Inwiefern war die ökonomische Situation entscheidend für den Aufstieg der NSDAP?


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Der 1.Weltkrieg als Voraussetzung für die Folgezeit

3 Die ökonomische Entwicklung der Weimarer Republik
3.1 Krisenjahre des Anfangs (1919-1923)
3.2 „Goldene Zwanziger“ (1924-1929)
3.3 Wirtschaftskrise und Untergang (1929-1933)

4 Auswirkungen auf die Wählerschaft
4.1 Wahlergebnisse
4.2 Studie van Riel und Schram
4.3 Studie Stögbauer

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1) Problemstellung

In dieser Arbeit sollen die Gründe beleuchtet werden, weshalb die NSDAP so rasant aufgestiegen ist. Das Zentrum der Untersuchung soll sein, wie sich das Wahlverhalten der Bevölkerung in der Weimarer Republik vor dem Hintergrund der ökonomischen Situation verändert hat. Welche Auswirkungen sind zu beobachten? Wie entstand aus einem parlamentarischen Rechtsstaat eine Diktatur?

Im ersten Kapitel wird zudem ein Blick auf die Zeit vor Weimar geworfen. Denn die unmittelbaren Folgen des Ersten Weltkrieges liefern schon wichtige Hinweise und bilden die Grundlage für den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland. Danach wird auf die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der ersten deutschen Republik eingegangen.

Der nächste Abschnitt soll folgende These auf ihre Richtigkeit untersuchen: Die makroökonomische Entwicklung und die Beliebtheit der Regierung sind positiv korreliert (Van Riel/ Schram, 1993, S. 82). Hat die Bevölkerung die Politik anhand von harten Fakten wie Einkommen und Erwerbslosigkeit gemessen? Hierzu soll eine Studie der beiden niederländischen Wissenschaftler Arthur van Riel und Arthur Schram ausgewertet werden.

Um jedoch zweifelsfrei den Effekt der Weltwirtschaftskrise auf die Radikalisierung Deutschlands und damit den Aufstieg der Nazis herauszuarbeiten, soll im letzten Kapitel noch die Studie von Christian Stögbauer vorgestellt werden.

2) Der 1.Weltkrieg als Voraussetzung für die Folgezeit

Die großen Zerstörungen des Krieges hatten in Deutschland kaum Auswirkungen, da er hauptsächlich auf Nicht-Deutschem Territorium ausgetragen wurde. Vielmehr hatte die Regierung mit den politischen, sozialen und ökonomischen Konsequenzen zu kämpfen. Der Staat verschuldete sich bei der Reichsbank und finanzierte den Krieg schlussendlich durch die „Notenpresse“ (Laursen/ Pedersen, 1964, S.132). Um der Inflation entgegenzuwirken, wurden Höchstpreise festgesetzt (für den genauen Gesetzestext siehe: Laband (1914), S.1013f.).

Diese führten dazu, dass fast die Hälfte aller Produkte am Schwarzmarkt gehandelt wurden, da die Bauern und Unternehmen dort bessere Preise erzielen konnten (Bach, 1920, S. 109). Die höheren Preise konnten sich nur reichere Familien leisten, weshalb die Belastungen auf die ärmere Bevölkerung abgewälzt wurden.

Die Folge war eine große Hungersnot, welche durch das Fehlen von Landarbeitern verstärkt wurde, da viele Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden (Blum, 2013, S.1063).

Auch ordnungspolitisch befand sich Deutschland in der Krise: Die Revolution im November 1918 war der Auslöser dafür, dass der Kaiser abdankte und am 9. November die Republik, mit Friedrich Ebert als erstem Reichspräsidenten, ausgerufen worden war. Speziell in Berlin war die Lage jedoch angespannt. Die Spannungen zwischen den verschiedenen, an der Revolution beteiligten, Parteien waren hier so groß, dass beinahe bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten. Die Straßenschlachten fanden im „Spartakusaufstand“ im Januar 1919 ihren Höhepunkt (Winkler, 1998, S.56). Als die beiden führenden Köpfe der KPD, Rosa Luxemburg und Karl Lieberknecht, ermordet wurden, war der Widerstand der Gegner der Republik für das Erste gebrochen.

All diesen Unruhen zum Trotz, stimmte die Nationalversammlung nach schwierigen Verhandlungen schließlich für eine Verfassung, welche am 14. August 1919 in Kraft trat, was im Allgemeinen als das Ende der Gründungsphase gesehen wird (Winkler, 1998, S.105). Die Republik wurde jedoch nur von der SPD, der liberalen DDP und der Zentrumspartei[1] getragen. Die alten Nationalisten lehnten sie hingegen strikt ab, stimmten aus Angst vor einer kommunistischen Lösung schließlich doch für die Verfassung.

Zusammenfassend kann man somit festhalten, dass die Startvoraussetzungen für die demokratischen Parteien in der Weimarer Republik ungünstig, für Radikale wie die NSDAP aber denkbar günstig waren.

3) Die ökonomische Entwicklung der Weimarer Republik

In diesem Abschnitt sollen die Probleme dargelegt werden, mit denen die Weimarer Republik zu kämpfen hatte. Diese sollen aus Gründen der Übersichtlichkeit in 3 Phasen untersucht werden.

