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Das Bild Polens und der Polen in der deutschen Literatur am Beispiel ausgewählter Texte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart

Title: Das Bild Polens und der Polen in der deutschen Literatur am Beispiel ausgewählter Texte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart

Thesis (M.A.) , 2000 , 66 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Magister Artium Andrea Himmelstoß (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Eines wird schnell deutlich auf der Zugfahrt durch Niederschlesien von der deutschen Grenze, von Dresden und Görlitz, in Richtung Breslau : Alles ist polnisch…

Weil sie in ihrer Umhängetasche aus Kalbsleder jederzeit zwei von den sechs [Einkaufsnetzen, AH] mit sich führte, leitete er diese Vorsorge von der in allen Ostblockstaaten herrschenden Mangelwirtschaft ab: ‚Plötzlich gibt es irgendwo frischen Blumenkohl, …

Zwei Menschen beschreiben ihre Eindrücke in Polen. Der – nicht fiktive - Journalist Strothmann leitet seine Reportage „Polens Wille zum Wandel“ mit Feststellungen ein, die zu einigen polemischen Bemerkungen herausfordern könnten. Doch soll ein Vergleich zur Illustration genügen: Türkei- oder Amerikareisende werden sich wohl kaum darüber wundern, wenn sie in ein Land einreisen, in dem kein Deutsch gesprochen und verstanden wird. Man mag dem Autor zugute halten, daß er mit seinen Feststellungen auf die wechselvolle Geschichte Niederschlesiens anspielen will. Man kann aber auch zu dem Schluß kommen, daß Strothmann hier ein gewisses Mißtrauen ausdrückt, wenn er sagt, daß Kenntnisse der deutschen Sprache auf Seiten der Polen, die ihm begegnen, nicht erkennbar sind. Denn dies impliziert ja, daß sie dem Fremden, womöglich der polnischen Sprache Unkundigen, reserviert entgegentreten. Was der Autor aufgrund der Rolle der Deutschen in der Vergangenheit sicher auch verstehen würde, so scheint es mitzuklingen. Und gerade diese subtile Mischung von Mißtrauen und Verständnis ist es, welche die Wirksamkeit der Vorbehalte deutlich macht. Verständnis basiert hier auf der Nutzung des Verstandes, ist rational begründet und wird positiv bewertet. Doch unter der Schicht des Verständnisses entlarvt der Autor die emotionale Ebene seines Mißtrauens unbeabsichtigt selbst. Die Beschreibung der Freundlichkeit und des Bemühens um Kontakt, denen er begegnet, ist nur auf den ersten Blick positiv konnotiert. Ist es doch nur ein Lächeln, mit dem man mit ihm kommuniziert. Darüber hinaus erinnert seine Beschreibung der Kontaktaufnahme bei ungenügender fremdsprachlicher Qualifikation an die Beschreibung von Ureinwohnern in zu kolonisierenden Gebieten. Die eigene Unfähigkeit, die Menschen in deren Muttersprache anzusprechen, wird nicht reflektiert und keineswegs in Frage gestellt, die Muttersprache des Reisenden erscheint als Maßstab.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Fragestellung

2.1 Gegenstand der Untersuchung

2.2 Der Einfluß von Stereotypen

2.3 Kategorien

2.4 Zwischen Panorama und Spiegelbild

2.5 Literarische Bilder vom Land Polen und von polnischen Menschen

3. Zur Illustration des Bisherigen: Bestandsaufnahme

3.1 Die Zeit der Polenlieder

3.2 Der Umschwung

4. Bilder der polnischen Nation

4.1 Die Verwendung nationalistischer Termini in der Literatur

4.2 Die Vermeidung von Nationalitätsbezeichnungen

4.3 „E bißche vom polnischen Leichtsinn“

4.4 Nationalität als abgrenzende Eigenschaft

4.5 Die Relativität von nationalen Stereotypen

4.6 Von der Ebene des Konkreten zu übergreifenden Erklärungen

5. Bilder der Individuen

5.1 Zwischen deklarierter Völkerfreundschaft und Individualität

5.2 Gemeinsamkeiten

5.3 Einzelne Menschen im Fokus der literarischen Beschreibung

5.3.1 Die Witwe Piątkowska

5.3.2 Kindheiten

5.4 Objekte im Zoom

6. Wahrgenommenes

6.1 Städtebilder

6.2 "Daß Häuser altern, hast du gewußt."

6.3 Landschaften

6.4 Ausdruck der Eindrücke

7. Alltagsdarstellungen – Die Bedingtheit des täglichen Lebens

7.1 Gastfreundschaft

7.2 Auseinandersetzungen

7.3 Markttage

7.4 Schwarzmarkt und Jugend

7.5 Entwicklungen: Kirche und Solidarność

7.6 Maßstäbe

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung Polens, seiner Bevölkerung und des Alltags in der deutschsprachigen Literatur von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Ziel ist es, imagologische Muster und die Wirksamkeit nationaler Stereotype zu analysieren, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Literatur durch differenzierte Darstellungen diesen Vorurteilen entgegenwirken kann.

  • Imagologische Untersuchung der Polenbilder in der deutschsprachigen Literatur.
  • Analyse der Wirksamkeit von nationalen Stereotypen und Vorurteilen.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Individuum und nationaler Identität.
  • Reflexion über die Bedeutung historischer und politischer Entstehungskontexte der Texte.
  • Bewertung des Beitrags der Literatur zum besseren gegenseitigen Verständnis.

