Was haben Emotionen mit Auktionen und ökonomischen Entscheidungen zu tun? Diese Frage stellen sich Forscher in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr. Es ist mittlerweile allgemein akzeptiert, dass Menschen in der realen Welt nicht immer rational entscheiden, sondern in bestimmten Situationen anders reagieren, als man eigentlich erwarten würde. Dabei kommen meistens positive oder negative Emotionen ins Spiel. Besonders in Online-Auktionen wie zum Beispiel Ebay, spielen diese eine große Rolle. In der Aufregung bzw. in dem Rausch, die Auktion gewinnen zu wollen, werden Gebote abgegeben, die zum Teil weit über dem eigentlichen Wert des Gutes liegen. Dieser hochemotionale Zustand wird auch als "Auktionsfieber" bezeichnet.
Die Arbeit ist folgendermaßen strukturiert: Zuerst werden Grundlagen zur Emotionsregulation erklärt. Dazu gehören Emotionen an sich, die Strategien, wie man Emotionen regulieren kann und der Einfluss der Herzratenvariabilität, auf die noch besonders eingegangen werden soll. Anschließend wird auf Beispiele und Experimente aus weiterer Literatur zu Zeitdruck in Auktionen, aber auch in anderen ökonomischen Situationen verwiesen und der Begriff "Competitive Arousal", der die Erregung beschreibt, die unter anderem durch Zeitdruck hervorgerufen wird, erläutert. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Datenanalyse, nachdem das Experimentdesign vorgestellt wurde. Dabei werden neben allgemeinen Korrelationen besonders der Einfluss der Emotionsregulation auf Arousal und die Gebote untersucht. Abschließend folgt eine Zusammenfassung mit Ausblick auf mögliche zukünftige Forschungsfragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Emotionsregulation
2.1 Emotionen
2.2 Strategien zur Emotionsregulation
2.3 Herzratenvariabilität (HRV)
2.3.1 Physiologische Grundlagen
2.3.2 Analytische Methoden zur Messung der HRV
3. Zeitdruck in Auktionen
3.1 Literatur zu Zeitdruck im Allgemeinen
3.2 Competitive Arousal
3.3 Fazit
4. Datenanalyse
4.1 Experiment
4.1.1 Experimentdurchführung
4.1.2 Experimentdesign
4.2 Ergebnisse
4.2.1 Korrelationen
4.2.2 Untersuchung des Arousals
4.2.3 Untersuchung der Gebote
4.3 Diskussion
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Emotionsregulation auf das Bietverhalten von Teilnehmern in einer japanischen Auktion unter unterschiedlich hohem Zeitdruck, um zu verstehen, wie physiologische Erregung (Arousal) und regulatorische Fähigkeiten ökonomische Entscheidungen beeinflussen.
- Grundlagen der Emotionsregulation und Klassifizierung nach Gross
- Physiologische Mechanismen der Herzratenvariabilität (HRV) als Indikator für Emotionsregulation
- Literaturanalyse zu Zeitdruck, Risikoverhalten und Competitive Arousal in Auktionen
- Empirische Analyse des Zusammenhangs zwischen HRV, physiologischem Arousal und Gebotshöhe
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Physiologische Grundlagen
Der Herzschlag wird durch einen Impuls des Sinusknotens ausgelöst, der die Herzmuskelkontraktion erzeugt. Diese Impulse erfolgen 60-100mal pro Minute im Ruhezustand und werden vom Autonomen Nervensystem (ANS), auch vegetatives Nervensystem (VNS) genannt, beeinflusst. Wenn Menschen Emotionen empfinden, spielt das ANS ohne bewusste Wahrnehmung eine große Rolle im Entstehungsprozess der physiologischen Erregung und kann daher nicht direkt willentlich beeinflusst werden. Es kontrolliert bzw. steuert Organe und lebenswichtige Funktionen und besteht neben dem Enterischen Nervensystem aus zwei Nervensystemen: Dem Sympathikus (Sympathisches Nervensystem, SNS) und dem Parasympathikus (Vagus oder Parasympathisches Nervensystem, PNS), die antagonistisch, d.h. gegensätzlich zueinander handeln.
