsichtsrat eingeführt3. Diese Pflichtprüfung der Unternehmen durch Wirtschaftsprüfer ist ein Hauptpunkt in der aktuellen Diskussion. Fraglich ist, inwieweit durch eine Prüfung einem Un- ternehmenskonkurs vorgebeugt werden kann. Die Konkurse der Firmen Enron, Worldcom und Comroad sind Beispiele dafür, dass dies zumindest mit dem existie- renden System an Prüfungen nicht zu erreichen ist. Fragen der Zielsetzung, Zweck und Durchführung von Unternehmensprüfungen sind neu zu überdenken. Hierzu bedarf es einer detaillierten Betrachtung des Prüfungsprozesses und dessen theore- tischer Grundlagen.

Wie Prüfer im aktuellen deutschen Pflichtprüfungssystem eine Prüfung planen4 und nach welcher Strategie sie bei der Prüfung vorgehen, soll unter der Berücksichti- gung von aktuellen Prüfungsstandards5 und theoretischer Grundlagen6 in dieser Arbeit betrachtet werden. Abschließend wird im letzten Kapitel der Arbeit auf Probleme des aktuellen Prüfungssystems und eventueller Alternativen eingegan- gen.

1.2 Zweck einer Prüfung

Mit der Änderung der Beteiligungsstrukturen, wie z.B. die Trennung von Inhaber- und Verfügungsmacht am Kapital, änderte sich auch der Zweck der Prüfung. Zum Zeitpunkt der Implementierung der Prüfungspflicht 1931, bzw. 19377, stand der Schutz der Gläubiger im Vordergrund. Dies änderte sich jedoch mit dem Aktien- rechtsreform von 1965. Um den Kapitalbedarf der Unternehmen decken zu können, wollte der Gesetzgeber nun ein breites Publikum für die Anlage in Aktien gewin- nen8 und variierte den Hauptzweck der Prüfung in Richtung Aktionärsschutz9.

Bei der Abschlussprüfung handelt es sich um eine Ordnungsmäßigkeitsprüfung10, d.h., Ziel dieser Abschlussprüfung ist eine Urteilsbildung, inwieweit die Aufstellung des Abschlusses eines Unternehmens mit den anzuwenden Rechnungslegungsnormen übereinstimmt11 und der Abschlussbericht keine wesentlich falschen Aussagen enthält12. Einschätzungen bzgl. der wirtschaftlichen Unternehmenslage für die Zukunft können nicht Bestandteil der Prüfung sein.

2. Rechtliche Grundlagen der Prüfungsplanung

Neben dem HGB13 und der WPO14, die die Rechte und Pflichten des Wirtschafts- prüfers regeln, haben die Verlautbarungen des IDW in der Form von Prüfungsstan- dards (IDW PS) und erläuternden Prüfungshinweisen (IDW PH) Einfluss auf die Prüfungstätigkeit. Das IDW ist die Fachorganisation der Wirtschaftsprüfer und pri- vatrechtlich als e.V. organisiert, daher sind IDW-Verlautbarungen keine gesetzli- chen Normen.

Ein Abweichen von diesen Normen ist nur in begründeten Ausnahmefällen mög- lich und im Prüfungsbericht hervorzuheben. Dies ist des weiteren ausführlich zu begründen sowie im beschreibenden Abschnitt des Bestätigungsvermerks zu be- nennen.

Werden die IDW-Prüfungsstandards ohne gewichtige Gründe nicht beachtet, so ist damit zu rechnen, dass eine solche Abweichung von der Berufsauffassung ggf. in Regressfällen in einem Verfahren der Berufsaufsicht oder der Staatsanwaltschaft zum Nachteil des Abschlussprüfers ausgelegt werden kann15.

Die folgende Abbildung zeigt eine Übersicht über zentrale Normen des IDWs:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : IDW Prüfungsstandarts und Prüfungshinweise (Stand: 8.6.2001)

3. Theoretische Analyse der Prüfungsplanung

3.1 Zielgrößen der Prüfungsplanung

Zentrale Norm für die Planung der Abschlusserstellung stellt der PS 200 dar. Die- ser besagt, dass d er Wirtschaftsprüfer die Abschlussprüfung mit dem Ziel durch- führt, die Aussagenüber das Prüfungsergebnis (Prüfungsaussagen) unter Beach- tung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit mit hinreichender Sicherheit zu treffen.

Hieraus lassen sich zwei Zielgrößen für die Prüfungsplanung ableiten:

- Die Urteilssicherheit und
- Wirtschaftlichkeit.

Urteilssicherheit ist als hinreichende Sicherheit zu verstehen, es „ bedeutet nicht absolute Sicherheit, die bei der Abschlussprüfung nicht zu erreichen ist. Aufgrund der jeder Abschlussprüfung innewohnenden begrenzten Erkenntnis- und Feststel- lungsmöglichkeiten besteht auch bei ordnungsgem äß er Planung und Durchführung ein unvermeidbares Risiko, dass der Abschlussprüfer wesentliche Aussagen ent- deckt. “ 16

Demnach soll das Urteil mit ausreichender Sicherheit gefällt und der wirtschaftlichste Prüfungsprozess ausgewählt werden. Höchstmögliche Urteilsicherheit zu minimalen Kosten gilt als Grundsatz.

Um dies gewährleisten zu können sollte der Prüfer plangerecht vorgehen. Ziel der Planung ist es, den Prüfungsablauf unter sachlicher, personeller und zeitlicher Hin- sicht mit gegebenen Voraussetzungen und Beachtung des Wirtschaftlichkeitsprin- zips optimal ablaufen zu lassen. Somit kann zu einem bestimmten Termin ein Ur- teil mit hinreichender Sicherheit gefällt werden17. Unabhängig von der wirtschaftli- chen Notwendigkeit dieser Planung des Prüfungsablaufes besteht eine Pflicht zur Planung aus dem IDW PS 240.7.

Im Zuge der Prüfungsplanung wird eine Prüfungsstrategie entwickelt. Diese umfasst die Gesamtheit der Prüfungsmaßnahmen und -handlungen zur Erreichung des Prüfungsziels. Basis hierfür ist die Abgrenzung von Prüfungsobjekten18, wobei die Objekte durch handelsrechtlicher Vorgaben19 determiniert sind. Eine Erweiterung der Prüfungsobjekte auf zusätzliche Bereiche ist möglich und benötigt eine Absprache zwischen Prüfer und dem geprüften Unternehmen.

Grundidee dieser Abgrenzung von Prüfungsobjekten ist es, stärker risikobehaftete Bereiche intensiver zu prüfen als weniger risikobehaftete Bereiche. Es handelt sich um den risikoorientierten Prüfungsansatz20. Grundlage dieses Ansatzes ist die Risikoanalyse in Form des Prüfungsrisikomodells.

Mit Hilfe der mit diesem Modell möglichen Risikoeinschätzung unter Berücksich- tigung der Wesentlichkeitseinschätzung, in Form des Konzeptes der Materiality21, kann man wesentliche Risikowahrscheinlichkeiten der einzelnen Bereiche abschät- zen. Durch dieses Wissen kann eine risikoorientierte Vorgehensweise bei der Prü- fung entworfen werden. Das Ergebnis hieraus ist das Prüfungsprogramm22.

3.2. Das Prüfungsrisikomodell

Der Begriff Risiko umschreibt in einem betriebswirtschaftlichen Zusammenhang die Gefahr, bei unvollkommener Menge, Güter und Verwertung von Informationen über eine Fehlentscheidung einen (Opportunitäts-)Verlust, Kapitalverzehr o.ä. zu erleiden23. Zu differenzieren ist hierbei die (Wert-)Höhe des entstehenden Scha- dens von der Verlustgefahr und die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintrittes. Quatitäts- und Intensitätsdimensionen können sowohl subjektiver als auch objekti- ver Art sein. Die folgende Abbildung zeigt die Risiken auf, denen ein Prüfer ausge- setzt ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 : Das Prüfungsrisikomodell

Der Prüfer ist durch seine Prüfungstätigkeit vom Prüfungs-, dem Geschäfts- und dem Auftragsrisiko betroffen. Die einzelnen Risikoarten stehen in funktionaler Ab- hängigkeit zueinander. Während das Geschäfts- und Auftragsrisiko bei allgemeinen wirtschaftlichen Betätigungen auftritt, ist das Prüfungsrisiko speziell durch das Aufgabengebiet des Prüfers bedingt und bedarf deswegen genauerer Analyse24.

