Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch in Russland seit der ersten Amtszeit Putins im Jahr 2000


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs in Russland

3. Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch in Russland seit der ersten Amtszeit Putins im Jahr 2000
3.1 Gesetzesänderungen
3.1.1 Kontrolle der Produktion
3.1.2 Steuern
3.1.3 Einschränkung des Verkaufs und des Konsums
3.1.4 Werbung
3.1.5 Trunkenheit am Steuer
3.2 Staatlich initiierte Werbekampagnen und Aufklärung am Beispiel Zdorovaja Rossija

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alkoholismus ist seit jeher ein Problem in Russland – und schon sehr früh begann auch der Staat, sich durch Besteuerung und Regulierung in die Alkoholherstellung und den -verkauf einzumischen.

Laut WHO umfasste der durchschnittliche Jahresverbrauch an reinem Alkohol in Russland in den Jahren 2003 bis 2005 15,7 Liter,[1] in den Jahren 2008 bis 2010 15,1 Liter.[2] Damit belegt Russland nach wie vor den vierten Platz des weltweit höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsums.[3] Zwischen 2006 und 2010 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Manns 62,8 Jahre; das sind fast zehn Jahre weniger als der europäische Durchschnitt.[4] Immer wieder wird dies mit dem starken Alkoholmissbrauch in Russland in Verbindung gebracht.[5]

Bedenkliche Werte – was macht der russische Staat, um den hohen Alkoholkonsum und die damit einhergehende geringe Lebenserwartung zu bekämpfen? Die vorliegende Arbeit behandelt den Zeitraum ab der ersten Amtszeit Vladimir Putins im Jahr 2000, da sich der derzeitige Präsident als bekennender Nichttrinker inszeniert. Putin[6] hat zusammen mit Dmitrij Medvedev[7] nach dem Alkoholiker Boris El'cin[8] [9] die erste große Anti-Alkohol-Kampagne seit Gorbačëv[10] eingeleitet.[11]

Zunächst zeichnet die Arbeit einen kurzen Abriss der Geschichte der Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs in Russland, danach wird auf aktuelle Gesetzesänderungen eingegangen. Außerdem wird die staatlich initiierte Kampagne Zdorovaja Rossija, die einen ihrer Schwerpunkte auf Alkohol- und Drogenbekämpfung setzt, behandelt.

Aufgrund der Aktualität dieses Themas wird in der vorliegenden Arbeit hauptsächlich auf Internetquellen zurückgegriffen.

2. Die Geschichte der Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs in Russland

Schon seit dem 16. Jahrhundert wird der Verkauf von Alkohol in Russland besteuert.[12] Nicht immer jedoch beabsichtigten die jeweils Regierenden damit die Bekämpfung des Alkoholkonsums, vielmehr sollte oftmals die Staatskasse mit der Besteuerung von Alkohol gefüllt werden. So machte Mitte des 18. Jahrhundert der Erlös durch Alkoholsteuern rund ein Drittel der Staatseinnahmen aus.[13]

1649 wurde im Gesetzbuch, dem sogenannten Uloženie, das private Brauen gänzlich verboten und der Verkauf von Alkohol nur noch in sogenannten Kabaks, also Kneipen, gestattet.[14] Aber diese Maßnahme diente weniger der Vermeidung von Alkoholmissbrauch, als vielmehr dem kontrollierten Trinken unter staatlicher Aufsicht, um sich die Steuereinnahmen zu sichern.

Unter Zar Nikolaj II. wurde 1914 das trockene Gesetz erlassen, welches dem Volk ausnahmslose Nüchternheit vorschrieb.[15] Auch in der Sowjetunion gab es harte Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch der Bevölkerung. Man hielt zunächst an dem trockenen Gesetz fest.[16] Herstellung und Verkauf von Alkohol waren gesetzlich verboten, bei Zuwiderhandlung drohte eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren und die Konfiszierung des privaten Vermögens.[17] In Berichten aus jener Zeit wird das russische Volk von ausländischen Reisenden als das „nüchternste Volk der Welt“[18] beschrieben. Jedoch gab es auch in der Zeit vor 1920 Fälle von lebensgefährdendem Alkoholkonsum und Beschaffungskriminalität. Die bolschewistische Regierung hatte das Alkoholproblem aber für kurze Zeit in den Griff bekommen.[19]

1925 begann der sowjetische Staat vermehrt, erzieherische Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch anzuwenden. Man suchte nach gesellschaftlichen Ursachen der Alkoholsucht und begann, Alkoholiker medizinisch zu behandeln. Außerdem wurde an Schulen Aufklärungsarbeit geleistet. 1926 wurde im damaligen Leningrad die erste öffentliche Ausnüchterungsstation eröffnet.[20]

Aus den darauffolgenden Jahren gibt es kaum wissenschaftliche Arbeiten oder Berichte zum Thema Alkohol in Russland. Statistiken sind nicht repräsentativ und meist lückenhaft. Sowohl die soziale als auch die wirtschaftliche Rolle des Alkohols wurde weder medial noch von staatlicher Seite thematisiert. Anhand der Verkaufszahlen von Lebensmitteln, die zum Selbstbrennen von Alkohol benötigt werden, und aufgrund von Berichten von Emigranten kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Alkoholkonsum in der Sowjetunion sehr hoch war.[21]

1972 wurde es russischen Geschäften verboten, vor 11 Uhr und nach 19 Uhr alkoholische Getränke zu verkaufen, sonntags bestand ein ganztägiges Verkaufsverbot. Des Weiteren wurde Wodka fast nur noch in 0,5-Liter-Flaschen verkauft, die 0,25-Liter-Fläschchen verschwanden weitgehend aus den Regalen.[22]

Die nächste umfassende Anti-Alkohol-Kampagne gab es unter Gorbačëv. Sein Ziel war es, die Bevölkerung Russlands verstärkt über die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum aufzuklären.[23] Außerdem ließ er die Alkoholproduktion auf die Hälfte reduzieren, ordnete an, einen großen Teil der Weinberge, vor allem in der Schwarzmeerregion, zu roden und hob das gesetzliche Mindestalter für legalen Alkoholkonsum von 18 auf 21 Jahre an. Staatliche Alkoholgeschäfte durften erst ab 14 Uhr Alkohol verkaufen.[24] Außerdem war im ‚Beschluss über die Maßnahmen zur Überwindung der Trunksucht und des Alkoholismus, zur Ausrottung der Schwarzbrennerei‘ des Ministerrats der UdSSR eine antialkoholische Medienkampagne geplant, die sowohl im Schulunterricht wie auch über Medien über die Folgen des Alkoholmissbrauchs aufklärt. Wörtlich heißt es:

[...]


[1] Pro Person über 15 Jahre, vgl. WHO: Global status report on alcohol and health 2011, Russian Federation.

[2] Pro Person über 15 Jahre, vgl. WHO: Global status report on alcohol and health 2014, S. 233

[3] Pro Person über 15 Jahre, vgl. ebd.

[4] Vgl. o.A.: Lebenserwartung steigt enorm.

[5] Laut einer im Fachmagazin Lancet veröffentlichten Studie haben 35- bis 54-jährige russische Männer, die rauchen und mindestens 1,5 Liter Wodka pro Woche trinken, ein Risiko von 35 Prozent, in den kommenden 20 Jahren zu sterben, bei geringerem Alkoholkonsum sinkt die Wahrscheinlichkeit auf 16 Prozent. Die Todesrate ist laut Studie unter anderem auf Alkoholvergiftungen, Unfälle, Gewaltkonflikte, Suizid und alkoholbedingte Krankheiten zurückzuführen. Vgl. Zaridze/Lewington: Alcohol and mortality in Russia.

[6] Präsident der Russischen Föderation von 2000 bis 2008 und seit 2012, dazwischen Ministerpräsident, seit 2012 wieder Präsident.

[7] Präsident der Russischen Föderation von 2008 bis 2012, seither Ministerpräsident.

[8] Präsident der Russischen Föderation von 1991 bis 1999.

[9] Vgl. o.A.: Boris Jelzin [sic].

[10] Generalsekretär der KPdSU von 1985 bis 1991, 1990 bis 1991 Präsident der Sowjetunion.

[11] Vgl. o.A.: Kreml startet neue Anti-Alkoholkampagne in Russland.

[12] Vgl. White: Russia Goes Dry, S. 11.

[13] Vgl. ebd., S. 12.

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. Majurov: Suchoj zakon v Rossijskoj imperii.

[16] Vgl. Biss: Alkoholkonsum und Trunkenheitsdelikte in Russland, S. 8.

[17] Vgl. White: Russia Goes Dry, S. 17.

[18] Zitiert nach Biss: Alkoholkonsum und Trunkenheitsdelikte in Russland, S. 9.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. White: Russia Goes Dry, S. 23.

[21] Vgl. Biss: Alkoholkonsum und Trunkenheitsdelikte in Russland, S. 12f.

[22] Vgl. Rohsenow/Howland: The role of beverage congeners in hangover and other residual effects of alcohol intoxication, S. 76ff.

[23] Vgl. White: Russia Goes Dry, S. 72.

[24] Vgl. Sovet Ministrov SSSR: Postanovlenie o merach po preodoleniju p'janstva i alkogolizma.

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Details

Titel
Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch in Russland seit der ersten Amtszeit Putins im Jahr 2000
Hochschule
Universität Potsdam  (Slavistik)
Veranstaltung
Šči da kaša, pišča naša: Essen und Trinken in der russischen Kulturgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V300997
ISBN (eBook)
9783656971689
ISBN (Buch)
9783656971696
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Wodka, Alkohol, Russland, Putin, Alkoholprohibition, Zdorovaja Rossija, Anti-Alkohol-Kampagne
Arbeit zitieren
Christina Spitzmüller (Autor), 2015, Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch in Russland seit der ersten Amtszeit Putins im Jahr 2000, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300997

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