Auszug aus dem Buch

Die Verwendung nationalistischer Termini in der Literatur

August Scholtis schrieb das Buch „Reise nach Polen. Ein Bericht“ 1962 anläßlich einer vierwöchigen Reise in das Nachbarland. Die Neuordnung der Staatsgrenzen und die historischen Entwicklungen der Beziehungen zwischen Polen und Deutschland vor dieser Neuordnung sind ebenso zentrale Themen seines Textes wie der explizite Versuch, den Menschen beider Länder gerecht zu werden:

Zwischen Deutschland und Polen ausgleichende Worte zu versuchen, scheint mir heute ein fast vergebliches Unterfangen. [...] Trotzdem wird mein Bericht bemüht sein, den Deutschen und den Polen zu gleichen Teilen gerecht zu werden.

Auch ohne beim Lesen den Vorwurf Stübens an Scholtis, er hätte während des Dritten Reiches unbekümmert nationalsozialistische Termini verwandt, ständig zu beachten, mutet Scholtis‘ Ausdrucksweise doch manches Mal reaktionär an: „Gesichter, schmal, weder backenknochig noch ostisch.“ In der Negation nationalsozialistischer Stereotype verweist der Sprachgebrauch immer noch auf ein nationalistisches Bedürfnis nach Abgrenzung. Zuweilen ist die Ausdrucksweise Scholtis erschreckend. Zum Beispiel im Anschluß an ein Zitat Ludendorffs, daß an die Schlacht von Tannenberg anknüpft und in dem Ludendorff den Verlust Jahrhunderte alter [deutscher, AH] Kultur befürchtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Thematik und Illustration durch erste Textbeispiele, die das Mißverhältnis von Vorurteil und Realität verdeutlichen.

2. Zur Fragestellung: Definition des imagologischen Untersuchungsgegenstandes und der vier zentralen Kategorien der Analyse.

3. Zur Illustration des Bisherigen: Bestandsaufnahme: Historischer Rückblick auf die Entwicklung vom idealisierten "edlen Polen" zum negativ konnotierten Polenbild.

4. Bilder der polnischen Nation: Analyse der abstrakten Darstellung der polnischen Nation und der Wirksamkeit nationalistischer Denkmuster.

5. Bilder der Individuen: Untersuchung der Darstellung polnischer Einzelpersonen und deren Potential zur Identifikation und Differenzierung.

6. Wahrgenommenes: Auseinandersetzung mit der literarischen Abbildung von Städten und Landschaften als Ausdruck der Wahrnehmung.

7. Alltagsdarstellungen – Die Bedingtheit des täglichen Lebens: Analyse der Darstellung des Alltags, inklusive Themen wie Gastfreundschaft, Marktgeschehen und gesellschaftliche Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Polenbild, Imagologie, Literaturwissenschaft, Stereotype, Deutsch-Polnische Beziehungen, Nationale Identität, Literatur der Nachkriegszeit, Vorurteilsbildung, Individuum, Gesellschaft, Sozialismus, Erinnerungskultur, Identifikation, Differenzierung, Fremdbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der imagologischen Untersuchung des Bildes von Polen und den Polen in der deutschsprachigen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Analyse von nationalen Stereotypen, die Darstellung von Individuen, die Wahrnehmung von Landschaften und Städten sowie die Schilderung des Alltags unter dem Einfluss historischer und politischer Gegebenheiten.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob und wie die deutschsprachige Literatur durch differenzierte Darstellungen dazu beitragen kann, Stereotype abzubauen und das gegenseitige Verständnis zwischen Polen und Deutschen zu fördern.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine imagologische Analyse im Kontext der Komparatistik, die verschiedene literarische Gattungen wie Romane, Reiseberichte und Prosa anhand ausgewählter Textbeispiele untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier Kategorien: Bilder der polnischen Nation, Bilder der Individuen, Bilder der sinnlich wahrnehmbaren Welt und das Bild des Alltags.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Polenbild, Imagologie, Stereotype, deutsch-polnische Beziehungen, Identität und Literaturwissenschaft.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Stereotypen in den untersuchten Werken?

Der Autor zeigt auf, dass Stereotype oft tief verwurzelt sind und die Wahrnehmung verzerren können, betont jedoch, dass einige Autoren erfolgreich durch Reflexion und individuelle Charakterisierung eine Distanz zu diesen Vorurteilen aufbauen.

Inwiefern beeinflussen persönliche Erfahrungen der Autoren deren Darstellung Polens?

Persönliche Erfahrungen, etwa durch die Herkunft aus den ehemaligen Ostgebieten oder eigene Reisen, fungieren oft als emotionale Basis, die entweder zu einer verklärten Nostalgie oder durch bewusste Reflexion zu einem differenzierteren und faireren Polenbild führen kann.

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Details

Title
Das Bild Polens und der Polen in der deutschen Literatur am Beispiel ausgewählter Texte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart
College
University of Hagen
Grade
2,3
Author
Magister Artium Andrea Himmelstoß (Author)
Publication Year
2000
Pages
66
Catalog Number
V30102
ISBN (eBook)
9783638314381
ISBN (Book)
9783638703215
Language
German
Tags
Bild Polens Polen Literatur Beispiel Texte Nachkriegszeit Gegenwart
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Andrea Himmelstoß (Author), 2000, Das Bild Polens und der Polen in der deutschen Literatur am Beispiel ausgewählter Texte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30102
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