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Deutschland. Zugpferd Europas oder Leben auf Kosten südeuropäischer Länder?

Title: Deutschland. Zugpferd Europas oder Leben auf Kosten südeuropäischer Länder?

Essay , 2013 , 12 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christoph Rahe (Author)

Business economics - Economic Policy
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„Es geht auch dich an, wenn deines Nachbarn Haus brennt“ schrieb der römische Dichter Horaz bereits zwischen 65 und 8 vor Christus. Rund 2000 Jahre später weiß man auch in Deutschland, dass die Staatsschuldenkrise im Euroraum eine Gefahr ist, auch wenn das Feuer derzeit nicht in unmittelbarer Nachbarschaft brennt, sondern besonders in den südeuropäischen Ländern Portugal, Spanien und Griechenland hohe Flammen schlägt.

Man hat also erkannt, dass diese Krise ein Problem ist, das es innerhalb der Europäischen Union zu lösen gilt. Die Verursacher und Schuldigen für diese Krise sucht man bisher fast ausschließlich in den betroffenen Staaten selbst und versucht daher mit hohen Sparauflagen, die man vor allem Griechenland auferlegt, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Welche Rolle Deutschland in der Entstehung dieser Krise eingenommen hat, bleibt allerdings häufig unbeleuchtet.

Die Situation in Deutschland ist schließlich nicht schlecht. Die starke Exportwirtschaft sorgt für Überschüsse bei der Leistungsbilanz, die die Importe und Exporte von Gütern erfasst. Das wiederum führt zu Wohlstand und geringer Arbeitslosigkeit. Deutschland ist innerhalb der Europäischen Union eines der wenigen Länder, die noch nicht in einer Rezession angekommen sind und trägt bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise mit der Bereitstellung von Krediten die größte Last aller EU-Mitgliedsstaaten. Warum sollte man also in Deutschland nach Schuldigen für die derzeitige Situation suchen?

Deutschland hat sich mit einer stark zurückhaltenden Lohnpolitik in den letzten zwei Jahrzehnten einen großen Standortvorteil gegen-über den anderen Staaten der EU verschafft. In Kombination mit einer gestiegenen Produktivität hat das dazu geführt, dass der deutsche Staat weitaus wettbewerbsfähiger ist als andere Staaten. Deutsche Unternehmen können ihre Waren kostengünstig herstellen und im Ausland vertreiben. Folglich erzielt Deutschland hohe Leis-tungsbilanzüberschüsse, die sich unter anderem auf Seiten der südeuropäischen Staaten als Leistungsbilanzdefizite niederschlagen und für eine steigende Staatsverschuldung sorgen. Es stellt sich also die Frage: Ist Deutschland das Zugpferd Europas oder lebt es auf Kosten der südeuropäischen Länder?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Deutschland – Zugpferd Europas oder Leben auf Kosten südeuropäischer Länder?

2. Große Wettbewerbsvorteile machen Deutschland zur Wirtschaftsmacht Europas

3. Die Kehrseite der Medaille – Leistungsbilanzdefizite und Staatsverschuldung in Südeuropa

4. Kaum tragbare soziale Kosten

5. Deutschland muss sich anpassen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Deutschlands innerhalb der europäischen Staatsschuldenkrise und analysiert kritisch, inwiefern deutsche Wirtschafts- und Lohnpolitik zu den ökonomischen Verwerfungen in den südeuropäischen Mitgliedsstaaten beigetragen hat.

  • Analyse der deutschen Exportstärke und deren Auswirkungen auf die Leistungsbilanz
  • Vergleich der Lohnstückkostenentwicklung zwischen Deutschland und Südeuropa
  • Untersuchung der Staatsverschuldung und der ökonomischen Situation in Portugal, Spanien und Griechenland
  • Kritische Bewertung der Sparauflagen und deren soziale Auswirkungen auf die Bevölkerung
  • Diskussion über die notwendigen Anpassungsprozesse innerhalb der Europäischen Währungsunion

Auszug aus dem Buch

Die Kehrseite der Medaille – Leistungsbilanzdefizite und Staatsverschuldung in Südeuropa

Die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit hat also für glänzende wirtschaftliche Bedingungen in Deutschland gesorgt. Für die südeuropäischen Länder bedeutete dies allerdings das Gegenteil. Da ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückging, verschlechterte sich ihre gesamtwirtschaftliche Situation. Unternehmen aus dem eigenen Land verloren Kunden an ausländische Wettbewerber, z.B. aus Deutschland, die ihre Produkte günstiger anbieten konnten. Zusätzlich wurden diese Länder bei der Standortwahl von Unternehmen aus den USA oder Asien immer seltener in die engere Auswahl gezogen.