Das SNS erhöht unter anderem den Blutdruck und beschleunigt die Herzrate in physisch oder psychisch stressigen Situationen. Es bewirkt eine Leistungssteigerung des Organismus und bereitet den Körper auf Angriff oder Flucht vor („fight or flight“). Dieser Prozess erfolgt mit einer Zeitverzögerung von einigen Sekunden aufgrund der Ausschüttung von Norepinephrin durch sympathische Nervenfasern (Appelhans & Luecken, 2006; Thayer & Lane, 2000).
Das PNS agiert komplementär zum SNS, wodurch verschiedene Zustände physiologischer Erregung ermöglicht werden. Es senkt unter anderem den Blutdruck und verringert die Herzrate, wenn der Körper sich in einer emotional stabilen und sicheren Situation befindet, fördert die Verdauung und sorgt für Ruhe und Erholung („rest and digest“). Im Gegensatz zum SNS reagiert das PNS fast unmittelbar auf Umweltbedingungen (innerhalb ca. einer halben Sekunde) durch die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin (Appelhans & Luecken, 2006). Beide Nervensysteme beeinflussen kontinuierlich die Herzaktivität und steuern die Herzrate; je nach Situation dominiert entweder der Parasympathikus oder der Sympathikus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Arbeit thematisiert den Einfluss von Emotionen und Emotionsregulation auf irrationales Bietverhalten in dynamischen Auktionen unter Zeitdruck.
2. Emotionsregulation: Dieses Kapitel definiert Emotionen, stellt Strategien zur Emotionsregulation (Reappraisal vs. Suppression) vor und erläutert die Herzratenvariabilität (HRV) als physiologisches Maß für Regulationsfähigkeit.
3. Zeitdruck in Auktionen: Hier werden Literaturergebnisse zu Zeitdruck in ökonomischen Entscheidungssituationen sowie das Konzept des Competitive Arousal und Auktionsfiebers diskutiert.
4. Datenanalyse: Das Kapitel präsentiert das experimentelle Design einer japanischen Auktion und analysiert Korrelationen sowie Regressionen zwischen HRV, Arousal und Geboten.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Die Hauptergebnisse, insbesondere die dämpfende Wirkung guter Emotionsregulation auf das Arousal unter Zeitdruck, werden resümiert und zukünftige Forschungsrichtungen aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Emotionsregulation, Auktionsfieber, Japanische Auktion, Zeitdruck, Herzratenvariabilität, HRV, Arousal, Competitive Arousal, Bietverhalten, SDNN, LF, Entscheidungsverhalten, Experimentelle Wirtschaftsforschung, autonomes Nervensystem, physiologische Erregung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zur Emotionsregulation, physiologischer Erregung und dem Bietverhalten von Personen in Auktionen unter Zeitdruck.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Emotionsregulation (nach Gross), die physiologische Messung mittels Herzratenvariabilität (HRV), Auktionsmechanismen und der Einfluss von Zeitdruck auf ökonomische Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob und wie unterschiedliche Ausprägungen der Emotionsregulation das Arousal und die Gebotshöhe in Auktionen unter Zeitdruck beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein kontrolliertes Laborexperiment mit 96 Teilnehmern durchgeführt, bei dem 15 japanische Auktionen in zwei verschiedenen Zeitdruck-Treatments gespielt wurden, flankiert von physiologischen Messungen (EKG) und psychologischen Fragebögen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Datenanalyse: Es werden Korrelationen und lineare Regressionen berechnet, um den Einfluss von Variablen wie SDNN, LF und Zeitdruck auf die Herzrate (als Arousal-Maß) und die abgegebenen Gebote zu prüfen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Auktionsfieber, Competitive Arousal, Herzratenvariabilität (HRV), Emotionsregulation und Zeitdruck.
Wie wirkt sich guter Zeitdruck auf das Arousal aus?
Die Daten bestätigen, dass hoher Zeitdruck generell zu einer höheren physiologischen Erregung (höhere Herzrate) führt.
Welchen Effekt hat eine gute Emotionsregulation in der Auktion?
Teilnehmer mit besserer Emotionsregulation (höherer SDNN, niedrigerer LF) zeigen unter hohem Zeitdruck eine geringere physiologische Erregung als Personen mit schlechterer Regulationsfähigkeit.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Emotionsregulation und Auktionsfieber. Durch Zeitdruck hervorgerufener "Competitive Arousal" in ökomomischen Situationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300844