"Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" und "Der unglaubliche Hulk". Ein Vergleich des Doppelgänger-Motivs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Motiv in der Literatur

3. Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von R. L. Stevenson
3.1 Robert Louis Stevenson
3.2 Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

4. Der unglaubliche Hulk von Stan Lee
4.1 Stan Lee
4.2 Die Entstehungsgeschichte des Hulks

5. Das Doppelgänger-Motiv im Vergleich
5.1 Das Motiv des Doppelgängers
5.2 Die Umsetzung des Motivs im Vergleich

6. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll versucht werden, das Motiv des Doppelgängers in zwei Werken zu vergleichen. Die beiden Werke sind bezüglich der Gattung sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite haben wir einen Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, die Schauernovelle von Robert Louis Stevenson Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde und auf der anderen anderen eine Comic-Reihe des Marvel-Verlags, der unglaubliche Hulk von Stan Lee aus dem Jahre 1962. Da sich die Werke nicht nur inhaltlich, sondern auch in ihrer Darstellungsform enorm unterscheiden, stellt sich die Frage, in wie weit man das Doppelgänger-Motiv hier überhaupt vergleichen kann.

Zunächst wird das Motiv in der Literatur definiert und anschließend ein kurzer Einblick in das Leben von Robert Louis Stevenson und seine hier behandelte Novelle gegeben. Als nächstes wird der Comic Autor Stan Lee und seine Geschichte des Hulks behandelt. Daraufhin soll das Motiv des Doppelgängers genauer betrachtet werden, es werden weitere Beispiele der Motivverarbeitung in der Weltliteratur genannt und, daran anknüpfend, wird dieses Motiv in den zuvor genannten Werken verglichen.

2. Das Motiv in der Literatur

Das Wort Motiv hat in der heutigen Sprache mehrere Bedeutungen. Wir sprechen vom Motiv eines Täters, wenn wir nach seinem Beweggrund fragen oder auch vom gewählten Motiv in einem Gemälde oder einer Photographie. Der Begriff stammt vom lateinischen „movere“ und bedeutet bewegen1. In der Literaturwissenschaft ist der Begriff Motiv definiert als „eine sich wiederholende, typische und darum menschlich bedeutungsvolle Situation“2. Es ist also ein inhaltlicher Baustein eines Werkes, welcher in der Regel mehrfach auftaucht und auch in anderen Werken schon bearbeitet wurde. Wichtig ist, dass man das Motiv von Thema und Stoff eines Textes abgrenzt.

Das Thema, oder auch literarisches Sujet genannt, kann sozusagen als Überbegriff für den Inhalt des Textes gesehen werden. Begriffe wie ‚Liebe‘, ‘Herrschaft‘, ‘Tod‘, ‚Verbrechen‘ sind typische Themen in der Literatur3. Stoffe sind definiert als:

„[…]überlieferte komplexe Handlungsgefüge, also Zusammenstellungen bestimmter Geschehnisabfolgen, die schon mehrfach zum Gegenstand künstlerischer Darstellung geworden sind und die deshalb eine gewisse Eigengesetzlichkeit entwickelt haben.“4

Ein Beispiel hierfür wäre das Schicksal von Tristan und Isolde, welches von Chrétien de Troyes, Gottfried von Straßburg, Richard Wagner u.a. beschrieben worden ist. Oder auch der Faust-Stoff, welcher von Christopher Marlowe, Maximilian Klinger, Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann u.a. behandelt wurde. Bei Beschreibungen desselben Stoffes ist es natürlich, dass es Verbindungen zu den Vorgängertexten gibt, da für die Bearbeitung allein schon gute Stoffkenntnisse und Stoffbewusstsein vorhanden sein müssen.5