3.1. Krisenjahre des Anfangs (1919–1923)

Zuerst sei hier auf den Versailler Vertrag verwiesen, der gemeinhin als „Schandvertrag“ oder „Diktatfrieden“ in Deutschland benannt wurde. Er sah neben einer Verkleinerung des Staatsgebietes auch Reparationszahlungen und die Alleinschuldklausel vor (Artikel 231 des Versailler Vertrages in: Kempe, 2004, S.133). In diesem Zusammenhang soll auch die berühmte Rede von Hindenburg am 18. November 1918 vor der Nationalversammlung, zur Frage nach der Ursache der deutschen Niederlage, nicht unerwähnt bleiben. In dieser erklärte er, dass Deutschland nicht auf dem Schlachtfeld, sondern durch vaterlandslose Zivilisten (gemeint waren die Sozialdemokraten und andere demokratische Politiker) von hinten erdolcht worden sei. Dieser als „Dolchstoßlegende“(Schraepler/Michaelis 1960, S.8.) bekannt gewordene Verleugnung folgten Putschversuche der Nationalsozialisten, wie der Kapp-Putsch, sowie politisch motivierte Morde an Spitzenpolitikern wie Matthias Erzberger (Zentrums Partei) und Walther Rathenau (DDP) (Van Riel/Schram, 1993, S.75).

Das größte ökonomische Ereignis dieser Phase ist sicherlich der große Währungsverfall gewesen, der zu einer Hyperinflation führte. Die während des Krieges geltenden Höchstpreise für Lebensmittel wurden mit dem Beginn der Republik aufgehoben, was die Preise nach oben steigen ließ. Als im Mai 1921 die Alliierten im Ultimatum von London die Reparationszahlungen endgültig auf 132 Mio. Goldmark festlegten und die oben beschriebenen Morde und Putschversuche bekannt wurden, verloren die Bürger das Vertrauen in eine politisch stabile Zukunft. Weil die Geldmenge stark erhöht war, unternahmen viele eine Flucht in die Sachwerte, was zu einem extremen Anstieg der Geldumlaufmenge führte. Folgende Tabelle soll dies deutlich machen:

Tabelle 1: Geldumlaufmenge und Großhandelspreisindex 1913-1923. Quelle: Eigene Darstellung mit den Zahlen aus: Statistisches Reichsamt (1925).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die galoppierende Inflation fand erst durch die Währungsreform von 1924 ihr Ende, als die Geldmenge durch die Einführung der Rentenmark (später Reichsmark) gesenkt wurde (Winkler, 1998, S.242). Bemerkenswert ist, dass die NSDAP nach der Wahl 1924 erstmals im Reichstag vertreten war.[2]

3.2. „Goldene Zwanziger“ (1924 – 1929)

In diesen 5 Jahren erlebte die Weimarer Republik einen regelrechten wirtschaftlichen Aufschwung. Die Neuregelung der Reparationen durch den Dawes-Plan und die darauf folgenden amerikanischen Kredite trugen sicherlich zur Erholung bei (Mommsen, 1998, S.230). Jedoch wurde dieser Plan sowohl von den Rechten, als auch von den Linken als „neue[…] Versklavung des deutschen Volkes“ (Winkler, 1998, S.187) angesehen.

In dieser Zeit gewann Deutschland außenwirtschaftlich an Bedeutung: Es wurden verschiedene Abkommen mit anderen Ländern geschlossen und besonders die Aufnahme in den Völkerbund ist als Meilenstein anzusehen. Auch die Handelsbeziehungen zu anderen Ländern wurden intensiviert: Deutsche Unternehmen haben viel mehr exportiert und besonders Banken erwarben Beteiligungen an ausländischen Firmen („Außenpolitik […] der […] Verständigung“ aus Winkler, 1998, S.391).

Am Ende dieser Phase wurde mit dem Young Plan 1928 erneut ein Vertrag zur Regelung der Reparationszahlungen abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Reparationen auch zeitlich begrenzt und so sollte Deutschland bis zum Jahre 1988 jährlich 2 Mrd. Reichsmark an die Alliierten bezahlen (Beier, 2007, S.333).

[...]


[1] Auch „Weimarer Koalition“ genannt, da diese 3 Parteien in der Nationalversammlung eine Koalition bildeten.

[2] Die NSDAP war in Folge des Hitler Putsches verboten worden, trat daher in den beiden Reichstagswahlen 1924 gemeinsam mit der DVFP unter dem Namen NSFP auf.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Inwiefern war die ökonomische Situation entscheidend für den Aufstieg der NSDAP?
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V300988
ISBN (eBook)
9783668037595
ISBN (Buch)
9783668037601
Dateigröße
880 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, situation, aufstieg, nsdap
Arbeit zitieren
Philipp Schmidt (Autor:in), 2015, Inwiefern war die ökonomische Situation entscheidend für den Aufstieg der NSDAP?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300988

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Inwiefern war die ökonomische Situation entscheidend für den Aufstieg der NSDAP?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden