Kinderarbeit und Kinderschutz während der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Was ist eigentlich Kinderarbeit?

3) Kinderarbeit zur Zeit der Industrialisierung
3.1 Ursachen für die Kinderarbeit
3.2 Kinder in der Landwirtschaft
3.3 Kinder im Bergbau
3.4 Kinder in der Fabrik
3.5 Kinder im Dienstleistungsgewerbe

4) Kinderschutz
4.1 Verhältnis Staat und Kinderarbeit
4.2 Verhältnis Unternehmer und Kinderarbeit
4.3 Kinderschutzgesetze

5) Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

„Stopp Kinderarbeit: Schule ist der beste Arbeitsplatz“ (Welthungerhilfe) und „Aktiv gegen Kinderarbeit“ (earthlink e.V.). Dies sind nur zwei Beispiele für unzählige Kampagnen verschiedener Hilfsorganisationen gegen Kinderarbeit. Auch auf Lebensmitteln oder anderen Produkten ist manchmal ein Siegel wie zum Beispiel „Transfair“ zu finden. Diese sollen darauf aufmerksam machen, dass die Herstellung ohne Kinderarbeit von statten ging. Besonders in Entwicklungsländern, wie Indien oder Bolivien, werden Kinder auch heutzutage ausgebeutet. In Deutschland werden Kinder durch Gesetze vor solcher Arbeit geschützt. So ist die Beschäftigung von Jugendlichen unter 14 Jahren gemäß §5 des Jugendarbeitsschutzgesetzes verboten (Rothe, 2009, S.320).

Dies war jedoch nicht immer so: Denn auch im deutschen Reich mussten Kinder schon im Mittelalter und besonders in der Zeit während der Industrialisierung hart arbeiten.

In dieser Arbeit soll am Anfang darauf eingegangen werden, was Kinderarbeit eigentlich ausmacht und wie diese aus heutiger Sicht definiert wird. Danach wird beleuchtet, warum Kinder besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gezwungen wurden, in so jungen Jahren schon Geld zu verdienen. Was war der Unterschied zu der Zeit vor der Industriellen Revolution?

Dafür werden in zeitlicher Reihenfolge verschiedene Sektoren der Industrie angeschaut. Angefangen bei der Landwirtschaft, dem Gebiet, in dem Kinder immer schon gearbeitet haben, bis hin zu Kindern in der Dienstleistungsbranche.

Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit der Entwicklung des Kinderschutzes im 19. Jahrhundert in Deutschland. Gibt es wirtschaftliche Gründe, die die Arbeit von Kindern rechtfertigten?

Zum Abschluss sollen die Ergebnisse zusammengefasst und der Einfluss der Kinderarbeit auf die Industrielle Revolution betrachtet werden.

2) Was ist eigentlich Kinderarbeit?

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kämpft heute weltweit gegen Kinderarbeit und hat in dem „Übereinkommen 138“ (umgangssprachlich auch „Mindestalter-Konvention“ genannt) von 1973 ein Mindestalter festgelegt. So dürfen Kinder ab einem Alter von 15 Jahren anfangen zu arbeiten, aber auch nur dann, wenn die Schulpflicht beendet wurde (Ulbert, 2005, S.258f.). Ein Kind wird danach als arbeitend bezeichnet, wenn es aktiv am Wirtschaftsgeschehen teilnimmt, also regelmäßig einer Arbeit nachgeht, für die es entlohnt wird. Die ILO sieht in Kinderarbeit eine „Menschenrechtsverletzung“, aufgrund von seelischen und psychischen Belastungen, sowie der Tatsache, dass die Kinder von der Schule ferngehalten werden (Ulbert, 2005, S.263). Diese Definition der ILO wird heute allgemeinhin anerkannt.

Der Historiker Erich Beermann hat in seiner Dissertationsschrift vor gut 100 Jahren den Begriff so gesehen: „Kinderarbeit ist jede gewerbliche körperliche Arbeit, sowie jede sonstige Betätigung, die aus Erwerbsgründen jeglicher Art durch Personen unter 14 Jahren (Kindern) ausgeführt wird“ (Beermann, 1934, S.1).

Anhand dieser beiden recht ähnlichen Interpretationen ist der Begriff der Kinderarbeit, zumindest aus moderner Sicht, gut zu verstehen.

3) Kinderarbeit zur Zeit der Industrialisierung

3.1 Ursachen für die Kinderarbeit

Bevor man sich damit beschäftigen kann, wo die Kinder gearbeitet haben, sollen erstmal die Ursachen beleuchtet werden, warum die Kinder überhaupt arbeiten mussten.

Damals wie heute mussten die Kinder hauptsächlich aus einem Grund arbeiten: Armut. Die Unsicherheit des Arbeitsplatzes und die niedrigen Löhne führten dazu, dass viele Menschen auf den zusätzlichen Verdienst ihrer Kinder nicht verzichten konnten, um überhaupt überleben zu können (Kuczynski, 1968, S.123).

Auch der Pädagoge Karl Reinhold Mühlbauer sah die Ursache in den Existenzbedingungen der Familien. Er stellt heraus, dass aufgrund der wirtschaftlichen Zwänge, besonders in Familien der Unterschicht, „Kinderarbeit als einzig möglicher Ausweg“ erschien (Mühlbauer, 1991, S.25). Der Grund für diese Armut lag hauptsächlich daran, dass sich die Bevölkerung im deutschen Reich zwischen 1817 und 1867 mehr als verdoppelte und so die Arbeitsplätze knapp wurden. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt nahm entsprechend zu.

