Kaum ein Thema ist in der Weltöffentlichkeit so häufig und massiv präsent und scheidet die Geister wie der Nahost-Konflikt. Gerade jetzt, Ende 2014, sind in allen Medien wieder die Bilder der wachsenden Gewalt in Israel und dem Nahen Osten zu verfolgen. Im März 2015 stehen Wahlen in Israel an und es ist eine spannende Frage, ob sich der Trend des Aufstiegs rechtspopulistischer Politiker wie Avigdor Liberman fortsetzen wird.
Sollte es sich so verhalten, so würde das erhebliche Beeinträchtigungen der palästinensisch-israelischen Beziehungen sowie des Nahost-Friedensprozesses insgesamt mit sich bringen. Heute scheint es schwer nachvollziehbar, wie es immer wieder zu derart heftigen Gewaltausbrüchen in dieser Region kommen kann. Das ursprüngliche "David gegen Goliath Image" Israels hat sich dabei vollkommen verkehrt. Der ursprünglich jüdisch-israelische David, welcher gegen den arabischen Goliath kämpft, ist ein Bild, welches der Vergangenheit angehört. Das heutige Bild stellt präsentiert rollende Panzer des israelischen Goliath auf den nur mit Steinen bewaffneten palästinensischen David.
Gerne werden in den Medien die brutalen Selbstmordattentate fundamentaler islamischer Terrororganisationen wie Hamas oder Islamischer Djihad übersehen. Israel ist ein Staat, der seit jeher um seine Existenz fürchten musste. Er entstand in einer ihm ausschließlich feindlich gesonnenen Umwelt. Fast zwangsläufig stellt sich die Frage, wie dieser Staat seine Existenz bislang sichern konnte und weiterhin kann. Dabei ist die Frage der Außenpolitik von höchster Bedeutung. Gerade in Israel ist die Außenpolitik ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitspolitik. Die Stellung Israels in der Region und der Welt wäre ohne eine klar strukturierte politische Linie nicht denkbar. Die vorliegende Arbeit soll erörtern, wie sich die außen- und sicherheitspolitische Situation in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten entwickelt hat und entwickeln wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen und Hintergründe israelischer Außen- und Sicherheitspolitik
3. Innenpolitische Faktoren
4. Die Beziehungen zu Europa
5. Die Beziehungen zu den USA
6. Die Beziehungen zu den umliegenden Staaten
7. Israels Politik gegenüber den Palästinensern
8. Aktuelle Situation Israels in der Welt
9. Tendenz und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und die aktuellen Tendenzen der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Wechselwirkung zwischen dem Nahostkonflikt, der Innenpolitik und den internationalen Beziehungen liegt. Ziel ist es, die sicherheitspolitischen Determinanten sowie die veränderte außenpolitische Wahrnehmung Israels in einem dynamischen regionalen Umfeld kritisch zu analysieren.
- Grundlagen und sicherheitspolitische Prinzipien des Staates Israel
- Einfluss innenpolitischer Faktoren und Parteienlandschaften auf die Außenpolitik
- Bilaterale Beziehungen zu Europa und den USA
- Die israelische Politik gegenüber den Palästinensern und der Friedensprozess
- Herausforderungen durch den Arabischen Frühling und die regionale Stabilität
Auszug aus dem Buch
2. Grundlagen und Hintergründe israelischer Außen- und Sicherheitspolitik
Die Außeninteressen Israels und seine Beziehung zu anderen Staaten sind grundsätzlich geprägt von seiner permanenten existenziellen Bedrohung durch die Nachbarstaaten und dem Nahostkonflikt. Seit der Staatsgründung Israels 1948 wird dessen Existenzrecht von seinen arabischen Nachbarn nicht anerkannt. Nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948/49 konnte Israel mit keinem der angreifenden arabischen Staaten zunächst einen Friedensvertrag schließen. Stattdessen wurde zwischen den Kriegsparteien ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen und so sah sich Israel einer permanenten Bedrohung durch seine Nachbarn ausgesetzt. Diese Angst vor einem Angriff durch die Nachbarn zumindest bis 1979 den Kern der israelischen Sicherheitspolitik. Daher bildet den wesentlichen Aspekt der Sicherheitsstrategie Israels das Prinzip der Abschreckung.
