Ludwig XIV. und sein Edikt von Fontainbleau. Hintergründe und Ziele des Ediktes


Seminararbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Einleitung

In der hier vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird das Edikt von Fontainebleau und die Frage, was Ludwig XIV., der das Edikt veranlasste, mit den einzelnen Artikeln des Edikts bewirken wollte. Des Weiteren werden die Gründe von Ludwig XIV. für das Edikt genauer hinterfragt. Es wäre zu einfach zu sagen, dass Ludwig XIV. nur die protestantische Religion verbieten wollte. Für dieses Edikt gab es mehr Gründe als nur die Rettung der Einheit des Volkes. Das Edikt war in seiner Form einzigartig, besonders was die einzelnen Artikel betrifft. Dieses Edikt ist ein Einschnitt in der Geschichte der Hugenotten und ebenso in die Geschichte Frankreichs. Durch dieses Edikt war die protestantische Religion verboten und ihre Anhänger handelten somit gegen das Gesetz und machten sich strafbar. Zunächst wird auf die näheren Umstände dieser Zeit eingegangen, die Vorgeschichte des Edikts. Auch die Gegebenheiten und die Personen, die Ludwig XIV. in seiner Kindheit und Jugend prägten und aus ihm dem König machten, der das Edikt beschloss, werden näher erläutert. Daraufhin folgen die beiden Hauptteile der Seminararbeit, zum einen die bereits erwähnten Gründe für das Edikt von Fontainebleau und dann wird das Edikt selbst weiter in seinen Bestandteilen untersucht. Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit den innen- und außenpolitischen Folgen für Frankreich, die das Edikt von Fontainebleau nach sich zog. Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Gründe weiter zu untersuchen und weiter zu beleuchten. Als Abschluss folgt ein Fazit, in dem die Ergebnisse zusammen gefasst werden.

Die wichtigsten Hilfsmittel sind zum einen das Buch „Die Revokation des Edikt von Nantes und die Protestanten in Südostfrankreich 1685 - 1730“ von Anna Bernard, welches insbesondere die Situation der Hugenotten in Südfrankreich behandelt, „Hugenotten“ von Ulrich Niggemann als Überblickswerk zu den Hugenotten und die Aufsatzsammlung „Der Exodus der Hugenotten“, herausgegeben von Heinz Duchhardt, und hier besonders der Aufsatz von Duchhardt selbst („Die Konfessionspolitik Ludwigs XIV. und die Aufhebung des Edikts von Nantes“) und der Aufsatz „Die juristische, finanzielle und familiären Auswirkungen des Edikts von Fontainebleau in Frankreich“ von René Pillorget. Auch die Lebensbeschreibungen von Klaus Malettke zu den Bourbonen Heinrich IV., Ludwig XIII. und Ludwig XIV. wurden genutzt um etwas über die Entwicklung der Könige zu erfahren.

2. Frankreich um 1685 - Ludwig XIV. als Herrscher

Als Ludwig XIII. (1601 - 1643) 1643 starb, war sein ältester Sohn Ludwig XIV. (1638 - 1715) gerade einmal vier Jahre alt und somit zu jung, um die Regierungsgeschäfte in die Hand zu nehmen. Bis er diese auf sich nehmen konnte, übernahmen seine Mutter Anna von Österreich (1601 - 1666) und sein Pate Kardinal Mazarin (1602 - 1661), zugleich Prinzipialminister (Premier Duc), die Regierung.1 Ihr oberstes Ziel war es, die Herrschaft für den Dauphin 2 in vollem Umfang zu erhalten. Kardinal Mazarin und Anna von Österreich waren dabei nicht gleichgestellt, Kardinal Marazin war abhängig von der Gunst von Anna von Österreich, da er keinen politischen oder sozialen Rückhalt am französischen Hof besaß. Und doch ernannte sie ihn zum Oberintendanten f ü r die Erziehung des K ö nigs, dies sei auch der Wille des ehemaligen Königs gewesen.