Die Folge dieser Entwicklung waren sinkende Exporte, was wiederum zu steigenden Leistungsbilanzdefiziten führte. Befürworter der deutschen Lohnpolitik mögen nun entgegnen, dass Griechenland in keinem einzigen Jahr seit 1975 einen Leistungsbilanzüberschuss verzeichnen konnte und die hohen Defizite daher nicht auf die zurückhaltende Lohnpolitik Deutschlands zurückzuführen seien. Dennoch ist es bezeichnend, dass Griechenland, Portugal und Spanien ihre höchsten Leistungsbilanzdefizite in den Jahren 2007 und 2008 hatten - den Jahren, in denen Deutschland die höchsten Leistungsbilanzüberschüsse hatte. Die Defizite betrugen dabei zwischen 10 und 15% des BIP.

Folglich stieg die Staatsverschuldung rasant an. So hat sich die Staatsverschuldung Spaniens in den Jahren 2008 bis 2012 auf etwa 76% des BIP mehr als verdoppelt. Damit befindet sich die Staatsverschuldung zwar immer noch auf einem niedrigeren Niveau als die Deutschlands (82,8%), hat jedoch ein viel schnelleres und damit auch gefährlicheres Wachstum, das in Deutschland 25% beträgt. Der Schuldenstand Portugals kletterte um gut zwei Drittel auf 118% und der Griechenlands um ein Drittel auf 144% des BIP.

Zusammenfassung der Kapitel

Deutschland – Zugpferd Europas oder Leben auf Kosten südeuropäischer Länder?: Einleitung in die Problematik der europäischen Staatsschuldenkrise und die Rolle Deutschlands als Exportnation sowie als vermeintlicher Verursacher von Leistungsbilanzungleichgewichten.

Große Wettbewerbsvorteile machen Deutschland zur Wirtschaftsmacht Europas: Darstellung, wie durch Lohnzurückhaltung und gesteigerte Produktivität ein massiver Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen EU-Staaten erzielt wurde.

Die Kehrseite der Medaille – Leistungsbilanzdefizite und Staatsverschuldung in Südeuropa: Analyse der negativen Auswirkungen der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf die südeuropäischen Volkswirtschaften, die in steigenden Leistungsbilanzdefiziten und Staatsverschuldungen mündeten.

Kaum tragbare soziale Kosten: Untersuchung der sozialen Folgen der Sparmaßnahmen in den betroffenen Ländern, insbesondere in Bezug auf Armutsgefährdung und Arbeitslosigkeit.

Deutschland muss sich anpassen: Kritische Forderung nach einer Abkehr von einseitiger Symptombekämpfung hin zur Beseitigung struktureller Ungleichgewichte, um den Zusammenhalt der Europäischen Währungsunion langfristig zu sichern.

Schlüsselwörter

Staatsschuldenkrise, Europäische Union, Leistungsbilanz, Exportwirtschaft, Lohnstückkosten, Wettbewerbsfähigkeit, Sparauflagen, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsleistung, Euro, Austerität, Strukturwandel, Außenhandel, Währungsunion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, ob Deutschland durch seine exportorientierte Wirtschafts- und Lohnpolitik maßgeblich zur Staatsschuldenkrise in Südeuropa beigetragen hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb der Eurozone, die Lohnpolitik als Standortfaktor und die sozialen Auswirkungen von Sparmaßnahmen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die einseitige Schuldzuweisung an südeuropäische Staaten zu hinterfragen und die Verantwortung Deutschlands im Rahmen der gemeinsamen Währungsunion aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine deskriptive ökonomische Analyse, die statistische Daten von Eurostat und wirtschaftstheoretische Überlegungen zur Leistungsbilanz kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der Lohnstückkosten, die Entstehung der Leistungsbilanzdefizite in Südeuropa und die sozioökonomischen Folgen der Austeritätspolitik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Staatsschuldenkrise, Leistungsbilanz, Lohnstückkosten und Wettbewerbsfähigkeit charakterisiert.

Warum wird Griechenland als spezifisches Fallbeispiel genannt?

Griechenland dient als prominentes Beispiel für ein Land, das durch harte Sparauflagen und rezessive Tendenzen besonders unter der aktuellen Krisenbewältigung leidet.

Was schlägt der Autor als Lösung für die Krise vor?

Der Autor fordert eine Abkehr von reiner Symptombekämpfung und ein aktives Gegensteuern Deutschlands zur Harmonisierung der europäischen Leistungsbilanzen.

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Details

Title
Deutschland. Zugpferd Europas oder Leben auf Kosten südeuropäischer Länder?
College
Private University of Economy and Engineering Vechta-Diepholz-Oldenburg  (Fachbereich Ingenieurwesen)
Course
Wirtschaftspolitik
Grade
1,0
Author
Christoph Rahe (Author)
Publication Year
2013
Pages
12
Catalog Number
V300882
ISBN (eBook)
9783656970927
ISBN (Book)
9783656970934
Language
German
Tags
Wirtschaftspolitik Staatsschuldenkrise Leistungsbilanz Deutschland Griechenland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Rahe (Author), 2013, Deutschland. Zugpferd Europas oder Leben auf Kosten südeuropäischer Länder?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300882
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