Das Motiv ist schwer vom Stoff zu unterscheiden, da Motive auch spezielle typische Handlungselemente sind, welche schon oft und in unterschiedlichen Texten gestaltet wurden. Während der Stoff allerdings den gesamten Text inhaltlich beschreibt, bezieht sich das Motiv auf „kürzere Handlungsausschnitte oder -momente, die typischerweise bei der Behandlung eines bestimmten Themas vorkommen und vom Autor sprachlich auszuformen sind.“6 So ist es schwierig, einen Text mit dem Thema Liebe zu verfassen, ohne bestimmte Situationen zu beschreiben, welche standardmäßig in vielen Liebesgeschichten auftreten. Motive wären dabei beispielsweise das erste Treffen, Verheimlichen vor den Eltern oder mögliche Konkurrenten.7

Für den Vergleich eines Motives ist es wichtig, nach Vorbildern in der Literaturgeschichte zu forschen und auch die geschichtlichen Hintergründe des jeweiligen Autors aus seiner Zeit zu berücksichtigen.8

Um nun die Motive in den Werken von Robert Louis Stevenson und Stan Lee zu vergleichen, wird in den folgenden zwei Kapiteln ein kurzer Einblick in das Leben der Autoren und in ihre Geschichten gegeben.

3. Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von R. L. Stevenson

Eine der berühmtesten Ausformungen des Doppelgänger-Motivs ist R. L. Stevenson mit Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde gelungen, eine Mischung aus Kriminalroman und Schauernovelle. Stevenson setzte den Perspektivenwechsel innerhalb des Werkes geschickt ein, um den Leser zu fesseln.

3.1 Robert Louis Stevenson

Robert Louis Stevenson wurde am 13.11.1850 in Balfour geboren. Sein Vater war, wie sein Großvater und einige seiner Onkel, Leuchtturmbaumeister. Da R. L. Stevenson jedoch an Tuberkulose litt, war schnell klar, dass er diesen Beruf nicht ergreifen wird. Er studierte daher Jura, wobei er nie als Rechtsanwalt arbeitete, sondern fortan als freier Schriftsteller tätig war. Er liebte es zu reisen, ein Grund dafür war, dass er das passende Klima für sein Lungenleiden suchte. Ab 1888 lebte er auf Samoa, wo er bei den Eingeborenen hohes Ansehen hatte. Er starb am 03.12.1894 in Apia, Westsamoa.9

Bekannt wurde der schottische Schriftsteller durch seinen Abenteuerroman und Jugendbuchklassiker Die Schatzinsel, auch die Schauernovelle10 Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mister Hyde wurde zum großen Erfolg.11

3.2 Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Zum Inhalt der Novelle: Der Notar Gabriel Utterson ist einer Geschichte auf der Spur, welche ihm zwar Grauen bereitet, jedoch ebenso sein Interesse weckt. Ein kleinwüchsiger, entstellter Mann ist in der Stadt aufgetaucht, welcher enorm aggressives und unmenschliches Verhalten an den Tag legt und auch gewaltsam gegen seine Mitmenschen vorgeht. Sein Name ist Mister Hyde. Diese schreckliche Person scheint allerdings in Verbindung mit dem hoch angesehenen Dr. Henry Jekyll zu stehen. Durch hinterlassene Aufzeichnungen bestätigt sich ein schauriger Verdacht: Mr. Hyde und Dr. Jekyll scheinen ein und dieselbe Person zu sein. Der Mediziner Dr. Hastie Lanyon erklärt diese Vorkommnisse mit einer komplexen Identitätsstörung Jekylls, da er zeitlebens seine düsteren und bösen Eigenschaften unterdrückte. Jekyll war es gelungen ein Elixier in seinem Labor herzustellen, mit dessen Hilfe er das Gute und das Böse in sich selbst trennen konnte. So kam es zur Verwandlung in den entstellten Mr. Hyde, welcher kaum menschliche Züge besitzt und allgemein sehr entstellt wirkt. Als Mr. Edward Hyde konnte Dr. Jekyll seine negativen Gefühle und aggressiven Neigungen ausleben, welche er als Dr. Jekyll stets unterdrückte. Dieses Selbstexperiment geriet jedoch außer Kontrolle, da die Person des Mr. Hydes immer mächtiger wurde, sich immer öfter zeigte und sich nicht mehr kontrollieren lies. Als Jekyll sich dessen bewusst wurde, nahm er sich das Leben.