Da die arabischen Staaten quantitativ definitiv überlegen waren, versuchte Israel, eine qualitative Überlegenheit zu erreichen. Die Beibehaltung dieser sogenannten "quality edge" bildet bis heute eine der wichtigsten Prinzipien der israelischen Sicherheitspolitik. Darüber hinaus bemühte sich Israel bereits seit den 50er Jahren, dieses Abschreckungspotenzial durch den Aufbau nuklearer Kapazitäten zu erweitern. David Ben Gurion sagte hierzu, er möchte eine "Balance der Angst" schaffen. Eine offizielle Deklarierung zur Atommacht hat bis heute nicht stattgefunden und auch bisher noch kein Atombombentest. Dennoch ist die weltweit einhellige Meinung, dass Israel über eine nukleare Zweitschlag-Kapazität verfügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Wandlung des israelischen Selbstbildes und verortet die Arbeit in der aktuellen außen- und sicherheitspolitischen Debatte.
2. Grundlagen und Hintergründe israelischer Außen- und Sicherheitspolitik: Dieses Kapitel definiert die Sicherheitsstrategie, die durch Abschreckung, qualitative Überlegenheit und ein nukleares Drohpotenzial geprägt ist.
3. Innenpolitische Faktoren: Hier wird der Einfluss gesellschaftlicher Werte, des Militärs und der fragmentierten Parteienlandschaft auf die politische Entscheidungsfindung untersucht.
4. Die Beziehungen zu Europa: Das Kapitel analysiert die Entwicklung der diplomatischen und wirtschaftlichen Bindungen sowie die wachsenden Spannungen aufgrund der Siedlungspolitik.
5. Die Beziehungen zu den USA: Die Analyse konzentriert sich auf die strategische Partnerschaft, die wechselvolle Geschichte der US-Unterstützung und die innenpolitische Bedeutung dieser Allianz.
6. Die Beziehungen zu den umliegenden Staaten: Dieses Kapitel betrachtet die Konflikte mit den Nachbarländern sowie die Bemühungen um Friedensverträge und die Rolle regionaler Sicherheitsbedrohungen.
7. Israels Politik gegenüber den Palästinensern: Der Fokus liegt auf der Besatzungs- und Siedlungspolitik, dem Scheitern des Oslo-Friedensprozesses und der Gewaltspirale der letzten Jahrzehnte.
8. Aktuelle Situation Israels in der Welt: Hier wird die zunehmende internationale Isolation Israels und die mediale Wahrnehmung der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen beleuchtet.
9. Tendenz und Ausblick: Das Fazit fasst die Kontinuitäten israelischer Politik zusammen und wagt einen vorsichtigen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung unter dem Eindruck nationaler Wahlen.
Schlüsselwörter
Israel, Nahostkonflikt, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Palästinenserfrage, Siedlungspolitik, Abschreckung, USA, Europa, Arabischer Frühling, Militärdoktrin, Zweistaaten-Lösung, Diplomatie, Radikalisierung, Staatsräson.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik von der Staatsgründung bis zum Jahr 2014.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das Prinzip der Abschreckung, das Verhältnis zu den USA und Europa sowie die komplexe Palästinenserfrage.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sicherheitspolitische Notwendigkeiten und innenpolitische Faktoren das außenpolitische Handeln Israels bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und offiziellen Berichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sicherheitsgrundlagen, Parteienlandschaften, regionalen Beziehungen und der anhaltenden Konfrontation mit den Palästinensern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Nahostkonflikt, Sicherheitspolitik, Siedlungspolitik und diplomatische Isolation charakterisieren.
Wie beeinflusst die Innenpolitik die Außenpolitik Israels?
Die hohe Fluktuation und Fragmentierung der Regierungskoalitionen führt zu starken Schwankungen und einer oft defensiven oder kompromisslosen außenpolitischen Linie.
Warum ist das Verhältnis zur EU derzeit angespannt?
Hauptgrund ist die anhaltende israelische Siedlungspolitik im Westjordanland, die von der EU zunehmend kritisch gesehen und diplomatisch sanktioniert wird.
- Quote paper
- Sidney Sauer (Author), 2014, Entwicklung und Tendenzen der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300990