Ludwig XIV. verband mit beiden eine innige Beziehung, die zu dieser Zeit unüblich war, da die Erziehung und der Umgang keine Aufgaben der Eltern waren, sondern von Bediensteten. Daher war besonders die Beziehung zu seiner Mutter in keinster Weise konventionell.3 Anna von Österreich und sein Pate Kardinal Mazarin erzogen den jungen König zusammen zu einem fähigen und klugen Staatsmann.4 Ludwig XIV. wurden bereits sehr früh Aufgaben anvertraut und er wurde somit früh und gezielt in der Praxis der Abläufe des politischen Entscheidungsfindens unterrichtet.5

Die ersten Regierungsjahre nach dem Tod Ludwig XIII. waren geprägt von innen- und außenpolitischen Unruhen und Streitigkeiten.6

Die französische Krone war hoch verschuldet, zum einen durch den Eintritt Frankreichs in den Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) und zum anderen an der Kriegserklärung an Spanien, woraufhin der Französisch-Spanischer Krieg im Jahre 1635 ausbrach. Daraufhin wurden die Steuern (Taille) erhöht. Die Bauern litten extrem darunter und so kam es zu mehreren Revolten und Unruhen im Land, die schließlich im Bürgerkrieg der Fronde (1648 - 1653) gipfelten. Innenpolitisch gab es somit Schwierigkeiten, die Mazarin und Anna von Österreich nach und nach lösen konnten, indem sie die Macht der Krone auf Kosten des Adels verstärkten. Trotzdem konnten Anna von Österreich und Kardinal Mazarin viele außenpolitische Erfolge erreichen, unter anderem beim Westfälischen Frieden (1648) Einflussmöglichkeiten und Territorialgewinne7 und zum anderen Frieden mit Spanien (1659, Pyren ä enfrieden)8 sowie erreichten sie im Zuge des Rheinbunds 1658, dass Schweden, deutsche und niederländische Gebiete unter französischen Einfluss gerieten. Ludwig XIV. erlebte somit wie die Regierung und die Krone von allen Seiten bedrängt wurde und daraus stärker hervortrat.9 Zunächst regierten Anna von Österreich und Kardinal Mazarin weiterhin zusammen, doch am 09.03.1661 starb Mazarin in Vincennes.

Am nächsten Tag verkündete Ludwig XIV., dass er von nun an alleine regieren würde.

„Meine Herr [Kanzler Pierre Séguier], ich habe Sie mit meinen Ministern und Staatssekretären hier versammelt, um Ihnen zu sagen, dass ich es bisher zufrieden war, meine Angelegenheiten durch den ewigen Kardinal leiten zu lassen; es ist nunmehr an der Zeit, dass ich sie selbst in die Hand nehme. Sie werden mir mit Ihren Ratschlägen zur Seite stehen, wenn ich sie dazu auffordere […]. Ich bitte Sie und befehle Ihnen, Herr Kanzler, nichts zu siegeln, ohne meine ausdrückliche Anordnung und ohne mit mir zuvor gesprochen zu haben, es sei denn, ein Staatssekretär überbringt Ihnen in meinem Auftrag die Schriftstücke.“10

Zum Schluss fügte der König hinzu:

„Die Szene ändert sich; ich werde in der Regierung meines Staates, in der Handhabung meiner Finanzen und in den auswärtigen Angelegenheiten anderen Grundsätzen folgen als der hingeschiedene Kardinal. Sie wissen jetzt, was ich will; es liegt nun bei Ihnen, meine Herren, meine Anordnungen auszuführen.“11

