„If you think you understand the standard, you havent’t read it properly – it’s incomprehensible.“ war die Aussage des ehemaligen IASB-Vorsitzenden Tweedie zum IAS 39. Tweedie wollte damit deutlich machen, dass die Bilanzierung von Finanzinstrumenten unzweifelhaft zu den dynamischsten und kompliziertesten Themenbereichen der internationalen,
aber auch handelsrechtlichen Rechnungslegung zählt. Im wesentlichen ist
die Materie „Finanzinstrumente“ an der Komplexität der Regelungen beteiligt und führt
zu grundlegenden Unterschieden beider Regelwerke. Gerade im Rahmen der internationalen
Rechnungslegung ist in den letzten zwei Jahrzehnten zu beobachten, dass bspw.
der fair value als umfassender Wertmaßstab zunehmend Anwendung findet, auch im
Bezug auf Finanzinstrumente. Im HGB hingegen stehen die fundamentalen Bewertungsgrundsätze
weiterhin an erster Stelle. Allerdings hat sich der Gesetzgeber durch
das BilMoG zu einer Annäherung an die IFRS entschlossen und dabei einige der HGB
Bewertungsprinzipien durchbrochen. Trotz alledem wird oftmals auf die mangelnde
Vereinbarkeit des Gläubigerschutz ausgerichteten HGB mit den an den Investoreninteressen
ausgerichteten IFRS hingewiesen.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht, die wesentlichen Unterschiede der Bilanzierung von
Finanzinstrumenten nach HGB und IFRS aufzuzeigen und diese kritisch zu würdigen.
Dem Leser soll die Möglichkeit geboten werden Stärken und Schwachstellen der Regelwerke
bezüglich der Bilanzierung von Finanzinstrumenten zu erkennen.
Zu Beginn dieser Arbeit werden die Grundlagen zu Finanzinstrumenten erörtert. Dabei
soll der Begriff „Finanzinstrumente“ mit Hinblick auf die verschiedenen Arten definiert werden. Über die zentralen Wertmaßstäbe der Regelwerke soll eine Brücke zur jeweiligen
Bilanzierung von Finanzinstrumenten geschlagen werden. Die Gliederungspunkte
3. und 4. befassen sich intensiv mit dem Ansatz und der Bewertung von Finanzinstrumenten
nach HGB und IFRS. Aus den gewonnen Erkenntnissen der vorherigen Punkte
werden im Gliederungspunkt 5. die wesentlichen Unterschiede einer kritischen Beurteilung
unterzogen. Abschließend werden die Ergebnisse im Punkt 6. zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Gang der Arbeit
2. Grundlagen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten
2.1 Begriff und Arten von Finanzinstrumenten
2.1.1 Begriff Finanzinstrumente
2.1.2 Arten von Finanzinstrumenten
2.2 Wertmaßstäbe der Bilanzierung von Finanzinstrumenten
2.2.1 Wertmaßstäbe nach HGB
2.2.2 Wertmaßstäbe nach IFRS
3. Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach HGB
3.1 Grundlagen zur Bilanzierung nach HGB
3.1.1 Definitionen
3.1.2 Kategorien
3.2 Ansatzkriterien
3.2.1 Ansatz von originären Finanzinstrumenten
3.2.2 Ansatz von derivativen Finanzinstrumenten
3.3 Bewertung von Finanzinstrumenten nach HGB
3.3.1 Zugangsbewertung nach HGB
3.3.1.1 Originäre Finanzinstrumente
3.3.1.2 Derivative Finanzinstrumente
3.3.2 Folgebewertung nach HGB
3.4 Bewertung von Finanzinstrumenten des Handelsbestand
3.5 Darstellung im handelsrechtlichen Abschluss
4. Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS
4.1 Grundlagen zur Bilanzierung nach IFRS
4.1.1 Relevante Standards zu Finanzinstrumenten
4.1.2 Zielsetzung und Anwendungsbereich des IAS 39 und IFRS 9
4.1.3 Definitionen
4.2 Beizulegender Zeitwert im Kontext der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IAS 32/39 und IFRS 13
4.3 Ansatzkriterien nach IAS 39 und IFRS 9
4.3.1 Erstmaliger Ansatz
4.3.2 Klassifikation von Finanzinstrumenten nach IAS 39
4.3.2.1 Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet
4.3.2.2 Bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen
4.3.2.3 Kredite und Forderungen
4.3.2.4 Zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte
4.3.2.5 Sonstige Verbindlichkeiten
4.3.3 Klassifikation von Finanzinstrumenten nach IFRS 9
4.4 Bewertung von Finanzinstrumenten nach IFRS
4.4.1 Bewertung bei erstmaliger Erfassung nach IAS 39 und IFRS 9
4.4.2 Folgebewertung nach IAS 39
4.4.2.1 Finanzielle Vermögenswerte
4.4.2.1.1 Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet
4.4.2.1.2 Bis zur Endfälligkeit zu haltendende Finanzinvestitionen
4.4.2.1.3 Kredite und Forderungen
4.4.2.1.4 Zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte
4.4.2.2 Finanzielle Verbindlichkeiten
4.4.3 Folgebewertung nach IFRS 9
4.4.3.1 Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten
4.4.3.2 Bewertung zum beizulegenden Zeitwert
4.5 Darstellung im IFRS Abschluss
5. Kritische Würdigung wesentlicher Unterschiede der Bilanzierung nach HGB und IFRS
5.1 Zentrale Bewertungsmaßstäbe - fortgeführte Anschaffungskosten versus fair value
5.1.1 Fortgeführte Anschaffungskosten
5.1.2 Fair Value
5.1.3 Fair Value Bewertung von Finanzinstrumenten des Handelsbestands nach HGB
5.2 Ansatz und Bewertung von Finanzderivaten nach HGB und IFRS
5.3 Ansatz und Bewertung von finanziellen Verbindlichkeiten nach HGB und IFRS
6. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die wesentlichen Unterschiede in der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) systematisch aufzuzeigen und kritisch zu würdigen, um Stärken und Schwachstellen der jeweiligen Regelwerke transparent zu machen.
- Grundlagen und Definitionen von Finanzinstrumenten
- Vergleich der zentralen Wertmaßstäbe (Anschaffungskosten vs. Fair Value)
- Ansatzkriterien für originäre und derivative Finanzinstrumente
- Bewertungsmethodik nach HGB unter Berücksichtigung des BilMoG
- Klassifizierung und Bewertung nach IAS 39 sowie IFRS 9
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriff Finanzinstrumente
Für das Verständnis nachfolgender Standards und nationaler Vorschriften sind diverse Begrifflichkeiten zu klären. Nach einer Einführung zum Begriff Finanzinstrumente und dessen Unterkategorien, finanzielle Vermögensgegenstände/werte, finanzielle Verbindlichkeiten sowie Eigenkapitalinstrumente, erfolgt eine Erläuterung zu den Arten von Finanzinstrumenten.
Eine explizite Regelung bzw. Definition zu Finanzinstrumenten ist im HGB bis heute nicht aufzufinden. Begründet wird dies vom Gesetzgeber, durch die Vielfalt und ständigen Weiterentwicklung von Finanzinstrumenten. Allerdings ist nach § 285 HGB ein grober Umriss des Begriffs möglich. Demnach sind Finanzinstrumente alle Vermögensgegenstände und Schulden, die auf vertraglicher Basis monetäre Zahlungen oder den Zugang bzw. Abgang anderer Finanzinstrumente zur Folge haben. Der Gesetzgeber weist durch das BilMoG darauf hin, dass der Begriff aus Vergleichbarkeits- und Gleichwertigkeitsgründen zu IFRS Abschlüssen, in Anlehnung an die IFRS zu interpretieren sei. In den IFRS findet sich eine Definition zu Finanzinstrumenten im IAS 32. Nach IAS 32.11 ist ein Finanzinstrument, „ein Vertrag, der bei der einen Vertragspartei einen finanziellen Vermögenswert und gleichzeitig bei der anderen Vertragspartei eine finanzielle Verbindlichkeit oder ein Eigenkapitalinstrument begründet.“ Maßgebendes
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die komplexe Thematik der Bilanzierung von Finanzinstrumenten ein, erläutert die Problemstellung im Kontext der Rechnungslegung und definiert das Ziel sowie den Gang der Untersuchung.