4. Der unglaubliche Hulk von Stan Lee

Die Geschichte des unglaublichen Hulks stammt von dem sehr bekannten Stan Lee. Das folgende Kapitel soll Aufschluss über den Erfinder und die Entstehungsgeschichte des unglaublichen Hulks geben.

4.1 Stan Lee

Stan Lee gilt als der wohl bekannteste und einflussreichste Comicbuchautor und -redakteur in der Geschichte des Comics. Er wurde am 28. Dezember 1922 in New York geboren, sein eigentlicher Name ist Stanley Martin Lieber. Bereits mit 17 Jahren begann er mit seiner Arbeit bei Timely Comics, welches später zu Marvel Comics umbenannt wurde. Geschäftsführer Martin Goodman, ein Verwandter Lees, verschaffte ihm den Job. Da sein Talent früh erkannt wurde, durfte er bereits 1941 in der dritten Ausgabe von Captain America als Autor mitarbeiten und wurde durch seinen Erfolg schnell zum Chefautor bei Timely. Sein Durchbruch als Autor gelang ihm 1961 mit den Fantastic Four in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Jack Kirby.12 Lee erschuf eine Vielzahl von Superhelden, beispielsweise den unglaublichen Hulk, Iron Man, Daredevil, die X-Men und Spiderman. Durch diese Vielzahl an Superhelden entwickelte Lee den „Marvel way of storytelling“: Anstatt kompletten Geschichten lieferte er den Zeichnern nur eine ausführliche Zusammenfassung, nach welcher die Seiten dann gestaltet wurden. Lee fügte anschließend die Texte und Dialoge in die fertigen Zeichnungen ein. Auf diese Weise wurden die Zeichner zu Co-Autoren. Jack Kirby und Steve Ditko, die erfolgreichsten Zeichner des Marvelverlags, gaben dem Hulk seine klotzhafte und übermenschliche Erscheinung. Im Unterschied zu den anderen Superhelden dieser Zeit hatten Marvels Superhelden sehr menschliche Züge und neben ihren Superkräften auch mit alltäglichen, menschlichen Problemen zu kämpfen. Damit erreichte der Marvelverlag die breite Masse und machte ihn zu dem wohl erfolgreichsten Comicbuchverlag. Seit 1978 ist Lee hauptsächlich für die Vermarktung der Marvel-Superhelden verantwortlich.13

4.2 Die Entstehungsgeschichte des Hulks

Die Geschichte des unglaublichen Hulks zählt zu den wohl kompliziertesten Erzählungen des Marvel Universums. Die erste Ausgabe erschien im Mai 1962. Da das Comic über Jahrzehnte hinweg erschien und mehrere Autoren und Zeichner an den Comics beteiligt waren, wurde sie immer komplexer und retrospektiv detaillierter. Hier soll nun lediglich die ursprüngliche Entstehungsgeschichte beschrieben werden, ohne allzu sehr auf spätere Erweiterungen einzugehen.

Der introvertierte Nuklearphysiker Dr. Robert Bruce Banner forscht im Auftrag der amerikanischen Regierung zusammen mit General Thaddeus „Thunderbold“ Ross an einer Gamma-Strahlen-Bombe. Bei einer Test-Explosion wird Bruce Banner einer enormen Menge Gamma-Strahlung ausgesetzt, als er versucht einen Jugendlichen aus dem Testgebiet zu vertreiben. Anfangs scheint der im Koma liegende Dr. Banner ohne sichtbare Verletzungen aus dem Unfall davongekommen zu sein, doch in der Nacht geschieht es, dass Banner sich in den Hulk verwandelt. Der Hulk ist ein übergroßes, graues Monster, welches wütend, enorm aggressiv, unverwundbar und stark ist. Die Hautfarbe des Hulks änderte sich aus Gründen des Druckverfahrens bereits in der zweiten Ausgabe zu grün. Beide Farben wurden gewählt, um dem Hulk keine ethnische Zuordnung zu geben. In den ersten Comics verwandelt sich Dr. Banner bei Einbruch der Dämmerung unter Freisetzung von Gammastrahlen. Dies wurde in späteren Ausgaben insofern verändert, dass die Verwandlung immer dann auftritt, wenn Dr. Banner wütend wird und die Rückverwandlung findet erst dann statt, wenn die Wut abflacht.14