Dieses rasante Wachstum lag hauptsächlich an den zahlreichen Verbesserungen bei der Hygiene und im Gesundheitswesen. So konnte man einen Anstieg der Geburtenrate und einen Rückgang der Sterberate erkennen. Die folgende Abbildung zeigt die Bevölkerungsentwicklung im Kreis Hagen (Preußen) an, welcher exemplarisch für den Rest des deutschen Reiches dienen soll:

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung in Hagen 1817 bis 1867. Quelle: Eigene Darstellung mit den Daten aus: Hohorst, 1977, S.157.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Des Weiteren soll hier nicht vergessen werden zu erwähnen, dass die Industrialisierung für die verstärkte Nachfrage nach Kindern als Arbeitskräfte verantwortlich war. So war durch den technischen Fortschritt reine physische Kraft oft nicht mehr notwendig, da die Maschinen einen Großteil der Arbeit verrichteten. Die kleineren Hände und der geringere Körperbau machten Kinder für verschiedene Arbeiten zusätzlich interessant: So konnten die Webstühle von diesen viel besser gereinigt werden und in engen Umgebungen wie Kohleschächten und Abwasserkanälen kamen sie besser zurecht als Erwachsene (Kirchhöfer, 2009, S.27f.).

Die Ursachen für Kinderarbeit liegen jedoch etwas tiefgründiger, als sich auf den ersten Blick vermuten ließe. Es drängt sich förmlich die Frage auf: Wurden die Kinder damals schon als Kinder wahrgenommen und gestand man ihnen überhaupt eine Kindheit nach heutigem Verständnis zu?

Dazu schrieb Philippe Ariès, dass in der Gesellschaft bis in die Mitte des 19.Jahrhundert, die Kindheit nur solange dauerte, bis das Kind selbstständig und ohne fremde Hilfe auskommen konnte (etwa bis zum fünften/sechsten Lebensjahr). Aus seiner Sicht wurden die Kinder „damals übergangslos zu den Erwachsenen gezählt“ (Ariès, 1975, S.45f.).

In den nachfolgenden Abschnitten wird auf die verschiedenen Betätigungsfelder der Kinder eingegangen. Es soll geklärt werden, wie sich das Beschäftigungsverhältnis wie auch das Gesellschaftsbild verändert hat.

3.2 Kinder in der Landwirtschaft

Es scheint fast, als wären die beiden Begriffe Landwirtschaft und Kinder untrennbar miteinander verbunden. Dies erscheint kaum verwunderlich, haben Jungen und Mädchen doch schon immer auf dem Feld gearbeitet.

Kinder wurden sowohl als Erntehelfer, beim Gemüseanbau, zu Stallarbeiten und besonders oft zum Viehhüten eingesetzt (Mühlbauer, 1991, S.25). Falls die Eltern etwas wohlhabender waren und eigenen Grundbesitz hatten, wurden die Kinder auf dem familieneigenen Betrieb oder Hof eingesetzt. Waren die Eltern jedoch Untertanen von Großgrundbesitzern, so mussten die Kinder in den Gesindedienst eintreten und für reichere Leute arbeiten (Knapp, 1927, S.23). Dieser Zwang ist in der Geschichtswissenschaft allgemeinhin als „Gesindezwangsdienst“ bekannt geworden. Erst mit der Bauernbefreiung wurde diese Pflicht abgeschafft, was die Kinderarbeit in der Agrarwirtschaft jedoch nicht im Geringsten verhinderte (Knapp, 1927, S.286).

Um zu zeigen, dass Kinderarbeit in der Landwirtschaft in Deutschland auch noch bis ins 20. Jahrhundert existierte, sei hier auf eine Erhebung der Reichsregierung über landwirtschaftliche Kinderarbeit aus dem Jahre 1904 verwiesen:

„Im Jahre 1904 waren von stark 9.114.000 Volksschulkindern unter 14 Jahren rund 1.770.000 in Land-und Forstwirtschaft beschäftigt. […] Festgestellt wurden ferner 446.575 Kinder, die außerhalb der Ferien über sechs Stunden täglich tätig waren[…]“ (Simon, 1925, S.30f.).

Die Lebensbedingungen in der Landwirtschaft waren mehr als erschreckend und derart menschenunwürdig, dass der württembergische Parlamentarier Moritz Mohl, der im Jahr 1828 mit der staatlichen Gewerbeförderung beauftragt wurde, von einer „schreckliche[n] Verwahrlosung, welche in Gegenden ländlicher Überbevölkerung Kinder von Eltern erfahren [würden]“ sprach (Mohl, 1828, S.45).

Darüber hinaus beschrieb er die harten Arbeitsbedingungen als eine den Kräften unangemessene Anstrengung und konnte als Folge dessen viele Kinder mit verkrüppeltem Körperbau und anderen körperlichen Verletzungen beobachten (Mohl, 1828, S.46).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kinderarbeit und Kinderschutz während der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V300989
ISBN (eBook)
9783656971702
ISBN (Buch)
9783656971719
Dateigröße
1189 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinderarbeit, kinderschutz, industrialisierung, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Philipp Schmidt (Autor), 2015, Kinderarbeit und Kinderschutz während der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300989

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