3.2.1 Das Geschäftsrisiko

Das Geschäftsrisiko beinhaltet die Gefahr, dass der Prüfer Schaden aus straf-. ziviloder berufrechtlicher Inanspruchnahme erleidet. Neben dem allgemeinen Unternehmerrisiko, dem sich jeder an wirtschaftlichen Prozessen Beteiligte aussetzt, ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsrisikos zu sehen. Ein Abschlussprüfer unterliegt diesem allgemeinem und dem speziellen Geschäftsrisiko des Abschlussprüfers im Besonderen. Fehlurteilen oder Missachtung von Berufsgrundsätze25 stellen Ursachen für spezielle Geschäftsrisiken dar.

[...]


1 Durchschnittliches Jahreswachstum des Bruttosozialproduktes in Deutschland lag bei 4,5 %, in den USA 5,3 %, China 5,5%

2 Jahresverlust des DAX im Jahr 2002 betrug 44 %

3 Vgl. Optiz, M. (1992), S. 13 f.

4 Vgl. Kapitel 4 dieser Arbeit

5 Vgl. Kapitel 2 dieser Arbeit

6 Vgl. Kapitel 3 dieser Arbeit

7 Die Notverordnung stellte die Pflichtprüfung unter zur Disposition der Aktionäre. Das Aktiengesetz im Jahre 1937 schaffte dies für Aktiengesellschaften ab, so dass ein Jahresabschluss nur noch mit vorangegangener Prüfung festgestellt werden konnte.

8 Vgl. Optiz, M. (1992), S. 16

9 Vgl. Geßler, E. (1965), S. 346 f.

10 Vgl. § 317 HGB

11 Vgl. ISA 200.2

12 Vgl. ISA 200.8

13 §§ 316-324 und 332 f HGB

14 §§ 43-56 WPO

15 Vgl. Förschle, G. (2001), S. 285 ff.

16 Vgl. IDW PS 200

17 Vgl. Marten, K.-U.; Quick, R.; Ruhnke, K. (2001), S. 167

18 Vgl. Kapitel 4.1 dieser Arbeit

19 Vgl. § 317 HGB

20 Vgl. Dörner, D. (2002), S. 1745 ff.

21 Vgl. Kapitel 3.3 dieser Arbeit

22 Vgl. Kapitel 4.3 dieser Arbeit

23 Vgl. Philipp, F. (1967), S. 13

24 Vgl. Kapitel 3.2.3 dieser Arbeit

25 Vgl. Dörner, D. (1992) Sp.82

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Unternehmensprüfung - Erarbeitung einer risikoorientierten Prüfungsstrategie
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Prüfungspraxis
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
33
Katalognummer
V30078
ISBN (eBook)
9783638314213
ISBN (Buch)
9783638650625
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Erwartungen an die Unternehmensprüfung sind vielfältiger Natur. Abhängig vom Grad der Informiertheit der Personen wird von der Prüfung das Auffinden von buchhalterischen Fehlern, das Aufdecken von dolosen Handlungen oder die Ver-meidung von zukünftigen Fehlern erwartet. Das Vorhandensein von falschen Erwartungen ist heutzutage Grund für die öffentliche Kritik am System der Unter-nehmensprüfung in den letzten Jahren. ....
Schlagworte
Unternehmensprüfung, Erarbeitung, Prüfungsstrategie, Prüfungspraxis
Arbeit zitieren
Mario Brückner (Autor), 2002, Unternehmensprüfung - Erarbeitung einer risikoorientierten Prüfungsstrategie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30078

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