5. Das Doppelgänger-Motiv im Vergleich

In der Weltliteratur gibt es unzählige Motive. Für die hier behandelten Werke bietet es sich an, das Motiv des Doppelgängers genauer zu betrachten. Es sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich des Motivs, in der Umsetzung in den beiden Werken, herausgearbeitet werden.

5.1 Das Motiv des Doppelgängers

Ein Doppelgänger ist genau genommen durch die physische Ähnlichkeit zweier Personen definiert. Doch in der Literatur kann der Doppelgänger nicht nur eine reale Person, sondern auch ein personaler Doppelgänger sein. Der personale Doppelgänger entstand aus dem frühen Volksglauben, der Mensch hätte zwei Seelen: eine gute und eine böse. In der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik15 wurden alle möglichen Vorstellungen einer zweiten Existenz innerhalb des eigentlichen Menschen durchdacht und im Hinblick auf erwiesene oder drohende Persönlichkeitsspaltung an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen überprüft. So wurde zum Beispiel mit Hilfe von Hypnosen und Trancezuständen das Verhalten der Menschen untersucht. Dies schien die Spaltbarkeit der Persönlichkeit zu beweisen, da das Verhalten im Trancezustand oftmals gegenteilig zum normalen Verhalten war.16

[...]


1 Vgl.: Kayser, Wolfgang: Das Sprachliche Kunstwerk, eine Einführung in die Literaturwissenschaft. 20. Auflage. Tübingen; Basel: Francke-Verlag 1992. S. 60.

2 Ebd.

3 Vgl.: Schneider, Jost: Einführung in die moderne Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Bielefeld: Aisthesis-Verlag 2008. S.46.

4 Ebd., S.48.

5 Vgl.: Ebd.

6 Ebd., S.49.

7 Ebd.

8 Vgl.: Schneider, S.50.

9 Vgl.: Reinbold, Michael: Robert Louis Stevenson. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1995. S.144-146.

10 Vom englischen Begriff “Gothic Novel”.

11 Vgl.: Reinbold, S.92.

12 Vgl.: McLaughlin, Jeff: Stan Lee. In: Encyclopedia of Comic Books and Gaphic Novels. Hg. v. M. Keith Booker. Kalifornien: Greenwood 2010. S.362-364.

13 Vgl.: Knigge, Andreas C.: 50 Klassiker Comics. Von Lyonel Feininger bis Art Spiegelmann. Hildesheim: Gerstenberg 2004. S. 117.

14 Vgl.: Lenig, Stuart: the Incredible Hulk. In: Encyclopedia of Comic Books and Gaphic Novels. Hg. v. M. Keith Booker. Kalifornien: Greenwood 2010. S.310-314.

15 Romantik: ca. 1795–1848

16 Vgl.: Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 6. Überarbeitete Auflage. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 2008. S. 98.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" und "Der unglaubliche Hulk". Ein Vergleich des Doppelgänger-Motivs
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Kinder- und Jugendliteratur in den Medien
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V301127
ISBN (eBook)
9783656973904
ISBN (Buch)
9783656973911
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stan Lee, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Motivvergleich, Doppelgänger, Hulk, der unglaubliche Hulk, Robert Louis Stevenson, R. L. Stevenson, Marvel
Arbeit zitieren
Lea Behrens (Autor), 2013, "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" und "Der unglaubliche Hulk". Ein Vergleich des Doppelgänger-Motivs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301127

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