2. Grundlagen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten: Es werden die begrifflichen Grundlagen sowie die zentralen Wertmaßstäbe für Finanzinstrumente erörtert, um ein Verständnis für die nachfolgenden detaillierten Analysen zu schaffen.
3. Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach HGB: Dieser Teil behandelt die handelsrechtlichen Vorschriften für Ansatz, Bewertung und Darstellung von Finanzinstrumenten, insbesondere unter Berücksichtigung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes.
4. Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS: Dieses Hauptkapitel analysiert die komplexen Regelungen der internationalen Standards IAS 39 und IFRS 9 sowie die Anwendung des Fair Value Prinzips.
5. Kritische Würdigung wesentlicher Unterschiede der Bilanzierung nach HGB und IFRS: Es erfolgt eine wertende Gegenüberstellung der Regelwerke, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen Gläubigerschutz und Investorenorientierung.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Systemvergleichs zusammen und reflektiert über die Auswirkungen der unterschiedlichen Bewertungsansätze.
Schlüsselwörter
Finanzinstrumente, HGB, IFRS, IAS 39, IFRS 9, Fair Value, Anschaffungskosten, Bilanzierung, Bewertung, Derivate, Verbindlichkeiten, Anlagevermögen, Umlaufvermögen, BilMoG, Rechnungslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem systematischen Vergleich der Bilanzierung von Finanzinstrumenten gemäß den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften (HGB) und den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS).
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Definition von Finanzinstrumenten, den verschiedenen Bewertungsansätzen (wie Fair Value vs. Anschaffungskostenprinzip) sowie den unterschiedlichen Klassifizierungskriterien für Finanzanlagen und Verbindlichkeiten in den beiden Regelwerken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die wesentlichen Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei der Bilanzierung von Finanzinstrumenten aufzuzeigen und zu würdigen, um die Stärken und Schwächen der jeweiligen Bilanzierungsphilosophien transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie einen rechtsvergleichenden Ansatz, um die normativen Regelungen des HGB (einschließlich BilMoG) den internationalen Standards IAS 39 und IFRS 9 gegenüberzustellen.
Welche Themen behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der handelsrechtlichen Bilanzierungspraxis, die Untersuchung der komplexen IFRS-Regelungen (inklusive Fair-Value-Hierarchie und Klassifizierungskategorien) sowie eine kritische Würdigung der Unterschiede.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Finanzinstrumente, Bilanzierung, Bewertung, HGB, IFRS, Fair Value, Anschaffungskosten, Derivate und BilMoG.
Wie geht die Arbeit mit dem Begriff des "Fair Value" um?
Der Fair Value wird als marktbezogener Wertmaßstab erläutert, wobei die Arbeit insbesondere auf die Stufenkonzeption nach IFRS 13 sowie dessen Anwendung im HGB (speziell für Handelsbestände von Banken) eingeht.
Welche Bedeutung kommt dem BilMoG in dieser Untersuchung zu?
Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wird als wesentlicher Treiber für eine Annäherung des deutschen Handelsrechts an die internationalen Standards IFRS analysiert, insbesondere hinsichtlich der Einführung beizulegender Zeitwerte.
- Arbeit zitieren
- Armando Agusevski (Autor:in), 2015, Bilanzierung von Finanzinstrumenten. Wesentliche Unterschiede bei Ansatz und Bewertung nach HGB und IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301047