Nach und nach übernahm er immer mehr Aufgaben und wurde der König, den Kardinal Mazarin und Anna von Österreich aus ihm mit ihrer Erziehung gemacht haben.12 Vier Jahre später wurde er feierlich gekrönt und gesalbt. Damit knüpfte er an alten Vorstellungen an, dass der König der Heilbringer des Volkes ist und mit diesem sakralen Akt demonstrierte er zugleich die Verbindung zwischen Gott, dem Volk und dem Adel. Er wiederholte ihn mehrfach während seiner Herrschaftszeit. Hier zeigt sich seine starke Überzeugung, dass der König die religiöse Autorität im Königreich ist. Diese wurde von verschiedenen Aspekten in Leben des jungen Königs geprägt. Zum einen war Anna von Österreich sehr fromm, was sich natürlich durch die enge Bildung auf ihren Sohn auswirkte, und zum anderen war sein Pate Kardinal und dieser wirkte sehr auf den jungen König und seine Erziehung ein. Doch er hatte auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie bereits erwähnt, war Frankreich innen- und außenpolitisch angeschlagen. Die Aufgaben der Regierung betrugen sich auf die Finanzen des Königreichs, die langen Kriegen in den Vorjahren und die Bevölkerung war dadurch stark belastet und geteilt.13 Um zumindest die Finanznot abzuwenden, ernannte Ludwig XIV. Jean-Baptiste Colbert (1619 -1683) zum Finanzminister.14 Dieser strebte im Namen des Königs eine Umwälzung der Wirtschaft an, wodurch die Wirtschaft sich zumindest zum Teil wieder erholte. Dadurch, dass die Finanzen und die Wirtschaft sich wieder auf dem Weg der Besserung befanden, konnte Ludwig XIV. sich nun um sein in katholische und protestantische Lager geteilte Volk kümmern. Nach und nach wurden einige Bestimmungen des Edikts von Nantes15 aufgelöst. Ab 1664 wurden gemischte Ehen, also zwischen katholischen und protestantischen Menschen, aufgelöst und man untersagte den Hugenotten, die meisten Berufe, zum Beispiel „juristische und publizistische Tätigkeiten“16, ausübten. 1679 kamen weitere Berufe zu den bereits verbotenen Berufen hinzu und der Staat ging verstärkt gegen die Hugenotten vor. Ab Jahr 1681 wurden Dragoner17 in protestantische Haushalte einquartiert. Dieser Vorgang wurde Dragonaden genannt, diese Strafmaßnahmen wurden eingesetzt, um die Hugenotten weiter unter Druck zu setzen, so dass diese zur 'wahren' Religion wechseln. Die Hugenotten mussten die Dragoner mit Essen und Schlafmöglichkeiten versorgen, nicht selten kam es zu Erpressungen, Gewalt und Vergewaltigungen der Frauen des Hauses. Die eigentliche Aufgabe der Dragoner war es, die Bewohner zu überwachen, so dass diese gezwungen waren, wieder zur katholischen Konfession zu wechseln. Zum einen verhinderten sie so das Psalmsingen und das Lesen und Studieren der Bibel.

[...]


1 Vgl. Malettke, Klaus: Von Heinrich IV. bis zu Ludwig XIV. : 1589 - 1715. Band 1. Stuttgart 2008, S. 133.

2 Der Dauphin ist der Titel, den die Thronerben der französischen Krone tragen. Vgl. Der Brockhaus von A - Z in drei Bänden, Band 1. Mannheim 2000. S. 298.

3 Vgl. Malettke (2008), S. 137f.

4 Vgl. Ebd., S. 139.

5 Ebd.

6 Vgl. Ebd., S. 140f.

7 Vgl. Malettke (2008), S. 156.

8 Vgl. Ebd., S. 158ff.

9 Vgl. Ebd., S. 150f.

10 Zit. nach: Malettke (2008), Seite 170.

11 Zit. nach: Ebd., Seite 171.

12 Vgl. Ebd, S. 171.

13 Vgl. Malettke (2008), S. 190f.

14 Vgl. Ebd., S. 182.

15 Das Edikt von Nantes wurde auch Toleranzedikt genannt. Heinrich IV. setzte es ein und legalisierte so den Protestantismus in Frankreich. Dennoch blieb der Katholizismus die Staatsreligion Frankreichs.

16 Niggemann, Ulrich: Hugenotten. Böhlau 2011, Seite 26f.

17 Dragoner sind berittene Soldaten.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ludwig XIV. und sein Edikt von Fontainbleau. Hintergründe und Ziele des Ediktes
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V301070
ISBN (eBook)
9783656977704
ISBN (Buch)
9783656977711
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ludwig, edikt, fontainbleau, hintergründe, ziele, ediktes
Arbeit zitieren
Lily Cat (Autor), 2012, Ludwig XIV. und sein Edikt von Fontainbleau. Hintergründe und Ziele des Ediktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301070

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